Was tun, wenn der Chef nicht entscheidet?

Was tun, wenn der Chef nicht entscheidet?

Die Rede ist viel von den Alpha-Tieren, jene die quasi schon zum Frühstücksei eine millionenschwere Entscheidung gefällt haben müssen, sonst fehlt ihnen dieser kleine Adrenalinkick am Morgen. Aber aus meinen Führungskräftecoachings weiß ich: es gibt auch das Gegenteil. Und der schwächelnde, blasse Vorgesetzte, der es augenscheinlich hasst zu entscheiden, ist gar nicht so selten. Was tun, wenn so ein Typus vor Ihrer Nase sitzt? Wenn er mit seiner eigenen Starrheit auch alle um sich herum in Stillstand zu versetzen droht und letztlich Sie und Ihr Team die Leidtragenden sind? Klar ist: Sie müssen etwas tun! Stillhalten und aussitzen bringt nichts. Klar ist aber auch: Es kommt sehr darauf an, auf welcher Ebene Sie selbst bzw. Ihr Chef sitzen. Ganz oben kann es gefährlich ins Auge gehen, wenn Sie machen und Ihren Vorgesetzten erst anschließend in Kenntnis setzen. Hier einige Tipps, wie Sie mit einer solchen Situation umgehen können:

ER muss entscheiden
Grundsätzlich gilt: Sie brauchen Ihren Vorgesetzten! Um wichtige Entscheidungen voranzubringen und Abteilungsziele zu erreichen, um innovative Ideen durchzusetzen, um neue Ziele zu definieren. Sie können und sollen ihm seine Entscheidungen nicht abnehmen. Es gilt das Gesetz: Treffen Sie nur Entscheidungen, die in Ihrem Verantwortungsbereich liegen.

Beweggründe verstehen, Wut loswerden
Wer es mit entscheidungsschwachen Vorgesetzten zu tun hat, ist oft sehr wütend und hat das Gefühl „Der WILL ja gar nicht entscheiden“. Tatsächlich stellt sich bei genauerer Sicht oft heraus, er KANN es nicht. Die Wut verraucht und man kann strategisch klug vorgehen. Konfliktscheue, thematisches Unverständnis und Angst vor Fehlern sind die häufigsten Gründe für Entscheidungsschwäche, die ich in meinen Managementcoachings kennengelernt habe. Häufig ist der Chef selbst in der Klemme, soll Entscheidungen treffen, ohne die genauen Hintergrundinformationen zu haben oder die Auswirkungen kalkulieren zu können. Vielleicht kennt er die Strategie seines eigenen Vorgesetzten nicht, womöglich gibt es sie ist auch (noch) gar nicht.

Das Beziehungsgeflecht durchschauen, entsprechend der Führungsebene agieren
Wie jeder von uns, ist Ihr Chef Teil eines Beziehungsgeflechts und es lohnt sich anzuschauen, welche Rahmenbedingungen er in seiner Position hat. Um diese Zusammenhänge klar zu machen, arbeite ich als Führungskräftecoach mit der  „bioSystemik®“, die Erfolgsstrategien aus der Natur für die Wirtschaft nutzbar macht. Das Beziehungsgeflecht im Top-Management ist zum Beispiel vergleichbar mit einem Ökosystem, das sich selbst regelt und steuert. Um es verstehen und für seine Vorteile nutzen zu können, muss man das komplexe Zusammenspiel der beteiligten Personen verstehen und mit politischem Kalkül agieren. Im  sachlich- pragmatischen Mittleren Management dagegen punktet die Klarheit der Argumente, es geht um Inhalte und Ergebnisse.
Wer Entscheidungen forcieren muss, sollte also entsprechend der Führungsebene, mit der er es zu tun hat, argumentieren und so den Vorgesetzten in eine Situation bringen, in der er leicht entscheiden kann. Während es im Gespräch mit dem Top-Management ein No-Go ist, den Ansprechpartner unter Druck zu setzen und man eher mit offenen Fragen als mit Vorschlägen arbeitet, kann man den Chef im mittleren Management unter einen viel stärkeren sachlichen Zugzwang setzen.

Bevor Sie nun aktiv werden, sollten Sie im Vorfeld klar definieren, was Sie erreichen wollen. Bereiten Sie dann eine gute Entscheidungsgrundlage vor, einschließlich möglicher Alternativen. Psychologisch ist es klug, dem Chef das Gefühl zu geben, dass er entscheidet – obwohl es eigentlich Ihr Vorschlag ist.

Aber bei allem Verständnis, Respekt und Fingerspitzengefühl: Machen Sie klar, dass Sie die Entscheidung benötigen.

Wenn das alles nichts hilft, muss von Ihnen ein klares  NEIN kommen. Machen Sie deutlich, dass die Verantwortung für die Folgen fortan bei Ihrem Chef liegt. Offenheit entwaffnet: „Es tut mir fürchterlich leid. Die Rahmenbedingungen sind jetzt einfach so, dass wir nicht weiterkommen.“ Danach müssen sie konsequent bleiben: Die Arbeit an dem betreffenden Projekt darf erst dann weitergeführt werden, wenn die Entscheidung gefallen ist.

Verraten Sie mir Ihre Erfahrungen mit entscheidungsschwachen Chefs?

Ihre Gudrun Happich

Update: Lesen Sie dazu auch die 3-teilige Blogreihe: “Was tun bei entscheidungsschwachen Vorgesetzten?

 



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