Der Leistungsträger - Blog

Das System von Weisung und Kontrolle, die strenge Oben-unten-Ordnung wird in vielen Unternehmen derzeit hinterfragt – nicht zuletzt wegen viel zu langsamer Prozesse und Innovationszyklen. Doch wie kann moderne Führung aussehen? Wo lassen sich neue Leadership-Modelle umsetzen? Für welche Branchen und Unternehmensgrößen kommt eine Führung ohne Hierarchie in Frage? All diese Themen werden auch im Executive Coaching derzeit immer wichtiger. Es gibt für sie keine Standardlösungen. In diesem Artikel versuche ich dennoch einige Antworten und Inspirationen rund um das Führen ohne Hierarchie zu geben. Hier erfahren Sie,

Hierarchie Führung: In vielen Unternehmen alltägliche Führungspraxis

Wasser predigen und Wein trinken – das ist auch in Bezug auf eine Führung ohne Hierarchien weit verbreitet. Ein Beispiel unter vielen: Vor einiger Zeit habe ich einen Ingenieur im Executive Coaching begleitet, der als Führungskraft die Möglichkeit hatte, in die Vorstands-Ebene aufzusteigen. Man hatte ihm von ganz oben zu verstehen gegeben, dass er gute Chancen hätte – aber auch, dass er etwas an seiner Haltung ändern müsse. Wenn er ganz nach oben will, so die Botschaft, braucht er mehr Härte und Ellenbogen. Soziale Kompetenz sei ja eine tolle Sache auf den unteren Ebenen, an der Spitze sei sie eher hinderlich. Das Problem: Für flache Hierarchien bzw. eine Führung ganz ohne Hierarchien sind soziale Kompetenzen und Social Leadership geradezu Bedingung. De facto bedeuten entsprechende Vorgaben daher: Flache Hierarchien sind im Unternehmen nicht erwünscht – auch wenn sie in vielen Unternehmen nach außen als das Gebot der Stunde verkauft werden.

Flache Hierarchien und die Angst vor Machtverlust

Warum ist das so? Wer, sagen wir mal, älter als 40 ist, hat natürlich letztlich immer eingetrichtert bekommen, dass Führung nur mit einer gewissen Härte und Dominanz funktioniert. Und natürlich mit strikt hierarchischen Strukturen. Es ist gar nicht so einfach, dass wieder aus dem Kopf zu bekommen und zu akzeptieren, dass Führung ganz anders funktionieren kann und auf lange Sicht auch muss. Natürlich geht an Spitzenführungskräften aber auch der Wunsch der jüngeren Generation nach flachen Hierarchien nicht vorbei. So wird zumindest äußerlich versucht, den Anschein zu erwecken, dass im Unternehmen flache Hierarchien die Regel sind.

Tatsächlich erzeugen flache Hierarchien bei Führungskräften der alten Schule aber auch Angst vor Machtverlust. So klammern sich viele an die Insignien der Macht wie den Dienstwagen oder das schicke Büro ganz oben. Die Folge ist eine tiefe Widersprüchlichkeit zwischen innerem Sein und äußerem Schein. Einige spannende Beispiele für die Diskrepanz zwischen einem „Wir sind alle gleich“-Selbstverständnis einerseits und ganz klassisch besetzten Führungsrollen mit starkem Machtgefälle andererseits zeigt der Artikel: Der Dienstwagen lebt.

Vor einiger Zeit habe ich einen Ingenieur im Executive Coaching begleitet, der als Führungskraft die Möglichkeit hatte, in die Vorstands-Ebene aufzusteigen. Man hatte ihm von ganz oben zu verstehen gegeben, dass er gute Chancen hätte – aber auch, dass er etwas an seiner Haltung ändern müsse. Wenn er ganz nach oben will, so die Botschaft, braucht er mehr Härte und Ellenbogen. Soziale Kompetenz sei ja eine tolle Sache auf den unteren Ebenen, an der Spitze sei sie eher hinderlich. Flache Hierarchien werden in vielen Unternehmen als das Gebot der Stunde verkauft – in Wirklichkeit sieht es innen aber oft ganz anders aus und spätestens in der Top-Führungsebene ist Schluss mit lustig.

Hierarchische Führung schadet Unternehmen

In meinen Coaching-Gesprächen klagen mir Top-Führungskräfte – vom C-Level über den Geschäftsführer bis zum Vorstand – oft ihr Leid über ihre Mitarbeiter. Sie

  • denken nicht mit,
  • funktionieren nur auf Kommando,
  • zeigen kein Eigenengagement und
  • lassen sich beim nächstbesseren Angebot abwerben.

Wenn man genauer hinschaut, ist diese Problematik allerdings oft hausgemacht. Viele Unternehmen schnüren ursprünglich motivierten Mitarbeitern mit starren, verkrusteten Hierarchiestrukturen die Energie für jede Eigeninitiative ab. Schließlich fühlen sie sich wie ein ganz kleines Rädchen im Getriebe:Ist doch ohnehin egal, was ich tue; ich kann nichts ändern, nichts bewirken.

Eigeninitiative wird sanktioniert

In den Stellenausschreibungen werden Charakterköpfe gesucht – im Unternehmen werden sie dann glattgebügelt, Eigeninitiative wird oft sogar sanktioniert. Gleichzeitig jammert man über die geringe Eigenverantwortung der Mitarbeiter. Über diese Schizophrenie der Unternehmen habe ich hier im Blog und in Fachartikeln schon öfter geschrieben – und auch über die Lösung, die nur mit einem grundlegenden Kulturwandel in den Unternehmen gelingen kann.

Führen ohne Hierarchie? So funktioniert es

Für die Zukunftsträchtigkeit eines Unternehmens ist eine hierarchische Führung also denkbar schlecht. Verschiedene Studien zeigen mittlerweile, dass flache Hierarchien, vertrauensorientierte Führung und Transparenz nachweislich erfolgreicher machen. Und trotzdem tun sich immer noch sehr viele Unternehmen schwer damit, weniger Hierarchie zu wagen. So kommt von vielen immer noch das Totschlagargument „Social Leadership mag bei Euch funktionieren, in unserer Branche niemals.

Hindernisse im Kopf überwinden

Ich glaube, die Hindernisse auf dem Weg zu einer Führung ohne Hierarchie liegen in unseren Köpfen. Viele von uns haben eine tiefverwurzelte Angst vor „Demokratie am Arbeitsplatz“ und glauben – allen Erfolgsgeschichten zum Trotz – nicht, dass es funktionieren kann.

Im Englischen gibt es dafür ein Sprichwort: „You can´t teach an old dog new tricks.“ Unternehmen, die erfolgreich in die Zukunft gehen wollen, werden sich dieser „neuen Tricks“ aber bedienen müssen – sonst werden sie in einigen Jahren schlicht ein Problem haben, Mitarbeiter zu finden.

Moderne Führung ist ein Entwicklungsprozess

Jedes Unternehmen muss seine passende, individuelle Organisationsform finden. Moderne Führung ist ein permanenter Entwicklungsprozess. Ich möchte Sie heute auf den sehr spannenden Artikel 30 Chefs und viele Rituale hinweisen. Die Agentur Dark Horse – selbst hierarchiefrei – berät Unternehmen, wie sie Hierarchien weitestgehend abbauen können und erlebt damit seit Jahren einen Boom. Auch Konzerne experimentieren inzwischen vielfach mit Hierarchieabbau. Wir mussten schneller, interdisziplinärer und vernetzter werden. Es lag auf der Hand, dass die etablierten Hierarchien dabei hinderlich sind, sagt der Personalgeschäftsführer der Deutschen Bahn im Artikel.

Fazit: Flache Hierarchien müssen gelebt werden

Flache Hierarchien in Unternehmen oder eine Führung ohne Hierarchie kann Unternehmen voranbringen. Allerdings nur, wenn sie gelebt wird und kein bloßes Alibi bleibt. Schwierig wird es, wenn Schein und Sein komplett auseinanderklaffen. Denn dann gibt es ein Glaubwürdigkeitsproblem. Wenn ein Unternehmen nach außen flache Hierarchien postuliert, aber nach innen eine kleine Elite regiert und es keine Mitbestimmung gibt, bleibt das nicht folgenlos. Jeder Mitarbeiter, jeder Kunde wird sich irgendwann fragen: Wenn das nicht echt ist, wo wird sonst noch gelogen? Vertrauen – die Basis jeder langfristig guten Beziehung, auch im Unternehmenskontext – wird so sukzessive zerstört.

Deshalb lautet mein Appell an Sie: Führen Sie im Einklang mit Ihrer inneren Überzeugung und überprüfen Sie diese in regelmäßigen Abständen. Was sind Ihre grundlegenden Werte und Motive?

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

PS: Sie tun sich schwer damit, in Ihrem Unternehmen flache Hierarchien zu etablieren? Womöglich kämpfen Sie auch gegen veraltete Denkstrukturen des Vorstands an? Dann kontaktieren Sie mich unter info@galileo-institut.de. Gemeinsam suchen wir nach Lösungen, damit Sie im Einklang mit Ihren Werten führen können!

Foto von Vlada Karpovich / Pexels

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei
CIO Magazine
Harvard Business Manager