Der Leistungsträger - Blog

Im Blogartikel der vergangenen Woche haben wir über den Charaktertyp Leistungsträger gesprochen. Diese Charaktertypen haben sehr löbliche Persönlichkeitseigenschaften: Sie sind sehr engagiert, aber meist keine besonders guten Politiker oder Windmacher. Der Nachteil: durch dieses Verhalten erhalten sie in der Folge für ihre hervorragenden Leistungen oft nicht die Anerkennung und Wertschätzung, die sie verdienen. Und sehr leicht kann der Leistungsträger durch seinen Wunsch nach Perfektionismus in einem Teufelskreis aus seelischer und körperlicher Verausgabung landen. Wie kann die richtige Erfolgsstrategie für einen Charaktertypen mit diesen Persönlichkeitseigenschaften lauten? Genau, die richtige Erfolgsstrategie kann daher nur lauten, an den eigenen Verhaltensweisen zu arbeiten.

So durchbrechen Sie den Teufelskreis – und finden als Leistungsträger mehr Gehör

Ich habe im Executive Coaching vielfach erlebt, wie Leistungsträger seit Jahren frustriert von der Erfahrung, dass ihr überdurchschnittlich starkes Engagement sich nicht lohnt – durch verschiedene Strategien den Teufelskreis aus Frustration, Überforderung und immer noch mehr Leistung durchbrechen konnten. Die Kunst ist: Sie bleiben Ihren Persönlichkeitseigenschaften treu, aber Sie entwickeln Verhaltensstrategien, die zu einem besseren Ergebnis führen.

Ich habe in vielen Executive Coachings erlebt, wie Führungskräfte mit großem Erfolg neue Spielregeln lernten – und sich dabei trotzdem selbst treu blieben. Also: Schaffen Sie sich mehr Gehör – nachstehend finden Sie nützliche Erfolgsstrategien!

Zu den Persönlichkeitseigenschaften des Leistungsträgers zählt, dass sie keine Laut-Trommler sind. Holen Sie sich, was Sie brauchen!

Weil Leistungsträger keine Laut-Trommler sind, bekommen sie oft zu wenig Wertschätzung von ihren Vorgesetzen. Diese sind froh, dass sie es mit „pflegeleichten“ Leuten zu tun haben, die ihre Arbeit gut und geräuschlos erledigen. So können sie sich um die „Quengelgeister“ kümmern und diese ruhig stellen.

Für Leistungsträger ist es sehr wichtig, sich die verdiente Anerkennung trotzdem einzuholen. Ihrem Grundtyp an Persönlichkeitseigenschaften entsprechend, warten viele darauf, dass die anderen die Leistung sehen. Das wird im Regelfall nicht passieren. Der Leistungsträger muss selbst lernen, die Zügel in die Hand zu nehmen, auf Ungleichgewichte aufmerksam machen und auch klar sagen, was er nicht in Ordnung findet, also – ganz wichtig – Grenzen setzen lernen!

 

1. Seien Sie auf sich selbst stolz!

Für einen Leistungsträger ist das alles oft besonders schwer, weil er meist kein besonders starkes Selbstwertgefühl hat (was aber nach außen nicht so wirkt). Er glaubt immer noch mehr leisten zu müssen, damit er Anerkennung verdient.

Im Excecutive Coaching geht es darum, ihm klar zu machen, dass dieser Punkt längst erreicht ist. Seine Persönlichkeitseigenschaften sind hervorragend. Es braucht nicht noch mehr. Hilfreicher ist es für den Leistungsträger am eigenen Selbstwert, der Einstellung zu sich selbst zu arbeiten und erkennen, was er alles leistet. Hier kann ein Erfolgstagebuch sehr hilfreich sein. Ist dieser Schritt vollzogen, dann kommt die Wertschätzung von außen oft von selbst.

Mit einer die eigene Leistung wertschätzenden, inneren Haltung vermeidet man auch, sich innerlich ungesund zu verbiegen. Nein, man muss nicht noch mehr schaffen, netter sein… Es geht vielmehr darum, das einzufordern, was man verdient!  Es geht darum, ein klares „STOP-Zeichen“ zu setzen.

 

2. Verlassen Sie das Hamsterrad und reflektieren!

Im nächsten Schritt muss sich der Leistungsträger klar werden, was er eigentlich erreichen möchte.

Erst dann wird es Zeit für einen DIALOG mit dem entsprechenden Vorgesetzten.

Die Persönlichkeitseigenschaften verführen schnell dazu sich Luft machen zu wollen. ABER: An dieser Stelle bloß keine Vorwürfe und emotionalen Ausbrüche. Ruhig und sachlich, aber klar und deutlich. Oft nimmt der Vorgesetzte die Überlastung zwar wahr, ist aber im Grunde heilfroh, dass ihm jemand zuverlässig die wichtigen Projekte abnimmt. Hier sollte immer erst mal eine gemeinsame Lösung gesucht werden.

 

3. Holen Sie Feedback ein!

Wenn ein offenes Wort möglich ist, kann man durchaus fragen: „Was schätzen Sie an meiner Arbeit?“ und nach konkreten Beispielen fragen. Es geht um den Abgleich zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung und eine Standortanalyse zur Orientierung. Auch Rückfragen wie „Was halten Sie davon?“ sind eine gute Möglichkeit sich Feedback einzuholen. Ein Typ Leistungsträger möchte sich immer verbessern! Gut so, aber lenken Sie das Feedback. Mit Ihren Persönlichkeitseigenschaften können Sie – ungerechtfertigte Kritik – oft schlecht wegstecken. Wie wäre es, wenn Sie Ihren Vorgesetzten statt nach Schwächen zu fragen, lieber formulieren “wovon hätten Sie gerne mehr von mir?” Klingt doch schon ganz anders, oder?

Praxisbeispiel: Der Vorgesetzte mischt sich ein.

Manchmal allerdings hat man es auch mit Vorgesetzen zu tun, die sich permanent in den eigenen Kompetenzbereich und die eigene Führungsarbeit einmischen. Das mag ein Leistungsträger mit den “typischen” Persönlichkeitseigenschaften überhaupt nicht ab. Am liebsten würde man seiner Wut Luft machen. Das wäre vielleicht authentisch, aber nun gar nicht zielführend. Was kann man dann tun, um die eigene Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen? Auch hier geht es darum, einen klaren Standpunkt zu vertreten und klare Grenzen zu setzen.

 

1. Behaupten Sie sich!

So ist es zum Beispiel meinem Klienten B. ergangen, der als Führungskraft der zweiten Ebene ein Team von 30 Mitarbeitern leitete. Im Executive Coaching erzählte er mir folgendes: Als er im wohlverdienten Urlaub weilte, zog der Vorgesetzte einen Mitarbeiter aus seinem Team in ein anderes, mit der Begründung: „Es ging nicht anders, wir hatten Engpass und Sie stehen ja personell noch ganz gut da.“  B. machte seinem Ärger erst mal Luft und fragte dann mich als seinen Führungskräftecoach, wie er darauf am besten reagieren sollte.

 

2. Reflektieren Sie genau!

Um es ganz klar zu sagen: Das Verhalten des Vorgesetzten ist tatsächlich eine Frechheit und B. hatte durchaus recht, dies deutlich – aber nicht emotional – zu kommunizieren. Im Anschluss ist es aber ratsam, sehr genau zu reflektieren, wie man weiter vorgehen möchte. Die Persönlichkeitseigenschaften eines Leistungsträgers führen dazu, das er gerne Klarheit möchte und diese oftmals im Außen sucht. Hilfreicher ist es, wenn Sie zunächst für sich selbst Klarheit gewinnen. Konkrete bedeutet dies: Zunächst muss B. sich klar entscheiden, OB er gegen das Verhalten des Vorgesetzten überhaupt aktiv vorgehen will oder nicht. Diese Entscheidung sollte fallen BEVOR Argumente gesucht werden.

Falls sich B. dagegen entscheidet, sollte er auch danach handeln, den Ärger loslassen und zum Tagesgeschäft übergehen. Aufregen und trotzdem nicht handeln ist nur verschwendete Energie (in der Natur – dem erfolgreichsten Unternehmen aller Zeiten – ist JEDES Verhalten auf maximale Effizienz ausgelegt)

 

3. Handeln Sie konsequent!

B. hat sich fürs Handeln entschieden. Er hat schließlich seinen Mitarbeiter wieder bekommen und etwas ähnliches ist nie wieder passiert. Ich hatte ihm folgende Tipps gegeben:

  • Um ein Gespräch bitten.
  • Ruhig darstellen, dass es weder fair noch zielführend ist, in der Abwesenheit eine Entscheidung zu treffen, deren Konsequenzen man selbst/das Team tragen soll.
  • Einen Wunsch formulieren, z.B. den Mitarbeiter zurückzubekommen. Das Ziel kann gerne mit Argumenten untermauert werden. Aber man sollte sich darüber bewusst sein, dass die Entscheidung vor den Argumenten da war. Die emotionale Verbindung zum Gegenüber – die Brücke – findet man über das Gefühl, das durch Überzeugung entsteht und nicht durch Argumente!
  • Bieten Sie eine gangbare Lösung an und denken Sie an das Prinzip des Gebens und Nehmens. Was können Sie Ihrem Gegenüber anbieten, damit Sie bekommen, was Sie wollen?
  • Formulieren Sie, wie Sie sich die Zukunft in einem vergleichbaren Fall wünschen (neue Regeln).

Wichtig: Wenn eine solche Grenzüberschreitung öfter vorkommt, MÜSSEN Sie STOP sagen. Die Persönlichkeitseigenschaften des Leistungsträgers zeigen meistens auf Harmonie. Doch “aushalten” bringt weder Klarheit, noch Harmonie. Falls Sie mit Ihrem Team die vereinbarten Ziele nicht erreichen, wird man Sie – zu Recht – zur Verantwortung ziehen. Bleiben Sie beim Stopsagen aber immer diplomatisch und kooperativ!

Erfolgsstrategien für die Persönlichkeitseigenschaften des Charaktertypen „Leistungsträger“

Hier finden Sie eine Checkliste, die den Charaktertypen des Leistungsträgers dabei unterstützt, gemeinsam mit seinem Vorgesetzten gangbare Lösungen zu entwickeln.

Sie wollen an der Unternehmensspitze etwas bewegen? Die Zukunft des Unternehmens gestalten? Dann müssen Sie als sehr engagierte Führungskraft lernen sich Gehör zu verschaffen, Anerkennung einzuholen und Grenzen zu setzen.

Mit diesen Erfolgsstrategien klappt es:

  • Nicht warten, hoffen, schweigen, sondern das ruhige, sachliche Gespräch suchen.
  • Die eigenen Stärken und die des Teams reflektieren, Erfolgstagebuch führen.
  • Die Interessen Ihres Vorgesetzten erkennen und nutzen.
  • Wo möglich auf dieser Basis Aufmerksamkeit und konkretes Feedback für die eigene Standortanalyse vom Vorgesetzten einfordern.
  • Bei Grenzüberschreitungen „Stop“ sagen. Auf jeden Fall NICHT schlucken und das Tempo erhöhen, um die Aufgaben, die anstehen „auch noch“ zu erledigen.
  • Ruhig bleiben, Innehalten, nicht drängeln lassen, Überblick verschaffen.
  • Sich über die eigene Rolle im Unternehmen bewusst werden.
  • Wofür kann, muss ich Verantwortung übernehmen? (Leistungsträger neigen zum zu viel) Achtung: Es gibt neben ganz annehmen oder ganz ablehnen auch noch viele Zwischenvarianten!
  • Rahmenbedingungen anschauen (Team, Ressourcen, Zeit etc.): => das ist realistisch, das nicht, dafür stehe ich ein, dafür nicht.
  • Gespräch planen: Wie will ich es sagen, Kraft und Entschlossenheit sammeln? Was ist das Ziel?
  • Die Auswirkungen deutlich machen: Was bedeutet das Fremdsteuern für das Projekt, die Aufgabe, die Mannschaft, die Abteilung und den Chef selbst?
  • Der Vorgesetzte hat oft mit ähnlichen Problemen zu kämpfen: Machen Sie sich zu Verbündeten und suchen Sie nach realistischen und gangbaren Wegen.
  • Lassen Sie sich auf keinen Fall auf Machtspielchen ein. Zu 99 % werden Sie verlieren, und dann haben sie noch mehr Ärger!

Fazit:

Die Persönlichkeitseigenschaften des Charaktertypen  “Leistungsträger” sind engagiert, leistungsorientiert und daran interessiert GEMEINSAM mit der Mannschaft das Unternehmen nach vorne zu bringen. Sie sind häufig die Säulen des Unternehmens. Trotz allen Gestaltungswillens bringen ihn manche Verhaltensweisen in einen Teufelskreis, aus dem er häufig alleine nicht herausfindet. Krank werden, kündigen oder zur Konkurrenz wechseln sind zwar Lösungsstrategien, helfen auf Dauer aber nicht weiter.

Verschaffen Sie sich Gehör, fordern Sie Anerkennung und Wertschätzung ein. Seien Sie klar und konsequent in Ihrem Handeln.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

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Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager