Der Leistungsträger - Blog

Dieser Eintrag ist Teil 3 von 3 aus der Blogreihe Führen in der Sandwich-Position

Führungskräfte im C-Level-Management, also Führungskräfte der zweiten Führungsebene, befinden sich in einer außergewöhnlichen Sandwich-Position. Schon oft habe ich im Leistungsträger-Blog diese Führungspersönlichkeiten zu Protagonisten meiner Beiträge gemacht. Das liegt auch daran, dass ich als Executive Business-Coach überdurchschnittlich häufig mit den Führungskräften im C-Level arbeite. Sie sind nicht nur Manager zwischen Mittel- und Top-Management. Als Teil des Top-Managements bewegen Sie sich häufig sowohl in der einen, als auch der anderen Welt.

Vielfach fühlen sie sich zerrieben auf ihrer Sandwich-Position, die oft geringe Wertschätzung, aber sehr hohe Anforderungen mit sich bringt. Die Führungskräfte der zweiten Ebene sind so etwas wie die ungeliebten Stiefkinder, die kaum Aufmerksamkeit bekommen, weder im Unternehmen noch in den Medien. Dennoch sind sie Stiefkinder mit tragender Rolle.

Wie können Sie als Führungskraft im C-Level-Management zum Brückenbauer mit tragender Rolle im Unternehmen werden?

Darum wird es in diesem Artikel gehen, doch erst mal der Reihe nach.

C-Level Management: Sandwich-Position im Top-Management mit besonderen Herausforderungen

Kaum jemand weiß, was Sie als Führungskraft im C-Level-Management wirklich leisten. Manchmal nicht einmal Sie selbst:

Sie berichten an die erste Unternehmensebene. Sei es der CEO, der Vorstandsvorsitzende, der Aufsichtsrat, der Inhaber des mittelgroßen oder großen Familienunternehmens… irgendeinen gibt es (fast) immer, der wichtig ist, etwas zu entscheiden hat und über Ihnen steht. Sie befinden sich in der heiklen Sandwich-Position zwischen Politik, Strategie und Repräsentation im Stockwerk über Ihnen. Gleichzeitig mit dem drängenden Tagesgeschäft in den Etagen darunter.

Von oben bekommen Sie die Marschorder und von unten die trotzige Erwiderung: „Du weißt doch, was hier los ist. Setz Dich mal für uns ein!“ Das würden Sie auch tun, doch oben hört Ihnen niemand zu. Als Führungskraft der 2. Führungsebene fühlen Sie sich oft im Regen stehen gelassen.

Führungskraft auf C-Level-Ebene  – Stiefkinder mit tragender Rolle

Während in den anderen Sandwich-Positionen auf „beiden Seiten“ die Regeln relativ klar und eindeutig sind, ist das bei der Sandwichposition der zweiten Führungsebene deutlich anders:
Auf der einen Seite: Die Gepflogenheiten des Top-Managements mit Doppelbödigkeit, Macht, Politik, unausgesprochenen Spielregeln und der Erwartung an Diplomatie.
Auf der anderen Seite der Wunsch nach Klartext: Klare Aussagen und Ansagen. Hier steht die klare inhaltliche Kommunikation im Vordergrund.

Die 8 größten Herausforderungen für Führungskräfte im C-Level-Management

Vor einiger Zeit habe ich eine Umfrage durchgeführt. Hierbei ging es im Schwerpunkt um die Führungskräfte der 2. Führungsebene. Dazu können Sie insbesondere alle Position auf dem C-Level hinzuzählen. Von CTO (Chief Technology Officer) über CIO (Chief Information Officer), CEO (Chief Executive Officer) oder CMO (Chief Marketing Officer) machen wir es kurz: CxO oder eben C-Level-Management.

Als Gefangene im Dilemma zwischen oberster Führungsebene und mittlerem Management, wollte ich von ihnen wissen: Gibt es in dieser einmaligen Sandwich-Position besondere Herausforderungen?

Die große Mehrheit ist der Meinung: Ja, es gibt besondere Herausforderungen auf der zweiten Ebene/dem C-Level-Management. 18, 2 Prozent der Teilnehmer halten das C-Level-Management sogar für die Säule des Unternehmens und finden, dass ihr nicht genug Wertschätzung entgegengebracht wird.

Insgesamt zeigten sich 8 große Herausforderungen – erkennen Sie sich wieder?

  1. Als größte Herausforderungen wird immer wieder die Sandwich-Rolle genannt. Das C-Level-Management/die F2-Führungskräfte sollen den Spagat zwischen mittlerem und Top-Management meistern und deren oft konträre Wünsche und Bedürfnisse befriedigen. Beide haben hohe Ansprüche und Erwartungshaltungen an das C-Level-Management. Diese Leistungsansprüche nehmen immer mehr zu. Doch die Realität mache es kaum noch möglich diese Ansprüche zu erfüllen.
  2. Viele C-Levels sehen sich auch in einer Multifunktionsrolle fürs Top-Management. Zum einen übernehmen sie die gesamte Zuarbeit für die erste Führungsebene, zum anderen übersetzen sie die ganz oben verkündeten Strategien in operative Pläne und Maßnahmen und wickeln das operative Geschäft ab. Dabei werden nicht selten vom CEO, dem  Vorstand oder der Geschäftsleitung geschäftskritische, nicht immer populäre Maßnahmen vorgegeben, die nach „unten“ durchgesetzt werden müssen. Das C-Level-Management  auf der zweiten Führungsebene soll  „gute Miene zum bösen Spiel“  machen.
  3. Auch die unterschiedlichen Spielregeln auf den verschiedenen Führungsebenen werden als besondere Herausforderungen genannt. Es wird vom C-Level-Management erwartet, dass sie die jeweilige Sprache und die jeweiligen Spielregeln beherrscht. Es entsteht der Eindruck, die erste Ebene  sei eine geschlossene Welt und das Mittlere Management ebenso.  Für einige wirkt es so, als hätten diese beiden Welten nichts (mehr) miteinander zu tun. Das Selbstverständnis des C-Level-Managements ist – positiv formuliert – jenes der Mittlers zwischen zwei Welten, negativ formuliert:  der, der zwischen allen Stühlen sitzt!  Eine Führungskraft aus dem IT-Bereich nennt die unterschiedliche „Denke“ als besondere Herausforderung: Da die oberste Ebene immer weniger aus dem „Fach“ komme, hat das C-Level-Management die Aufgabe die Potentiale der IT nach oben dem Vorstand gegenüber zu vermitteln, gleichzeitig dem „fachlich geprägten mittleren Management“ das Business näher zu bringen. Dabei gibt es unendlich viele Hidden Agenden und ungeschriebene Spielregeln zu beachten.
  4. Mittel- und Top-Management danken diese Mittlerrolle laut den Umfrageteilnehmern nicht mit Wertschätzung, im Gegenteil:  Im mittleren Management gelten diese Manager häufig als Blockierer und Walls of Defenses, im Top-Management als “ungeschliffene Diamanten”.
  5. Das C-Level-Management trägt viel Verantwortung und hat zugleich wenig Kompetenz für Entscheidungen. Viele Umfrageteilnehmer berichten davon, dass klare Ziele und Vorgaben fehlen. Zudem werden Entscheidungen, welche die das C-Level-Management bzw. die zweite Führungsebene betreffen, häufig von der ersten spontan widerrufen – was die Glaubwürdigkeit gegenüber den Mitarbeitern nicht gerade stärkt.  Darüber hinaus gebe es häufig Schwierigkeiten Entscheidungen herbeizuführen, weil dazu nötige Gesprächspartner oft nicht verfügbar seien.
  6. Vielfach fehlt es in den Unternehmen an der richtigen Vorbereitung auf diese besondere Führungsrolle. Führungskräfteentwicklung Fehlanzeige!
  7. Ein paar Stimmen formulierten die menschlichen Herausforderungen sehr anschaulich: Zum einen die Angst der erste Ebene vor dem “Missbrauch” als Puffer zwischen Top- und Mittelmanagement. Und noch eine ganz andere – viel tieferliegende Angst – resultierend aus großem Ehrgeiz in der Karriereplanung, Selbstzweifeln, überhohem Einsatz im Unternehmen, immer weniger Privatleben:   Statt dem Gefühl  es “geschafft” haben, überwiege die Angst, es eben nicht zu schaffen…
  8. Und wie steht es mit der Informiertheit innerhalb und außerhalb des Unternehmens? Viele Führungskräfte des C-Level-Management fühlen sich deutlich schlechter informiert als die Top-Ebene. Während die erste Ebene fast überversorgt mit Veranstaltungsangeboten sei, gebe es auf dem Markt so gut wie nichts, was gezielt für diese Zielgruppe angeboten werde.

Ein Umfrageteilnehmer formuliert es so und vielleicht ist das die perfekte Zusammenfassung aller Antworten:

„Für mich ist das C-Level-Management die schwierigste Schnittstelle im Unternehmen.“ 

Sehr spannend finde ich auch das Statement eines Vorstandes:

„Das C-Level-Management/die zweite Führungsebene sollte das operative Geschäft eigenständig führen.  Ich mache die Beobachtung, dass sich diese sehr heterogene Ebene mit der Entwicklung strategischer Ausrichtungen oft schwer tut.  Teilweise finden sich hier sehr gute Experten, die aber zu wenig Manager sind.  Da es sich teilweise um langjährige Fachkräfte handelt, geht man davon aus, dass sie von ihrem Führungsverhalten „reif” sind. Das ist nicht immer der Fall und manchmal eine falsche Erwartungshaltung….

Wir dürfen also nicht nur die “Ebene“ sehen, sondern sollten auch immer wieder die Person/Persönlichkeit dahinter sehen: Nur lange dabei, heißt noch lange nicht gut. Und ein „Frischling“ ist nicht per se grün hinter den Ohren.

Sandwich-Position im Top-Management: Als C-Level-Manager sind Sie Brückenbauer zwischen den Welten

Ist Ihnen bewusst, dass Sie im C-Level-Management die entscheidende Säule im Unternehmen sind? In der Sandwich-Position zwischen ganz Oben und der Mitte sind Sie der „Brückenbauer“ zwischen den Welten. Sie benötigen Kenntnisse über die Welt des Top-Managements und gleichzeitig die Welt des mittleren Managements. Da beide Welten sich häufig nicht (mehr) verstehen braucht es einen Dolmetscher, der beide Sprachen spricht, der beide Länder kennt und vermitteln kann. Man braucht im C-Level-Management Sie –  eben Sie als „Brückenbauer“.

Beherrschen Sie Ihre Rolle, können Sie die bedeutendsten Entwicklungen im Unternehmen vorantreiben. Sie lernen nicht nur „die Welt da oben kennen“, sondern haben deutlich mehr Einflussmöglichkeiten, als es auf den ersten Blick scheint. In meinem Beitrag „die Brückenbauer“ für das Magazin Manager Seminare finden Sie die Besonderheiten, die Ihnen als Brückenbauer im C-Level-Management zu Gute kommen.

Statt ein Schattendasein zu frönen kann diese Sandwich-Position ein hervorragendes Sprungbrett für den Weg an die Unternehmensspitze sein. Der „Brückenbauer“ im C-Level-Management ist ein Weg um Top Manager zu werden. Wie dieser Sprung gelingt lesen in meinem Beitrag: 7 Strategien für den Weg ins Top-Management.

Up or out!

Kennen Sie die Spielregeln nicht, beherrschen Sie sie nicht oder lehnen Sie sogar ab, dann droht Ihnen schnell das Aus. Das passiert häufig schneller als Ihnen lieb ist, entweder durch den kaum zu verhindernden Burnout oder durch die Entscheidung der Unternehmensleitung: „Nicht mehr tragbar…“ So werden auch schnell mal Bauernopfer gesucht und gefunden. Das wollen Sie nicht, oder? Nicht umsonst wird jeder 5. CEO innerhalb der 18 Monate rausgeschmissen.

Fazit:

Jetzt kennen Sie die wichtigsten 8 Herausforderungen, die Ihnen im C-Level-Management begegnen. Die wichtigste ist bestimmt die Sandwich-Position. Es liegt an Ihnen, ob Sie als  Brückenbauer die Sandwich-Position nutzen, um Top Manager zu werden oder ob Sie sich dagegen sträuben und früher oder später aufs Abstellgleis gestellt zu werden.

Sie haben die Wahl!

Ich drücke Ihnen die Daumen für die für Sie richtige Entscheidung!

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

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Bildquelle: Depositphotos #187155406 ©iqoncept

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CIO
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