Mitarbeiterführung verbessern: Demotivieren Sie Ihre Mitarbeiter nicht!

Der Leistungsträger - Blog

Gute Mitarbeiterführung oder auch die eigene Mitarbeiterführung zu verbessern liegt im Interesse eines jeden Chefs, oder? Wie Sie garantiert – mit einfachsten Mitteln das Gegenteil bewirken lesen Sie in diesem Artikel. Und natürlich lesen Sie auch, wie Sie das Ruder wieder rumreißen.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Der Geschäftsführer ist eine emotional wenig zugängliche Person. Er hat hohe Ansprüche und ist stark auf die Sache ausgerichtet. Er ist hochintelligent, extrem lösungsorientiert und sehr schnell. Sein Arbeitsalltag zählt im Durchschnitt 11 und mehr Stunden. In seinem extrem vollgepackten Führungsalltag kommt es immer wieder zu eskalierenden Situationen mit seinen Mitarbeitern. Eine Mitarbeiterbeurteilung zeigte ein vernichtendes Urteil. Die Kündigungsquote der „guten Mitarbeiter“ liegt höher als der Durchschnitt.

Schlechte Mitarbeiterführung

Mit dieser Ausgangssituation suchte der Geschäftsführer den Weg ins Führungskräfte Coaching. Wie  würden Sie Ihr Problem beschreiben? War meine einleitende Frage. Seine Antwort überraschte mich: „Wissen Sie, ich stelle nur die besten Mitarbeiter ein, die ich bekommen kann. Es sind tolle Leute, sehr klug. Ich lasse sie einfach machen. Von solchen Leuten kann man doch wohl erwarten, dass sie selbständig denken und handeln können, oder? Aber es dauert nicht lange, da machen sie Fehler. ICH entdecke die Fehler, ich bin ärgerlich und führe dann ein Gespräch mit denen.

…und was passiert dann, frage ich in einem ruhigen Ton. „Ich sage ihnen dann, was sie falsch gemacht haben. Ich sage ihnen, was die RICHTIGE Lösung ist und schicke sie wieder an die Arbeit. Je länger ich die Mitarbeiter dann in meinem Team habe umso schlechter werden sie. Es kommen keine Vorschläge mehr, meine Lösungen werden sofort akzeptiert und die Mitarbeiter sitzen einfach nur noch da und schweigen.“

Das sind doch alles „Luschen“

Um mir die Situation besser vorzustellen sollte der Geschäftsführer mal so tun, als wäre ich einer seiner Mitarbeiter und mit mir so ein „typisches“ Gespräch führen. Ich erschrak über den Ton und die Härte. Von Wertschätzung keine Spur. Obwohl ich ne Menge abkann, war meine reflexartige Reaktion: Rückzug.

Einer seiner Mitarbeiter hatte mal formuliert „Herr XY, dem fehlt wohl das Empathie-Gen“. Ich konnte nun erleben, was damit gemeint war. Meine Aufgabe als Führungskräfte Coach ist meinen Klienten Ihr Verhalten zu spiegeln.

So formulierte ich: „Herr XY, wenn Sie das mit Ihren Mitarbeitern genauso machen, dann haben die Angst. Und zwar Angst vor Ihnen!“  „…Das sind doch alles Luschen!“ Entgegnete er entrüstet. „Vor mir muss man doch keine Angst haben. Ich liebe es, wenn es mal so richtig hoch hergeht. Ich brauche Mitarbeiter mit Standing, die mir Paroli bieten und mit mir in den Ring steigen. Der mit der besten Lösung gewinnt dann halt.“ …. Und wie viele Mitarbeiter machen das mit?“, fragte ich. „Von meinen 300 Mitarbeitern macht das nur einer.“

Angst vorm Chef

In einem Spiegel-Bericht las ich eine Meldung  „Knapp die Hälfte aller Mitarbeiter (44 %) hat Angst davor, Schwierigkeiten bei den Chefs oder der Geschäftsführung anzusprechen. Im weiteren Verlauf wurde formuliert, dass insbesondere die älteren Mitarbeiter Angst davor haben, ihre Meinung offen zu sagen. … Ja, und wenn Mitarbeiter sich nicht trauen, Probleme anzusprechen, dann denken sie eher darüber nach, ihren Arbeitgeber zu wechseln. Etwa jeder Zehnte überlegt in so einem Fall, das Unternehmen zu wechseln.

Im letzten Blogartikel haben wir uns die Perspektive des „Angst habenden“ angeschaut und Lösungen entwickelt.

Gute Mitarbeiterführung

Der Geschäftsführer war bis zu dem Zeitpunkt der Ansicht, dass er seine Mitarbeiter exzellent führte, nur die Mitarbeiter waren schlecht. War dem wirklich so? Gemeinsam reflektierten wir. Wenn er wirklich gute Mitarbeiterführung praktizierte: Wie kommt es dann, dass ursprünglich gute Mitarbeiter immer schlechter werden? Wie ist zu erklären, dass die Mitarbeiter immer seltener mit konstruktiven Vorschlägen kommen? Wie ist die Reaktion zu erklären, dass sie stattdessen machen „wie Ihnen befohlen“? Wie kommt es dazu, dass immer mehr gute Mitarbeiter kündigen?

Diese „logische“ Argumentation schien den Geschäftsführer zu überzeugen. Ihm dämmerte, dass er ein „Angst verbreitender Chef“ ist. Er war sich dessen wirklich nicht bewusst. „Was kann ich tun?“ Fragte er mit ziemlich verzweifelter, kleinlauter Stimme.

Mitarbeiterführung Motivation

Angst ist ein schlechter Ratgeber. Um Mitarbeiter zu motivieren schon mal gar nicht. Normalerweise erwarten Sie jetzt Hinweise zu Einfühlungsvermögen, Empathie oder unterstützendem Verhalten durch den Vorgesetzten. Das schien mir zu diesem Zeitpunkt verfrüht. Es brauchte eine „logische, rational nachvollziehbare Lösung.“ Und bitte bloß nichts Psychologisches.

1. Perspektive wechseln

Bislang hatte der Geschäftsführer alles nur aus SEINER Perspektive gesehen, bewertet und danach gehandelt. Als ergebnisorientierte Führungskraft erkannte er, dass die Ergebnisse grottenschlecht waren. Ein mehrfacher Austausch von Mitarbeitern mit jeweils dem gleichen Ergebnis war nun ein Beleg dafür, dass es NICHT allein an den Mitarbeitern liegen konnte.

Er erkannte, dass er bei der Mitarbeiterführung neben seiner Art zu Denken auch die Perspektive der Mitarbeiter einbeziehen musste. Wie das gelingt? FRAGEN. Ganz einfach, fragen Sie Ihre Mitarbeiter „Wie sehen Sie das Problem? Und die Lösung? Und dann hören Sie zu.“ Ihre Mitarbeiter werden Ihnen aus Ihrer Perspektive wichtige Informationen liefern, die einen wesentlichen Beitrag zur Problemlösung darstellen werden.

2. Energieerhaltungssatz

Aus der Physik ist der 1. Hauptsatz der Thermodynamik bekannt: „Die Summe der Energie in einem System bleibt gleich.“ Das lässt sich auch auf Motivation übertragen. Sie Summe der Motivation in einem System bleibt gleich. Nehmen wir einmal an, das sind 100 %. Wenn Sie als engagierter Geschäftsführer zu 96 % die Motivation für eine Lösung haben, wieviel bleibt dann für Ihre Mitarbeiter? Fragte ich. Der Geschäftsführer zuckte zusammen. „Uff, durch meine Über-Aktivität verhindere ich das Engagement meiner Mitarbeiter?

Bingo!

Ihm wurde schlagartig die Bedeutung dieses Naturgesetzes bewusst: „Ich muss mich zurücknehmen. Mein Dampf und meine Hektik – in Kombination mit meinem scharfen Ton – zerstören das Potential meiner Mitarbeiter. Wenn ich meine Mitarbeiter motivieren will, dann sage ich ihnen, was als Ergebnis rauskommen soll und höre dann zu?

Und dann bin ich nur noch als SparringsPartner aktiv, habe ich das so richtig verstanden?“

Ja, ganz genau“, nicke ich. „Die Mitarbeiter, die sich mit der Aufgabe identifizieren, haben jetzt endlich Raum und Möglichkeit Lösungen zu entwickeln. Und zwar auch neue, auf die Sie selbst noch nicht gekommen sind. Dies führt letztlich dazu, das Ihre Mitarbeiter mitdenken und motiviert sind. In diesem Falle heißt das also: weniger ist mehr!

3. Aktiver Leerlauf

Und wie gehe ich mit meiner Ungeduld um? Ich kann mich doch nicht hinsetzen und einfach warten“, entgegnete er. Das stimmt. Ich erzählte ihm vom Beispiel mit der abgesprungenen Fahrradkette:

Wenn Sie auf einem Fahrrad sitzen und die Kette ist abgesprungen, dann können Sie soviel treten wie Sie wollen. Sie werden am Ende schweißgebadet sein, und Ihre Energie ist aufgebraucht. Sie haben im Ergebnis nichts Nennenswertes geschafft.

Im übertragenen Sinne bedeutet das: nehmen Sie sich andere Aktivitäten vor, die mit diesem Projekt nichts zu tun haben. So können Sie die Mitarbeiter engagiert zu einer Lösung finden lassen.

Dies leuchtete dem Ingenieur ein.

4. Miteinander statt Gegeneinander

Machen Sie sich bewusst, dass bei einer Problemlösung alle im gleichen Boot sitzen. Entweder gehen alle unter oder kommen alle gemeinsam ans Ziel. Wettbewerb, oder die Einstellung „es kann nur einen geben, der gewinnt“ ist insbesondere bei schwierigen Herausforderungen kontraproduktiv. Kampf hat noch niemandem genutzt, wenn man gemeinsam zum Ziel kommen will. Und Mitarbeiter sollten niemals Feinde sein.

Sehen Sie Ihre Mitarbeiter bitte nicht als Gegner, sondern als Verbündete auf dem gemeinsamen Weg zu einer Lösung.

5. Wertschätzender Umgang

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo neben den rationalen logischen Argumenten für gute Mitarbeiterführung auch etwas „menschliches“ reinkommen kann. Respekt und Wertschätzung sind das A und O um die Mitarbeiterführung zu verbessern. Dazu gehört auch auf den Tonfall zu achten. Insbesondere leistungsorientierte, sachliche Führungskräfte bekommen gar nicht mit, wenn ihre Stimme hart und druckhaft wird.

Bitte suchen Sie sich ein oder zwei Mitarbeiter aus Ihrem Team aus und bitten Sie sie, Ihnen immer wieder zu sagen, wenn der Ton hart und ungerecht und der Umgang wenig wertschätzend ist. Nehmen Sie dieses Feedback bitte ernst und bedanken Sie sich dafür. Die meisten Chefs werden sich wundern, wie oft sie sich im Ton vergreifen. Je bewusster Sie darauf achten um so leichter wird sich Ihre Mitarbeiterführung zu einer guten Mitarbeiterführung zu entwickeln. Es braucht nur ein wenig Bewusstsein und Übung.

Fazit: Mitarbeiterführung verbessern – Tipps

Sie haben an einem Beispiel erfahren, wie leicht man Mitarbeiter demotivieren kann – auch wenn es gut gemeint ist. Wechseln Sie die Perspektive, fragen Sie Ihre Mitarbeiter nach Lösungen, statt Ihnen welche vorzugeben. Nutzen Sie den Energieerhaltungssatz und den aktiven Leerlauf, um die Motivation Ihrer Mitarbeiter zu erhöhen. Sie werden sich wundern wieviel einfacher Ihr Führungsalltag wird.

Achten Sie bitte darauf, dass Sie niemals in den Kampf gehen. In wichtigen Projekten erreichen Sie mit einem Miteinander ein Vielfaches mehr. Und zum Schluss: beherzigen Sie einen wertschätzenden Umgang mit den Mitarbeitern. Und nicht nur mit denen. Ihre Kunden, Kollegen und auch Ihr Lebenspartner werden es Ihnen danken.

Zu guter Letzt werden Sie feststellen, dass die guten Mitarbeiter dann nicht nur motiviert sind, sondern auch gerne in Ihrem Unternehmen und bei Ihnen als Vorgesetztem bleiben. Es lohnt sich!

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

P.S. Weitere ungewöhnliche Tipps und Impulse, wie Sie Ihre Mitarbeiterführung verbessern können, finden Sie übrigens in meinem Buch „Ärmel hoch! Die 20 schwierigsten Führungsthemen und wie Top-Führungskräfte sie anpacken“ und in meinem Audio-Coaching „moderne Führung an der Unternehmensspitze“.

Bild:  Depositphotos #6831303 @aletia

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager