Der Leistungsträger - Blog

Muss ich jetzt alles anders machen? – Nur weil wir jetzt im digitalen Zeitalter sind? Muss ich jetzt ein anderer werden?“ Diese besorgte Frage erhielt ich von Markus M. Er wollte wissen, was sich jetzt für ihn alles ändert. Was muss er berücksichtigen, wenn er im digitalen Zeitalter erfolgreich führen will. Ich diesem Artikel gehe ich auf ein paar Aspekte näher ein.

Digitalisierung – jeder spricht drüber

Digitalisierung ist in aller Munde und damit verbunden auch immer wieder der Hinweis, dass sich unsere Arbeitswelt und natürlich auch die Führungswelt mit der Digitalisierung sehr verändern werden. Viele sprechen vom digitalen Zeitalter.

Wir müssen…

Wir müssen uns anpassen, heißt es. Wir müssen dies und wir müssen das, ein ständiger Innovationsdruck macht sich in Unternehmen breit. Manchmal scheint der „Wir müssen-Druck“ fast existenziell.

Wir machen… schnell und wechselhaft

Viel zu schnell beugen wir uns diesem Druck und beginnen schnelle Entscheidungen hinsichtlich zukünftiger Unternehmensausrichtung zu fällen – um dann wenige Wochen später wieder eine andere Richtung einzuschlagen.

Agilität scheint die einzige Lösung zu sein – aber ist dem auch wirklich so? Das Problem ist: Die Marktentwicklung, der Wettbewerb und unsere Kunden werden immer weniger planbar. Aus Angst davor in der digitalisierten Welt „unter zu gehen“ werden viele hyperaktiv – während andere vor lauter Resignation und Überforderung zu schlafen scheinen. Was tun?

Digitalisierung ist gut, wenn sie überlegt ist.

Bitte nicht falsch verstehen – ich mag Veränderungen und ich habe auch überhaupt nichts gegen Digitalisierung. Im Gegenteil: Fortschritt, Entwicklung und neue Wege finde ich als Biologin & Business Coach klasse. Jedoch bin ich ein großer Fan von überlegtem Handeln und das eben auch hinsichtlich der stattfindenden Digitalisierung und vor allen Dingen, wenn es um die Führung im digitalen Zeitalter geht. Müssen wir gleich alles über Bord werfen, womit wir in der Vergangenheit gute Erfahrungen gesammelt haben?

Aus meiner Sicht ist es wichtig sich als Unternehmer, Manager oder Geschäftsführer zu fragen wie die Digitalisierung in dem eigenen Unternehmen sinnvoll Einzug halten kann. Wie das digitale Zeitalter gestaltet wird. Wie Sie im digitalen Zeitalter führen wollen und werden.

Prozesse sind das A und O! Wirklich?

Überall höre ich, dass die Prozesse verbessert werden müssen. Und man sich im schnell verändernden Markt in seiner Branche bestmöglich positionieren muß. Dies sind die ersten und vor allem grundlegende Entscheidungen, die nicht in Eile und unter Druck getroffen werden – aber natürlich auch auf keinen Fall verschlafen werden sollten.

Aus meiner Erfahrung heraus, möchte ich auf ein paar Punkte bewusst hinweisen.

Wie Prozesse wirkungsvoll werden

  1. Es geht um Prozesse, die SINN machen.
  2. Es geht NICHT um Prozesse, die dann stur umgesetzt werden.
  3. Prozesse machen nur dort Sinn, wo wir es tatsächlich mit standardisierten Abläufen zu tun haben. Sobald es individuell wird, macht ein Prozess wenig Sinn.
  4. Vielfach erlebe ich in den Unternehmen: Wir machen einen Standardprozess für individuelle Bedarfe. Das ist für beide Seiten unbefriedigend.
  5. Da fällt mir dann nur noch ein: Prozess schlägt Hirn!

Daher empfehle ich folgenden Grundsatz:

  1. Es geht um Prozesse, die dem gesunden Menschenverstand folgen und die Arbeit des Einzelnen erleichtern und einfacher machen.

So selbstverständlich sich dies anhört. Aktuell erlebe ich an ganz vielen Stellen, dass ich als Kunde Prozesse einhalten soll, die letztlich meinen Aufwand maximal erhöhen, überhaupt nicht sinnvoll sind und mir den Spaß an der Zusammenarbeit verderben. Ich komme mir als Kunde vielfach wie als „störendes“ Vehikel vor. Was hat das noch mit „Kunde first!“ zu tun? Oder mit dem Anspruch: Wir müssen Prozesse vom Kunden aus denken?
Und ich frage Sie: Wie geht es Ihnen als Mitarbeiter und Führungskraft in Ihrem Unternehmen? Werden Sie durch die Prozesse entlastet oder eher belastet? Wo haben Sie Prozesse mit Sinn?

Führung im digitalen Zeitalter

Jetzt kommen Sie als Führungskraft ins Spiel. Es ist die Aufgabe eines Unternehmers, Managers oder Geschäftsführers überlegt zu agieren und das Unternehmen zukunftsfähig zu führen. Idealerweise folgen Sie dabei Ihrer Überzeugung und leben vor, was Sie sagen.

Das machen Sie nicht in Ihrem stillen Kämmerchen, sondern Sie beziehen hierzu die Anregungen und Meinungen Ihrer Top-Führungskräfte mit ein.

Ein Beispiel: Führen um Prozesse einzuführen

Überlegen Sie mal als Führungskraft in Ihrem Unternehmen: wo machen Prozesse wirklich Sinn? Bitte befragen Sie Profis, die Prozesse zu definieren. Profis sind in diesem Falle erfahrene Kollegen oder Mitarbeiter, die bereits seit Jahren in diesem Bereich tätig sind, und genau wissen, was sie warum tun. Sie wissen genau, wo man einen Prozess einführen kann und wie man ihn verbessern kann.

Ein Beispiel: Positionierung des Unternehmens

Nicht selten sehen Sie den Markt durch eine andere Brille. Im gemeinsamen Austausch mit Kollegen und/oder Mitarbeitern entstehen wertvolle, konstruktive Gedanken und Ideen. Es ist wichtig hier gemeinsam eine klare Positionierung und Strategie zu entwickeln, die zum Unternehmen und vor allem zur Branche passt.

Auch hier führen Sie, indem Sie sich nicht isoliert zurückziehen, sondern die Intelligenz Ihrer Mitarbeiter/Kollegen moderieren.

Achtung: Die Trägheit der Umsetzung

Die eigenen Top-Führungskräfte in die zukünftige digitale Ausrichtung mit einzubeziehen ist auch hinsichtlich der Identifizierung des gemeinsamen Vorhabens sinnvoll. Nun muss die veränderte Ausrichtung in den Köpfen reifen und gelebt werden – eben auch von allen anderen Mitarbeitern, die im Unternehmen beschäftigt sind.

Hierzu ist es besonders wichtig bei der Umsetzung und Führung in die digitalisierte Richtung die unterschiedlichen Arbeitstypen zu erkennen und richtig für die zukünftigen Schritte zu gewinnen. Natürlich gilt das für jedes Projekt innerhalb eines Unternehmens – aber für grundlegende strategische Neuausrichtungen umso mehr.

11 Arbeitstypen der Zukunft – jeder ist anders motiviert zu führen und umzusetzen

Zu den 11 Arbeitstypen aus der Studie „Work:design“ von Harry Gatterer und Thomas Huber vom Zukunftsinstitut in Kelkheim im Taunus habe ich mir bereits 2012 Gedanken gemacht und eine Umfrage erstellt, die ich gezielt an Personen aus diversen Wirtschaftsunternehmen gesendet habe. Mit der Bitte sich selbst einem zukünftigen Arbeitstypen zu zuordnen, Mehrfachnennungen waren dabei möglich. Das Ergebnis von damals spiegelt sich auch heute mehr und mehr hinsichtlich persönlicher Wünsche & Ziele in meinen Coachings wieder – verbunden mit den Herausforderungen einer jeden Führungskraft.

Worauf muss ich als Top-Führungskraft bei der Führung im digitalen Zeitalter achten?

Kurz: Sensibel auf sein Team achten und den Holzhammer in der Schublade lassen. Holen Sie jeden Einzelnen im Team genau dort ab, wo er steht. Das ist der beste Tipp, den ich Ihnen geben kann und zugleich er wichtigste, ich spreche da aus Erfahrung.

Schauen Sie sich Ihr Team an und fragen sich: Welchen Arbeitstypen habe ich vor mir – was sind dabei seine Stärken und Schwächen? Fördern Sie dabei die Stärken und nehmen ihn mit auf die gemeinsame Reise. Es reicht schon lange nicht mehr aus, Führung allein mit den Adjektiven „operativ“ und „strategisch“ zu beschreiben.

Die Top-Führungskräfte von heute brauchen die Fähigkeit, Herausforderungen in ihrem beruflichen Alltag möglichst flexibel und agil mit ihrem Team zu lösen. Hierfür sollten Sie ein gutes Gespür entwickeln und ihr Team spezifisch führen. Hierfür empfehle ich Ihnen, sich aktiv ihrem Team zu widmen und mit Ihnen zu agieren.

Kommt ihr individueller Einsatz von Herzen, wird er es Ihnen mit Loyalität und persönlichem Einsatz danken. Orientieren Sie sich an Prinzipien wie: Offenheit, Transparenz und Selbstverantwortung. Führen Sie jeden Einzelnen in Ihrem Team auf seinem Weg dorthin. Im Zeitalter der Digitalisierung müssen wir Teamwork und Kommunikation komplett neu definieren.

Bleiben Sie dran!

Falls Sie jetzt denken „das klingt so einfach – klappt aber in der Realität nicht oder nur begrenzt“, dann verstehe ich Sie nur zu gut. Ich selbst habe jahrelang in der oberen Führungsebene gearbeitet und kenne die Herausforderung. Es ist definitiv kein Kinderspiel und es erfordert eine Menge Selbstdisziplin.

Dennoch empfehle ich Ihnen diese Art der modernen Führung zu üben und mindestens zu versuchen, bei Schwierigkeiten nicht gleich aufzugeben. Denn Sie sind eine Führungskraft – also führen Sie! Suchen Sie sich gerne hierfür einen Sparringspartner, der mit Ihnen eben solche Fallbeispiele bespricht und mögliche Wege aufzeigt, Sie in Ihrem Tun unterstützt.

Moderne Führung im digitalen Zeitalter ist definitiv möglich – und zwar ohne, dass Sie sich dabei verbiegen und Ihre Persönlichkeit verlieren. Sofern Sie wollen.

Sie erinnern sich an Markus M. vom Anfang des Artikel, der fragte: muss ich jetzt alles anders machen? – Nur weil wir jetzt im Digitalen Zeitalter sind? Muss ich jetzt ein anderer werden?“ – Zu welchem Schluss kommen Sie für sich und in Ihrem Führungsalltag? Ich bin sehr gespannt auf Ihr Feedback.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

P.S. Sie fragen sich, wie denn für Sie ganz persönlich „Führung im digitalen Zeitalter“ aussieht? So ganz konkret für Sie und Ihr Unternehmen? Dann schreiben Sie mir gerne eine Mail.

Ich freue mich, mit diesem Beitrag zur Blogparade „How to succeed in permanent beta?“ #permanentbeta, initiiert durch Zukunft Personal, beizutragen.

Bildquelle: Depositphotos #222800164 @IgorVetushko

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager