Der Leistungsträger - Blog

Wer ein Unternehmen leitet, wird fast zwangsweise mit zahlreichen Fallstricken konfrontiert – und torpediert eine erfolgreiche Unternehmensführung mitunter selbst. Umso wichtiger ist es, sich mit den Dos and Don’ts der Unternehmensführung auseinanderzusetzen. In diesem Beitrag zeige ich Ihnen,

Die moderne Theorie der Unternehmensführung und die steinzeitliche Praxis

Nachhaltige Führung, Vertrauen, Selbstorganisation, kleine Einheiten, flache Hierarchien, Transparenz und der Mitarbeiter als höchstes Gut – viele Unternehmen stehen heute für eine werteorientierte Unternehmensführung. Zumindest in der Theorie.

Die Praxis sieht vielfach anders aus. Mehr und mehr Zeit und Aufwand wird in Controlling und Administration gesteckt, um Kosten zu sparen. Aus vielen Unternehmen wurden so träge, aufgeblasene Bürokratieapparate, in denen Mitarbeiter überwacht und Fehler sanktioniert werden, um Gewinne zu maximieren und Effizienz zu steigern. Obwohl wir eigentlich alle längst wissen, dass dies langfristig nicht funktioniert.

Die Schizophrenie des modernen Managements

Mit dieser „Wasser predigen, Wein trinken“-Philosophie in der Unternehmensführung habe ich mich schon einmal im Rahmen eines Gast-Beitrags für Karrierebibel beschäftigt: Entmenschlichte Unternehmen: Die Schizophrenie des modernen Managements. Mein Lösungsansatz liegt jenseits von betriebswirtschaftlichem Zahlen-Daten-Fakten-Denken und ist wie so oft inspiriert von der Natur. Die Kommentare zeigen mir, dass ich mit meiner Einschätzung nicht alleine bin.

Wie erfolgreiche Unternehmensführung torpediert wird

Erfolgreiche Unternehmensführung

Ich habe noch eine weitere tolle Lese-Empfehlung für Sie: „Wie man sechs Jahre lang bezahlten Urlaub machen kann“. Der Artikel ist zugegebenermaßen ziemlich lang, aber es lohnt sich. Die beiden Unternehmer Andreas Krebs und Paul Williams erzählen darin von Alphatieren und übergroßen Egos. Sie beleuchten, warum dieser Typus an der Unternehmensspitze besonders häufig anzutreffen ist und was er dort so alles anrichten kann, um eine erfolgreiche Unternehmensführung unmöglich zu machen. Das Ganze garniert mit vielen pointierten Beispielen und Zitaten.

Ich habe den Artikel mit viel Vergnügen gelesen. Irgendwie wirkt es ja schon wie ein schlechter Witz, wie wenig der Mensch im Lauf der Geschichte gelernt hat in Bezug auf Werte, Ethik und das Prinzip von Ursache und Wirkung. Und nicht nur einmal musste ich heftig mit dem Kopf nicken: (Zwischen-) menschliche Konflikte an der Unternehmensspitze, Ungelöstes, Unklarheit, Unsicherheit, Arroganz – all dies wirkt sich auf jeden Winkel des Unternehmens aus und kann eine erfolgreiche Unternehmensführung torpedieren.

Praxisbeispiel zu schlechter Führung: Die Ampel auf tiefrot

Ich habe in meinen Executive Coachings dazu zahlreiche Beispiele erlebt. Ein 40-jähriger Klient etwa hatte vor 3 Jahren die Nachfolge seines Vaters an der Spitze eines mittelständischen IT-Unternehmens angetreten. Von außen sah erstmal alles recht gut aus: Der Vater hatte zugesagt, sich aus allem rauszuhalten. Der Firma ging es recht gut, der Klient war fachlich und menschlich für die Führungsrolle absolut geeignet. Als er zu mir ins Coaching kam, stand die Ampel trotzdem auf tiefrot: Einige hochverdiente Mitarbeiter hatten gekündigt, die Zahlen sahen nicht besonders gut aus und der Klient wollte die Brocken am liebsten hinschmeißen.

Glaubenssätze auflösen

Im Verlauf des Coachings kamen mehrere ungeklärte Konflikte zu Tage:

  1. Der Vater hatte sich trotz seiner Ankündigung eingemischt und dem Sohn das Gefühl gegeben, nicht zu genügen. Hier galt es einige Glaubenssätze aufzulösen, die noch aus der Kindheit kamen.
  2. Der Sohn führte das Unternehmen so wie sein Vater weiter, wollte aber eigentlich einen modernen Führungsstil etablieren und dem Unternehmen seinen Stempel aufdrücken.
  3. Er hatte sich nie gefragt, ob er das Unternehmen eigentlich weiterführen will.

Als all diese unterschwelligen Konflikte angesprochen und geklärt waren, war von „aufgeben“ keine Rede mehr. Der Sohn hat seine Firma in eine erfolgreiche Zukunft geführt.

Erfolgreiche Unternehmensführung: Konzentration auf das Wesentliche

Erfolgreiche Unternehmensführung und ungeklärte Konflikte an der Unternehmensspitze – das geht nicht zusammen. Das heißt andersherum, wie es in dem Artikel heißt:

„Je stärker sich ein Unternehmen auf seine eigentlichen Aufgaben konzentriert und je weniger es durch interne Auseinandersetzungen und wuchernde Bürokratie davon abgelenkt wird, desto sicherer wird es auf Erfolgskurs bleiben und externe Bedrohungen rechtzeitig adressieren.“

Sie selbst sind der Minimumfaktor

Deshalb, liebe Unternehmenslenker: Denken Sie daran, dass Sie selbst der Minimumfaktor, die wichtigste Säule für eine erfolgreiche Unternehmensführung sind. Lösen Sie eigene innere Konflikte und Unsicherheiten auf und schauen Sie in die Tiefe, bevor Sie viel Geld für operativ-methodische Maßnahmen und Beratungsprozesse verbraten: Es lohnt sich!

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

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Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager