Der Leistungsträger - Blog

Stressmanagement ist ein Thema, das mich nicht nur als Führungskräfte-Coach gerade sehr beschäftigt: Wie gehen wir als Gesellschaft mit den vielen Stresserkrankungen um? Sicher haben Sie es alle mitbekommen: Gemäß Stressreport 2012 leidet jeder zweite Beschäftigte in Deutschland unter Termin- und Leistungsdruck. Auch im Führungskräfte-Coaching wird das Thema immer wichtiger. Mit meinen Klienten entwickle ich individuelle Stressbewältigungsstrategien für mehr Leistung mit Leichtigkeit. Wie kann das gelingen? 5 + x entscheidende Tipps und Ideen.

Was ist Stress überhaupt?

Kennen Sie noch jemanden, der keinen Stress hat? Wie der Stressreport 2012 zeigt leidet jeder Zweite darunter. Doch was ist Stress überhaupt?

Wikipedia formuliert: Stress bezeichnet zum einen durch spezifische äußere Reize (Stressoren) hervorgerufene psychische und physische Reaktionen bei Lebewesen, die zur Bewältigung besonderer Anforderungen befähigen, und zum anderen die dadurch entstehende körperliche und geistige Belastung.
In Kurzfassung: Durch ÄUSSERE Reize wird im INNERN eines Lebewesens etwas ausgelöst. Dies kann sowohl auf der körperlichen, als auch auf der geistigen Ebene zur Belastung führen.

Ist Stress immer schlecht?

Sobald wir an Stress denken, denken wir meistens an negativen Stress. Doch es gibt auch eine andere Möglichkeit.

Flow statt Stress!

In meiner Zeit als Mitglied der Geschäftsführung machte ich eine überraschende Erfahrung: Ich war zu dem Zeitpunkt quasi rund um die Uhr am Arbeiten. Ich versuchte zwei Vollzeitaufgaben zu managen und schaffte es gerade mal ausreichend zu schlafen. Ich hätte unter der Arbeitslast zusammenbrechen müssen, stattdessen fühlte ich mich pudelwohl und war erfüllt in und mit meinen Aufgaben.

Schon damals reifte die Erkenntnis: viel Arbeiten bedeutet nicht automatisch negativer Stress.

Erleben Sie Ihre Tätigkeit als erfüllend? Stimmen die Rahmenbedingungen, unter denen Sie Ihre Aufgaben ausüben? Können Sie Ihr Leben aktiv gestalten? Dann erleben Sie Flow statt Stress. Im Fachjargon nennt man dieses Phänomen Eustress.

Wann muss ich bei Stress aktiv werden?

Schwieriger wird es, wenn der Stress – also die äußeren Reize – Sie belasten. Man spricht dann von Distress.

Ohnmacht als Stressauslöser

Ohnmacht und Hilflosigkeit gehören für mich zu den wichtigsten Auslösern von schlechtem, krankmachendem Stress. Wer sich als unwichtiges Rädchen im Getriebe fühlt, wer nie gehört wird, wer womöglich Eigeninitiative ergreifen will und geblockt wird, der fühlt sich ohnmächtig und gefangen. Häufig ist zudem die Fähigkeit verloren gegangen, Grenzen zu setzen.

Stress kann krank machen

Und genau dieser Distress kann krank machen. In einigen Studien wurde jetzt erneut gezeigt, wie stark sich Stress auf das Hirn auswirken kann. Das Cortisol, das der Körper in einer Stresssituation ausschüttet, greift Gehirnzellen an. Chronischer Stress kann so zur Minderung von Leistung, Produktivität und Kreativität führen, in einer Depression münden und das Risiko für Demenzerkrankungen erhöhen. In diesem Artikel mehr dazu: Gehirn vergisst Stress nicht. Böser Stress also? Und auf jeden Fall ein Alarmzeichen um aktiv zu werden.

Empfindet jeder Stress gleich?

Nein, denn nicht das, was außen passiert, sondern wie wir innerlich damit umgehen, macht uns unter Umständen krank. Diese Stressresilienz ist ganz individuell, abhängig von der Konstitution, der Biographie, der Einstellung und ähnlichem.

So gibt es zum Beispiel Menschen, die lieben Stress, für die sind neue Herausforderungen im Minutentakt quasi DAS Lebens- und Leistungselixier. Der Typus wird in diesem Spiegel-Artikel beschrieben: Die Besessenen – glücklich im Stress. Der Begriff Work-Life-Balance macht hier gar keinen Sinn, weil diese Menschen einen Großteil ihrer Energie und Lebensfreude aus der Arbeit ziehen.

Besser oder schlechter?!

Ist jetzt das eine besser als das andere? Ist jemand, der ein bestimmtes Stresslevel geradezu braucht, grundsätzlich leistungsfähiger als jemand, der mit Druck und Stress nur schwer umgehen kann? Ich denke nicht. Entscheidend ist es, den eigenen Leistungstyp zu kennen, zu wissen, in welcher Arbeitsumgebung man besonders produktiv ist, welche Art von Stress OK ist und welche Art einen eventuell lähmt.

Was ist die klassische Stressbewältigungsstrategie?

Im öffentlichen Diskurs scheint oft der Ausstieg aus der als Hamsterrad empfundenen Karriere die einzige Lösung zu sein.

Steig aus und Du bist glücklich!

Das mag für manche auch stimmen, eine Pauschallösung ist das aber sicher nicht. In meinem Blog-Beitrag  im Harvard Business Manager „Wenn die Lebenskrise kommt“ geht es genau um dieses Thema.

Wer muss bei der Stressbewältigung aktiv werden?

Da immer mehr Menschen aufgrund psychischer Belastungen, wie einem Burnout, nicht mehr arbeiten können, muss sich natürlich in unseren Unternehmen noch vieles ändern.

Aber mal ganz ehrlich: Ist es nicht so: statt nach Schuldigen zu suchen, ist es hilfreicher sich mal zu überlegen, wie sich die Arbeitswelt verändert hat? Was also können die Unternehmen tun? Wo ist jeder Einzelne gefordert?

Unternehmen sind verantwortlich

Die Unternehmen sind schon allein aus wirtschaftlichem Selbstschutz in der Pflicht, ihre Mitarbeiter dabei zu unterstützen, für ihre Arbeit brennen zu können – ohne auszubrennen.

Unternehmen versuchen auf ganz unterschiedliche Weise mit dieser Stressbewältigung umzugehen. Verschiedene Firmen wie etwa Bosch oder auch SAP haben festgestellt, dass das Ausmaß und die Dauer der psychischen Erkrankungen stark vom Führungsverhalten des Chefs abhängt. In der Konsequenz werden die Führungskräfte geschult, ihren Mitarbeitern eine andere Kultur vorzuleben.

Stressmanagement braucht Kulturwandel

Führungskräfte als Vorbilder. Den Ansatz, an der Führungskultur zu arbeiten, halte ich für absolut richtig. Es ist kein Geheimnis, dass ich die Zeit grundsätzlich reif für einen Kulturwandel in den Unternehmen halte. Und der wirkliche Wandel muss von oben kommen, ganz klar.

Das hat viele, durchaus ökonomische Gründe: Wie viele andere Experten glaube ich nicht, dass die streng hierarchische Unternehmenskultur noch lange überlebensfähig ist.

Bei sich selbst beginnen!

Dennoch ist jeder zunächst selbst gefordert und sollte für sich selbst bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, zu gestalten, wachsam zu bleiben gegenüber Dingen, die ihm nicht guttun.

Finden Sie heraus, zu welchem Leistungstyp Sie gehören. Auf dieser Grundlage lassen sich individuelle Strategien gegen schlechten Stress und Burnout entwickeln.

Stellen Sie sich die entscheidenden Fragen: Welches Umfeld brauche ich, um meine volle Leistungsfähigkeit mit Freude abrufen zu können? Wo liegt mein wirkliches Potential?

Stress und Stressbewältigungsstrategien

Stressbewältigungsstrategien

Wie bewältige ich Stress?

5 + x Stressbewältigungsstrategien

Generell finde ich, dass die Diskussion zum Thema Stress und Stressbewältigungsstrategien häufig zu plakativ geführt wird.

Überblick verschaffen

Es gibt 100 + 1 Methoden und Tipps, die Ihnen helfen können. Die unterschiedlichsten Stressbewältigungsstrategien, die dafür sorgen gelassener und entspannter zu werden.

Nachfolgend finden Sie die unterschiedlichsten Stressbewältigungsstrategien, die ich im Laufe der Jahre bei mir und meinen Klienten gesammelt habe. Die ein oder andere Strategie ist Ihnen sicherlich auch in der ein oder anderen Art und Weise geläufig. Vielleicht haben Sie auch schon Erfahrungen damit gesammelt.

Methoden, Tools, Strategien, Tipps

Dies sind zum einen Tools, die die Arbeit effizienter machen sollen, zum anderen Methoden, die eher der Entspannung dienen. Darüber hinaus sind es Strategien, die auf der körperlichen, als auch auf der emotionalen Ebene ansetzen. (Diese Sammlung ist sicherlich nicht vollständig, gibt allerdings bestimmt Anregungen, wo und wie Sie mit der Stressbewältigung ansetzen können.)

  1. Pareto-Prinzip bzw. 80:20 Regel
    Dies besagt, das mit 20 % des Aufwandes 80 % des Ergebnisses erreicht wird. Es geht also darum zu überlegen: was kann ich weglassen.
  2. Delegieren
    Hier geht es darum Aufgaben und Verantwortung an Mitarbeiter zu delegieren. Wie das genau gelingen kann lesen Sie hier.
  3. Projektmanagement Tools wie Trello
    Trello ist z.B. eine web-basierte Projektmanagementsoftware
  4. Entspannungsmöglichkeiten wie Yoga
    Yoga ist eine aus Indien stammende philosophische Lehre, die eine Reihe geistiger und körperlicher Übungen bzw. Praktiken umfasst.
  5. Bewegungssportarten
    Joggen, walken, kick-boxen, wandern, tauchen, golfspielen oder auch schwimmen. In der Regel sind „Ausdauersportarten“ wirksamer, wenn es um Stressmanagement geht.
  6. Work-Life-Balance
    Hier ist eine ausgewogene Bilanz zwischen dem Arbeits- und Privatleben gemeint. Bei vielen führt es leider dazu, dass es neben einem viel zu vollen Arbeitsleben auch ein viel zu aktives Privatleben gibt, was der Stressreduktion zuwiderläuft.
  7. MBSR-Kurs
    Die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR) ist ein von dem Molekularbiologen Jon Kabat-Zinn in den späten 1970er Jahren in den USA entwickeltes Programm zur Stressbewältigung durch gezielte Lenkung von Aufmerksamkeit und durch Entwicklung, Einübung und Stabilisierung erweiterter Achtsamkeit.
  8. Leistungstyp erkennen
    Den eigenen Leistungstyp erkennen und danach handeln ist Gold wert. Z. B. unterscheide ich zwischen dem Geparden und Löwe-Typen.
Wann macht welche Strategie Sinn? Anwendungsfelder
Auswahl treffen

Nachdem Sie sich einen Überblick verschafft haben, sicherlich auch den ein oder anderen Kollegen nach seiner Erfahrung befragt haben, geht es darum: Experimentieren und ausprobieren.

Um was geht bei Stressbewältigungsstrategien wirklich?

Herausfinden, was wirklich funktioniert

Überlegen Sie einmal: was führt bei Ihnen zu negativem Stress? Wichtig ist hierbei: Was Ihren Nachbarn stresst und ärgert, kann bei Ihnen zu Wohlbefinden führen. Entscheidend ist also: Was stresst Sie?

Und genauso ist es bei den Stressbewältigungsstrategien. Das eine funktioniert, das andere nicht. Was bei Ihrem Kollegen hilft, muss bei Ihnen noch lange nicht zum Erfolg kommen. Warum ist das so?

Je länger ich mich als Führungskräfte-Coach mit zahllosen Methoden und Tools auch in anderen Bereichen beschäftige, um so häufiger stelle ich mir diese Frage:

„Geht es wirklich um Methoden und Tools?“

Aus all den vielen Erfahrungen, die ich mit meinen Klienten sammeln durfte, komme ich zu folgender Schlüsselerkenntnis:

In den seltensten Fällen sind es die die Tools und Methoden, die helfen, sondern das „dahinterliegende Prinzip“.

Was wirklich wirkt – Beispiel

Über viele Jahre habe ich es immer wieder mit Mediation versucht. Ich übte verschiedene Methoden, besuchte zahlreiche Kurse, lud diverse Apps runter. Anleitungen auf die verschiedensten Arten und Weisen: Mal versuchte ich es im Sitzen, mal im Stehen, mal in der Gruppe, mal allein. Mal mit Musik, mal ohne. Nichts davon hat funktioniert. Statt zur Ruhe zu kommen und zu entspannen, wurde ich immer unruhiger, zappelte mit den Füssen, trommelte mit den Fingern auf etwaige Armlehnen.

Ich war der Meinung: Die Stressbewältigungsstrategie „Meditieren“ kann ich nicht (Ehrlich gesagt fühlt ich mich bei der Aussage als Versagerin).

Das dahinterliegende Prinzip: „Wie kommst Du zur Ruhe?“

Erst als ich begriff, dass es nicht um die konsequente Umsetzung dieser Methode ging, sondern darum, “WAS BRAUCHE ICH, UM ZUR RUHE ZU KOMMEN?” erkannte ich, dass ich ja schon seit Jahrzehnten „meditiere“ – also eine individuelle Art gefunden habe in die Entspannung zu kommen: Ich laufe seit mehr als 20 Jahren mehrmals die Woche. Immer die gleiche Strecke, immer gleich morgens nach dem Aufwachen. Ganz in Ruhe, ohne Kopfhörer und Ablenkung. Ich nehme den Wald und den Sonnenaufgang wahr, die Luft, die Temperatur, manchmal den Regen.

Ich lasse dabei meine Gedanken laufen und irgendwann denke ich tatsächlich an rein gar nichts mehr. Ich selbst nenne es „vegetatives meditieren“ – sprich: über die Bewegung in die Entspannung kommen.

Fazit: Stressbewältigungsstrategien sind individuell

Die beste Stressbewältigungsstrategie ist die, die IHNEN den negativen Stress nimmt, egal wie sich diese „Methode“  nennt.

Sie haben jetzt einen guten Überblick erhalten, was Stress ausmacht. Dass Stress sowohl positiv, als auch negativ sein kann. Dass jeder ein individuelles Stresslevel besitzt.

Alarmstufe rot ist angesagt, wenn Sie negativen Stress empfinden. Sowohl Unternehmen, als auch Führungskräfte sind in der Verantwortung Stressbewältigungsstrategien anzubieten. Doch auch Sie selbst stehen in der Verantwortung für sich zu sorgen.

Sie haben diverse Stressbewältigungsstrategien kennengelernt, erfahren, dass je nach Situation, Anlass und Umgebung unterschiedlichste Methoden und Tools zur Anwendung kommen können.

Der Schlüssel ist, dass Sie erkennen, um was es bei den Stressbewältigungsstrategien wirklich geht? Was brauchen SIE, was tut IHNEN gut? Am Besten erstellen Sie sich eine Liste mit ca. 10 TOP-Tipps, die Ihnen im Notfall geholfen haben um den Stress zu reduzieren. Tragen Sie diese „Notfall-Liste“ z.B. im Portemonnaie. Und wenn es dann soweit ist, ziehen Sie sie hervor und wenden eine zu Ihnen passende Stressbewältigungsstrategie an.

Was ist IHRE bevorzugte Stressbewältigungsstrategie?

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

P.S. Wenn Sie sich schon länger damit beschäftigen, wie Sie Ihren Stress-Pegel besser managen und gelassener werden können, dann lassen Sie uns sprechen, wie das auch für SIE gelingen kann.

Foto: Depositphotos #309450709 ©bigstock

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager