Der Leistungsträger - Blog

Dauerstress!! Wer kennt das nicht? Noch bevor Sie sich auf den Weg zur Arbeit machen ist das Stresslevel schon hoch. Und während der Arbeitszeit nimmt der Stress noch einmal deutlich zu. Lesen Sie in diesem Artikel was den Stress wirklich auslösen kann. Und die 9 entscheidenden Tipps für ein besseres Stressmanagement.

Wie geraten Sie unter Stress?

Vor vielen Jahren begleitete ich eine Klientin, die völlig angespannt zu mir ins Führungskräfte-Coaching kam. Zu Beginn des Termins fragte ich, was heute ihr Anliegen sei.

Es sprudelte aus Ihr hervor. „Ich bin vollkommen gestresst. Ich stehe kurz vor dem Burnout. Ich habe keinerlei Freude mehr an meiner Arbeit und auch mein Privatleben leidet völlig unter meinem Stress.“ Sie klang frustriert und ließ sich in den Coaching-Sessel fallen. Sie schaute mich mit großen erwartungsvollen Augen an.

Und was wollen Sie genau von mir? Wiederholte ich meine Frage mit etwas anderen Worten:

Ich will weniger Stress haben!“ so die platte und einfache Antwort. Etwas genervt fügte sie hinzu: „Ich habe jetzt schon so viel nachgedacht und so viel ausprobiert, wie ich den Stress managen kann, geholfen hat bislang noch nichts. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, je mehr neue „Tools“ ich anwende, umso schlimmer wird es.“ Meine Klientin klang verzweifelt. Ihr Körper war angespannt und stand unter Strom.

Was macht Ihnen Stress?

Fragte ich in einem ruhigen Ton und wartete einfach ab, was jetzt passieren würde.

Sie war felsenfest davon überzeugt, dass sie deshalb Stress hat, weil sie als C-Level-Managerin unendlich viele Aufgaben zu erledigen habe. Sie begann mir haarklein zu erzählen, was sie alles zu tun habe.

Zu viele Berufliche Herausforderungen

Auf dem FlipChart notierten wir sämtliche berufliche Aktivitäten.
Ich bat sie, sich die letzte Woche als Referenz zu nehmen. Sie begann mit Montag und endete mit Sonntag. In einer Liste untereinandergeschrieben, standen dann da Dinge wie Board Meeting vorbereiten und durchführen, Teambesprechungen, Verhandlungen mit einem schwierigen Kunden, E-Mails bearbeiten, mittags sich mit einem Stakeholder treffen und vieles weitere mehr. Für jeden Tag eine vollständige Liste. Dabei war es egal, ob es wichtige oder unwichtige, lange oder kurze Tätigkeiten waren. Die Vollständigkeit war das Entscheidende.

Es wurden mehrere dicht beschriebene FlipChart Seiten.

Sie erwähnte, dass sie gerade neu in ihrer Position sei. Aktuell beginne ihr Arbeitstag morgens um 7 Uhr und endete abends um 23 Uhr. Sie wollte den Stress zuerst auf diese neue Situation schieben, doch sie erinnerte sich selbst schnell daran, dass sie sich im letzten Job genauso gestresst fühlte. Sie stellte zu ihrer eigenen Überraschung fest: allein an dem neuen Job kann es nicht liegen.

Zu viele persönliche und private Herausforderungen

Im nächsten Schritt bat ich sie, auch alles andere zu notieren, also Dinge, die sie zum Privatleben zählen würde. So stand dann auch auf dem Flip-Chart, dass sie sich am Montag Abend mit Ihrem Mann gestritten habe, der so langsam genervt sei, wieviel Zeit sie dem (neuen) Job widmen würde. Sie versuchte diesen Teil rational zu erklären „klar ist der sauer, aber das muss er jetzt einfach verstehen, immerhin ist dieser Job für mich die Riesenchance.“

Die Kinder waren gerade häufiger krank als normal. Die Kinderfrau konnte nicht so  einspringen, wie sie sich das vorstellte. Die achtzigjährige Mutter forderte auch immer wieder Aufmerksamkeit ein. Eine Freundin wollte sich seit Monaten mit ihr treffen, doch meine Klientin hatte keine Zeit, so sagte sie der Freundin per Whatsapp ab. Mittwoch abends hatte sie Sport: das fiel auch gerade aus. Sie kommentierte: „man muss eben Prioritäten setzen.“

Was macht wirklich Stress?

Häufig haben wir bereits Ideen, warum wir Stress haben. So ist die Klientin am Anfang der Meinung, dass es an den zu vielen Aufgaben und der damit verbrachten Zeit liegt, oder auch an der neuen Position. Wichtig ist, dass Sie diese Überzeugungen tatsächlich einem Realitätscheck unterziehen.

Übersicht bekommen und Bilanz ziehen

Daher bat ich meine Klientin im nächsten Schritt hinter jedem aufgelisteten Punkt die Zeit zu schreiben, die sie damit verbrachte. Das waren manchmal nur wenige Minuten, manchmal auch Stunden.

Was belastet SIE am Meisten? Was bereitet IHNEN am meisten Stress?

Während meine Klientin vor dem Flip-Chart stand und bei fast allen Aktivitäten eine Zahl notiert hatte, fragte ich sie unvermittelt: “Und was belastet Sie am meisten? Was macht Ihnen am meisten Stress?”

Die Klientin war sichtlich überrascht über diese Frage, sie dachte nicht nach, sondern antwortete spontan aus dem Bauch: „die Whatsapp an meine Freundin“. Ihr flossen die Tränen über die Wangen und sie setzte sich erst einmal in den Coaching-Sessel.

Erkennen Sie, was IHNEN Stress macht

Nach ein paar Minuten schaute sie mich irritiert an:
Ich habe seit langer Zeit das Gefühl nur noch zu funktionieren, ich fühle mich wie fremdgesteuert. Ja, und die Bilanz hier am Flip-Chart bestätigt ja auch: Ich bin im operativen Hamsterrad gefangen. Daher habe ich in der Vergangenheit auch immer engagiert nach Projektmanagement-, Zeitmanagement-Tools oder Entspannungsmethoden gesucht, um meinen Stress zu managen. Ich habe immer angenommen, dass die vielen verschiedenen Aktivitäten zu dem Stress führen. Aber das stimmt gar nicht…

Zu wenig Zeit führt nicht automatisch zu negativem Stress! 

Wie machen Sie sich Stress?

Diese eine Whatsapp an meine Freundin hat mich nur 15 Sekunden Zeit gekostet. Aber „gestresst“ hat mich eigentlich, dass ich der Freundin absagen „musste“, dass ich ihr nicht gesagt habe, wie gern ich sie gesehen hätte, wie wichtig mir das Treffen gewesen wäre.”

Stress machen Sie sich selbst

“Ich habe meine Gefühle geleugnet, mein Bedürfnis mit Füssen getreten. Ich glaube, dass ich mich dabei eigentlich selbst belogen habe. Den größten Stress habe ich mir selbst gemacht, als ich meine Bedürfnisse unterdrückt und meine Gefühle ignoriert habe. Das hat zu der emotionalen Belastung geführt. Dem habe ich dann noch einen draufgesetzt, indem ich mich hinter rationalen Argumenten versteckt habe.“

Was löst den Stress tatsächlich aus?

Meine Klientin erkannte aus Ihrem Beispiel eine zentrale Erkenntnis:

Emotionale Belastung führt zu Stress!

Wie bedeutet das für meinen Führungs- und privaten Alltag?

Wenn unterdrückte oder ignorierte Gefühle oder Bedürfnisse zu enormem Stress führen, was bedeutet das jetzt für unseren Führungs- oder auch privaten Alltag?

Ich möchte damit die üblichen Stressmanagement-Methoden nicht ad absurdum führen. Es zeigt nur, warum trotz bestem Wissen und Gewissen viele der Methoden einfach nicht funktionieren oder wenigstens nicht die Wirkungen zeigen, die Sie sich wünschen. Ein Tool kann Ihnen den eigentlichen Stress nicht wegmachen.

Stressmanagement: 9 Tipps, die Ihnen helfen, gelassener mit Ihrem Stress umzugehen.

Wenn Sie zunehmend bei sich selbst negativen Stress feststellen, Sie quasi „unter Strom“ stehen. Wenn Sie schon die ein oder andere Stressmanagement-Strategie ausprobiert haben und der Erfolg auf sich warten lässt, dann wissen Sie: Ich muss einen anderen Weg gehen!

Die nachfolgenden Tipps zeigen Ihnen, wie Sie Ihren Stress managen können. Wie Sie gelassener mit der ein oder anderen Situation umgehen können.

  1. Ziehen Sie Bilanz
    Führen Sie ein Aktivitätenprotokoll, in dem Sie ganz genau aufschreiben, was Sie jeweils am Tag gemacht haben. Hier bietet sich ein Zeitraum von 1 Woche an.
  2. Zeitaufwand
    Schreiben Sie hinter jede Aktivität, wieviel Zeit Sie tatsächlich aufgewandt haben.
  3. Seien Sie ehrlich zu sich selbst
    Überlegen Sie: Was stresst bzw. belastet SIE am Meisten?
    Ist es die Zeit, ist es die Aufgabe, ist es etwas anderes?
  4. Stehen Sie zu sich selbst!
    Oftmals erkennen Sie in diesem analytischen Prozess, wie sehr Sie in den Funktionsmodus hineingerutscht sind. Wo bleiben Sie?
    Vielen stellen die eigenen Bedürfnisse hinten an, und versuchen „es anderen recht“ zu machen, oder die Pflicht zu erfüllen, oder was auch immer…
    Horchen Sie in sich hinein: Was fühlen Sie gerade?
    (Denken Sie daran, selbst wenn Sie glauben nichts zu spüren. Wir spüren eigentlich immer etwas, oftmals haben wir es aber so sehr verdrängt, dass wir es nicht mehr wahrnehmen. (Über die Bedeutung von Emotionen in der Geschäftsleitung haben ich einen ganzen Artikel geschrieben.)
  5. Drehen Sie das Ruder rum: ICH zuerst
    Seien Sie sich bewusst: Wenn Sie nicht dafür sorgen, dass SIE leistungsfähig sind, dann nutzen Sie anderen auch nichts. Also übernehmen Sie für sich selbst die Verantwortung (das ist übrigens: gesunder Egoismus).
  6. 3 x täglich: Was brauche ich JETZT!
    Stellen Sie sich 3 – 5x täglich einen „Wecker“. Sobald Sie diesen Ton hören überlegen Sie sich ganz genau: Was brauche ich JETZT?
    Vielleicht ist es: etwas trinken, oder eine kurze Pause machen, oder…. es können ganz kleine Dinge sein.
  7. Jetzt oder später?
    Fragen Sie sich: Will ich das jetzt oder später machen?
    Es geht hier gar nicht darum, Ihre Wünsche sofort umzusetzen. Es geht vielmehr darum, dass Ihnen bewusst wird, was Ihr Bedürfnis ist und Sie selbst entscheiden können, ob Sie es sich jetzt erfüllen, oder eben nicht.
  8. Ziehen Sie wieder Bilanz
    Nutzen Sie diese Tipps und die Vorgehensweise für mindestens 3 Wochen und schreiben Sie täglich ganz kurz auf, welche Erfahrungen Sie gemacht haben.
    Hat es Ihnen geholfen, weniger Stress zu empfinden?
  9. Mehr von dem, was klappt
    Verstärken Sie das Verhalten, das funktioniert. Tun Sie mehr von dem, was IHNEN hilft Ihren Stress zu managen. Sie werden feststellen, dass es häufig bereits Kleinigkeiten sind, die Ihnen zu mehr Gelassenheit und Flow verhelfen.

Fazit: Stressmanagement – was Sie tatsächlich unter Stress setzt – und wie Sie ihn loswerden

Stress, Burnout und Depressionen nehmen immer mehr zu. Die meisten sind der Ansicht, dass zu wenig Zeit zu Stress führt. Maßnahmen, um den Stress zu reduzieren, gibt es viele. Doch manchmal hilft all dies nicht. Sie haben in diesem Beispiel erfahren, dass „emotionale Belastungen zu Stress führen“. Dabei ist wichtig, dass wir selbst den Stress verstärken, wenn wir die emotionale Belastung  unterdrücken oder sogar ignorieren.

Die 9 Stressmanagement-Tipps helfen Ihnen ganz konkret, wie Sie Ihren Stress besser managen können. Schritt für Schritt werden Sie gelassener und zufriedener. Viele meiner Klienten berichten, dass sie sich viel weniger fremdgesteuert fühlen, dass sie leichter aus dem operativen Hamsterrad aussteigen können und deutlich leistungsfähiger sind, obwohl sie immer noch gleich viel To-Dos auf der Agenda stehen haben.

Das Wissen um das Bedürfnis reicht vielfach schon aus, den emotionalen Stress deutlich zu reduzieren.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

P.S. 5 + x Stressbewältigungsstrategien, die Sie gelassener machen, lesen Sie in diesem Beitrag. Und – wenn Sie sich schon länger damit beschäftigen, wie Sie Ihren Stress-Pegel besser managen und gelassener werden können, dann lassen Sie uns sprechen, wie das auch für SIE gelingen kann.

Foto: Depositphotos 257354290 ©bigstock

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager