Der Leistungsträger - Blog

Ich weiß, über dieses Thema spricht man nicht gerne – wer fühlt sich schon gerne als Versager und gibt das am Ende auch noch zu? Ich kann Sie beruhigen: Mit Versagensängsten an der Führungsspitze sind Sie bei Weitem nicht alleine, es wird nur nicht offen darüber gesprochen! Immer häufiger sind Ängste ein unangenehmer Begleiter bei Leistungsträgern. Hierfür gibt es unterschiedliche Beispiele.

Nehmen wir an, Ihre Erfolge bleiben aus und Sie wissen einfach nicht woran es liegt – spüren aber schon die Augen Ihrer Kollegen im Nacken und können es förmlich hören, wie hinter Ihrem Rücken über Sie geredet wird. Sie haben bis zu diesem Zeitpunkt bereits einige Stellschrauben gedreht und Vieles versucht, finden aber die Lösung als Ausweg einfach nicht. Sie wissen nur, dass sich schnell etwas ändern muss. Ansonsten sind Sie geliefert und haben kläglich in Ihrem Job versagt. Sie bringen es einfach nicht mehr, denken Sie. Das Dumme in solchen Momenten ist: Niemandem können Sie sich mit Ihrer Angst zu versagen anvertrauen und offen über Ihre Sorgen reden. Ihrem Lebenspartner fällt es schwer, die komplizierten Interna im Unternehmen richtig einzuordnen und vor Ihren Kollegen würden Sie Ihr Gesicht verlieren. Wer weiß, ob die Ihre Themen auch nicht gleich als persönliche Schwäche auslegen und bei der nächsten Kaffeepause zum Besten geben? Ihre Situation ist verfahren. Sie sind einsam mit Ihren Gedanken und verzweifelt. Sie versuchen unermüdlich Ihre Segel weiter zu setzen, jedoch wird alles nur noch schlimmer. Inzwischen wissen Sie nicht mehr, was Sie wirklich wollen. Ist die empfundene Last als Lenker an der Unternehmensspitze überhaupt etwas für Sie? Sind Sie dem gewachsen?

„Ich kann meinen eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden.“

„Ich fühle mich als Versager“, so mein Klient Markus im Führungskräfte Coaching. Markus ist vor wenigen Monaten mit seinem Team aus einem mittelständischen Unternehmen zurück in einen Konzern gewechselt. „Hier ist die Umsetzung langwieriger Projekte aufgrund finanzieller Stabilität deutlich einfacher“, erklärte er. Seine neue Führungsrolle ist zum ersten Mal nun direkt ganz oben an der Unternehmensspitze. Mit Freude und Energie startet er in seiner neuen Rolle und kümmert sich voller Tatendrang um die Umsetzung seiner Aufgaben. Bisher war Markus es gewohnt, konstruktiv mit seinem Team zu arbeiten, Dinge anzupacken und vor allem zu realisieren. Für seine Ergebnisse hat er stets die Anerkennung seiner Vorgesetzten genossen – die ihn natürlich zeitgleich immer weiter motiviert hat. Zu diesem Zeitpunkt war Markus ein engagierter sowie selbstbewusster Mann und sich sicher auf dem richtigen Weg zu sein.

Nach der Begeisterung folgt die Unsicherheit.

Seitdem er selbst als Führungskraft an der Unternehmensspitze arbeitet, läuft es für ihn nicht mehr so leicht wie zuvor. Markus ist zunehmend über den Umgang seiner Kollegen miteinander auf dieser Ebene irritiert. Anstelle von Wohlwollen, Anerkennung und Unterstützung werden politische Spiele gespielt – die ihm völlig zuwider sind und denen er sich gerne entziehen möchte. Durch die ausbleibende Bestätigung verliert er zunehmend an Sicherheit und weiß nicht mehr, was von ihm erwartet wird. „Bin ich überhaupt noch auf dem richtigen Weg?“, fragt Markus. Dazu steht er gleichermaßen unter Erfolgsdruck: Er muss doch Ergebnisse liefern in seiner Position. Seine Selbstzweifel werden immer lauter. Markus neigt in dieser Situation sogar dazu, sich auf seine negativen Gedanken zu fokussieren und seine Arbeitslast noch weiter zu erhöhen, seinen Perfektionismus noch weiter zu steigern. Nur, um nicht gänzlich zu versagen. Die Angst zu versagen treibt ihn immer weiter an. Markus möchte alles richtig machen – weiß aber nicht, was genau das Richtige ist. Sein größter Wunsch ist, einfach nur seine Arbeit machen zu können – stattdessen verbiegt er sich jeden Tag mehr, steht immer mehr unter Druck und seine Ängste und Selbstzweifel wachsen. An diesem Punkt lernen wir uns kennen.

„Kann ich die Erwartungen des Vorstands überhaupt erfüllen?“

Das war die erste direkte Frage an mich in unserem Führungskräfte Coaching. „Grundsätzlich ja, jedoch müssen Sie in einigen Bereichen für Klarheit sorgen“ lautet meine Antwort. Hier zog Markus nur eine Augenbraue hoch: „Als wenn ich das nicht schon für mich versucht hätte!“ Mutlos schüttelte Markus mit dem Kopf. Ich erkläre ihm den wesentlichen Unterschied zu seinen vorherigen Bemühungen und unserem Coaching: Jetzt ist er nicht mehr alleine mit seinen Gedanken und Sorgen – gemeinsam sorgen wir nun für Klarheit in seinem Leben! Den ersten Schritt hat Markus also bereits gemacht, in dem er sich einen Gesprächspartner gesucht hat, bei dem er sanktionsfrei über seine Sorgen und Ängste reden kann.

Im zweiten Schritt schauen wir gemeinsam, was Markus wirklich will. In welcher Position fühlt er sich am Wohlsten, was ist er bereit dafür zu zahlen? Im Verlauf des Führungskräfte Coachings wurde schnell klar, dass er gerne in seiner aktuellen Position bleiben möchte – jedoch ohne sich weiter persönlich zu verbiegen. Das ist für ihn ein absolutes No-Go und auf Dauer nicht zu ertragen. Hierzu gehört auch, dass wir die Erwartungen seitens des Vorstands an ihn und seine Rolle klären. Wir schauen, welche Möglichkeiten es gibt, diese zu erfüllen und welchen Weg Markus davon bereit ist zu gehen. Weiterhin ist es als Grundlage unbedingt notwendig, dass Markus die Spielregeln an der Unternehmensspitze erkennen lernt und diese spielen kann, ohne sich dabei zu verbiegen. Nur so kann Markus sowohl seinen eigenen Werten weiter treu bleiben, aber zeitgleich seine Projekte nach seinen Vorstellungen umsetzen. Inzwischen hat Markus wieder deutlich mehr Leichtigkeit und Freude an seinem Tun gewonnen – bleibt aber bei mir im Coaching, um sein neu gewonnenes Handwerkszeug noch weiter zu festigen und um für seine berufliche Karriere in Zukunft gewappnet zu sein. Sowohl privat als auch beruflich hat er sich weitere Ziele gesetzt und ist auf dem Weg diese zu erreichen.

Welche Erfahrungen haben Sie an der Unternehmensspitze gemacht?

Natürlich ist es immer ein persönlicher Prozess für jeden Einzelnen, der die Herausforderungen an der Unternehmensspitze für sich annimmt. In jedem Fall ist es möglich, diese ohne sich persönlich zu verbiegen zu meistern. Eine Schablone für alle Situationen gibt es natürlich nicht, daher freue ich mich, wenn Sie mir von Ihren Herausforderungen berichten. Kennen Sie selbst Situationen, die sich für Sie ausweglos anfühlen? Haben Sie jemanden als Vertrauten zum Reden gefunden oder einen gänzlich anderen Weg gewählt? Schreiben Sie mir gerne Ihre Erfahrungen und Erlebnisse hierzu – ob als Kommentar in meinem Blog oder persönlich per E-Mail, das entscheiden Sie. Ich freue mich.

Ihre Gudrun Happich

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Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei