Der Executive Coach – Aufgaben und Herausforderungen

Der Executive Coach – Aufgaben und Herausforderungen

Anfang des Monats habe ich im Artikel Führungskräfte-Coaching: Voraussetzungen, Rahmenbedingungen, Ergebnisse erläutert, was Executive Coaching bedeutet und die entsprechenden Rahmenbedingungen skizziert.

Heute beschäftige ich mich eher mit der Rolle des Executive Coach: Was sollte dieser leisten, und wie finden Sie den für Sie geeigneten Coach?

Unterschied zwischen Coaching und Therapie

Zunächst einmal liegt mir daran, noch einmal den Unterschied zwischen Coaching und Therapie zu klären. Hierzulande ist es manchmal immer noch schwierig zu vermitteln, dass es kein Zeichen von Schwäche oder gar einer psychischen Erkrankung ist, Coaching in Anspruch zu nehmen, ganz im Gegenteil.

Die Abgrenzung von Coaching zur Therapie zieht sich in der Fachliteratur ja schon eine Weile und wird sicher immer wieder diskutiert werden. Meine Haltung dazu: Viele Themen kann man sowohl aus der Coaching- als auch aus der Therapie-Perspektive angehen, und man kommt in beiden Fällen zu sehr spannenden – und häufig ganz unterschiedlichen – Ergebnissen.

Ich habe zum Beispiel einmal für ca. ein Jahr in einer Gruppe gearbeitet, in der jeweils ein Thema bzw. Fall eingebracht wurde. In der „Beratergruppe“ saßen sowohl Coaches als auch Therapeuten. Ich konnte dabei beobachten, dass die Coaches im Team immer eher ziel- und lösungsorientiert vorgingen, also nach vorne gerichtet. Die Therapeuten hingegen waren oft zunächst an der Vergangenheit interessiert, so dass dort häufiger Formulierungen fielen wie „Woran erinnert Sie das? Woher kennen Sie das? Wer oder was fällt Ihnen bei der Situation als Erstes ein?“ – Man spürt also Mustern nach und findet nicht selten alte Verletzungen, die einer „Heilung“ bedürfen und in einer Therapie deutlich mehr Raum erhalten.

Daneben gibt es allerdings tatsächlich Themen, die im Business Coaching nicht bearbeitet werden sollten, also schwere Persönlichkeitsstörungen wie z. B. das Borderline-Syndrom, etc. Auch ein medizinisch diagnostizierter Burnout ist bei einem medizinischen Experten zunächst besser aufgehoben.

Doch um mal ganz pragmatisch zu werden: In meiner Praxis finde ich im Gespräch mit dem potentiellen Klienten heraus, ob er willens und in der Lage ist, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Steht hier ein klares „nein“, dann lehne ich die Übernahme des Mandates ab.

Was macht einen Executive Coach aus?

Ich bin der Meinung, dass jemand, der Führungskräfte coachen will, auch selbst umfassende Erfahrung als Führungskraft aufweisen sollte. Wer sich noch nie unter den Bedingungen des Topmanagements beweisen musste, kann zu bestimmten Themen in den oberen Führungsetagen wenig beitragen. Die Spielregeln der Macht lernt man nicht aus Büchern.

Dazu sollte ein Executive Coach auch in seinem jetzigen Beruf bereits viel Erfahrung mitbringen. Und damit meine ich nicht nur den zeitlichen Aspekt, also die Anzahl der Berufsjahre. Viel entscheidender ist die Frage, wie viele Klienten ein Coach tatsächlich begleitet hat. Eine Reihe von Kollegen betreiben Coaching quasi „nebenbei“, weil sie zum Beispiel überwiegend als Berater oder Trainer tätig sind.

Ein Executive Coach sollte daher mindestens sieben Jahre als Coach aktiv sein und jährlich mit mindestens 20 Klienten arbeiten. Ich ermutige meine Kunden immer dazu, sich einen geeigneten Führungskräfte-Coach auch nach diesen Kriterien auszusuchen. Schließlich geht es beim Coaching auch um Ihre Zukunft, und warum sollten Sie Ihren Coach mit weniger Sorgfalt auswählen als ein neues Auto?

Wie Sie den richtigen Coach finden

Wenn Sie ein Coaching in Anspruch nehmen möchten, hören Sie sich zunächst einmal im Bekanntenkreis um – Empfehlungen sind immer noch der beste Weg. Aber Achtung: Wer Ihrem besten Freund geholfen hat, muss nicht automatisch auch für Sie der geeignete Coach sein. Vertrauen Sie bei der Auswahl auch Ihrem Bauchgefühl. Die Chemie muss stimmen, denn nur wenn Sie das Gefühl haben, Ihre Themen auch wirklich in einer vertrauensvollen Atmosphäre ansprechen zu können, hat das Coaching Aussicht auf Erfolg.

Wenn Sie niemand kennen, den Sie fragen könnten, recherchieren Sie im Internet, zum Beispiel in der Coach-Datenbank von Christopher Rauen oder beim Deutschen Bundesverband Coaching. Wenn das Coaching aus dem Unternehmen an Sie herangetragen wird, werden Ihnen wahrscheinlich auch einige Vorschläge seitens der Personalabteilung oder Ihres Vorgesetzten gemacht. Sie sollten sich aber auf keinen Fall zu einem bestimmten Coach drängen lassen.

Wenn Sie eine eigene Wahl treffen, binden Sie die Personalabteilung auf jeden Fall mit ein und sorgen Sie dafür, dass man Ihren Coach dort auch kennen lernt.

Im Vorfeld sollten Sie sich mit allen Kandidaten zu einem Telefonat verabreden. Stellen Sie ihnen alle Fragen, die Ihnen wichtig erscheinen, denn Sie wollen ja herausfinden, ob Sie zu dieser Person ein gutes Gefühl bekommen und sich eine Zusammenarbeit vorstellen können.

Wenn Sie sich während des Telefonats irgendwie unwohl fühlen, haken Sie nach. Manchmal kommt es daher, dass Ihnen jemand nicht auf Augenhöhe begegnet und eine Hierarchie etabliert. Das ist aus meiner Sicht keine gute Ausgangsbasis für ein vertrauensvolles Coaching. Auch jemand, der bereits in diesem Erstgespräch mit Ratschlägen aufwartet, Ihnen ins Wort fällt und alles besser weiß, ist vielleicht nicht unbedingt die erste Wahl für ein Executive Coaching.

Ein Erstgespräch bei mir

Wenn Sie mich anrufen, werde ich Sie immer zuerst nach Ihrem Anliegen fragen: Was wollen Sie durch ein Coaching erreichen? Ich werde Sie auch bitten, mir Beispiele zu nennen, wo Sie in Ihrer Situation gerade Schwierigkeiten haben oder wo Sie konkret etwas verändern möchten.

Durch einige weitere gezielte Fragen werde ich schon in diesem Telefonat Ihre Aufmerksamkeit auf Aspekte des Themas lenken, die Sie so wahrscheinlich noch nicht gesehen haben. Aber vor allem ist meine Aufmerksamkeit bei Ihnen.

Außerdem beantworte ich Ihnen natürlich alle Ihre Fragen nach meiner Qualifikation und Erfahrung. Vielleicht wollen Sie auch wissen, wie lange so ein Coachingprozess dauern kann? Meiner Erfahrung nach sind mindestens drei und höchstens zehn Termine meist ausreichend, um ein klar umrissenes Problem zu klären. Im Vorfeld lässt sich das aber nie so genau sagen. Coaching ist ein Prozess, der sich manchmal auch in eine andere Richtung entwickelt als ursprünglich angenommen.

Wenn dann alle Fragen geklärt sind und Sie und ich das Gefühl haben, eine Zusammenarbeit könnte funktionieren, vereinbaren wir einen Termin für das erste Coaching. Meine Klienten kommen normalerweise zu mir in meine Praxis nach Köln, denn ich bin der Meinung, dass es gut tut, auch räumlich einmal die Firma zu verlassen.

Schlussüberlegung

Als Spitzenmanager steht Ihnen ein individueller Coach zu, der Sie dabei unterstützt, Ihre beste Leistung zu bringen. Im Spitzensport erwartet auch niemand vom Athleten, dass er das ganz alleine leistet. Ein guter Executive Coach ermöglicht Ihnen, auch schwierige Situationen zu reflektieren. Dadurch können Sie Ihre Ziele unter Umständen schneller und zuverlässiger erreichen – der Erfolg gibt Ihnen Recht.

Was sind Ihre Gedanken zum Thema Executive Coaching? Ich bin gespannt auf Ihre Anmerkungen und Kommentare.

Ihre

Gudrun Happich

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