Der Leistungsträger - Blog

Ein nach moralischen, ethischen und sozialen Werten geführtes Unternehmen erreicht mehr als bloßen Profit: Die Schaffung von Arbeitsplätze, Umweltfragen und die Übernahme von sozialer Verantwortung bedeuten einen Mehrwert für die Gesellschaft – und das Unternehmen.

Die Zeiten ändern sich: Immer mehr Führungskräfte versuchen in ihrem Unternehmen eine werteorientierte Unternehmensführung zu etablieren. Dabei stellt sich die Frage nach der sozialen Verantwortung sowie die nach einer gelungenen Mitarbeiterbindung.

Doch welche Prinzipien müssen Sie als Führungskraft bei der werteorientierten Unternehmensführung beachten und welche Gefahren lauern?

Werteorientierte Unternehmensführung – was ist das überhaupt?

Das Wort „Werte“ ist mittlerweile auch in der Unternehmensführung angekommen. Bei der werteorientierten Unternehmensführung wird ein Unternehmen nicht nur nach quantitativen, sondern auch nach qualitativen Maßstäben geführt. Fragen der Moral, der Ethik und der sozialen Verantwortung spielen eine entscheidende Rolle. Ein werteorientiert geführtes Unternehmen hat dabei aber nicht nur das Wohlergehen der eigenen Mitarbeiter im Augenmerk, sondern das Wohlergehen der gesamten Gesellschaft. Soziale, wirtschaftliche und ökologische Verantwortung werden großgeschrieben und ernst genommen. Nicht mehr nur der oder die Eigentümer und eine möglichst hohe Profitmaximierung stehen im Zentrum, sondern ein soziales und verantwortlich geführtes Unternehmen, das unaufgefordert seinen Beitrag zur Verbesserung der Gesellschaft leistet und sich um das Wohlergehen seine Mitarbeiter kümmert.

Werteorientierte oder wertorientierte Unternehmensführung – was ist der Unterschied?

Sie werden sehen: Auch wenn sich die beiden Arten der Unternehmensführung nur durch einen kleinen Buchstaben unterscheiden, sind sie doch fundamental verschieden.

Bei der wertorientierten Unternehmensführung steht die ökonomische Zweckrationalität im Vordergrund. In möglichst kurzer Zeit soll mit möglichst geringen Kosten ein hoher Profit erreicht werden. Dieses in den 1980-er Jahren entstandene Konzept orientiert sich an der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens. Die wertorientierten Kennzahlen sind somit quantitative, am Shareholder-Value orientierte Zahlen.

Ganz anders die werteorientierte Unternehmensführung: Anstelle von quantitativ messbaren Kennzahlen stehen hier gesellschaftliche und politische Überlegungen im Zentrum. Beim werteorientierten Management dreht sich alles um Schlagworte wie Corporate Social Resposibility (CSR) und Corporate Citizenship. Eine werteorientierte Unternehmensführung orientiert sich an den Gesetzen und den in einer Gesellschaft geltenden Normen und versucht, das Unternehmen so zu führen, dass daraus ein gesamtgesellschaftlicher Nutzen entsteht. Es steht somit der Stakeholder Value im Zentrum.

Die sechs wichtigsten Prinzipien der werteorientierten Unternehmensführung

Wenn Sie die werteorientierte Unternehmensführung in Ihr Unternehmen einbauen möchten, dann müssen Sie die folgenden Prinzipien kennen und beachten:

  1. Bei der werteorientierten Unternehmensführung wird die Umwelt, die Mitarbeiter und die Gesellschaft nicht als Ressourcenpool gesehen, der in Hinblick auf die eigene Profitsteigerung ausgebeutet werden kann, sondern es gilt der Grundsatz: Unternehmen und Umwelt befinden sich stets in einer wechselseitigen Beziehung zueinander.
  2. Dadurch, dass das Unternehmen mit seiner Umwelt in einer wechselseitigen Beziehung verbunden ist, ist das Unternehmen von seiner Umwelt abhängig. Eine Ausbeutung der Umwelt ist somit kontraproduktiv.
  3. Damit die Beziehung zwischen Unternehmen und Umwelt stabil bleibt, darf das Unternehmen nicht nur Ressourcen der Umwelt für sich nutzen, sondern muss seinerseits der Umwelt Ressourcen zur Verfügung stellen.
  4. Eine werteorientierte Unternehmensführung ist somit bei korrekter Ausführung eine Win-win-Situation für Unternehmen und Umwelt.
  5. Für die sozialen und ökologischen Kosten, die aus der Tätigkeit des Unternehmens hervorgehen, muss das Unternehmen selbst aufkommen – die Steuerzahler dürfen dafür nicht herhalten. Nur so leistet die werteorientierte Unternehmensführung einen effektiven Beitrag zu einer Verbesserung der sozialen Bedingungen.
  6. Anstelle von quantitativen Kennzahlen orientiert sich die Effektivität einer werteorientierten Unternehmensführung an Größen wie der Mitarbeiterzufriedenheit, der Zufriedenheit von Beteiligten bei CSR-Aktivitäten, der ökologischen Bilanz etc.

Was ist sinnorientierte Werteorientierung?

Mit der Frage „Wieso mache ich diese Arbeit überhaupt?“ im Kopf schleppt es sich Montags besonders schwer ins Büro. Es liegt an Ihnen als Führungskraft, den Mitarbeitern den Sinn Ihrer Arbeit näherzubringen. Dabei ist es besonders wichtig, dass Sie die Stärken, Talente und Ideen der einzelnen Mitarbeiter im Blick haben und für das Unternehmen nutzen. Diese Hinwendung zu den Talenten und Stärken befeuert bei den Mitarbeitern die Motivation, was selbstredend der Mitarbeiterbindung zugutekommt.

Eine sinnorientierte Werteorientierung konzentriert sich somit auf die eigene Persönlichkeit sowie auf die Persönlichkeiten der Mitarbeiter. Dieser zwischenmenschliche Blick bringt die Stärken der einzelnen Mitarbeiter zum Vorschein und das Vertrauen der Mitarbeiter in ihre Skills wird gestärkt. Das Gefühl, einer sinnhaften Arbeit nachzugehen, steigert das Selbstvertrauen und befeuert die Mitarbeiter, kreative Ideen einzubringen, die das Unternehmen weiter nach vorne treiben. Die Frage „Wieso mache ich diese Arbeit überhaupt?“, gehört bei einer sinnorientierten Werteorientierung der Vergangenheit an.

Mein Praxis-Tipp: Die Führungsmethode muss zum Unternehmen passen

Erfolgreiche Unternehmensführung und ungeklärte Konflikte an der Unternehmensspitze geben ebenso wenig zusammen wie unterschiedliche Führungsstile, zeigt ein Beispiel aus meiner Coaching-Erfahrung. Ein Klient Anfang 50 ist gestandener Praktiker mit gesundem Menschenverstand und genauen Vorstellungen davon, wie eine Führungskraft zu sein hat: Offen, transparent und ohne Machtspielchen. Er legt viel Wert auf Inhalte und Ergebnisse, fördert Offenheit und Transparenz und hat sehr genaue Vorstellungen davon, wie man als gute Führungskraft erfolgreich ist und die Mitarbeiter mitnimmt.

Mit seinem neuen Job ist er sehr zufrieden, er führt sein Team werteorientiert und erfolgreich. Doch trotz gutem Verhältnis zum Vorstandsvorsitzenden und einem Team aus erfahrenen Mitarbeitern schlichen sich nach einem Jahr Misstöne in die heile Welt: Ein neuer Mitarbeiter wurde für strategische Belange eingestellt und fungierte fortan als direkter Vorgesetzter meines Klienten.

Knalleffekt ohne Vorwarnung

Kein Problem für eine erfahrene Führungspersönlichkeit, möchte man meinen – und doch ist meinem Klienten nicht ganz wohl bei der Sache. Doch auch wenn menschlich Welten zwischen den beiden lagen, gibt es immerhin keinen offenen Konflikt – mein Klient ist bereit, gute Miene zu machen und seine Position bis zum Ende seines Berufslebens auszuüben.

Dann der Knalleffekt: Ohne Vorwarnung wird er eines Tages ins Büro des neuen Vorgesetzten gerufen – und direkt entlassen. Völlig verdutzt muss mein Klient noch am selben Tag seinen Schreibtisch räumen und wird der Geschäftsräume verwiesen. Was er falsch gemacht hat, wird ihm nicht mitgeteilt – und das nährt Selbstzweifel.

Fallstricke werteorientierter Unternehmensführung

Nach wochenlangem Grübeln und der Frage nach dem Warum meldet der Mann sich bei mir zum Coaching – und muss sich im Erstgespräch erstmal Luft verschaffen. Im Lauf der Zeit stellt sich heraus, dass der neue Kollege mit der werteorientierten Führung meines Klienten nicht einverstanden war und als Vertreter eines alt hergebrachten hierarchischen Führungsstils keine Widersacher unter sich dulden mochte, die seine Methode in Frage stellten.

Fallstricke, die Sie bei der werteorientierten Unternehmensführung beachten sollten

Auch wenn Ihre Absichten noch so gut sind, bei der werteorientierten Unternehmensführung kann einiges schief gehen.

  • Egal wie löblich die von Ihnen ins Auge gefassten Werte auch sein mögen, Sie können Sie Ihren Mitarbeitern oder den beteiligten Stakeholdern nicht einfach aufzwingen. Werte sind eine vielschichtige, komplexe Angelegenheit, die gemeinsam diskutiert werden muss.
  • Beachten Sie: Werte sind nicht statisch. Je nachdem wie sich die Rahmenbedingungen ändern, müssen auch die Unternehmenswerte einer Anpassung unterzogen werden. Es ist deswegen elementar, dass Sie stets dazu bereit sind, immer wieder neu über die Unternehmenswerte offen zu diskutieren, Kritik zuzulassen und Werte gegebenenfalls neu zu definieren.
  • Es kann vorkommen, dass Ihr Anspruch, ein Unternehmen werteorientiert zu führen, nicht mit dem Unternehmen, für das Sie arbeiten, harmoniert. Denn nicht jedes Unternehmen ist dazu geeignet bzw. nicht jede Unternehmensspitze ist daran interessiert, dass das Unternehmen werteorientiert geführt wird. Es wird für Sie als Manager in einem solchen Fall äußerst schwierig sein, eine werteorientierte Unternehmensführung durchzusetzen.
  • Um ein Unternehmen werteorientiert zu führen, müssen Sie mit sich selbst im Reinen sein. Hören Sie in sich hinein: Gibt es eventuell irgendwo ungeklärte Konflikte, die Sie belasten und Sie von Ihrer Arbeit im Unternehmen ablenken? Je stärker Sie in sich ruhen und Selbstvertrauen haben, desto effektiver und souveräner wird Ihnen die werteorientierte Unternehmensführung gelingen.

Übung: Erkundung der eigenen Werte

Niemand lebt ohne Werte. Manchmal ist man sich dessen aber gar nicht bewusst und kann auf die Frage, welche Werte einem denn wichtig wären, gar nicht spontan und selbstsicher antworten. Deswegen ist es elementar, dass Sie als Führungsperson wissen, welche Werte Ihnen persönlich wichtig sind und hinter welchen Überzeugungen Sie stehen. Denn Werte geben Orientierung und helfen bei der Entscheidungsfindung. Wie können Sie aber herausfinden, welche Werte für Sie besonders wichtig sind?

Eine sehr effektive Möglichkeit ist es, sich im Internet eine Liste an Werten anzusehen und sich daraus etwa fünf Werte auszuwählen. Denn Werte schlummern nicht verborgen in Ihnen, sondern können von Ihnen ganz bewusst gewählt werden. Vertrauen Sie Ihrem Gefühl und suchen Sie sich aus der Liste an Werte diejenigen aus, die Sie vor allen anderen Werten priorisieren möchten. Wenn Sie sich an diese von Ihnen getroffene Werteauswahl halten, können Sie von nun an Ihre Entscheidungen und Handlungen danach ausrichten. Aber Achtung: Vergessen Sie nicht, dass sich auch diese persönlichen Werte im Laufe der Zeit ändern können und immer wieder neu überprüft werden sollten.

Changeprozess begleiten: So kann die werteorientierte Führung weiterhelfen

Sie wollen Ihr Unternehmen fit für die Zukunft machen? Dann kommen Sie heutzutage an der werteorientierten Unternehmensführung nicht mehr vorbei. Denn ein Changeprozess bringt in einem Unternehmen viel Unsicherheit mit sich. Mitarbeiter haben Angst um Ihre Stelle oder Aufgaben, Anrainer Sorgen ob des neu erbauten Unternehmensgebäudes, beunruhigte Bürger haben das Wohl der Umwelt im Blick. Bei einem solchen Prozess, der viele Fragen mit sich bringt, kann eine werteorientierte Unternehmensführung Stabilität, Sicherheit und Vertrauen schenken – und das allen Beteiligten. Denn wenn Sie als Führungskraft die Werte des Unternehmens nachvollziehbar vermitteln und deren Einhaltung garantieren können, bringt das nicht nur ein tieferes Verständnis für das Unternehmen mit sich, sondern minimiert auch Ängste und Unsicherheiten bei den Mitarbeitern und der Bevölkerung. Kann sich ein Großteil der Stakeholder mit den von Ihnen kommunizierten Werten identifizieren, dann erfährt selbst ein heikler Changeprozess eine breite Akzeptanz.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

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Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager