13 wichtige Führungsqualitäten für einen wirksamen Chef

Der Leistungsträger - Blog

Die Anforderungen an Führungskräfte werden immer höher. Egal, ob Sie an der Unternehmensspitze stehen, oder als Teamleiter agieren. Sie benötigen Führungsstärke. GUTE Führung wird immer wichtiger. Doch welche Führungsqualitäten brauchen Sie für die Gestaltung der Zukunft?

In dieser zweiteiligen Folge lesen Sie:

  • Was ist eigentlich Führungsqualität?
  • Bewährte und zukünftige Führungsqualitäten
  • Die 13 wichtigsten Führungsqualitäten

In den Unternehmen verflachen zunehmend die Hierarchien, manche wollen gar die Hierarchien ganz abschaffen. Vielfach geht damit die Frage einher: Brauchen wir überhaupt noch Führung? Regelt sich das nicht von alleine?

Mein persönliches Statement dazu: Egal welches Unternehmensmodell Sie wählen, Hierarchie, Amöben Modell (wie bei Gore) oder was auch immer.  Wie sich die Rolle der Führungskräfte entwickeln wird, das wird sich zeigen. ABER: Führung wird es immer geben.

Ich gehe noch einen Schritt weiter: Führung ist meiner Ansicht nach eine der Schlüsselqualifikationen schlechthin. Angefangen von der Selbstführung bis hin zur Unternehmensführung. Niemand wird um die „hohen“ Anforderungen an Führung drumherum kommen.

Grund genug sich einmal näher mit den Führungsqualitäten auseinanderzusetzen.

Was ist eigentlich Führungsqualität?

Bei Wikipedia habe ich den Begriff eingegeben, allerdings erhielt ich kein Suchergebnis, ich wurde gleich zu Führungskompetenz geleitet: Lesen Sie selbst:

Führungskompetenz bezeichnet die Fähigkeit, Ziele festzulegen und das Verhalten anderer Menschen so zu beeinflussen und zu führen, dass diese Ziele in Resultate umgesetzt werden. Der Prozess von der Zielsetzung bis zur Ergebniskontrolle und die persönliche Beziehung zwischen Führenden und Geführten können unterschiedlich gestaltet sein.

In einfachen Worten: Führungsqualität bzw. Führungskompetenz heißt also: Eine Person bringt eine oder mehrere andere Personen dazu ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen.

Das bedeutet konkret: Führungsqualität hat erst einmal nichts mit einer Führungsposition zu tun.

Demzufolge können wir formulieren: Wenn es einer Mutter gelingt, z.B. die gesamte Familie zu einem bestimmten Zeitpunkt am Esstisch zu versammeln, dann hat sie Führungsqualitäten bewiesen.

Wenn der Vorstandsvorsitzende – oder eine andere hochrangige Führungsperson – das gewünschte Jahresergebnis erreicht, dann hat er auch Führungsqualitäten gezeigt.

Führungskompetenz beschreibt ebenso lediglich, dass ein bestimmtes gewünschtes Ergebnis erreicht wurde. Die Art und Weise spielt erst einmal keine Rolle.

Ich vermute mal, dass Sie diese Basisaussage ein klein wenig überrascht.

Bewährte und zukünftige Führungsqualitäten

Es ist noch gar nicht so lange her, da lag der Schwerpunkt auf „Ergebniserreichung“. Der Weg dorthin war ziemlich egal. Wenn Druck, Sanktion, Micromanagement oder Angst zum gewünschten Ergebnis führten. OK. Häufig nannte man dies „Durchsetzungsstärke“.

Heute wird der Art und Weise, WIE die Ergebnisse erreicht werden deutlich mehr Raum gegeben.

Ein Beispiel: Eine Führungskraft war als Niederlassungsleiter enorm erfolgreich. Über viele Jahre hinweg lieferte sie immer die besten wirtschaftlichen Ergebnisse – im Vergleich zu den anderen Niederlassungen. Also: kein Grund zur Sorge. Sollte man meinen.

Doch in diesem Unternehmen war es anders: In einem Assessment-Center für Top-Führungskräfte stellte sich der Kandidat fachlich als Überflieger dar. Er war extrem leistungsorientiert und engagiert.

Am Ende des Auswahlprozesses bekommt er von den HR-Experten dennoch keine Empfehlung mit auf den Weg. Der Teilnehmer sei zwar fachlich ein Ass und als Experte sicher überragend, aber für die Führung von Mitarbeitern letztlich völlig ungeeignet, da es ihm an Einfühlungsvermögen mangele.

Für ihn war das ein Schock: Er erhielt also das Feedback, dass er als Niederlassungsleiter mit seinem Führungsstil nicht tragbar war. Der Auftrag im Führungskräfte Coaching lautete: Entweder er ändert etwas an seiner Art zu führen, oder das Unternehmen wollte sich nach einem anderen Niederlassungsleiter umsehen.

Die 13 wichtigsten Führungsqualitäten

Im Artikel von Michael Page werden 10 Qualitäten beschrieben, die von Personalberatern und Psychologen als besonders wichtig eingestuft werden.

  1. Vorbild sein
  2. Kommunikationsfähigkeit
  3. Flexibilität
  4. Verantwortungsbewusstsein
  5. Klare Erwartungshaltung
  6. Akzeptanz von Fehlern
  7. Potenziale erkennen
  8. Team zusammenstellen
  9. Motivation
  10. Fähigkeit zur Selbstkritik

Aufbauend darauf ergänze ich 3 weitere wichtige Führungsqualitäten, die ich später weiter erläutern werde.

  1. Entscheidungen treffen – auch in unsicheren Zeiten
  2. Problemlösungen bzw. Krisenlösungen
  3. Empathie

Den Vorschlägen von Michael Page kann ich aus meiner Erfahrung heraus beipflichten.

Auf ein paar – aus meiner Sicht wichtige – Kompetenzen gehe ich noch mal ein – weil Sie eine besondere Bedeutung für die Zukunft darstellen:

zu 1) Vorbild sein:

Zahlreiche Studien belegen: Die Mitarbeiter orientieren sich immer am Chef. Wird bei der bestehenden Mannschaft die Führungsspitze ausgetauscht kann man nach kurzer Zeit eine Verhaltensänderung bei den Mitarbeitern bemerken: Sie passen sich dem Chef an.

Das bedeutet für Sie als Chef: Wenn Sie als Vorgesetzter vorleben, wovon Sie überzeugt sind, erzeugt dies Glaubwürdigkeit und fördert das Vertrauen. Eine der wesentlichen Faktoren für eine gute Führungsqualität ist, wenn die Mitarbeiter Vertrauen in den Vorgesetzen haben.

zu 4) Verantwortungsbewusstsein:

Dass eine Führungskraft Verantwortung für das eigene Verhalten oder auch die Entscheidungen übernehmen sollte, versteht sich von selbst. In der Realität erleben das viele Mitarbeiter bei ihren Vorgesetzten leider nicht oder zu wenig.

Dies löst Irritation, Verunsicherung und manchmal sogar Angst aus. Wenn ein Mitarbeiter nicht darauf vertrauen kann, dass der Vorgesetzte Verantwortung für sein Verhalten übernimmt, schwindet das Engagement und die Leistungsbereitschaft sinkt. Das kann sich heute kein Vorgesetzter mehr leisten.

Also: übernehmen Sie Verantwortung für Ihr Verhalten und auch Ihre Entscheidungen – selbst wenn es Fehlentscheidungen sind.

Verantwortung hat allerdings auch noch einen anderen Aspekt: nämlich die Mitarbeiter zu mehr Eigenverantwortung motivieren. Das ist aktuell eine fast unüberwindbare Herausforderung für fast jeden Vorgesetzten.

zu 6) Akzeptanz von Fehlern:

Damit sind wir schon beim nächsten Punkt: Fehlerkultur wird vielfach gepredigt. Aber wird es auch gelebt? Einer der wesentlichen Punkte, weshalb anstehende Veränderungen schlecht oder schleppend umgesetzt werden, ist die Angst vor Fehlern.

Doch bei der Angst vorm Scheitern passiert folgendes: Man möchte alles richtig machen und Fehler vermeiden. In der Folge machen viele Dienst nach Vorschrift, oder halten sich mit – unnötigem – Perfektionismus auf. Damit bleiben alle Beteiligten meistens weit unter den Möglichkeiten.

Wie kann man es besser machen? Akzeptieren Sie: Fehler gehören dazu, wenn man Neuland betritt. Doch nur durch neue Erfahrungen kann man Dinge nach vorne bringen, Verbesserungen erreichen und Veränderungen erzielen.

„Fehler-Spielregeln“

Meinem Team gebe ich immer folgende „Spielregel“ mit:

Wenn jemand einen Fehler macht – bitte sofort darüber ins Gespräch kommen – wir können gemeinsam nach Lösungen suchen. Derjenige bekommt das bedingungslose Versprechen: bei einem frühzeitig gemeldeten Fehler gibt es keinen Vorwurf.

Wenn jemand einen Fehler macht und versucht ihn zu vertuschen, gibt es Ärger, weil damit das Vertrauen in die Mannschaft und den Einzelnen gestört wird. Mit dieser „Spielregel,  die übrigens für alle im Unternehmen gilt, haben wir großartige Erfolge gesammelt.

  1. Fehler zu machen ist nicht peinlich
  2. Fehler werden deutlich schneller kommuniziert – quasi in einem „Frühstadium“
  3. Es werden Fehler besprochen und gemeinsam nach gangbaren Lösungen gesucht
  4. Die Lernkurve bei den Mitarbeitern und Kollegen ist enorm
  5. Innovationen und Veränderungen werden viel schneller umgesetzt.

Wir können Projekte, die in die falsche Richtung laufen schneller korrigieren, oder auch ganz stoppen, wenn die Aussicht auf Erfolg gering ist. Durch diese Lernerfahrungen werden alle in der Mannschaft viel mutiger und kreativer. Die Angst vor Fehlern wandelte sich in eine Neugier auf Neues.

zu 9) Motivation:

Hier verweise ich auf meinen Artikel Mitarbeiterführung verbessern, der das Thema Motivation zum Schwerpunkt hat.

Wie bereits oben angekündigt kommen nun noch 3 weitere Führungsqualitäten, die wesentlich für eine erfolgreiche Führungskraft sind:

zu 11) Entscheidungen treffen – auch in unsicheren Zeiten:

Täglich müssen eine Vielzahl von Entscheidungen getroffen werden. Das ist jedem klar. Beispiele sind: Auswahl, Festlegung und Umsetzung der „richtigen“ Strategie, Entscheidung zu Projekten, wichtigen Kunden oder Mitarbeitereinsatz. Doch in den aktuell volatilen Zeiten ist das gar nicht so leicht. Treffe ich nun die Entscheidung? Warte ich lieber ab? Was ist, wenn ich eine falsche Entscheidung getroffen habe?

Vielfach können wir die Auswirkungen einer JETZT getroffenen Entscheidung gar nicht abschätzen. Daher wählen viele den Weg des „Abwartens“. Genaugenommen haben sie dann allerdings ebenfalls eine Entscheidung getroffen: Und zwar NICHT zu entscheiden, bzw. NEIN. Das ist vielen gar nicht bewusst und sie wundern sich daher über die Folgen ihres „abwartenden“ Verhaltens.

Umso bedeutungsvoller ist es sich damit auseinanderzusetzen: Wie treffe ich generell Entscheidungen?  Wie treffe ich besonders schwierige Entscheidungen? oder Wie treffe ich  Entscheidungen in unsicheren Zeiten?

Entscheidungen treffen gewinnt als Führungsqualität in Zukunft eine noch größere Bedeutung.

Hierzu habe ich schon diverse Artikel veröffentlicht. In diesem finden Sie einen klaren Fahrplan, wie Sie auch in schwierigen Situationen schnell entscheidungsfähig werden und ins Handeln kommen.

zu 12) Problemlösungen bzw. Krisenlösungen:

Krisen oder besser gesagt Herausforderungen stehen ja im normalen Unternehmensalltag auf der Tagesordnung. Wie Probleme gelöst werden sagt viel über die Führungskompetenz der Führungskraft aus.

Da gibt es den einen, der selbst schnell Lösungen entwickelt und die Mitarbeiter anhält, die Lösungen umzusetzen. Es gibt die anderen, die es schaffen die Mannschaft blitzschnell zusammenzutrommeln, um gemeinsam die für dieses Problem beste Lösung zu entwickeln.

Hier habe ich einmal beschrieben, wie Ihnen Ihre Intuition bei der Lösung komplexer Führungsherausforderungen behilflich sein kann.

Der größte „Lehrmeister“ für den Umgang mit Krisen ist wohl die Natur – immerhin das erfolgreichste Unternehmen der Welt. Sie hat in Jahrmillionen von Jahren nicht Pleite gemacht.

Hier habe ich mal an einem Beispiel formuliert, mit welchen grundlegenden Prinzipien die krisenerprobte Natur Probleme löst.  Der Vorteil von Prinzipien – im Vergleich zu Tools – ist, dass wir sie leichter auf den unternehmerischen oder auch den Führungsalltag übertragen können.

zu 13) Empathie:

Diesem wichtigen Thema habe ich einen ganzen Artikel gewidmet, den Sie hier lesen können.

Fazit:

Im ersten Teil des Artikels haben Sie erfahren, dass Führungsqualität erst mal überhaupt nichts mit einer Führungsposition zu tun hat. Es geht darum mit anderen ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen.
Wir haben uns 13 Führungskompetenzen angeschaut – insbesondere im Hinblick auf die Führungsqualitäten der Zukunft. Denn in Zukunft kommt es deutlich mehr auf die ART und WEISE an, wie Sie als Führender zu Ergebnissen kommen. Im nächsten Artikel erfahren Sie mit Empathie eine weitere Führungsqualität, die maßgeblich über die Zukunftsfähigkeit Ihres Unternehmens entscheiden wird.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

P.S: Falls Ihnen der Artikel gefallen hat und Sie wissen möchten, wie man diese Führungskompetenzen konkret und nachhaltig umsetzen kann, dann finden Sie hier einen effektiven Lösungsvorschlag.

Bild: Depositphotos 59468713 ©atelierknox

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager