Vertrauen lernen

Vertrauen lernen

Über Generationen schärfte man Führungskräften ein, sich bloß nicht zu gemein zu machen mit den Mitarbeitern. Distanz wahren, eine gesunde Portion Misstrauen an den Tag legen, klare, nicht zur Diskussion stehende Anweisungen geben, trotzdem – schließlich weiß man ja nie – Abläufe kontrollieren. Die Leine bloß nicht zu lockerlassen oder gar ganz abschaffen, da sonst Chaos ausbricht. Führungskräfte wurden nach Kriterien wie Ellenbogenqualität und Härte ausgewählt.

Es ist also wenig verwunderlich, dass flache Hierarchien, Eigenverantwortung und Transparenz viele Entscheider überfordern.

Loslassen

In einem spannenden Interview auf Zeit online sagt die Juristin Diana Nier Führung heißt in Zukunft auch Loslassen. Frau Nier bezieht den Begriff vor allem auf die in vielen Unternehmen noch immer verankerte Präsenzkultur – letzten Endes lässt er sich aber auf alle Bereiche anwenden. Oder anders gesagt: Unternehmen, in denen die Präsenz der Mitarbeiter vor Ort nun mal schlicht nötig ist, können das Loslassen auf vielerlei Arten praktizieren.

Von oben bis unten

Wichtig ist allerdings, dass sich dieser vertrauensbasierte Führungsstil von oben bis unten konsequent durchzieht. Dass er von den Unternehmenslenkern und Entscheidern wirklich gewollt und praktiziert wird. Und genau hier liegt teilweise das Problem.  Hinter dem Kontrollwahn, der in vielen Unternehmen herrscht, steckt oft Angst. Angst vor dem Verlust der eigenen Position. Angst vor der Zukunft. Angst vor Veränderung.

Vertrauen, auf Augenhöhe und nicht mehr aus Distanz führen, wo bislang doch Misstrauen gepredigt und gelebt wurde – das ist sicher keine leichte Aufgabe

Aber eine lohnenswerte, eine notwendige und auch lösbare Herausforderung!

Ihre Gudrun Happich

 

 

Einen Kommentar schreiben

Was tun, wenn der Chef nicht delegiert?
Wenn Sie Mitarbeiter eines Chefs sind, der alles an sich reißt, sind Sie wahrscheinlich frustriert und fühlen sich als [...] mehr