Teil 2 der Auswertung meiner Umfrage zu aktuellen Führungsthemen

Teil 2 der Auswertung meiner Umfrage zu aktuellen Führungsthemen

Am Mittwoch habe ich ja bereits die Ergebnisse der Umfrage gepostet und meine Interpretation dazu geliefert. Während der Feiertage habe ich mir immer mal wieder die Zeit genommen zu beobachten, was sich bei der Umfrage tat – und das fand ich so spannend, dass ich es Ihnen hier auch beschreiben möchte:

So wurden nach Weihnachten interessanterweise ganz andere Themen angekreuzt. Zwar blieb es dabei, dass die Antwort „Ich will meine Mitarbeiter zum „Mitdenken“ statt „Abarbeiten“ bewegen“ insgesamt auf Platz 1 der Umfrage blieb, aber es wurde nicht mehr angekreuzt. Stattdessen rückten nun folgende Themen in den Vordergrund:

  1. Ich kann mit niemandem offen über meine „wirklichen“ Themen sprechen.
  2. Ich habe viel zu wenig Gestaltungsspielraum und fühle mich oft „ausgebremst“.
  3. Mir fehlt die Perspektive: Ich funktioniere nur noch, aber der Spaß fehlt.
  4. Ich will eine gute Performance bringen, befürchte aber, den Erwartungen der anderen nicht gerecht zu werden.
  5. Ich wirke nach außen souverän, aber es fällt mir oft schwer, kühlen Kopf zu bewahren
  6. Ich denke manchmal, dass keiner sieht, wie viel ich tatsächlich leiste – etwas mehr Wertschätzung wäre schön
  7. Ich möchte was bewegen, aber habe das Gefühl am „ausgestreckten Arm zu verhungern“

Dadurch verschob sich das Ergebnis der Umfrage noch einmal deutlich. Vielleicht lehne ich mich da etwas weit aus dem Fenster, aber ich vermute, dass durch die mehr oder weniger „erzwungene“ Ruhephase plötzlich die Themen mehr ins Bewusstsein rückten, die vorher durch die aktuelle Situation und den immensen Druck gar nicht spürbar waren. Bei den o.g. Themen geht es jetzt wesentlich stärker um emotionale Herausforderungen. Das Funktionieren-müssen tritt gegenüber der Zeit vor Weihnachten in den Hintergrund, und es kommen jetzt etwas mehr die „Themen hinter den Themen“ zum Vorschein: die wahren Bedürfnisse der Leistungsträger.

Ich glaube, dass man diese Beobachtung durchaus als kleinen Hinweis darauf verstehen könnte, dass viele Leistungsträger mit Personalverantwortung spüren: „Irgendetwas passt einfach nicht zusammen“. Die scheinbaren Erwartungen der Außenwelt und die der Innenwelt scheinen irgendwie nicht deckungsgleich.

Vielleicht fragen ja auch Sie sich, ob es einen wirkungsvollen Hebel gibt, bei dem Sie ansetzen können, um für diese Herausforderungen eine Lösung zu finden. Wie kann der Spagat gelingen zwischen „Funktionieren und eine professionelle Rolle in der Arbeitswelt ausfüllen“ und „Wie geht es mir als Mensch, der auch Gefühle und Bedürfnisse hat, zu denen eben auch Leidenschaft und Unsicherheit gehören?“

Eine Lösung für innere Widersprüche?

Lassen sich diese scheinbaren Widersprüche denn überhaupt vereinen? Ich kenne genügend Leistungsträger, die mittlerweile annehmen, dass die „Lösung“ für dieses Dilemma darin besteht, sich damit abzufinden, nach dem Motto „Das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert“.

Aber ist das wirklich so? Meiner Ansicht nach ist das Gegenteil der Fall: Wir müssen diese scheinbaren Widersprüche auflösen und integrieren, wenn wir auf Dauer erfolgreich sein wollen. Und das meine ich nicht nur im subjektiven Sinne, bezogen auf die individuellen Bedürfnisse, sondern auch im Hinblick auf die wirtschaftliche Situation der Unternehmen. Stichworte: Demografische Entwicklung, Wettbewerbsfähigkeit, Fachkräftemangel, Nachhaltigkeit, etc.

Darin sehe ich eine meiner wesentlichen Aufgaben, weil ich genau diese Themen selbst durchlebt habe in meinen 12 Jahren als Führungskraft. Auch als Unternehmerin stehe ich immer wieder vor ähnlichen Herausforderungen und suche permanent nach gangbaren und für alle Beteiligten erfolgreichen Lösungen – für mich und natürlich auch für meine Kunden und Klienten.

Weil ich nämlich zutiefst davon überzeugt bin, dass es möglich ist, diese Balance individuell und im Endeffekt für das ganze Unternehmen zu finden.

In der nächsten Woche beschäftige ich mich weiter mit der Frage, wie eine andere Führungs- und Leistungskultur möglich sein kann. Ich arbeite gerade an einer Fortführung dieser ersten Umfrage und werde Ihnen die Möglichkeit geben, sich noch aktiver als bisher an der Diskussion zu beteiligen – lassen Sie sich überraschen!

2 Kommentare

  1. Liebe Gudrun,

    ich denke, Deine Umfrage spiegelt in sehr hohem Maße die Situation wieder, in der sich viele, viele Führungskräfte befinden. Viele funktionieren wirklich nur noch, aber sie leben nicht mehr. Klingt etwas hart, doch ich sehe dies so. Tag für Tag.

    Nur ganz wenigen Unternehmen gelingt es eine Kultur des partnerschaftlichen Miteinanders zu entwickeln, die für mich Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist. Vertrauen geben und Vertrauen nehmen sind für mich das Fundament einer solchen Beziehung.

    Oder liege ich falsch?

    Freue mich auf Austausch mit Dir.

    Herzliche Grüße aus Karlsruhe.

    Dieter

    • Gudrun Happich

      Lieber Dieter,
      vielen Dank für Deinen wertvollen Beitrag – aus der Sicht eines erfahrenen und engageierten Personalers, dem sowohl das Wohl der nachhaltigen Entwicklung der Führungskräfte als auch des Unternehmens sehr am Herzen liegt.

      In meiner täglichen Praxis erlebe ich tatsächlich, das insbesondere die „Guten“, also die Leistungsträger, die’s anpacken, häufig immer schneller vor lauter Engagement in die Überforderung gelangen. So wird denn auch „Mitarbeiter“ zum Mitdenken bewegen nicht ohne Grund als Herausforderung Nr. 1 gesehen. Kurz gefolgt von dem Wunsch nach „mehr Wertschätzung“. Doch wie kann dazu eine Lösung aussehen? Eine Lösung die nicht nur kurzfristig greift, sondern nachhaltig wirkt? Wo Wertschätzung, Leistungsorientierung und Nachhaltigkeit keine Wiedersprüche sind, sondern sich gegenseitig bedingen? Nicht ganz leicht….. aber meiner Meinung nach möglich und vor allen Dingen absolut notwendig.
      Hier geht es ja nicht um Tricks und Tools aus der Wunderkiste, sondern um eine Entwicklung der Kultur, genau wie Du sagst. Damit das gelingt, macht es Sinn, das das Unternehmen für so eine Entwicklung offen und bereit ist.
      Lieber Dieter, wir haben hier ja bei der PTV eine sehr gute Entwicklung der Führungskräfte und damit auch der Unternehmenskultur mit den Kompetenz-Impulsen in Gang gesetzt. Ich bin davon überzeugt, und die Ergebnisse zeigen es ja sehr deutlich, das dies ein entscheidender wichtiger Baustein für die Kultur des „partnerschaftlichen“ Miteinanders und des verantwortungsbewussten Denkens und Handelns ist.
      Ich gehe davon aus, das immer mehr Unternehmen für sich erkennen, das dies ein wichtiger Weg ist um die Zukunft der „Guten“ und des Unternehmens zu sichern und auszubauen.
      Lieber Dieter – gerade findet die 2. Umfrage zu den Visionen der Führungskräfte mit Personalverantwortung statt. Ich verfolge ganz neugierig die Zwischenergebnisse und ich kann Dir an dieser Stelle schon versprechen: Du darfst gespannt sein was sich die Leistungsträger, die’s anpacken tatsächlich wünschen!!

      Lieben Gruß Gudrun

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