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Entscheidungen zu treffen und sie dann auch noch konsequent umzusetzen ist für viele Führungskräfte – egal ob Geschäftsführer, C-Level, Vorstand oder Führungskraft des mittleren Managements oftmals eine Herkulesaufgabe. In diesem Artikel finden Sie 6 erfolgserprobte Strategien, die Ihnen eine gute Entscheidungsfindung deutlich leichter machen – insbesondere bei schwierigen Entscheidungen.

Kennen Sie das? Sie wissen, dass eine Entscheidung ansteht, aber irgendwie schieben Sie sie immer wieder hinaus. „Jetzt nicht,…“ „ich warte mal noch ob,..,“ „das könnte ja auch der andere tun…“  sind beliebte innere Dialoge, die uns immer wieder davon abhalten, JETZT eine Entscheidung zu treffen.

Viele sind davon überzeugt. „wenn ich jetzt einfach mal abwarte, dann habe ich ja noch keine Entscheidung getroffen, und damit mache ich wenigstens nichts Falsches.“ Fragen Sie sich selbst? Stimmt das? Irgendwie scheint es manchmal unmöglich, eine klare Entscheidung zu treffen.

In diesem Artikel geht es darum, wie Sie zu einer Entscheidungsfindung kommen. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die Sie nicht nur zu einer guten Entscheidung führt, sondern auch die anschließende Umsetzung erleichtert.

Entscheidungsfindung: ein Definitionsversuch

Die Entscheidungsfindung ist der Vorgang, zwischen verschiedenen Möglichkeiten eine Option zu wählen und entsprechend zu handeln.
(onpulson).

Entscheidend dabei ist, dass wir im ersten Schritt aus verschiedenen Möglichkeiten eine Wahl treffen. Im folgenden Schritt geht es vor allem darum, entsprechend der Entscheidung in die Handlung zu kommen, also handlungsfähig werden.

In diesem Artikel haben Sie die 5 Schritte eines erfolgreichen Entscheidungsprozesses kennengelernt: Klarheit gewinnen, nach Lösungen und Alternativen suchen, Szenarien durchspielen,entscheiden und die Spielregeln festlegen – der Prozess ist nachvollziehbar.

Im heutigen Artikel liegt der Schwerpunkt in der Entscheidungsfindung. Hier haben sich folgende sechs Basisstrategien bewährt. Sie finden eine Strategie von der Entscheidung bis zur praktischen Umsetzung.

Strategie 1: Fragen Sie nach dem höchsten Ziel

Die Natur fragt in schwierigen Entscheidungssituationen nach dem höchsten Ziel und fällt daran ausgerichtet sofort die Entscheidung.

Was können Führungskräfte hieraus lernen? Nehmen wir an, der Absatz bricht ein, die Finanzierung wankt. Vielleicht hat auch ein wichtiger Kunde den Auftrag gestoppt. Eine schnelle Entscheidung und Handlung ist nötig. Statt in Panik zu geraten, lautet der Rat nun, abgeleitet aus dem Prinzip der Natur: Innehalten und fragen, was das höchste Ziel ist. Im Beispiel könnte dieses Ziel etwa lauten, die Liquidität zu sichern oder den Kunden zu halten.

Wichtig ist hierbei: Nur ein Ziel nennen – auch wenn das oft nicht leicht ist. Diese Strategie führt erfahrungsgemäß dazu, das Unternehmen und die Mitarbeiter auf ein einziges Ziel hin auszurichten, die Kräfte im Unternehmen zu bündeln und die in diesem Augenblick richtige Entscheidung zu treffen. Die Frage nach dem höchsten Ziel stoppt in einer Krisensituation die Negativspirale aus Unsicherheit, Überforderung, Angst und Lähmung.

Strategie 2: Transferieren Sie das Bauchgefühl in den Kopf

Vielleicht macht Ihnen in einer schwierigen Entscheidungssituation ein ungutes Bauchgefühl zu schaffen, das Sie nicht konkret benennen können. Zwischen Bauch und Kopf besteht eine enge Verbindung. Wir sollten das Gefühl deshalb ernst nehmen.

Studien zeigen immer wieder, dass Entscheidungen letztlich im Bauch getroffen werden, wir allerdings eine rationale Begründung brauchen. Daher hat es sich in der Praxis bewährt, durch intensives Fragen die aktuelle Situation kritisch auszuleuchten. Was gefällt mir nicht? Was läuft gerade schief? Mit solchen Fragen kommen Sie dem diffusen Bauchgefühl auf die Schliche.

Überlegen Sie auch, welche Maßnahmen wünschenswert und welche unbedingt notwendig sind. Auf diese Weise bringen Sie Bauch und Kopf auf eine Linie, das diffuse Unwohlsein weicht einer inneren Klarheit.

Strategie 3: Packen Sie die Verantwortung dahin, wo sie hingehört

Treffen Sie nur Entscheidungen, die im eigenen Verantwortungsbereich liegen. Sehr oft wollen Führungskräfte von sich aus eine Verantwortung übernehmen, die sie weder überblicken noch tragen können. Kompetenzüberschreitungen können gravierende Folgen für Ihre Karriere haben.

Klären Sie deshalb bei jeder wichtigen Entscheidungsfindung, in wessen Verantwortungsbereich sie fällt. Liegt die Verantwortung bei einer anderen Person – dann suchen Sie nach einem Weg, diese Person zur Entscheidung zu veranlassen, entscheiden Sie aber nicht selbst.

Strategie 4: Übernehmen Sie bewusst die Verantwortung

Wenn Sie entscheiden, dann tragen Sie dafür die Verantwortung. Andere mögen bei der Entscheidungsfindung beteiligt sein, die Entscheidung selbst ist aber allein Ihre Sache. Damit vermeiden Sie Unklarheiten, die dazu führen können, dass andere an Ihrer Stelle entscheiden. Entscheiden sollte derjenige, der die Verantwortung trägt. Andernfalls entstehen leicht schale Kompromisslösungen, für die sich am Ende dann keiner wirklich verantwortlich fühlt.

Strategie 5: Starten Sie einen aktiven Leerlauf

Während der Entscheidungsfindung kann es manchmal sehr nützlich sein, erst einmal nichts Ergebnisbeeinflussendes zu tun. Starten Sie dann einen aktiven Leerlauf, das heißt entfalten Sie Aktivität, ohne etwas Nennenswertes zu bewegen.

Der aktive Leerlauf bringt Klarheit in Absichten, Meinungen, Allianzen und Beziehungsgefüge. Manchmal ist es besser, nicht auch noch «in der Suppe herumzurühren», sondern seine Finger eine Zeitlang bewusst aus der Gemengelage herauszuhalten und genau zu beobachten, was passiert.

Sie werden überrascht sein, was passiert, wenn Sie mal die Akteure sich selbst überlassen. Häufig werden zunächst unklar erscheinende Situationen sehr viel schneller klar und beschleunigen letztlich die Entscheidungsfindung.

Strategie 6: Stellen Sie das höchste Ziel sicher

Noch bevor Sie eine Entscheidung treffen, sollten Sie dafür sorgen, dass diese genügend Rückendeckung findet und auch die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung stehen.

Überlegen Sie genau, welche Mitstreiter Sie für die spätere Umsetzung benötigen. Und prüfen Sie dann, ob diese Leute hinter Ihnen stehen und wen Sie mit ins Boot holen können. Eine Möglichkeit dazu ist der aktive Leerlauf. Wenn die Zeit drängt, erstellen Sie ein Konzept, das die wesentlichen Anforderungen enthält, die für die Umsetzung der Entscheidung notwendig sind. Legen Sie dieses Konzept dann den relevanten Mitspielern vor – und beobachten Sie genau, wie diese darauf reagieren. So erhalten Sie ein sicheres Gespür dafür, wer Sie wirklich unterstützt.

Entscheidungsfindung – das Wichtigste im Video

Entscheidungen zählen ohne Zweifel zu den schwierigsten Situationen einer Führungskraft. Wer sich die 5 Schritte des Entscheidungsprozesses vergegenwärtigt und die 6 Basisstrategien für schwierige Entscheidungen bei der Entscheidungsfindung kennt, findet auch unter Druck zu innerer Klarheit.

In diesem Video habe ich die wichtigsten Aspekte für Sie zum Thema Entscheidungsfindung nochmals zusammengefasst.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

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Depositphotos 21145227 ©SergeyNivens

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager