Cholerischer Chef: 3 Tipps wie Sie mit einem launischen Chef umgehen

Der Leistungsträger - Blog

Cholerische Chefs sollte man verbannen. Aber es gibt sie immer noch. Erfahren Sie, wie Sie mit Ihrer Angst vor dem Chef umgehen. Insbesondere, wenn es ein Chef ist, der schreit und Sie beleidigt. Entdecken Sie 3 Tipps, wie Sie sich besser wappnen können und Ihr Selbstbewusstsein wieder stabilisieren.

Ich war schockiert, als ich im Spiegel folgende Meldung las: „Knapp die Hälft aller Mitarbeiter (44 %) hat Angst davor, Schwierigkeiten bei den Chefs oder der Geschäftsführung anzusprechen.“

Vielleicht denken Sie, na das betrifft ja nur den „einfachen“ Mitarbeiter.

Aber: weit gefehlt. Denn im Grunde hat jeder immer noch einen „über“ sich. Das kann der Vorstand,  der Aufsichtsrat oder auch mal ein wichtiger Aktionär sein. Und wenn Sie alleiniger Geschäftsführer sind, dann kann es ein wichtiger Kunde sein. Die Situation ist immer ähnlich: Sie befinden sich in einem „Abhängigkeitsverhältnis“ zu einer Ihnen wichtigen Person. Und was machen Sie, wenn diese Person, bzw. dieser Chef „unerträglich“ ist?

Angst im Job

Kenn Sie das? Sie befinden sich in einer „gefühlten“ Abhängigkeit und schon sind Sie „empfindlicher“. Sie achten besonders darauf alles „richtig“ zu machen. Gerade Sie als Leistungsträger sind es ja gewohnt durch „gute Leistungen“ zu punkten. Und als Leistungsträger ist man besonders getroffen, wenn diese Leistung, nicht gewertschätzt oder sogar noch herabgewürdigt wird. Ein Chef, der einen anschreit löst bei vielen automatisch „Angst“ aus.

Angst vor Versagen

Der erste Gedanke ist fast immer „Habe ich was falsch gemacht? Was habe ich falsch gemacht?“ Diese Angst kann in bestimmten Fällen nahezu chronisch werden. Sie sitzt quasi als „Dauergast“ auf Ihrer Schulter. Es ist die Angst vorm Versagen, die Angst nicht gut genug zu sein, die Angst vor Ablehnung, die Angst vor der Kündigung, den Auftrag nicht zu bekommen und noch vieles mehr. In einem Artikel für die CIO habe ich über die unterschiedlichen Ängste von Führungskräften geschrieben. Wer traut sich mit dieser tiefsitzenden Angst noch „Schwierigkeiten bei den Chefs anzusprechen? Hauptsache die „Stimmung gut“ halten, ist bei den meisten der nachvollziehbare reflexartige Gedanke.

Angst vor launischem Chef

So ist auch nachvollziehbar, dass laut der Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes 52 % aller Mitarbeiter, die älter als 55 Jahre sind Angst haben. Bei den jüngeren sind es immerhin noch 30 % die ein angstbesetztes Betriebsklima wahrnehmen. Die Angst davor, seine eigene Meinung zu sagen nimmt mit der Größe des Unternehmens zu.

Vom cholerischen Chef angeschrien werden

Der schwerwiegendste angstauslösende Faktor ist die unberechenbare Persönlichkeit des Vorgesetzten. Ein cholerischer Chef, der launisch ist, der schreit und beleidigt, verhindert eine – vertrauensvolle – Beziehung zwischen Chef und Mitarbeiter. Und damit ist man angespannt, statt offen und konstruktiv.

Eine Klientin erzählte von folgender Situation: „Ich musste eine Präsentation im Board Meeting halten. Ich war inhaltlich extrem gut vorbereitet. Der Vorstand ist ein unberechenbarer Kerl, man weiß nie, was im nächsten Moment passiert. Es kann sein, dass er mich in den höchsten Tönen lobt, oder auch niedermacht. Je nachdem, wie er gerade gelaunt ist. – Am Ende dieser Präsentation stellte der Vorstand ein paar Fragen, die so überhaupt nicht zum Thema passten. Ich schwieg, weil ich nicht wusste, was ich jetzt antworten sollte. Nach ca. 30 Sekunden brüllte mich der Vorstand an, ich sei eine Null, ich hätte ja gar keine Ahnung… Und das alles vor versammelter Mannschaft. Ich sackte vor Angst und Scham in mich zusammen.“

Perfekte Vorbereitung als Lösung für einen unerträglichen Chef?

Um sich auf so einen Chef besser einstellen zu können, bemühen sich viele Mitarbeiter „alles richtig und perfekt“ zu machen. Sie strengen sich an und nicht selten artet dies in Perfektionismus aus. Bloss keine Angriffsfläche für Kritik bieten. Das ist allzu verständlich. Bei einem unerträglichen Chef führt dieser Mechanismus i.d.R. zu einer noch höheren inneren Anspannung.

Meistens läuft die Situation allerdings trotzdem schief. Man kann förmlich darauf warten, bis wieder etwas passiert und Sie die komplette Nicht-Wertschätzung oder die Wut des Chefs abbekommen. Das ist unfair, ungerecht und nicht auszuhalten. In solchen Situationen verschlägt es einem die Sprache. Kreatives und situatives Denken? Fehlanzeige. Die perfekte Vorbereitung mag Ihnen helfen souveräner in so eine Situation hineinzugehen. Die „Lösung“ für den Umgang mit so einem Chef ist sie allerdings nicht.

Wie gehen Sie mit einem Chef um, der Sie anschreit und beleidigt?

Mit dieser Klientin haben wir folgendes besprochen: Das Schlimmste ist Schweigen! Das führt i.d.R. dazu, dass das Gegenüber so richtig ausflippt. Ok, was also tun?  Ich habe meine Klientin gefragt, was bei ihr in dem Moment im Innern passiert ist. Sie formulierte „viel, sehr viel. Am Anfang dachte ich, diese Frage passt gar nicht zu meiner Präsentation. Danach war ich krampfhaft damit beschäftigt eine „richtige“ Antwort auf die Frage des Vorstandes zu finden.“ – Halt, entgegnete ich Ihr in dem Moment. Wenn Sie das nächste Mal in so eine Situation kommen, dann formulieren Sie doch genau  das, was in Ihnen vorgeht. Es sind ja konstruktive Gedanken.

Umgang mit der Angst: „Das Innere kommentieren“

Etwas skeptisch setzte meine Klientin genau diesen Vorschlag in der nächsten Situation mit dem Vorstand um. Sie hat formuliert, was Sie in dem Moment gedacht hat. Die Reaktion war erstaunlich. Der Vorstand war voll des Lobes. Er betonte ihr „Mitdenken“, „ihre klugen und konstruktiven Gedanken“ und sie wurde als sehr talentierte Mitarbeiterin gewertschätzt. Meine Klientin hat fortan diese „Technik“ immer wieder genutzt. Es kam nie wieder zu ausartenden Anfällen.

Manchmal können Lösungen so einfach sein. Entscheidend ist immer, dass die Lösungen für Sie einfach und vor allem leicht anwendbar sind. Daher finden Sie jetzt ein paar praxiserprobte Tipps.

3 Tipps zum Umgang mit einem „launischen“ Chef

1. Sagen Sie etwas! Schweigen Sie nie!

Aus dem obigen Beispiel haben Sie eine Idee erhalten, die sich bislang bei all meinen Klienten bewährt hat. Kommentieren Sie das, was jetzt gerade in Ihnen vorgeht. Formulieren Sie Ihre Gedanken. Es sind keine „künstlichen“ Gedanken, sondern Gedanken, die sich mit dem Thema, um das es gerade geht, beschäftigen. Auch wenn Sie im Moment keine kreativen Höchstleistungen vollbringen können – weil Ihr Gehirn komplett blockiert ist. So ist es fast immer möglich, das was sowieso in Ihnen vorgeht, laut zu äußern. Ich nenne es „inneres Kommentieren“. In allen Beispielen zeigte sich, dass die Kommunikation zumindest weiterlief und sich meistens der Ton absolut zum Positiven verändert hat.

2. Setzen Sie eine Grenze

Das hört sich gut an und wird in vielen Praxisratgebern gepriesen. Allerdings ist die Umsetzung meistens mehr als schwierig. Unter „Grenze setzen“ empfinden die meisten „einen Konterpunkt“ setzen. Das klingt nach „laut“ und „energisch“. Selbst, wenn Sie Ihrer Wut freien Lauf ließen und dies als Grenze setzen empfinden. Es verfehlt in der Regel die Wirkung.Eine wirkungsvolle Möglichkeit eine Grenze zu setzen verspricht folgende Art und Weise:

Stellen Sie sich auf Augenhöhe vor Ihrem Gesprächspartner hin. Das hilft Ihnen Ihre Angst im Griff zu behalten. Dann sagen Sie EINEN SATZ. Nicht mehr und nicht weniger.Keine Begründung einfach nur einen Satz. Diesen Satz formulieren Sie bitte laut und klar.

Somit demonstrieren Sie Souveränität und Standfestigkeit. Diese Vorgehensweise verhilft Ihnen insbesondere bei männlichen Vorgesetzten zu mehr Respekt und Anerkennung.
(Achtung: auch wenn Sie das Bedürfnis haben: rechtfertigen und erklären Sie sich nie!)

3. Nehmen Sie es nicht persönlich

Leichter gesagt, als getan. Aber: das Problem ist der cholerische Chef, der sich nicht im Griff hat, nicht Sie. Machen Sie sich das bitte bewußt. Am besten auch jedes mal im Vorfeld, bevor Sie mit dem unerträglichen Chef zu tun haben. Manchmal hilft auch 3 x tief durchatmen, sich mantramäßig immer wieder sagen: Es ist SEIN Problem!

Wichtig ist immer: Finden Sie eine Möglichkeit zur Selbstregulation. D.h. wenn Sie aus dem Gleichgewicht gekommen sind, ist es wichtig, dass Sie so schnell als möglich wieder „Boden unter die Füße“ bekommen, Ihre Mitte finden  oder nennen Sie es wie Sie wollen. Es geht immer um’s Gleiche:

Es ist wichtig, dass SIE selbst wieder in Balance kommen und handlungsfähig werden. Wenn alles nichts mehr hilft, dann nehmen Sie sich eine kurze „Auszeit“ und gehen Sie auf die Toilette. Diese kleine Auszeit hat schon manches Wunder bewirkt. Und in JEDER Situation kann es einem ja passieren, dass man ein dringendes Bedürfnis hat, oder?

In einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)Der Feind in meinem Büro“ habe ich weitere Tipps formuliert. Im HandelsblattGewinnen im Konflikt der Generationen“ finden Sie Tipps für junge Mitarbeiter mit älteren abwertenden Chefs.

Fazit:

Der Umgang mit cholerischen Chefs ist mehr als schwierig. Wenn Sie den Kontakt nicht vermeiden können, dann brauchen Sie eine passende Umgangsform. Angst lähmt und führt in solchen Momenten nur noch zur Verschlimmerung der Situation. Einem Chef, der schreit und beleidigt, können Sie begegnen, indem Sie auf jeden Fall NICHT schweigen und sich in Ihr Schneckenhaus zurückziehen. Werden Sie aktiv. Kommentieren Sie Ihre Inneres, formulieren Sie genau EINEN Satz und nehmen Sie es nicht persönlich. Es ist das Problem des unerträglichen Chefs.

Was immer hilft: reden Sie mit Ihren Kollegen, lassen Sie sich unterstützen und helfen. Fördern Sie die Kollegialität untereinander. Denn Sie können sich sicher sein: der cholerische Chef geht auch mit anderen so um.

Ich drücke Ihnen die Daumen, dass sich die Anzahl der cholerischen Chefs in Ihrem Umfeld auf ein Minimum reduziert und Sie mit diesen Tipps einen besseren Umgang finden. Berichten Sie gerne von Ihren eigenen Erfahrungen.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

P.S. Sie sind auf der Suche, wie Sie mit IHREM cholerischen Chef besser umgehen können? Dann schreiben Sie mir Ihre konkrete Situation. Wir finden eine Lösung.

Bild: Depositphotos #5905667 @olly18

 

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager