Der Leistungsträger - Blog

Wenn Sie überprüfen wollen, ob Sie eine Entscheidung umsetzen wollen oder nicht, sollten Sie immer Kopf und Bauch befragen. Im letzten Beitrag haben Sie Fragen für den rationalen Realitätscheck der Vision Ihrer beruflichen Idealposition kennengelernt. In diesem Blog präsentiere ich Ihnen 2 Methoden, mit denen Sie in die Tiefe gehen und Ihre innere Überzeugung überprüfen können, anhand zweier Klienten aus der Coaching-Praxis.

Die Will-ich-wirklich-Übung

Mit einem erfolgreichen, aber dennoch unzufriedenen Geschäftsführer hatte ich mich auf die Suche nach seiner Idealposition begeben. Schließlich stand die Vision fest: Der 44-Jährige wollte sich künftig selbständig machen und war von dieser Vision, die ihn seinem tiefsten Inneren schon lange begleitete, hellauf begeistert. Gerade bei so einer gravierenden Änderung der beruflichen Situation, empfehle ich neben dem Realitätscheck auch Ihre innere Überzeugung zu prüfen.

Was wäre wenn?

Ich machte mit meinem Klienten die „Will-ich-wirklich Übung“, die aus zwei kleinen Traumreisen besteht. Die erste Reise führte ihn in eine Zukunft, in der die Vision Realität wurde. Auf dem Weg dahin durchlebte er Höhen und Tiefen, mit denen ein Existenzgründer rechnen muss. „Stellen Sie sich vor, das Geschäft läuft nicht wie erwartet an, Aufträge bleiben aus. . . “ Bei der zweiten Reise blieb er weiterhin Geschäftsführer im bisherigen Unternehmen und malte sich aus, wie sich sein Leben in diesem Fall entwickeln würde. In das erste Szenario, das seiner Vision, packte ich zahlreiche Hindernisse, die er im Augenblick noch nicht auf dem Schirm hatte. Das alles hielt ihn am Ende jedoch
nicht davon ab, sich klar für seine Vision zu entscheiden.

Der Münzwurf

Diese Methode eignet sich vor allem dann, wenn Sie – nachdem Sie zunächst vollauf überzeugt von Ihrer Vision waren – schnell in Zweifel geraten. So erging es einem Klienten, der sich ganz klar in der Funktion des Troubleshooters sah, der Projektschäden von der Firma abwendet. Diese Position gab es bei seinem Arbeitgeber nicht und er war zunächst voller Enthusiasmus, dies zu ändern. Schnell kamen ihm allerdings Zweifel – würde er sein Unternehmen wirklich überzeugen können, eine solche Stelle neu zu schaffen? „Wenn Sie nicht entscheiden, macht es eben jemand anderes“, erklärte ich – und legte ein Geldstück auf den Tisch. Verdutzt schaute er mich an. „Wir lassen jetzt diese Münze entscheiden, ob Sie Ihre Vision realisieren oder nicht.“ Der Klient war nicht begeistert, machte aber mit. Er wählte den Kopf für „Vision umsetzen“ und die Zahl für „Vision bleiben lassen“. Schließlich nahm ich die Münze in die Hand, ließ mir viel Zeit und warf sie dann: „Bitte sehen Sie auf das Ergebnis und sagen Sie spontan, wie es Ihnen damit geht.“ Das Ergebnis lautete: Zahl, also das Ende der Vision.

Gute Inszenierung

„So eine Sch. . . !“, entfuhr es ihm. Das war ehrlich, kam wirklich aus seinem Inneren. Für ihn brach eine Welt zusammen: Die Vision ist tot, seine verzweifelte Situation, in der er das Unternehmen nur noch verlassen wollte, war wieder lebendig. Die Reaktion machte deutlich, wie seine eigentliche Entscheidung lautete: ein innerlich überzeugtes „Ja“. Genau darin liegt das Geheimnis des Münzwurfs: Wird er gut inszeniert, kommt der erste spontane Kommentar aus dem Bauch – entweder jubelnd, wenn der Klient innerlich mit der Entscheidung der Münze übereinstimmt, oder betroffen und enttäuscht, wenn die Münze wie im Beispiel der inneren Überzeugung widerspricht.

Sie wollen tiefer in das Thema einsteigen? In Kapitel 12 meines neuen Führungskräfte-Ratgebers „Was wirklich zählt!“ erfahren Sie alles über die Methoden, mit denen Sie Ihre Vision auf Ihre Realisierbarkeit prüfen.
Im abschließenden Video-Blog zu dieser Serie am kommenden Dienstag erfahren Sie mehr darüber.

Ich freue mich über Ihre Kommentare und Anregungen!
Ihre Gudrun Happich

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Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei
CIO Magazine
Harvard Business Manager