Die Natur als Krisenmanager

Die Natur als Krisenmanager

Der ManagerSeminare-Blog stellt in seinem aktuellen Blog-Carnival Lessons Learned aus der Krise die Frage, was wir als Weiterbildner aus der Krise gelernt haben. Unter anderem wird dort gefragt:

„Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Weiterbildungsbranche zwar nicht so hart getroffen, wie zwischenzeitlich befürchtet worden war, ist aber auch nicht spurlos an ihr vorüber gegangen. Was haben Sie für Lehren daraus gezogen? Wie hat sich Ihr Angebot verändert? Ihre Akquise?“

Ich möchte mich an dieser Aktion mit mehreren Artikeln beteiligen, denn dazu gibt es aus meiner Sicht einiges zu sagen.

Heute starte ich mit einem Artikel zum Krisenmanager Natur, weil ich denke, dass die Natur ganz grundsätzlich ein sehr gutes Vorbild dafür liefern kann, wie wir mit Krisen sinnvoll umgehen können. In den nächsten Tagen werde ich dann noch etwas näher ausführen, welche Strategien meiner Erfahrung nach sinnvoll sind und auch funktionieren – im Weiterbildungsbereich und anderswo.

Krisenmanager Natur
„Unser Verhalten ist dem System Natur fremd. Schwierigkeiten, Krisen und Veränderungen sind normal – und nicht zu beklagen“. So antwortete der berühmte Kybernetiker Frederic Vester auf die Frage, wie biologische Systeme wohl auf Krisen und schwierige Außeneinflüsse reagierten.

Und tatsächlich, seit wahrscheinlich 3,8 Milliarden Jahren existieren Lebewesen auf der Erde – und trotz großer Veränderungen besteht unser Ökosystem bis heute. Wie geht die Natur mit auftauchenden Schwierigkeiten um? Dazu drei Beispiele:

Unser Klima verläuft in Perioden, Wärmezeiten und Kaltzeiten wechseln sich ab. Zurzeit leben wir in einer kalten Klimaphase, deren kältester Punkt vor ca. 21.000 Jahren erreicht war; die globale Temperatur lag etwa sechs Grad Celsius unter heutigen Durchschnittstemperaturen. Für viele Tierarten ein gravierender Einschnitt, auf den sie sich nicht schnell genug einstellen konnten. Viele Arten, wie einige wechselwarme Lurcharten, starben aus, andere passten sich an: So konnte sich das Wollhaarmammut auf die Kälte und das dürftige Nahrungsangebot einstellen. Es hatte sich ausgehend von einer frühen Stammform der Elefanten entwickelt und wehrte sich gegen die Kälte. Dazu entwickelte es ein Fell mit bis zu einem Meter langen Haaren, eine etwa zehn Zentimeter dicke Fettschicht unter der Haut sowie Talgdrüsen im Fell zum Schutz gegen Kälte und Nässe. Das genügsame Mammut fand außerdem in den Steppen ausreichend Nahrung, wobei es sich hauptsächlich mit trockenem Gras zufrieden geben musste.

Andere Arten passten sich nicht nur an, sondern nutzen die veränderten Bedingungen regelrecht: durch die wachsenden Gletscher sanken die Meeresspiegel. So konnten zum Beispiel Urpferde über ausgetrocknete Meere von Nordamerika nach Asien auswandern und dort neue Lebensräume finden.

Fazit: Anpassung oder Nutzen der Veränderungen lauteten die wichtigsten Überlebensstrategien auf die große Krise „Eiszeit“

Auch eine gute Vorbereitung auf gravierende Einschnitte zahlt sich in der Natur aus: Gerade in Nordamerika und Australien werden große Teile der Vegetation durch regelmäßige Waldbrände völlig zerstört. Einige Pflanzen aber überstehen das Feuer besser als andere – aufgrund ihrer Vorbereitung: Korkeichen etwa schützen sich mit einer dicken, schwer entflammbaren Rinde. Andere Bäume brauchen das Feuer sogar für die Fortpflanzung, wie zum Beispiel die Sequoia oder Mammutbäume in Nordamerika, deren Zapfen erst mit den Flammen aufspringen und die Samen freigeben. Die Lebensbedingungen für diese neuen Pflanzen sind exzellent: Die Böden sind stark mineralhaltig, keine sonstige Vegetation nimmt das Licht weg und Schädlinge sind vernichtet. „Aus der Krise wächst eine Chance“ ist schnell dahingesagt – die Natur nutzt dieses Prinzip tatsächlich.

Fehlererwartung erscheint ohnehin ein wichtiges Prinzip der Natur – auch unser Körper arbeitet danach, was anhand unserer Blutgerinnung deutlich wird. Blut muss flüssig sein, um Gewebe an jeder Stelle im Körper zu versorgen. Flüssiges Blut aber tritt ungehindert aus dem Körper aus – wir würden bei der kleinsten Schnittwunde verbluten. Unser Körper geht davon aus, dass – trotz bester Vorbereitung und Planung – Fehler passieren können und lässt Blut an der Luft gerinnen: bestimmte Rezeptoren auf der Oberfläche der flachen Blutplättchen werden aktiviert, sie verkleben untereinander. Zusätzlich werden aus dem Körper noch mehr Blutplättchen zur Wunde transportiert – die Wunde wird geschlossen, die Blutung gestillt und das restliche Blut flüssig im Körper behalten. Flüssig im Blutkreislauf, geronnen bei Verletzung: wir überleben durch die Erwartung eines Fehlers und eine entsprechend schnelle Reaktion.

So reagiert er also, der Krisenmanager Natur. Er passt sich flexibel neuen Bedingungen an, nutzt neue Chancen und erwartet Fehler und Veränderungen – sie sind schlichte Normalität.

Was das konkret für uns als Weiterbildner bedeuten kann – dazu schreibe ich in den nächsten Tagen noch weitere Artikel.

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