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Entscheidungen treffen ist für die meisten Menschen immer wieder eine Herausforderung. Grund genug verschiedene Situationen und Strategien zu beleuchten. Insbesondere, wenn es darum geht den entscheidungsschwachen Chef zu einer Entscheidung zu bringen.

  • Wie treffen Sie selbst Entscheidungen? Eine grundsätzliche Strategie
  • Wie Sie Ihren Chef dazu bringen, eine Entscheidung zu treffen
  • Wie bewegen Sie Ihren entscheidungsschwachen Vorgesetzten im mittleren Management dazu, eine Entscheidung zu treffen?
  • Wie motivieren Sie einen entscheidungsschwachen Chef im Top-Management dazu, eine Entscheidung zu treffen?
  • Dafür sorgen, dass der Chef Entscheidungen trifft – das Wichtigste im Video

Wie treffen Sie selbst Entscheidungen? Eine grundsätzliche Strategie

Wie treffen Sie selbst Entscheidungen?“ Haben Sie sich selbst mal diese Frage gestellt? Auf welche Antwort sind Sie gekommen? Barbara Thullmann hat in ihrer Abschlussarbeit zum Thema „Modelling von Entscheidungsstrategien“ versucht ein Modell zu entwickeln, wie man Entscheidungen trifft. Sie nahm mich dafür als Vorbild. Sie können Ihre Arbeit hier nachlesen.

Dem Bauchgefühl trauen

Wie also treffe ich selbst Entscheidungen? Für mich ist dabei ganz zentral, dass ich meinem Bauchgefühl, meiner Intuition folge. Allerdings ist es so, dass gerade unter großem Druck und Stress, den Sie als Unternehmenslenker oder Führungskraft täglich erleben, die vorderen Gehirnteile blockiert werden – und genau diese sind für kreative und souveräne Entscheidungsprozesse nötig. Umso wichtiger ist es, für sich selbst ein Modell zur Entscheidungsfindung zu entwickeln, das auch unter Stress funktioniert. In der Praxis haben sich bei mir folgende vier Schritte bewährt:

Entscheidungen treffen mit der 4-Schritte-Strategie
  1. Was ist das höchste Ziel?
    Was wollen Sie wirklich? Um das herauszufinden, können Sie mit dem Verstand Prioritäten setzen und das Ergebnis dann mit dem Bauch abgleichen, oder sich zunächst auf das Bauchgefühl konzentrieren und dann den Kopf dazu holen. Ziel ist es Kopf und Bauch auf eine Linie zu bringen und nicht einseitig zu entscheiden.
    Lesen Sie dazu auch: Wie die Natur Entscheidungen fällt
  2. Was bin ich bereit, für mein Ziel zu tun?
    Es geht jetzt darum, was Sie bereit sind, für das Ziel zu leisten.  Wie hoch darf das Risiko sein? Wo kann ich Kompromisse machen? Wie stelle ich sicher, dass das Ziel auch erreicht werden kann? Alternative Lösungswege?
  3. Worst-Case-Szenarien
    Was kann schlimmstenfalls passieren? Wie gehe ich mit Überraschungen von außen um? Das Durchspielen verschiedener Szenarien sichert eine Entscheidung ab und bereitet auf die Umsetzung vor.
  4. Entscheidung treffen
    Leitfragen: Welche Entscheidungen gibt es? Was ist die beste Entscheidung? Was ist meine beste Entscheidung?

Ich hoffe, dass Sie mit dieser 4-Schritte-Strategie leichter eigene Entscheidungen treffen können.

Wie Sie Ihren Chef dazu bringen, eine Entscheidung zu treffen

Für sich selbst Entscheidungen zu treffen ist schon nicht leicht. Aber wie bewege ich jemand anders dazu, dass er eine Entscheidung trifft? Jeder zweite Mitarbeiter in Deutschland findet, dass sein Chef zu lange zögert, bis eine Entscheidung getroffen wird – das zumindest ist das Ergebnis einer Studie der internationalen Unternehmensberatung Hay Group.

Der Grund für die mangelnde Entscheidungsfreude laut Studie: Nachdem Themen in verschiedenen Gremien behandelt wurden, landen sie auf komplizierten, langen Kommunikationswegen zur Entscheidung am Ende doch beim Vorstand. Und der muss sich dann wiederum erst mal in die Thematik einfinden und entscheidet in der Regel weder sofort – noch immer klug.

Auch im Executive Coaching beklagen frustrierte Führungskräfte häufig, dass sie handlungsunfähig seien, weil ihr Vorgesetzter seiner Verantwortung nicht gerecht wird. Keine Frage – ein entscheidungsschwacher Vorgesetzter kann den ganzen Betrieb lahmlegen. Sie befinden sich dauernd in der Warteschleife, weil Sie auf Freigaben des Chefs warten und können so Ihre Projekte nicht abschließen und Ziele nicht erreichen. Was also tun?

Wie bewegen Sie Ihren entscheidungsschwachen Vorgesetzten im mittleren Management dazu, eine Entscheidung zu treffen?

Im ersten Fall geht es darum, wie Sie mit einem entscheidungsschwachen Chef im mittleren Management umgehen können.

  1. Konsequenzen aufzeigen
    Im sachlich-pragmatisch dominierten Mittelmanagement können und sollten Sie Ihr Anliegen direkt kommunizieren. Meist hilft es schon, wenn Sie Ihrem Vorgesetzten deutlich machen, dass die Entscheidung definitiv nicht in Ihren Kompetenzbereich fällt und welche Konsequenzen ein weiteres Hinausschieben hat – etwa in der Art: „Ich brauche diese Entscheidung, sonst können wir nicht weiterarbeiten.”
  2. Gründliche Vorbereitung
    Bereiten Sie die Entscheidung fachlich und inhaltlich gründlich vor und tun Sie damit alles, um Ihrem Vorgesetzten die Entscheidung zu erleichtern. Im Gespräch können Sie sich dann als Experte positionieren: Stellen Sie die Situation dar, zeigen Sie die Alternativen auf und führen Sie aus, welche Argumente für die verschiedenen Alternativen sprechen.
    Wenn der Vorgesetzte trotzdem keine Entscheidung trifft, sind weitere Schritte erforderlich. Die Strategie liegt darin, für den Vorgesetzten die Schwelle für die Entscheidung immer niedriger zu setzen.
  3. Verständnis zeigen
    Fragen Sie Ihren Vorgesetzten, bis wann Sie mit einer Entscheidung rechnen können und ob er noch eine Information benötigt. Signalisieren Sie ihm also, dass Sie Verständnis für sein Zögern haben – aber machen Sie deutlich, dass Sie seine Entscheidung brauchen.
    Bleibt die Entscheidung weiterhin aus, sollten Sie Ihrem Vorgesetzten deutlich machen, dass Sie mit Ihrem Team gerne weiter an dem Projekt arbeiten würden, dies aber unter den gegebenen Voraussetzungen nicht möglich ist. Machen Sie deutlich, dass die Verantwortung für die Folgen nun allein bei ihm liegt. Das sollte ganz sachlich, ohne Härte im Ton geschehen, etwa: „Es tut mir leid. Die Rahmenbedingungen sind jetzt einfach so, dass wir nicht weiterkommen…”
  4. Konsequent sein
    Wenn der Vorgesetzte nun immer noch blockt, müssen Sie konsequent sein: Die Arbeit an dem betreffenden Projekt muss jetzt tatsächlich so lange ruhen, bis die Entscheidung da ist.
    Die klare Aussage: Trifft Ihr Chef keine Entscheidung passiert auch nichts im Sinne der Aufgabe.
    Die Erfahrung zeigt, dass Sie mit diesem konsequenten Verhalten den Chef aus dem mittleren Management in vielen Fällen dazu bringen, eine Entscheidung zu treffen. Damit ist Ihr Ziel erreicht.

Wie motivieren Sie einen entscheidungsschwachen Chef im Top-Management dazu, eine Entscheidung zu treffen?

Während Sie bei einem Vorgesetzten im mittleren Management mit einer klaren, direkten Vorgehensweise recht erfolgreich zum Ziel kommen, sollten Sie mit einem Chef des Top-Managements, das kann ein Geschäftsführer, C-Level oder auch Vorstand sein, behutsamer vorgehen. Im mittleren Management und im Top-Management herrschen andere Gesetze, dies sollten Sie unbedingt berücksichtigen, wenn Sie wollen, dass Ihr Chef eine Entscheidung trifft.

Beginnen wir mit einem konkreten Beispiel aus dem Executive Coaching und schauen uns Strategien für das Top-Management an.

Praxisbeispiel: Die Entscheidung liegt außerhalb Ihres Verantwortungsbereichs

Einem Vorstandsmitglied in einem großen Unternehmen unterstanden zwei Forschungsbereiche, die bislang getrennt geführt wurden. Es gab immer wieder Konflikte, die nun durch eine Umstrukturierung beseitigt werden sollten. Anstatt über die neue Struktur eine Entscheidung zu treffen, wies der Vorstand Bereichsleiter A an, er solle sich doch mit seinem Kollegen B über eine Lösung einigen.

Dem Bereichsleiter wurde schnell klar: Diese Angelegenheit lag eindeutig außerhalb seines Verantwortungsbereichs. Folglich konnte die Lösung nur darin liegen, den Vorstand dazu zu bewegen, die neuen Strukturen zumindest grob festzulegen und eine grundsätzliche Entscheidung zu treffen.

Im Führungskräftecoaching entwickelten wir eine Strategie aus folgenden Schritten:

  1. Wertschätzendes und respektvolles Gespräch
    Der Bereichsleiter A hatte ein gutes Verhältnis zu dem Vorstand. Er nutzt dieses für ein sehr wertschätzendes und respektvolles Gespräch.
  2. Objektive Beschreibung
    Er beschrieb objektiv die aktuelle Situation und die daraus resultierenden Nachteile für das Unternehmen.
  3. Vorteile aus Sicht des Chefs aufzeigen
    Dann beschrieb er, welche Vorteile für den Vorstand entstünden, wenn eine Lösung gefunden würde – dass die Arbeit deutlich effektiver würde, dass damit ein Imagegewinn für den gesamten Unternehmensbereich verbunden wäre, was nicht zuletzt auch der Positionierung des Vorstands selbst zu Gute käme.
  4. Keinen Vorschlag machen – offene Frage stellen
    Abschließend machte Bereichsleiter A bewusst keinen Vorschlag, sondern stellte die offene Frage, wie man eine Lösung am besten erreichen könnte.

Die Strategie funktionierte: Der Vorstand fing an, seine Sicht der Dinge darzulegen. Er beschrieb, wie er sich die Funktionen der Leiter A und B künftig vorstellte: „Ich denke mal, Ihre Rolle sollte eher diese sein, Ihr Kollege B könnte dann …“ Kurzum: Der Vorstand traf nun tatsächlich die notwendige Entscheidung.

Keinen Druck aufbauen

Der Bereichsleiter hat es durch die sehr behutsame Gesprächsführung geschafft, dass der Vorstand sich jetzt tatsächlich mit der Situation auseinandersetzte, die Vorteile einer Lösung und die Notwendigkeit seiner eigenen Entscheidung erkannte.

Gleichzeitig – und das ist für den Umgang mit entscheidungsschwachen Vorgesetzten im Top-Management der zentrale Punkt – fühlte sich der Vorstand durch die objektive Situationsbeschreibung des Bereichsleiters weder unter Druck gesetzt, noch musste er einen Gesichtsverlust befürchten.

Im Gegenteil: Ihm wurde eine Lösung offeriert, die seine eigene Position sogar stärken würde, weil sie vorteilhaft für das Gesamtunternehmen war.

Dafür sorgen, dass der Chef Entscheidungen trifft – das Wichtigste im Video

Egal, ob der Vorgesetzte im Top-Management oder mittleren Management ist, wenn er nicht entscheidet, hat das große Auswirkungen auf Sie. Der eine entscheidet nicht, weil er konfliktscheu ist, der andere traut sich nicht, weil er keinen Fehler machen will. Der dritte schiebt die Sache hinaus, weil er sie thematisch nicht wirklich verstanden hat. Die Situation, wie Sie einen entscheidungsschwachen Chef dazu bewegen, dass er eine Entscheidung trifft, gehört zu den Klassikern im Führungskräfte Coaching.

Wenn Sie einen solchen Chef haben lautet die entscheidende Frage: Wie bringen Sie den Vorgesetzten dazu, seiner Verantwortung gerecht zu werden und zu entscheiden?

Im Video finden Sie die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

Fazit:

In diesem Artikel haben Sie zahlreiche Strategien kennengelernt, wie Sie selbst Entscheidungen leichter treffen können. Sie wissen nun, dass Sie bei einem Vorgesetzten aus dem mittleren Management anders vorgehen müssen, um ihn zu dazu zu bewegen, dass er eine Entscheidung trifft, als mit einer Führungskraft aus dem Top-Management. Was beim mittleren Management wirkungsvoll ist, kann beim Umgang mit dem Geschäftsführer, Vorstand oder Vorstandsvorsitzenden fatal sein.
Berücksichtigen Sie die unterschiedlichen Strategien und Sie werden feststellen wie deutlich leichter Ihr entscheidungsschwacher Chef Entscheidungen trifft.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

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Foto: Depositphotos 200156322 ©ra2studio

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager