Wertschätzung und Selbstdarstellung – zwei Seiten einer Medaille

Wertschätzung und Selbstdarstellung – zwei Seiten einer Medaille

Sehr oft höre ich von meinen Klienten Aussagen wie „Ich bin wirklich gerne bereit, überdurchschnittlich viel Einsatz zu bringen, weil mein Job mir ja Spaß macht und ich damit auch Erfolg haben möchte. Aber wenn das alles für ganz selbstverständlich genommen wird und ich dafür keinerlei Anerkennung bekomme – dann ist das auf Dauer schon frustrierend.“

Auch die Auswertung meiner Umfrage zum Thema „Herausforderungen für den Führungsalltag“ zeigte, dass gerade die Leistungsträger in den Unternehmen sich mehr Wertschätzung für ihre Leistung wünschen.

Denn was passiert, wenn der Frust zunimmt? Es wird schwerer, sich zu motivieren und weiter Leistung auf dem bisherigen hohen Niveau zu bringen. Die Motivation lässt also nach – auch bei denen, die es gewohnt sind, sich selbst zu motivieren und anzutreiben. Das ist ein ganz einfaches Rechenexempel:

Hoher Einsatz minus geringe Wertschätzung gleich abnehmende Motivation, und das entspricht reduzierter Produktivität.

Dass unsere Wirtschaft sich auf Dauer keinen Gefallen damit tut, wenn sie ihre Leistungsträger so behandelt, ist ja kein Geheimnis mehr. Verschiedene Unternehmen haben bereits die Konsequenzen daraus zu spüren bekommen, im Positiven wie im Negativen: Wenn Leistungsträger für ihre Anstrengung nicht oder nur unzureichend gewürdigt werden, suchen sie sich einen neuen Arbeitgeber, der ihre Leistung besser anerkennt. Und wenn man ihnen umgekehrt auf verschiedenen Ebenen deutlich macht, dass sie wichtig sind für das Unternehmen, bleiben sie loyale Botschafter und setzen sich weiterhin mit aller Kraft für das Unternehmen ein.

Was tun, wenn’s akut an Wertschätzung fehlt?

In meinen Coachings geht es mir auch darum, bei den Klienten ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass sie nicht irgendwie „komisch“ oder „seltsam“ sind, wenn sie sich Anerkennung wünschen. Manchmal unterschätzen sich gerade Leistungsträger ganz gewaltig, weil sie es oft von klein auf gewohnt sind, mehr als andere zu leisten und das gar nicht als etwas Besonderes wahrnehmen.

Ich untersuche dann im nächsten Schritt mit ihnen, was sie eigentlich dafür tun, dass ihre Leistung von den Vorgesetzten überhaupt wahrgenommen wird. Vielfach gehen Leistungsträger nämlich davon aus, dass ihre Arbeitsleistung schon „irgendwie“ gesehen wird. Das ist aber meistens so nicht ganz richtig. Manchmal muss man die Aufmerksamkeit der Vorgesetzten auf dezente Weise auch mal darauf lenken. Wer selbst Führungsaufgaben wahrnimmt, kennt das Phänomen wahrscheinlich:

Wenn alles klappt, nimmt man das als selbstverständlich hin. Welche Anstrengung oft dahinter steckt, ist eben nicht immer offensichtlich.

Wertschätzung einzufordern ist gut für die Karriere

Deshalb rate ich meinen Klienten, nicht bloß darauf zu hoffen, dass die Anerkennung schon irgendwann kommt, sondern aktiv dafür zu sorgen, dass sie diese auch bekommen – vom Vorgesetzten oder auch von anderen. (In meinem Buch habe ich diesem Thema übrigens das komplette Kapitel 6 gewidmet.)

Das Thema ist im Übrigen nicht beschränkt auf die unteren Führungsebenen. Gerade bei einem angestrebten Wechsel ins Top-Management ist es extrem wichtig zu lernen, wie man sich Anerkennung organisiert und sich so auch besser positioniert.

Wie das konkret aussehen kann, damit man sich damit auch wohl fühlt und die Selbstdarstellung authentisch bleibt, ist ein typisches Coachingthema, das allerdings nur individuell gelöst werden kann.

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