Der Leistungsträger - Blog

Entscheidungen zu treffen ist mehr als schwierig. Viele Führungskräfte, egal ob Geschäftsführer, C-Level oder Vorstand wünschen sich eine „Vorlage“, quasi eine Checkliste, an der sie sich orientieren können. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die nicht nur sicher durch den Entscheidungsprozess führt, sondern auch schnell klare Entscheidungen bringt.

Als Diplom-Biologin orientierte ich mich – insbesondere, wenn es um Entscheidungen geht – am erfolgreichsten Unternehmen der Welt – der Natur. In diesem Artikel ging es um das klare Prinzip, dem die Natur bei schwierigen Entscheidungen folgt,

Analog dazu lässt sich ein Entscheidungsprozess in 5 Schritten definieren, der eine hervorragende Unterstützung für Führungskräfte in schwierigen Entscheidungssituationen bietet. Um diesen erfolgreich zu durchlaufen, ist es hilfreich, bei jedem Schritt zunächst einige Leitfragen zu beantworten.

Der Entscheidungsprozess in 5 Schritten

Schritt 1: Klarheit gewinnen

Leitfragen: Was ist das höchste Ziel? Was will ich wirklich?

Worauf es ankommt, ist ein Ziel, das Sie wirklich wollen. Um dahin zu kommen, müssen Sie möglichen Selbstlügen auf die Spur kommen. Wenn Sie ein ausschließlich kopfgesteuertes Ziel formulieren, das Ihrer inneren Überzeugung nicht standhält, werden Sie das spätestens beim zweiten oder dritten Schritt bemerken – und müssen dann noch einmal von vorne anfangen.

Sie können bei diesem Schritt zunächst auf sachlicher Ebene, also mit dem Kopf, Prioritäten setzen und das Ergebnis dann mit dem Bauch abgleichen, oder sich zunächst auf das Bauchgefühl konzentrieren und dann den Kopf dazu holen. Ziel ist es Kopf und Bauch auf eine Linie zu bringen und nicht einseitig zu entscheiden. Hinter der Entscheidung steht dann eine feste innere Haltung, die dazu führt, dass die Umsetzung meist äußere Unterstützung findet.

Schritt 2: Lösungen und Alternativen suchen

Leitfragen: Was bin ich bereit, für mein Ziel zu tun? Wie hoch darf das Risiko sein? Wo kann ich Kompromisse machen? Wie stelle ich sicher, dass das Ziel auch erreicht werden kann?

Es geht also um den eigenen Beitrag, den Sie (oder Ihre Abteilung, Ihr Unternehmen, Ihr Projekt-Team etc.) bereit sind, für das Ziel zu leisten. Mit Schritt 1 haben Sie die Speerspitze geschaffen und die Richtung festgelegt. Nun geht es darum, die Flugbahn auszuleuchten, damit der Speer sein Ziel erreicht.

Schritt 3: Szenarien durchspielen

Leitfragen: Was kann schlimmstenfalls passieren? Wie gehe ich mit Unvorhergesehenem um?

Bevor Sie die Entscheidung treffen, sollten Sie diverse Worst-Case-Szenarien durchspielen. Prüfen Sie die in Schritt 2 erwogenen Alternativen und Lösungswege sorgfältig – und spielen Sie jeweils den schlimmsten Fall durch. In diesem Schritt geht es also darum, zu überlegen, welche Überraschungen von außen auftreten könnten.

Das Durchspielen verschiedener Szenarien sichert eine Entscheidung nicht nur ab, sondern bereitet auch auf die Umsetzung vor. Was Sie gedanklich durchlebt haben, wird Sie in der Realität nicht mehr überraschen.

Schritt 4: Entscheidung treffen

Leitfragen: Welche Entscheidungen gibt es? Was ist die beste Entscheidung? Was ist meine beste Entscheidung?

Das Ziel ist klar (Schritt 1), mögliche Lösungen und Alternativen liegen auf dem Tisch (Schritt 2) und sind mithilfe von Worst-Case-Szenarien auf ihre Belastbarkeit geprüft (Schritt 3). Nun ist es so weit: Sie können beherzt entscheiden! In der Regel fällt jetzt die Entscheidung ziemlich leicht …

Schritt 5: Spielregeln für die Umsetzung festlegen

Leitfragen: Welche Spielregeln gibt es? Welche – auch unausgesprochenen – Erwartungshaltungen bestehen? Wie vermittle ich meine Spielregeln klar und verständlich?

Leider sind die meisten Unternehmen von eindeutig definierten Abläufen hier weit entfernt. Mit Spielregeln sind in diesem Fall sowohl offizielle, also zum Beispiel niedergeschriebene Spielregeln gemeint, wie sie in Unternehmensleitlinien zu finden sind, als auch inoffizielle Regeln in Form von unausgesprochenen Erwartungshaltungen.

Wenn Sie Ihre Entscheidung umsetzen, werden Sie häufig auch Mitarbeiter einbeziehen, die aus anderen Abteilungen oder Bereichen kommen und deren Erwartungshaltungen Sie nicht kennen. Deshalb ist es sinnvoll, Spielregeln explizit und verbindlich festzulegen.

Wenn man sich bei Entscheidungen diese 5 Schritte ins Gedächtnis ruft, ist das ungemein hilfreich. Trotzdem gibt es Drucksituationen, in denen es unmöglich scheint, Klarheit zu gewinnen und damit die richtige Entscheidung zu treffen. In solchen Fällen hilft dann allein die Kenntnis der Prozessschritte nicht weiter.

In diesen Beitrag lernen Sie daher noch sechs Basisstrategien für eine Entscheidungsfindung kennen, die sich in schwierigen Entscheidungssituationen in der Praxis besonders bewährt haben und zu guten Entscheidungen führen.

Entscheidungsprozess – das Wichtigste im Video

Entscheidungen zählen ohne Zweifel zu den schwierigsten Situationen einer Führungskraft. Wer sich die 5 Schritte des Entscheidungsprozesses vergegenwärtigt und die 6 Basisstrategien für schwierige Entscheidungen bei der Entscheidungsfindung kennt, findet auch unter Druck zu innerer Klarheit.

In diesem Video habe ich die wichtigsten Aspekte für Sie zum Thema Entscheidungsprozess nochmals zusammengefasst.

P.S. Sie beschäftigen sich schon länger mit dem Thema „Entscheidungen“ und wollen, dass Sie schneller und leichter Entscheidungen treffen können? dann finden Sie hier meinen Bestseller „Ärmel hoch! Die 20 schwierigsten Führungsthemen und wie Top-Führungskräfte sie anpacken

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager