Der Leistungsträger - Blog

Herr A. ist vor Kurzem in den Vorstand befördert worden. Die Machtspiele beginnen. Einer der Vorstandskollegen ist richtig nett zu ihm. Er lobt ihn für sein Tun, sein Engagement, seine Ideen. Herr A. fühlt sich gesehen, respektiert und beginnt, seinem Gegenüber zu vertrauen. Als ihn der Mit-Vorstand immer wieder um kleine Gefälligkeiten bittet, die eigentlich „außerhalb“ des Kompetenz-Bereichs von Herrn A. liegen, ist er gerne bereit das zu tun. Der Vorstandskollege stellt in Aussicht, im Gegenzug ebenso die Projekte von Herrn A. wohlwollend zu unterstützen. Tatsächlich passiert das nie. Herrn A. beschleicht zwar mehr und mehr ein ungutes Gefühl, aber er will es nicht wahrhaben, verdrängt es – so überzeugend ist sein Kollege. Statt sein Gegenüber mal gründlich zu hinterfragen, beginnt Herr A. eher selbst an sich zu zweifeln: Womöglich hat er irgendetwas falsch verstanden oder vielleicht reicht seine Leistung einfach nicht aus? Vermutlich wird er mehr leisten müssen, um seinen Vorstandskollegen zu überzeugen. Vielleicht kennen Sie solche Führungstypen wie den „netten“ Vorstandskollegen auch aus Ihrem Alltag. An der Unternehmensspitze gibt es sie recht häufig.

Wollen Sie auch so agieren und ein Meister der Machtspiele und Manipulation an der Unternehmensspitze werden? Es ist gar nicht so schwer.

Machtspiele und Manipulation – eine Anleitung

  1. Sie trennen für sich klar und emotionslos zwischen Ihrer Rolle bzw. Funktion und Ihrer Person. Es geht Ihnen ausschließlich um Ihre eigenen Interessen – nicht um die des Unternehmens. Emotionen haben hier nichts zu suchen. Sie sind der Strippenzieher, der immer einen klaren Kopf und den Überblick behält.
  2. Sehen Sie das Ganze als ein Spiel. Es geht ums Gewinnen und um Macht – das ist so ein verdammt gutes Gefühl.
  3. Sollten wider Erwarten doch Skrupel, Gewissen, moralische sowie ethische Zweifel auftauchen – nichts wie weg damit! Sicher hilft Ihnen der Gedanke „Wenn ich es nicht tue, dann tut es jemand anders und der wird am Ende fürstlich dafür entlohnt, denn Geld gibt es im Überfluss.“
  4. Nach außen treten Sie natürlich freundlich, charmant und zugewandt auf. Sie bedienen sich einer emotionalen „Süßholzraspelsprache“. Das heißt: Sie wecken und bedienen gezielt die tiefen Bedürfnisse und Sehnsüchte Ihres Gegenübers. Sorgen dafür, dass er Ihnen als Mensch vertraut und manipulieren ihn mit einer „Mohrrübe“ etwas für sie zu tun – natürlich erhält er die Mohrrübe nie!
  5. Schaffen Sie nach und nach (emotionale) Abhängigkeiten und üben Sie mit freundlicher Miene Druck aus, um bei Ihrem Gegenüber Selbstzweifel zu säen. Hilfreich sind Sätze wie: „Wenn Sie sich dazu nicht in der Lage fühlen, dann muss ich die „Mohrrübe“ wohl an jemand Fähigeren übergeben.“ oder „Sie haben doch damals X getan. Das war natürlich nicht ganz gesetzeskonform, wenn Sie jetzt nicht Y machen, dann werde ich diesen Vorfall wohl Z melden müssen.“  Wichtig in diesem Zusammenhang: Sorgen Sie bitte dafür, dass es für Ihre genialen Machtspielchen keine schriftlichen Indizien gibt.
  6. Am besten funktioniert dieses Spiel, wenn Sie sich mit der Rolle des charmanten empathiefreien Egomanen ganz selbstverständlich identifizieren. Dann wirken Sie derart glaubwürdig und echt, dass man ihnen quasi alles abnimmt. Sollten Sie wider Erwarten als Lügner entlarvt werden, wird es wie über den Ex-Karstadt-Manager Middelhoff fast ein wenig bewundernd heißen: „Der glaubt ja selbst, was er sagt – und genau deshalb ist er so erfolgreich.“

Wie Sie sich schützen können – die weiße Mafia

Na, wie geht es Ihnen mit dieser Anleitung? Wollen Sie es mal ausprobieren oder dreht sich Ihnen, ähnlich wie mir beim Schreiben, der Magen um? Der entscheidende Punkt ist: Auch wenn Sie als Führungskraft und Unternehmenslenker völlig anders ticken als oben beschrieben, sollten Sie  Machtspiele und Manipulation an der Unternehmensspitze durchschauen können und damit umgehen lernen. Besonders dann, wenn Sie etwas bewegen, eine moderne Führungskultur in Ihrem Unternehmen etablieren wollen. Sie können lernen damit umzugehen, ohne sich zu verbiegen, und bestimmte Strategien für sich nutzen. Vernetzen Sie sich mit anderen Führungskräften, die ebenfalls ihren Werten treu bleiben wollen – ich nenne sie die weiße Mafia.

Meine Tipps für besseren Umgang mit Machtspielen und Manipulation:

  • Auch wenn Ihnen die beschriebenen Führungstypen und deren Machtspielchen zuwider sind – es gibt sie! Sie sollten sie kennen, sich gründlich darauf vorbereiten. Nur so können Sie mit ihnen umgehen, ohne sich innerlich zu verbiegen. Nur so können Sie etwas ändern!
  • Setzen Sie sich mit Ihren eigenen Engpässen auseinander, an denen Sie besonders sensibel reagieren. Je besser Sie sich selbst kennen und je bewusster Sie sich wahrnehmen und Entscheidungen treffen, desto weniger empfänglich sind Sie für Machtspiele und Manipulation.
  • Achten Sie auf die Worte UND auf das Verhalten Ihres Gegenübers: Passen Worte und Verhalten nicht zusammen, ist das Mindset nicht aufrichtig. Vertrauen Sie im Zweifel sich selbst und Ihrem Bauchgefühl.

Ihre Gudrun Happich

Fotoquelle: istock

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei