Eine Vision entwickeln – 4 Methoden, wie Sie Ihre Berufung finden

Der Leistungsträger - Blog

Dieser Eintrag ist Teil 3 von 5 aus der Blogreihe So finden Sie Ihre Berufung

Jeder spricht von Vision, eine Vision haben, eine Vision entwickeln. Aber: was bedeutet das eigentlich, und vor allen Dingen: wie entwickeln Sie IHRE Vision, egal, ob für Sie als Person oder auch, wenn Sie eine Unternehmensvision entwickeln wollen?

In diesem Beitrag lesen Sie:

  • Vorteile einer Vision
  • Vision Mission Positionierung
  • Vision entwickeln – Vorgehen
  • Vision entwickeln – Methoden
  • Vision entwickeln – Fragen
  • Vision entwickeln – Schritte
  • Persönliche Vision
  • Unternehmensvision entwickeln

Vorteile einer Vision 

Schauen wir uns erst einmal an, was eine Vision ist, um danach zu beurteilen, ob sich daraus Vorteile ergeben:

Eine Vision ist die motivierende, positiv-formulierte Vorstellung des Zustandes, den Sie mit Ihrem Unternehmen erreichen wollen. Mit einer Vision geben Sie die Richtung an, in die sich Ihr Unternehmen entwickeln soll. Die Vision drückt aus, wo und wofür Sie in der Zukunft stehen wollen. Eine Vision umfasst mehr als die wirtschaftlichen Ziele eines Unternehmens. (akademie.de)

So, jetzt noch einmal in „einfach“:

Die Vision beschreibt also etwas, was in Zukunft sein soll. Sie stellt einen Idealzustand, bzw. einen Idealen Soll-Zustand dar. Damit ist sie richtungsweisend.

Als Bild könnte man es so formulieren: es ist die Karotte vor Ihrer Nase (z.B. Ihre Lebensvision), die so attraktiv für Sie ist, dass Sie sich auf den Weg machen. Handelt es sich um eine Unternehmensvision, können sich alle Beteiligten des Unternehmens darin wiederfinden, die Ziele des Einzelnen finden sich hierin auch wieder.

Das Zitat von Antoine de Saint-Exupéry bringt die Motivation, die durch eine Vision entsteht,  gut auf den Punkt:

Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Leute zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten und die Arbeit einzuteilen, sondern wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem endlosen, weiten Meer.“

Jetzt können Sie sich schon selbst die Frage beantworten: Welche Vorteile bringt also eine Vision?

Sie bringt Orientierung für alle Beteiligten, Sie macht Lust und Freude, sich auf den Weg zu machen. Sie ist motivationsauslösend. Und: Sie ist verbindend, denn alle Beteiligten haben eine klare Ausrichtung. Gleichzeitig lässt sie noch viele „Freiheiten“, den individuellen Weg in der Umsetzung zu finden. 

Vision – Mission – Positionierung

Die Begriffe Vision, Mission und Positionierung werden oftmals verwechselt. Daher finden Sie sie noch einmal ganz kurz unterschieden:

  1. Vision: es geht ums „Was“
    Die Vision ist die Vorstellung davon, wo Sie als Person oder das Unternehmen in Zukunft stehen möchten. Was wollen Sie erreichen, wo wollen Sie bzw. das Unternehmen in 10 – 30 Jahren stehen?
  2. Mission: es geht ums „Warum?“
    Die Mission des Unternehmens definiert das „Warum“ von Ihnen als Person, oder dem Unternehmen. Hier finden Sie den Sinn.
    Warum tue ich/wir, was ich tue/wir tun, was ist die innere/intrinsische Motivation, der Motor, etwas zu tun? Simon Sinak schreibt dazu viel in seinem Buch: Frag immer erst Warum? Wie Top-Firmen und Führungskräfte zum Erfolg inspirieren
  3. Positionierung: es geht ums „auf den Punkt gebracht“
    In der Positionierung im Marketing, wird ein Konzentrat gebildet aus allem was Sie, bzw. das Unternehmen zu bieten hat.

Im Ergebnis können Sie mit einem Satz formulieren: „Was leisten SIE/das Unternehmen für WEN (Zielgruppe) mit welchem Nutzen.“

In meiner Vorgehensweise nenne ich dies die Chipkarte, bzw. das Chipkartenmodell.

Vision entwickeln – Vorgehen

Die Vision ist natürlich nicht das Einzige, was Sie für die Zukunftsgestaltung brauchen, aber ein wesentlicher Teil. In  der Blogreihe So finden Sie Ihre Berufung erfahren Sie noch von den anderen Bausteinen.

Im letzten Beitrag dieser Reihe haben Sie erfahren, wie Sie Ihr wirkliches Potenzial, Ihre individuellen Schatzfelder erkennen.

Der Vision Ihrer beruflichen Idealposition oder Ihrer Berufung sind Sie damit schon recht nah. Aber vielleicht kämpfen Sie wie viele der Klienten in meinen Business Coachings damit, dass sich noch immer kein stimmiges Bild ergibt.

Nachfolgend finden Sie zwei entscheidende Schritte, die einen Unterschied machen, ob Sie Ihre Vision finden oder nicht.

  1. Zugang über die Gefühlsebene
    Um die Vision zu finden, wird oft versucht einfach den Zeitstrahl aus der Vergangenheit in die Zukunft zu verlängern. Dies funktioniert aber nach meiner Erfahrung nur selten, weil der Ansatz zu rational ist.
    Die Vision steckt tief in uns und erfordert deshalb einen Zugang über die Gefühlsebene. Nur dann steht sie wirklich im Einklang mit unseren Motiven, Werten, Anlagen, Stärken und anderen Besonderheiten.
    Eine Vision wird also nicht „erdacht“, sondern gefühlt. Das ist manchmal nicht ganz einfach, doch weiter unten finden Sie ein paar Methoden, wie Sie nicht nur in die Gefühlsebene kommen, sondern auch Ihrer Vision näherkommen.
  2. Im Finde-Modus ankommen
    Wichtig ist, dass Sie jetzt den Such-Modus (nach Motiven, Werten, Anlagen, Stärken und anderen Besonderheiten) verlassen und im Finde-Modus ankommen.Was bedeutet das genau? In der Vergangenheit mussten wir uns häufig mit Enttäuschungen auseinandersetzen. Die meisten haben das so gemacht, das Sie sich schnell von dem Ereignis gelöst haben und den Kopf eingeschaltet haben. Oftmals haben Sie den Prozess mit den Gedanken begleitet: „Ok, das hat nicht funktioniert, also aufstehen und weitersuchen.“ Das gibt neue Kraft und motiviert Sie den Weg weiter nach vorne zu gehen.
    Doch bei der Vision geht es um was anderes: Lassen Sie sich auf das ein, was Sie erarbeitet haben und verbinden Sie sich jetzt mit Ihrer emotionalen Ebene, um eine Vision entstehen zu lassen.

Sie wechseln also von dem aktiven Suchen-Modus in den „empfangenden“ Finden-Modus. Wie das auch für Sie ganz einfach gelingen kann? Dazu stelle ich Ihnen eine kleine Auswahl an Methoden vor.

Vision entwickeln – 4 Methoden

  1. Traumreise (Unter Anleitung eines Coachs)
    Im Zustand leichter Trance geleitet Sie der Coach durch eine Reise, die ihn in Sieben-Jahres-Schritten von der Geburt über die Gegenwart in die Zukunft führt. Dabei erinnern Sie sich ausschließlich an die positiven Erlebnisse. Anschließend dokumentieren Sie diese Erlebnisse und erarbeiten aus den positiven Bildern und Gefühlen die Vision.
  2. Wishstorming (ohne Coach machbar, zweite Person erforderlich)
    Im Zustand leichter Trance beantworten Sie über 20 bis 30 min immer wieder die folgende Frage, die eine andere Person monoton ständig wiederholt: „Sie haben einen Wunsch frei, welcher ist das?“ Die zweite Person dokumentiert die Antworten, aus denen anschließend die Vision entsteht.
  3. Idealer Tag (Ohne Coach durchführbar)
    Im Zustand leichter Trance stellen Sie sich einen idealen Tag vor – vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Anschließend beschreiben Sie diesen Tag – und überlegen, welche Aspekte Ihnen besonders wichtig sind.
  4. Brainstorming (Ohne Coach durchführbar)
    Laden Sie einige gut bekannte Personen ein. Informieren Sie sie über die Ergebnisse der vorangegangenen Schritte (Werte, Stärken, Besonderheiten) – und starten Sie das Brainstorming mit der Frage: „Was könnte ein Mensch mit diesen Schätzen alles so machen?“

Wenn Sie Ihre Vision gefunden haben, werden Sie feststellen, dass ein großer Druck von Ihnen abfällt und Sie stattdessen mit innerer Ruhe die nächsten Schritte planen. Stellt sich diese innere Ruhe noch nicht ein, können Sie sicher sein, dass Sie IHRE Vision noch nicht ganz gefunden haben.

Die Vision ist das große Ganze – das Bild, das Orientierung gibt. Aber nun muss sie noch greifbar gemacht und manifestiert werden. Wie das gelingt, das erfahren Sie im nächsten Beitrag dieser Reihe.

Vision entwickeln – Fragen

Vor vielen Jahren bin ich auf eine Frage gekommen, mit der Sie sehr schnell eine Vision entwickeln können. Am Anfang war ich baff erstaunt, dass diese einfache Frage so schnell zu Klarheit und einem eindeutigen Ergebnis kommt.

Nutzen Sie selbst diese Frage, wenn Sie vor einer schwierigen Entscheidung stehen, oder auch um Ihre Vision zu „enthüllen“:

Wenn Sie könnten, wie Sie wollten, und Sie wüssten, es würde gelingen,
was würden Sie dann tun?“

Bitte denken Sie nicht lange nach, sondern achten Sie darauf, was Ihnen spontan in den Sinn kommt. Ihr Unterbewusstsein weiß meistens sehr genau, was Sie wirklich wollen.

Demjenigen, dem jetzt nichts einfällt ist meistens im Kopf. Hier ist der Zugang zu seinem Unterbewusstsein blockiert. Tun Sie sich einen Gefallen und „beauftragen“ Sie eine andere Person, die Ihnen diese Frage stellt – idealerweise in einem Überraschungsmoment -. Sie werden feststellen, dass diese Frage meistens Erstaunliches zutage bringt.

Persönliche Vision

Für Ihre persönliche Vision, also z.B. Ihre Lebensvision, oder auch eine Partnerschaftsvision, können Sie genauso vorgehen, wie oben beschrieben. Es geht ja darum, was SIE sich ganz alleine vorstellen. Wie Sie in der Zukunft leben wollen.

Unternehmensvision entwickeln

In der Unternehmensvision sind i.d.R. mehre Leute beteiligt. Sind Sie selbst alleiniger Geschäftsführer oder Vorstand, dann können Sie mit den o.g. Methoden ebenfalls genauso vorgehen.

Sie wollen mit der gesamten Managementmannschaft oder dem Team eine Unternehmensvision entwickeln? Dann können Sie diese Vorgehensweise im Grunde ähnlich nutzen. Lassen Sie sich hier von einem „Neutralen“ durch den Prozess führen. Am Ende tragen Sie die einzelnen Ergebnisse zu einem großen Ganzen zusammen.

Ein letzter Hinweis zur Unternehmensvision: Natürlich umfasst eine gute Vision deutlich mehr als wirtschaftliche Ergebnisse. Eine wirkliche Vision geht über den Unternehmenslenker hinaus. Es geht darum mit dem Unternehmen etwas Positives für die Welt zu bewegen. Steve Jobs nennt es so schön „Wir sind hier, um eine Delle ins Universum zu schlagen

Fazit:

Mit einer Vision – sei es die persönliche Vision oder die Unternehmensvision –  können Sie ungeahnte Kräfte freisetzen. Dieser ideale Soll-Zustand der Zukunft beschreibt, wo es für Sie oder das Unternehmen hingehen soll.

Sie können sich (gemeinsam) auf den Weg machen und zwischenzeitliche Misserfolge werden Sie weniger daran hindern, Ihre Vision weiter zu verfolgen. Eine gute Vision begeistert Menschen und stellt ein gemeinsames Verständnis her.

Eine Vision ist dann gut, wenn viele diese Vision als wichtig und als bedeutend empfinden. Eine Vision gibt den Mitarbeitern Orientierung und bietet Sinn.

Sie wissen jetzt, dass Visionen nicht gedacht werden. Um eine gute Vision zu entwickeln brauchen Sie immer die Gefühlsebene. Sie haben den Unterschied zwischen dem Suchen-Modus und dem Finden-Modus erfahren und wissen, wann Sie Ihre Vision gefunden haben.

4 Methoden um Ihre persönliche oder Unternehmensvision zu entwickeln werden Ihnen dabei helfen eine „echte Delle ins Unternehmen oder Ihr persönliches Leben“ zu schlagen.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Umsetzen.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

P.S. Sie wollen tiefer in das Thema einsteigen? In Kapitel 10 und 11 meines Führungskräfte-Ratgebers „Was wirklich zählt!“ erfahren Sie alles über die Methoden, mit denen Sie Ihre Vision entwickeln und zu Ihrer Berufung finden.

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager