Herausforderungen Führungskräfte 2018: Gleichgesinnte finden

Der Leistungsträger - Blog

„Ich suche Gleichgesinnte, mit denen ich mich offen austauschen kann“

Ganz vielen lieben Dank an alle, die an meiner Umfrage: Herausforderungen für Führungskräfte 2018 teilgenommen haben. Ich habe mich besonders darüber gefreut, dass ca. 70 % der Teilnehmer Geschäftsführer und andere Top-Manager waren. So spiegeln die Ergebnisse insbesondere die Herausforderungen von Ihnen – liebe Unternehmenslenker, die’s anpacken – wider.

Herausforderungen von Führungskräften 2018: die Top 3

  1. 63,3 % „Ich suche Gleichgesinnte mit denen ich mich offen austauschen kann“
  2. 50 % „Ich will etwas bewegen ohne mich zu verbiegen – aber ich kann mich schwer gegen die „Blender“ durchsetzen“
  3. 50 % „Wie führe ich entsprechend meinen Vorstellungen? Wie bringe ich moderne Führung ins Unternehmen, so dass die Mitarbeiter aufspringen.“

Ziemlich deutlich wurde, dass sich viele an der Unternehmensspitze recht einsam fühlen, ohne echte Reflexionsmöglichkeit, ohne echten SparringsPartner und der Wunsch, ja fast die Sehnsucht danach Gleichgesinnte zu finden ist sehr groß. Sie wünschen sich einen echten Austausch mit echten Gleichgesinnten.

Bei den  beiden anderen Top-Herausforderungen war ich sehr überrascht, wie eindeutig diese Ergebnisse waren:

„Ich will etwas bewegen ohne mich zu verbiegen!“ Inhalte und Ergebnisse statt Form und Politik

Viele Leistungsträger an der Unternehmensspitze stehen offen dazu, dass sie etwas bewegen wollen und sich dabei selbst treu bleiben wollen. Das ist verdammt schwierig, weil es immer noch viele Kollegen an der Unternehmensspitze gibt, die schlechter sind, aber ihre Erfolge durch eine bessere Selbstdarstellung erreichen. Wie können Sie sich da behaupten und durchsetzen? Fast alle Teilnehmer, die diese Herausforderung angekreuzt haben, formulierten auch: “Ich mag Inhalte und Ergebnisse, die Politik an der Unternehmensspitze bringt mich um.”

Wir befinden uns tatsächlich mitten im Wandel von der alten „eher macht- und politikorientierten“ Unternehmensspitze hin zu einer neuen Form der Unternehmensführung: über Inhalte, souveräne und menschenorientiert Führung, fernab von Alphatierverhalten, Fassadengehabe, übertriebener Selbstdarstellung und politischen „Spielchen“.
Doch wir müssen uns eingestehen: wir sind in diesem Transformationsprozess und wer heute an der Unternehmensspitze erfolgreich sein möchte, tut gut daran, mit beiden Welten umgehen zu können, um den Wandel zur werteorientierten Unternehmensführung zu gestalten. Das das möglich ist, und wie das konkret gelingen kann zeigen viele Praxisbeispiele meiner Klienten.

„Wie bringe ich moderne Führung ins Unternehmen, so dass die Mitarbeiter aufspringen.“

Weitere 50 % der Geschäftsführer und Top Manager sehen eine große Herausforderung darin, wie sie die Veränderungen gestalten können. Wie können sie ihre Mitarbeiter motivieren? Wie können sie ihre aufgabenorientierten Mitarbeiter zu verantwortungsvollen und eigenständigen Mitarbeitern entwickeln? Wie ist es möglich, dass die Mitarbeiter mehr Verantwortung für ihre Aufgaben übernehmen?

Ein Teilnehmer bringt es auf den Punkt: „Die Digitalisierung erfordert extreme Veränderungen. Und das ganze Team muss mitmachen. Das ist ein permanenter Prozess, der viel Kraft erfordert.“

Moderne Führung: eine Frage der Haltung

Während bei den Umfragen in den letzten Jahren bei vielen Unternehmen moderne Führung noch kein Thema zu sein schien, ist es diesmal anders: knapp 55 % formulieren, dass moderne Führung ein Thema in ihrem Unternehmen ist. Aus den Antworten wird deutlich, was sich die meisten darunter vorstellen: 87 % verstehen unter moderner Führung, dass die Führungskraft als Moderator und Sinnstifter handelt, ca. 71 % verstehen darunter die maximale Selbstverantwortung der Mitarbeiter. Die anderen Möglichkeiten wie „Netzwerkstrukturen“, „Agilität“ und „flache Hierarchien“ können, aber müssen nicht Bestandteil der modernen Führung sein. Also ist moderne Führung in erster Linie eine Frage der Haltung und nicht der Unternehmensstruktur?

In den Kommentaren wird es noch deutlicher:

Alles dreht sich darum die Eigenverantwortung der Mitarbeiter zu fördern. Konkret: wie gelingt es, dass die Mitarbeiter Eigenverantwortung übernehmen? Wie erreiche ich sich selbst führende Mitarbeiter zu entwickeln? Wie gehe ich vor (unternehmerisches) Handeln zu fördern und zu stärken?

Wie wird die Rolle der Führungskraft beschrieben?

Die Führungskraft wirkt als Vorbild, um gemeinsam zum Ziel zu kommen.

  • Die Führungskraft ist Enabler der Mitarbeiter, sorgt für einen passenden Rahmen in der täglichen Arbeit und ist Experte auf seinem Gebiet… Die Mitarbeiter können autark und eigenverantwortlich arbeiten.
  • Nicht Teamarbeit, sondern Kollaboration fördern und leben. Digitalisierung fördern und weiter voranbringen in allen Unternehmensbereichen und bei den Mitarbeiter*innen.

Zukünftige Herausforderungen für 2019: Digitalisierung und deren Auswirkungen

Knapp 60 % aller Befragten geben an, dass sich in 2019 deutliche Veränderungen ergeben werden.

In den Kommentaren wird deutlich, dass diese Veränderungen insbesondere durch den Druck, der durch die Digitalisierung bzw. die digitale Transformation entstanden ist, weiter zunehmen werden. Und damit geht einher, dass es eine bedeutende Herausforderung sein wird, die Mitarbeiter mitzunehmen, die sich in die “neue Welt” schwer einfinden können.

Wünsche für den Führungsalltag 2019

Bei den Wünschen hatte jeder Teilnehmer insgesamt 3 Freitextfelder, um ganz nach eigenen Vorstellungen seine Wünsche für 2019 zu formulieren. Auch hier vielen Dank für das Engagement an alle Teilnehmer. Nahezu jeder hat alle drei Wunschfelder ausgefüllt.

  • Beim 1. Wunsch ging es überwiegend um das Team und die Mitarbeiter.
    Offenheit für moderne Führung und der große Wunsch die Eigenverantwortung der Mitarbeiter zu fördern, standen hier in allen möglichen Formulierungsvarianten im Vordergrund.
  • Beim 2. Wunsch ging es überwiegend um Rahmenbedingungen, die dazu führen, dass die Mitarbeiter ihr Potential entfalten können.
  • Beim 3. Wunsch tauchten ausschließlich persönliche Wünsche auf.

Sehr weit vorne lag der Wunsch nach mehr Gelassenheit, dicht gefolgt von mehr Zeit und auch mehr Offenheit und emotionale Gemeinsamkeiten.

Ein Teilnehmer fasst auch hier alle wesentliche Punkte in seinem Kommentar zusammen:

„Zeit zu finden, um die Multiplikatoren (mittleres Management und andere Leistungsträger) derart zu entwickeln, dass diese eine „optimale Führung“ leisten: Mitarbeiter begeistern, Potenziale entfalten, Zeit für strategische Überlegungen zu finden, Zeit für mich zu blocken/nehmen.“

Fazit Wünsche: insgesamt steht der Wunsch, durch mehr Menschlichkeit die dringend notwendig gewordenen Veränderungen im Unternehmen voranzubringen, ganz deutlich im Zentrum. Die Mitarbeiter sollen in ihrer Eigenverantwortung gefördert werden, allerdings durch Offenheit, statt durch Druck.

Lösungen für die Herausforderungen 2019

80 % der Teilnehmenden sahen die Lösung darin, sich selbst weiterzuentwickeln. 63 % wollen innerhalb des Unternehmens gemeinsam mit Gleichgesinnten etwas verändern. Die anderen Lösungsideen, wie Branche wechseln, Arbeitgeber wechseln oder selbständig machen, wurden nur von einer Minderheit als Lösung angestrebt.

Dazu passt die Formulierung eines Teilnehmers:Das Mindset auf Entscheidungsebene muss sich noch erheblich (ver-)ändern. Sicht- und Arbeitsweisen müssen einen stärkeren visionären, zukunftsbasierten Fokus aufweisen. Gekoppelt und ausgehend von einem zentralisierten und humanistischerem Mittelpunkt.“

Welche Unterstützung wünschen Sie sich?

Passend zu den vorgenannten Aussagen der Teilnehmer wünschen sich 52,17 % eine Unterstützung durch Gruppencoaching, in dem ein Austausch mit Gleichgesinnten erfolgen kann. Live und in Farbe. Hier ist der Wunsch nach online/oder virtuellem Austausch mit nur 13 % aktuell wenig relevant.

Für diejenigen von Ihnen, die sich schnell einen Eindruck verschaffen wollen, wie das konkret aussehen könnte, finden Sie hier einen Überblick.

39,13 % wünschen sich ein Einzelcoaching mit einem Wechsel zwischen Präsenz-Treffen und Online-Treffen, am liebsten über einen Zeitraum von 6 – 12 Monaten. 35 % wünschen sich ein Einzelcoaching ausschließlich live und in Farbe. Sie kommen mit ihren Fragen und haben einen Experten nur für sich. Die Unterstützung durch ein Hot-Spot-Coaching hat gute Resonanz, 30 % der Teilnehmer wünschen sich zu einer konkreten Frage einen Termin, in dem eine konkrete Lösung gefunden wird. Diese Lösung soll zu ihnen, zur aktuellen Situation und zum Unternehmen passen. Interessiert Sie, wie das konkret aussehen kann, dann melden Sie sich gerne.

Welche Anforderungen stellen Sie an einen Führungskräfte-Coach bzw. SparringsPartner für die Unternehmensspitze?

Profis mit gelebter Erfahrung sind gefragt.

Auch hier sind die Antworten eindeutig:

  • 74 % wünschen sich, dass ihr Coach die Zukunftsthemen beherrscht (agile Führung, New Work, virtuelle Führung, moderne Führung, etc)
  • 66,7 % erwarten, dass er/sie methodisch up to date ist
  • 63 % erwarten von ihrem Unterstützer, dass er/sie Führungserfahrung in der Wirtschaft mitbringt.
  • Und immerhin 37 % erwarten mehrere Jahre Berufserfahrung als Coach.

Ein Teilnehmer fasst es zentral zusammen: „[er muss] die anstehenden Themen schon mal selbst bewältigt haben.“

Ja, sie wünschen sich kein angelesenes Wissen, sondern echte und gelebte Erfahrung, aus der dann gelernt wurde. Sie sind sich einig: gelebte Erfahrung und wissen wovon man spricht erzeugt bei ihnen viel mehr Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Sie haben die Nase voll von Besserwissern und Blendern. Und das ist gut so.

Fazit:

Digitalisierung – Veränderungen ermöglichen, in dem sie die Eigenverantwortung der Mitarbeiter fördern – mehr Mensch in die Unternehmensführung bringen – überzeugt führen! Über Inhalte und Ergebnisse statt über Form und Fassade.

Die Ergebnisse der diesjährigen Umfrage unterscheiden sich in einigen Punkte deutlich von den Ergebnissen aus den anderen Jahren. Hier finden Sie die Umfrageergebnisse 2017 und 2016.

Insgesamt ist zu beobachten, dass der Austausch unter echten Gleichgesinnten ein großer Wunsch, ja sogar eine Notwendigkeit, geworden ist. Die Herausforderung, den notwendigen Wandel im Unternehmen voranzubringen ist dringender denn je. Die Leitfrage lautet hier: Wie entwickle ich meine Mitarbeiter zu mehr Eigenverantwortung?

Auch die Notwendigkeit, mehr Inhalte und Ergebnisse in die Unternehmensführung zu bringen, und sich konsequenter gegenüber schlechteren Kollegen zu behaupten, die eher über Fassade und Form ihre Ziele durchboxen, ist eine große Herausforderung.

Meine Frage: ist das neu, oder besser formuliert: treffen wir heute auf Herausforderungen, die es früher nicht gab? Was ist anders? Meine Antwort darauf: Ich glaube, dass diese Herausforderungen grundsätzlich nicht neu sind, aber…

Keine einfachen Lösungen mehr möglich.

Aber: seit die Unternehmenswelt immer schwerer kalkulierbar wird, die Zusammenhänge immer komplexer werden, wir von einer VUCA-Welt sprechen und sich letztlich durch die Digitalisierung wirklich alles ändert, wird spätestens jetzt jedem deutlich, dass es keine einfachen „Standardantworten“ mehr gibt.  Es wird deutlich, dass niemand mehr als „Alleinherrscher“ ein Unternehmen führen kann. Spätestens jetzt besteht die Notwendigkeit, die Veränderungen mit einer „anderen“ Vorgehensweise nach vorne zu bringen und notwendige Krisen zu meistern.

Ich kann es einfach nicht mehr allein, ich brauche mitdenkende und eigenverantwortliche Mitarbeiter. Selbst wenn ich das eigentlich ablehne, ich eigentlich alles lieber selbst machen möchte. Es geht nicht mehr anders.

Und:

Mehr und mehr wird sich zeigen, dass ich an der Unternehmensspitze spätestens jetzt beginnen darf, mich von politischen Spielchen und Alphatierverhalten zu lösen. Mindestens, wenn ich das Unternehmen noch mehrere Jahre bzw. Jahrzehnte auf Erfolgskurs halten möchte.

Gute Nachrichten, für die „GUTEN“ an der Unternehmensspitze.

Ihre Zeit ist gekommen und ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf Ihrem Weg. Ich kann es absolut verstehen, dass Sie sich manchmal in stillen Momenten voller Selbstzweifel fragen: „Kann ich an der Unternehmensspitze überhaupt erfolgreich sein und als Mensch professionell die Mitarbeiter dazu motivieren, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen?“ Ich kann Ihnen dazu aus eigener Erfahrung sagen: Ja, es geht und es lohnt sich!

Die Digitalisierung ist Schuld?!

Es braucht übrigens keine Digitalisierung um diese andere Art der Unternehmensführung zu praktizieren. Bereits 1958 haben Bill Gore und Vieve Gore das Unternehmen W.L. Gore & Associates (Kurzfassung GORE) gegründet. Aus der Unzufriedenheit mit dem vorherigen Arbeitgeber gründeten sie ein Unternehmen, das sich am Vorbild der Natur orientierte. Sie wollten eine Unternehmenskultur schaffen, die auf Eigenverantwortung und Freude an der Arbeit beruht. Bill Gores berühmtes Zitat dazu:

“The objective of the Enterprise is to make money and have fun doing so.“

Gore existiert also seit über 60 Jahren und ist nach wie vor extrem erfolgreich. Dieses Unternehmen gehört zu den Top 10 der besten Arbeitgeber in Deutschland. Weltweit arbeiten ca. 10.000 Mitarbeiter in mehr als 30 Ländern. Und das alles mit werteorientierter Unternehmensführung.

Weiterer Link aus dem Blog: https://leistungstraeger-blog.de/was-tierwelt-und-management-gemeinsam-haben/

Liebe Leser, ich danke noch mal all denjenigen, die an der Umfrage teilgenommen haben und somit in ihren eigenen Worten Ihre Herausforderungen für Führungskräfte 2018 formuliert und ihre Wünsche für 2019 mit uns geteilt haben. Die Gewinner meines Sachbuchs „Was wirklich zählt! Mit Überzeugung führen“ sind bereits benachrichtigt.

Zum Abschluss finden Sie noch ein kleines Video: Machen Sie einfach das RICHTIGE richtig.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager