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Entscheidungen zu treffen, ist mehr als schwierig. Viele Führungskräfte, egal ob Geschäftsführer, C-Level oder Vorstand, wünschen sich eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die schnell klare Entscheidungen bringt. Sie suchen gewissermaßen eine Abkürzung. Was dabei häufig vergessen wird: Die eigentliche Entscheidungsfindung, sprich das Abwägen aus verschiedenen Möglichkeiten, ist eingebettet in einen viel größeren Entscheidungsprozess. Führungskräfte, die sich diesen zunächst in Gänze bewusst machen, gelangen am Ende nicht nur zu schnellen, sondern vor allem auch zu tragfähigen Entscheidungen.

In diesem Beitrag erfahren Sie:

So trifft die Natur Entscheidungen

Als Diplom-Biologin orientierte ich mich – insbesondere, wenn es um Entscheidungen geht – am erfolgreichsten Unternehmen der Welt – der Natur. Immerhin muss die Natur permanent Entscheidungen treffen. Häufig schwierige Entscheidungen, bei denen es um die Existenz, also Leben und Tod geht.

Wie fallen in der Natur Entscheidungen? Ein besonders anschauliches Beispiel bietet das Blutgerinnungssystem. Es ist ein wunderbares Modell, um einen Entscheidungsprozess systematisch und nachvollziehbar darzustellen.

Was ist das höchste Ziel?

Nehmen wir an, Sie zerkleinern einen Salat und schneiden sich in den Finger. Es blutet. Für Ihren Körper heißt das: Es ist etwas passiert, was augenblicklich einer Entscheidung bedarf. Wenn jetzt nicht entschieden wird, so bedeutet es für ein Säugetier – wie den Menschen – das sofortige Ende. Sprich, wir würden sterben.
In einer solchen überlebenswichtigen Situation bzw. Krise wird intuitiv die Frage gestellt: Was ist jetzt das höchste Ziel? Ist die Antwort „Überleben!“, wird das Blutgerinnungssystem ausgelöst – ein komplizierter Mechanismus, der in 18 Schritten dafür sorgt, dass Sie nicht verbluten. Dieser Mechanismus beginnt nicht nur sofort, sondern läuft auch absolut präzise und zuverlässig ab, bis das definierte „höchste Ziel“, das Überleben, erreicht ist.

Prioritäten setzen

Die Natur setzt also eindeutige Prioritäten.

  1. Überleben
  2. Wachstum
  3. Vermehrung

Das höchste Ziel ist Überleben. An zweiter Stelle folgt das Ziel Wachstum, dann die Vermehrung – immer in dieser Reihenfolge. Wenn es um das „Überleben“ geht, interessieren weder Wachstum noch Vermehrung – und es wird auch nicht nach Ursachen geforscht.
Stattdessen läuft das Blutgerinnungssystem an, und alle „Beteiligten“ ordnen sich dem höchsten Ziel „Überleben“ unter. Jeder spielt dann seine Rolle nach eindeutig festgelegten Spielregeln.

Prinzipien regeln Entscheidungen

Die Natur folgt also einem klaren Prinzip:

  1. Ein Ereignis erfordert eine
  2. Das System fragt sofort: Was ist das jetzt höchste Ziel?
  3. Daran ausgerichtet fällt die Entscheidung(zum Beispiel: Überleben).
  4. Ein festgelegter Mechanismus läuft ab, um das Ziel zu erreichen(klare Spielregeln).

Entscheidungen zu treffen ist mehr als schwierig. Viele Führungskräfte, egal ob Geschäftsführer, C-Level oder Vorstand wünschen sich eine „Vorlage“, quasi eine Checkliste, an der sie sich orientieren können. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die nicht nur sicher durch den Entscheidungsprozess führt, sondern auch schnell klare Entscheidungen bringt.

Als Diplom-Biologin orientierte ich mich – insbesondere, wenn es um Entscheidungen geht – am erfolgreichsten Unternehmen der Welt – der Natur. In diesem Artikel ging es um das klare Prinzip, dem die Natur bei schwierigen Entscheidungen folgt.

Analog dazu lässt sich ein Entscheidungsprozess in 5 Schritten definieren, der eine hervorragende Unterstützung für Führungskräfte in schwierigen Entscheidungssituationen bietet. Um diesen erfolgreich zu durchlaufen, ist es hilfreich, bei jedem Schritt zunächst einige Leitfragen zu beantworten.

Der Entscheidungsprozess in 5 Schritten

Analog dazu lässt sich ein Entscheidungsprozess in 5 Phasen bzw. Schritten definieren, der eine hervorragende Unterstützung für Geschäftsführer, Vorstände und C-Level in Entscheidungssituationen bietet. Um diesen erfolgreich zu durchlaufen, ist es hilfreich, bei jedem Schritt zunächst einige Leitfragen zu beantworten.

Schritt 1: Klarheit gewinnen

Leitfragen: Was ist das höchste Ziel? Was will ich wirklich?

Worauf es ankommt, ist ein Ziel, das Sie wirklich wollen. Wichtig ist hierbei: Nur ein Ziel nennen – auch wenn das oft nicht leicht ist. Diese Strategie führt erfahrungsgemäß dazu, das Unternehmen und die Mitarbeiter auf ein einziges Ziel hin auszurichten, die Kräfte im Unternehmen zu bündeln und die in diesem Augenblick richtige Entscheidung zu treffen.

Um dahin zu kommen, müssen Sie möglichen Selbstlügen auf die Spur kommen. Wenn Sie ein ausschließlich kopfgesteuertes Ziel formulieren, das Ihrer inneren Überzeugung nicht standhält, werden Sie das spätestens beim zweiten oder dritten Schritt bemerken – und müssen dann noch einmal von vorne anfangen.

Sie können bei diesem Schritt zunächst auf sachlicher Ebene, also mit dem Kopf, Prioritäten setzen und das Ergebnis dann mit dem Bauch abgleichen, oder sich zunächst auf das Bauchgefühl konzentrieren und dann den Kopf dazu holen. Machen Sie sich klar: Zwischen Bauch und Kopf besteht eine enge Verbindung – ein ungutes „Bauchgefühl“ sollten wir deshalb ernst nehmen. Studien zeigen immer wieder, dass Entscheidungen letztlich im Bauch getroffen werden, wir allerdings eine rationale Begründung brauchen. Daher hat es sich in der Praxis bewährt, durch intensives Fragen die aktuelle Situation kritisch auszuleuchten. Was gefällt mir nicht? Was läuft gerade schief? Mit solchen Fragen kommen Sie dem diffusen Bauchgefühl auf die Schliche.

Ziel ist es Kopf und Bauch auf eine Linie zu bringen und nicht einseitig zu entscheiden. Hinter der Entscheidung steht dann eine feste innere Haltung, die dazu führt, dass die Umsetzung meist äußere Unterstützung findet.

Die Frage nach dem höchsten Ziel stoppt in einer Krisensituation die Negativspirale aus Unsicherheit, Überforderung, Angst und Lähmung.

Schritt 2: Lösungen und Alternativen suchen

Leitfragen: Was bin ich bereit, für mein Ziel zu tun? Wie hoch darf das Risiko sein? Wo kann ich Kompromisse machen? Wie stelle ich sicher, dass das Ziel auch erreicht werden kann?

Es geht also um den eigenen Beitrag, den Sie (oder Ihre Abteilung, Ihr Unternehmen, Ihr Projekt-Team etc.) bereit sind, für das Ziel zu leisten. Überlegen Sie auch: Welche Maßnahmen sind wünschenswert und welche notwendig? Mit Schritt 1 haben Sie die Speerspitze geschaffen und die Richtung festgelegt. Nun geht es darum, die Flugbahn auszuleuchten, damit der Speer sein Ziel erreicht.

Schritt 3: Szenarien durchspielen

Leitfragen: Was kann schlimmstenfalls passieren? Wie gehe ich mit Unvorhergesehenem um?

Bevor Sie die Entscheidung treffen, sollten Sie diverse Worst-Case-Szenarien durchspielen. Prüfen Sie die in Schritt 2 erwogenen Alternativen und Lösungswege sorgfältig – und spielen Sie jeweils den schlimmsten Fall durch. In diesem Schritt geht es also darum, zu überlegen, welche Überraschungen von außen auftreten könnten.

Das Durchspielen verschiedener Szenarien sichert eine Entscheidung nicht nur ab, sondern bereitet auch auf die Umsetzung vor. Was Sie gedanklich durchlebt haben, wird Sie in der Realität nicht mehr überraschen.

Schritt 4: Entscheidung treffen: die Entscheidungsfindung

Leitfragen: Welche Entscheidungen gibt es? Was ist die beste Entscheidung? Was ist meine beste Entscheidung?

Das Ziel ist klar (Schritt 1), mögliche Lösungen und Alternativen liegen auf dem Tisch (Schritt 2) und sind mithilfe von Worst-Case-Szenarien auf ihre Belastbarkeit geprüft (Schritt 3). Erst jetzt geht es an die eigentliche Entscheidungsfindung. Wie letztere auch in komplizierten Situationen schnell und vor allem richtig möglich ist, zeige ich Ihnen daher ausführlich in einem separaten Beitrag, der Ihnen eine ganz praktische Entscheidungshilfe an die Hand gibt.

Schritt 5: Spielregeln für die Umsetzung festlegen

Leitfragen: Welche Spielregeln gibt es? Welche – auch unausgesprochenen – Erwartungshaltungen bestehen? Wie vermittle ich meine Spielregeln klar und verständlich?

Leider sind die meisten Unternehmen von eindeutig definierten Abläufen hier weit entfernt. Mit Spielregeln sind in diesem Fall sowohl offizielle – also zum Beispiel niedergeschriebene Spielregeln gemeint, wie sie in Unternehmensleitlinien zu finden sind – als auch inoffizielle Regeln in Form von unausgesprochenen Erwartungshaltungen.

Wenn Sie Ihre Entscheidung umsetzen, werden Sie häufig auch Mitarbeiter einbeziehen, die aus anderen Abteilungen oder Bereichen kommen und deren Erwartungshaltungen Sie nicht kennen. Deshalb ist es sinnvoll, Spielregeln explizit und verbindlich festzulegen.

Entscheidungsfindung: Schlüsselstelle des Entscheidungsprozesses

Entscheidungen zählen ohne Zweifel zu den schwierigsten Situationen einer Führungskraft. Wer sich die 5 Schritte des Entscheidungsprozesses vergegenwärtigt, findet auch unter Druck zu innerer Klarheit – und ebnet den Weg für eine erfolgreiche Entscheidung. Von zentraler Bedeutung für letztere ist Schritt 4 des Entscheidungsprozesses: die Entscheidungsfindung.

Besonders in diesem Teil geraten viele Führungskräften verständlicherweise ins Stocken. Immerhin kristallisiert sich in der Praxis – gerade in Drucksituationen – meist längst nicht so klar heraus, welcher Lösungsweg der „beste“ ist. Dem Thema (gute) „Entscheidungen treffen“ widme ich daher einen ausführlichen Beitrag, in dem ich Ihnen viele Praxistipps, Strategien und Best-Practice-Beispiele für die Entscheidungsfindung an die Hand gebe.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

PS: Sie möchten Unterstützung beim Anwenden der 5 Schritte des Entscheidungsprozesses auf Ihre ganz persönliche Situation? Kontaktieren Sie mich!

Foto von Sora Shimazaki von Pexels

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager