Der Leistungsträger - Blog

Dieser Eintrag ist Teil 1 von 2 aus der Blogreihe Werteorientierte Unternehmensführung?

Viele Leistungsträger an der Unternehmensspitze geben Ihr Bestes. Sie wollen die werteorientierte Unternehmensführung vorantreiben. Und scheitern!
Wie Sie das Gefühl gescheitert zu sein besser verarbeiten. Wie Sie Scheitern als Chance begreifen. Wie Sie Machtspiele erkennen und frühzeitig aussteigen.

An der Spitze geht alles wesentlich schneller. Sie wissen das, denn es gibt ja damit auch die Chance etwas zu bewegen, zu gestalten und die Zukunft maßgeblich zu beeinflussen. Ein tolles Gefühl. Und wenn es um werteorientierte Unternehmensführung geht, dann lohnt es sich doch erst recht, oder? Doch manchmal passiert genau das Gegenteil. Doch der Reihe nach.

Werteorientierte Unternehmensführung – das richtige Unternehmen finden

Tom H., Anfang 50, ist Top Manager, ein gestandener Praktiker mit einem gesunden Menschenverstand, eine echte Führungspersönlichkeit. Er kennt sich aus mit guter Führung. Er weiß worauf es ankommt, er legt viel Wert auf Inhalte und Ergebnisse. Er fördert Offenheit und Transparenz und hat sehr genaue Vorstellungen davon, wie man als gute Führungskraft erfolgreich ist und die Mitarbeiter mitnimmt. Im letzten Unternehmen hat er seine Art der Mitarbeiterführung deutlich verbessert. Er ist quasi der Inbegriff von werteorientierter Unternehmensführung an der Unternehmensspitze. Machtspiele und Politik mag er nicht. Aber er hat mittlerweile gelernt damit umzugehen. In seinem letzten Job gab es Meinungsverschiedenheiten mit dem Vorstand und so zog er es vor das Unternehmen zu wechseln. „Diesmal soll es passen. So richtig passen“, schwor er sich und „bei der Auswahl des neuen Unternehmens schaue ich GENAU hin und achte auch auf mein Bauchgefühl.“

Tom H. hat Glück, über sein Netzwerk bekommt er Kontakt zu einem Unternehmen, was er schon lange kennt. Er versteht sich gut mit dem Vorstandsvorsitzenden, ein ganz loyaler Mensch, man würde sagen: „Ehrbarer Kaufmann“. Die Aufgaben und Erwartungen werden abgesprochen. Alles passt. Das Unternehmen will den Wechsel zur werteorientierten Unternehmensführung hinbekommen. Tom H. soll als Top-Manager direkt unterm Vorstand einsteigen.

Der Start: Der Einstieg in die neue Führungsrolle gelingt

Tom H. freut sich riesig über die neue Position, die er in nur wenigen Wochen annehmen wird. Klar, ist er auch ein wenig nervös. Er will ja diesmal alles „richtig“ machen. Im Idealfall bleibt er in dem Unternehmen bis zum „Ende“. Er bereitet sich auf den Einstieg in die neue Rolle und das Unternehmen gut vor. Manchmal kommen die Selbstzweifel hoch „kann ich das überhaupt? Bin ich den Erwartungen wirklich gewachsen?“ Doch schon nach kurzer Zeit denkt er sich: es wird schon klappen. Immerhin habe ich schon mehr als 10 Jahre Top-Management-Erfahrung und habe alle Vorbereitungen getroffen, dass der Einstieg in die neue Führungsrolle gelingen sollte.

Tom H. hat ein gutes Verhältnis zum Vorstandsvorsitzenden, auch mit seinem direkten Vorgesetzten, dem Vorstand kommt er gut klar. Sein Team besteht aus erfahrenen „Machern“, die ihren Job verstehen. Er kommt mit seinem Ansatz der werteorientierten Unternehmensführung „ich führe, indem ich das Ergebnis vorgebe, aber den Weg entscheiden die Mitarbeiter selbst“ bei seinen Leuten gut an. Die Stimmung ist offen, konstruktiv und von Vertrauen geprägt. Die Vorstellungen von guter Führung lassen sich leicht umsetzen. Tom H. ist seelig vor Glück und denkt sich insgeheim „dass es sowas wirklich gibt, hätte ich mir kaum träumen lassen. Es ist fast zu schön, um wahr zu sein“.

Die Zeit vergeht… Tom H. zieht nach ca. einem Jahr noch einmal Bilanz und kommt zu dem Schluss: „Hier kann ich bleiben. Ich habe meinen Platz gefunden.“

Wechsel an der Unternehmensspitze – eine jähe Wende

Dann kommt ein Neuer von außen. Herr Z. ist für die neue Strategie eingestellt. Ein kleiner, eher strenger Mann. Er wirkt ernst, etwas verbissen. So ganz anders als die anderen im Unternehmen. Es wird eine Zwischenebene eingezogen und so wird er der direkte Vorgesetzte von Tom H. . Keinem ist wirklich klar, warum Herr Z. jetzt reingeholt wurde. Außer „Strategie“ wird nichts bekannt. Das ist eher ungewöhnlich für das doch sonst so offene Unternehmen. Tom H. findet diesen Wechsel an der Unternehmensspitze zwar nicht so toll, denn Herr Z. ist so gar nicht sein Fall, aber er denkt sich: “Das Leben ist kein Ponyhof, die Chemie stimmt nicht. Na ja, die Arbeit ist gut und Herr Z. übt ja auch keine Kritik an meinem Führungsstil. Also wird es schon gehen.“

Dann wird er an einem Freitagnachmittag zu 16 Uhr in das Büro des neuen Vorgesetzten gerufen. Frohgelaunt und mit Vorfreude auf das bevorstehende Wochenende tritt er durch die Tür ins Zimmer des Vorgesetzten. Die Personalchefin ist auch schon da. Tom H. wundert sich ein wenig, aber die Bedenken sind gleich wieder vom Tisch. Es läuft ja alles und keiner hat Kritik geäußert.

Es geht ganz schnell.

Tom H. hört die Worte: „Hiermit überreichen wir Ihnen die Kündigung. Wir begleiten Sie noch zum Arbeitsplatz. Sie können dort Ihren Platz aufräumen. Bitte geben Sie alle Sachen ab. Sie sind ab sofort freigestellt.“
Tom H. wird leichenblass, ihm zittern die Knie. Auf seine Frage „Warum?“ erhält er nur fadenscheinige Antworten. Nichts davon ist für Tom H. nachvollziehbar. Mit flauem Magen lässt er sich zum Arbeitsplatz begleiten. Er fühlt sich wie ein Sträfling. Er räumt seine wenigen Sachen zusammen. Unter strenger Beobachtung seiner Begleiter.

Er fährt nach Hause und versucht es seiner Frau zu erklären. Doch er kann es nicht erklären. Ihm ist überhaupt nicht bewusst, was er falsch gemacht hat. Gab es Anzeichen? Hat er Alarmzeichen übersehen? Was hat er falsch gemacht? Tom H. ist deprimiert und er zieht sich für einige Tage in sein Schneckenhaus zurück. Was soll er seinem Umfeld sagen?

Die nächsten Tage und Wochen sind für ihn der Horror. Die Negativspirale nimmt zu. Die Selbstzweifel nagen an ihm. Immer und immer wieder geht er die Situationen durch. Und immer wieder kommt er zur Frage:

Was habe ich falsch gemacht?

Er traut sich nicht mehr ans Telefon zu gehen. Er antwortet nicht mehr auf Mails aus seinem Umfeld. „Was soll ich denen nur sagen?“. Er zieht sich immer mehr in die Einsamkeit zurück und  verliert den Lebensmut. Seine Frau ist völlig überfordert. Er geht zum Arzt, der will ihn zur Psychotherapie schicken (bloß das nicht, denkt sich Tom H.) und nimmt das Rezept für ein Beruhigungsmittel mit. Seine besten Freunde machen sich Sorgen und wollen ihm helfen, doch sie wissen nicht wie…

Schauen Sie in der nächsten Woche wieder vorbei und seien Sie gespannt, wie die Geschichte von Tom H. weitergeht. Gibt es einen Ausweg? Und wenn ja, welchen?

Weitere Lesetipps:

Natürlich sind solche Situationen, wie Tom H. sie gerade erlebt einfach nur schrecklich. Mich interessiert brennend, ob Sie solche Situationen auch kennen? Oder vielleicht von/bei anderen gehört haben? Schreiben Sie mir gerne oder kommentieren Sie in meinem Blog. Ich freue mich auf Ihre Antworten.

Ihre Gudrun Happich

Bildquelle: ©Pixabay niekverlaan

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Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei