Gibt es Sie doch, die neuen Chefs?

Gibt es Sie doch, die neuen Chefs?

Vor einiger Zeit gab es hier im Blog eine rege Diskussion über nachhaltige Führung und einen neuen Managertyp, der diesen zu praktizieren weiß. Die Meinungen dazu waren sehr unterschiedlich, wie Sie hier nachlesen können. Zwar halten in der Diskussion alle den Führungsstil amerikanischer Prägung für überholt, viele suchen aber in der Praxis vergeblich nach den neuen Chefs.  

Ich selbst bin hier durch die Erfahrungen mit den Klienten in meinen Führungskräftecoachings sehr viel optimistischer und habe den Eindruck, dass sich die letzten Jahre viel bewegt hat. Aber natürlich ist das auch nur ein kleiner, nicht unbedingt repräsentativer Ausschnitt aus der Unternehmenswirklichkeit, den ich da erlebe.

Umso mehr freute ich mich über den Artikel Die Supermännchen auf Zeit-online, der eine neue Generation von CEOs beschreibt. Mehr WIR als Ich, Bescheidenheit statt Egozentrik, Leistung statt Schaulaufen. Also alles nur positiv?

Zwischen den Extremen

Gegen Ende des Artikels musste ich schmunzeln, denn es kommen Experten zu Wort, welche die andere Seite der „Beta-Chefs“ beschreiben, die jetzt vermehrt an der Spitze zu sehen sind: Stromlinienförmigkeit. Die neuen Chefs seien zwar ganz nette Kerle, die Alpha-Typen aber seien die Charismatiker, die ein Unternehmen als Leitfiguren unbedingt braucht. Ich nenne die „Beta-Chefs“ auch „die Politiker“.

Es fällt mir immer wieder auf, dass wir uns bei den Führungscharakteren schnell zwischen Extremen bewegen: Die lauten Alpha-Männchen, die zwar charismatisch, aber auch charakterlos und narzisstisch sind – die bescheidenen, im Artikel beschriebenen Beta-Männchen, charmant, aber auch stromlinienförmig, stark politisch agierend.

Führen mit Persönlichkeit und Rückgrat

Aber gibt es wirklich nur diese Extreme? Und ist es nicht vollkommen egal, ob introvertiert oder extrovertiert, Männchen oder Weibchen? Ich bin davon überzeugt, dass es auch anders geht und merke auch das immer wieder in meiner Arbeit als Executive Business Coach : eine Persönlichkeit mit Rückgrat und Charakterstärke, die von dem überzeugt ist, was sie sagt, die tut, was sie sagt, eine Meinung hat, Standing hat, Mut zeigt. Und trotzdem, oder gerade deshalb, auch beliebt ist und eine stabile Mannschaft aufbaut, die auch in Krisenzeiten hinter ihr steht.

Für meine Begriffe ist dies genau die Art von Führungspersönlichkeit, die sich in Zukunft immer mehr durchsetzen könnte (und hoffentlich auch wird). Das sind dann die Leistungsträger, die ich meine, für die Leistung und Verantwortung ein hoher Wert und kein Widerspruch zu Sozialkompetenz sind. Hier ist dann nicht (mehr) entscheidend, ob es sich dabei um ein Alpha- oder Beta-Männchen oder -Weibchen handelt, denn ob man das extrovertiert oder introvertiert umsetzt, ist eigentlich nur eine Frage des Typs.

Wie ist Ihre Meinung dazu?

Ihre Gudrun Happich

 

2 Kommentare

  1. Guten Tag

    Ich kann Ihnen mit langjähriger Führungs-und Beratererfahrung nur zustimmen. Wir benötigen in der schnelllebigen Zeit Führungskräfte mit „Charakter“ und guten „Kommunikations-Teamfähigkeien“, mit einem „gesunden“ Leistungsdrang. Die Zeit der „Durchdrücker“ und Patriarchnist mehrheitlich am aussterben (nicht, dass es da auch sehr erfolgreiche Unternehmer gäbe).

    Führungskräfte sind generell besser geschult als vor 20 Jahren, die Problematik sehe ich eher in der Tatsache, dass wir oft überforderte junge Führungskräfte haben, weil Führungserfahrung (Führungskompetenz und Erfahrung = Zeit)oft am Mangel an Erfahrung scheitert. Das gibt dann die technokratischen Manager, die alles mit Tools lösen wollen.

    mfg
    Peter Weissmüller

    • Gudrun Happich

      Guten Tag Herr Weissmüller,

      da sprechen Sie ein wirklich wahres Wort! Danke für Ihren Kommentar.

      Herzlichen Gruß
      Gudrun Happich

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