Der Leistungsträger - Blog

Was Führungskräfte in den Medien lesen oder auf Seminaren lernen, ist in der Regel aufs mittlere Management abgestimmt. Das sind tolle Karriere Tipps, aber für Newcomer im Top Management völlig unbrauchbar. So passiert es immer wieder, dass die meisten Aufsteiger völlig unvorbereitet ins Topmanagement gelangen. Und vielfach auf dem (hochpolitischen) Parkett der Top Etage in kürzester Zeit ausrutschen.

Karriere Tipp Nr. 1:

Ihnen ist i.d.R. eines nicht bewusst: Während sich Leistung und Erfolg im Mittelmanagement vor allem an guter Mitarbeiterführung festmachen, definiert sich Leistung im Topmanagement völlig anders – nämlich durch strategisch kluge Einflussnahme. Im Mittelpunkt stehen jetzt Strategien, um Einfluss zu gewinnen und Einfluss zu nehmen.

Karriere Tipp Nr. 2:

Das hat zur Folge, dass auch Arbeitsweise und Umgangsformen andere sind als im Mittelmanagement. Wer ins Topmanagement aufsteigt, muss im Extremfall damit rechnen, dass politische Taktik, Misstrauen und doppelbödige Kommunikation das Geschehen bestimmten.

Wie ist es nun möglich, sich auf diesem hochpolitischen Parkett souverän zu bewegen?

Machen Sie es wie beim Arbeitsbeginn in einem neuen Unternehmen. Wenn sie dort Ihren ersten Arbeitstag haben, ist es ganz selbstverständlich, dass Sie erst einmal beobachten und schauen, wie man sich hier verhält. Sie schnuppern in die Unternehmenskultur, versuchen den tatsächlich gelebten Werten und Spielregeln auf die Spur zu kommen.

Nehmen Sie genau wahr, wie „man“ an der Spitze spielt.

Auch wenn Sie ins Topmanagement gelangen, sollten Sie zunächst beobachten, welche Gepflogenheiten hier herrschen – selbst dann, wenn Sie dem Unternehmen seit vielen Jahren angehören. Analysieren Sie die für Sie relevanten Personen hinsichtlich Einfluss, Interessen und Zielen sowie die Beziehungen dieser Personen untereinander.

Nehmen Sie auch Ihr Bauchgefühl ernst: Ist Ihr Gegenüber echt? Stimmen Handlung und Stimme überein? Was sagt seine Körpersprache? Je mehr Sie Ihre Intuition trainieren, desto verlässlicher sind diese „von innen“ kommenden Informationen.

Wenn Sie dann noch die typischen Fehler vermeiden, stehen die Chancen, dass Ihnen die Metamorphose von der Führungskraft zum strategisch denkenden und politisch handelnden Topmanager gelingt.

Karriere Tipp Nr. 3:

Aufsteiger ins Topmanagement sind gestandene Führungskräfte, die in der Regel zu den besten Leistungsträgern eines Unternehmens zählen. Bitte versuchen Sie nicht vorzuspielen, dass Sie sich in dieser Welt auskennen, wenn dem nicht so ist. Das erzeugt höchstens Provokation von den alten Hasen. Nehmen Sie sich statt dessen ganz bewusst Zeit, sich auf die völlig neue Welt vorzubereiten und schrittweise einzutreten.

Karriere Tipps: Die 7 häufigsten Fehler von Newcomern im Topmanagement

Vermeiden Sie als Newcomer im Topmanagement die nachfolgenden 7 Fehler und Ihnen steht einer erfolgreichen Karriere kaum noch etwas im Wege.

Fehler 1: Sich auf vertraute Werte, Erwartungen und Regeln verlassen

Im mittleren Management sind ehrliches Feedback und konstruktive Kritik entscheidende Erfolgsfaktoren. Es zählen Werte wie Berechenbarkeit, offene Kommunikation und Klarheit – denn damit, so hat sich nun einmal erwiesen, lassen sich die hier anstehenden Aufgaben am effektivsten lösen. Auf diese Weise lässt sich eine Mannschaft am besten führen und zu Leistungen und Ergebnissen bringen.

Auch wenn es nun naheliegt, diese vertrauten und über viele Jahre erfolgreichen Regeln weiterhin anzuwenden, kann dies beim Aufstieg ins Topmanagement ein Fehler sein. Denn Leistung wird hier – wie beschrieben – anders definiert, dementsprechend gelten andere Arbeitsweisen und Spielregeln. Wer ins Topmanagement aufsteigt, muss sich auf die zweite Metamorphose im Leben einer Führungskraft einstellen.

Fehler 2: Mit dem Vorgesetzten das Gespräch auf Augenhöhe suchen

Im Mittelmanagement sind Sie es wahrscheinlich gewohnt, auch mit Ihrem Vorgesetzten das Gespräch auf Augenhöhe zu suchen. In der obersten Etage kann das ein gravierender Fehler sein und das Gegenüber vor den Kopf stoßen.

Der hier gültige Verhaltenskodex verlangt es, den höheren Rang des anderen in besonderem Maße zu respektieren. Gespräche auf Augenhöhe finden daher in der Regel nur zwischen gleichrangigen Partnern statt. So können Vorstände zueinander durchaus Zugehörigkeit und Vertraulichkeit schaffen.

Anders verhält es sich, wenn ein Vorstand mit dem Vorstandsvorsitzenden spricht. Auch Führungskräfte der zweiten Führungsebene, deren Vorgesetzte der obersten Ebene angehören, sollten den Rangunterschied beachten und nicht wie selbstverständlich den Kontakt auf Augenhöhe suchen.

Fehler 3: Offenes und direktes Feedback geben

So angebracht es im mittleren Management ist, in der Topetage ist es ein Fehler: das offene, direkte Feedback.

Es ist wie seinerzeit am Hofe, um es mit dem Bild von Uwe Böning auszudrücken: Im Topmanagement kritisiert man nicht, das gehört sich nicht. Ein ungeschminktes Feedback ist hier tabu, wohl auch deshalb, weil sich das Gegenüber dadurch häufig gleich angegriffen fühlt. Erkennbar ist der Fauxpas meist sehr schnell: Anstatt auf das Feedback einzugehen, steigt der Gesprächspartner sofort aus der Situation aus.

Die Regel lautet deshalb: Vermeiden Sie im Topmanagement direktes Feedback, kritisieren Sie niemals Ihren Vorgesetzten. Versuchen Sie stattdessen, sein Verhalten durch Empathie zu beeinflussen. Versetzten Sie sich in seine Lage, versuchen Sie, seine Gefühle und Wünsche zu erkennen.

Fehler 4: Ausschließlich fachlich argumentieren

Im Topmanagement zählt emotionale Überzeugungskraft – erst dann folgen die Argumente. Ein Fehler ist es deshalb, ausschließlich durch Zahlen, Daten und Fakten überzeugen zu wollen.

Wieder (wie bei Fehler 3) kommt es darauf an, die Wünsche und Anliegen des Gegenübers zu erkennen – und dann die Argumentationsstrategie mit Blick auf dessen Bedürfnisse aufzubauen. Um ein Ziel zu erreichen, formulieren Sie also zuerst das Anliegen des Gesprächspartners, das Sie dann mit sachlichen Argumenten untermauern.

Fehler 5: Die eigene Person über die Rollenerwartung stellen

Im Topmanagement wird konsequent zwischen Rolle und Person unterschieden. Wer sich hier bewegt, hat sich an die Regeln seiner Rolle zu halten – so verlangt es der ungeschriebene Verhaltenskodex. Ein Fehler ist es deshalb, die eigene Person über die Erwartungen zu stellen, die mit der Rolle verbunden sind.

Unterscheiden Sie also zwischen Person und Rolle – und achten Sie darauf, die für Ihre Rolle gültigen Regeln einzuhalten. Natürlich zählt auch im Topmanagement die Person – und es wäre falsch, sich nun „verbiegen“ zu wollen und die eigene Authentizität aufs Spiel zu setzen. Dennoch ist es wichtig, die Rollenerwartungen zu kennen und sich – so weit es geht – damit zu arrangieren.

Fehler 6: Ausbleibende Kritik als Zustimmung interpretieren

In der Top-Etage kritisiert man nicht. Diese unausgesprochene Regel kann für den Betroffenen unangenehm sein. Er ahnt womöglich nicht, dass er längst in Ungnade gefallen ist. Keiner informiert ihn – und es liegt nahe, die ausbleibende Kritik als Zustimmung zur eigenen Leistung zu interpretieren. „Wenn man mit mir unzufrieden wäre, würde man es mir doch sagen“, lautet der manchmal gefährliche Trugschluss.

Es ist deshalb ein Fehler, ausbleibende Kritik unbedacht als Zustimmung zu interpretieren. Achten Sie deshalb auf andere Signale, aus denen Sie schließen können, wie Ihre Leistung ankommt. Die Wertschätzung des Vorgesetzten erkennen Sie zum Beispiel daran, dass er sich Zeit für Sie nimmt.

Fehler 7: Davon ausgehen, dass ein Topmanager stets meint, was er sagt

Im mittleren Management können Sie üblicherweise davon ausgehen: Was der andere sagt, meint er auch so. Die Kommunikation ist auf Vertrauen ausgerichtet, offen und transparent.

Auf der Top-Ebene hingegen gibt es, wie beschrieben, zwei Kommunikations-Ebenen. Das besondere Problem liegt darin, dass eine Botschaft hier beides sein kann – ehrlich gemeint oder doppelbödig. Daher gilt die Regel: Vertrauen Sie nicht blind dem Gesagten.

Fazit:

Sie haben nun erfahren, auf welche Fehler Sie bitte beim Einstieg in das Top Management verzichten. Das sind die besten Karriere Tipps, die ich Ihnen ans Herz legen kann. Sie müssen diese „Attitüden“ auf der Teppich-Etage nicht gut finden. Aber es hilft, diese Karriere-Tipps zu kennen, um wachsam danach Ausschau zu halten. Wenn Sie Glück haben, ist Ihr Unternehmen bereits so modern geführt, dass Sie auch an der Unternehmensspitze wie im mittleren Management agieren können. Ich wünsche es Ihnen.

Aber falls nicht, dann wissen Sie jetzt ganz genau, welche Fehler Sie vermeiden können, um sich auch auf hochpolitischem Parkett sicher und souverän bewegen zu können. Denn letztlich wollen Sie doch Ihre Ideen verwirklichen und etwas bewegen, oder?

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

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Bildquelle: Depositphotos #67922943 ©david_franklin

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager