Der Leistungsträger - Blog

Dieser Eintrag ist Teil 5 von 5 aus der Blogreihe Entscheidungen treffen

Wie soll ich mich nur entscheiden?“ – häufig stellen mir Klienten diese Frage. Entscheidungen treffen, insbesondere, wenn es sich um eine schwere oder schwierige Entscheidung handelt, zählen ohne Zweifel zu den schwierigsten Situationen einer Führungskraft. Im Führungskräfte Coaching zählen diese Herausforderungen zu den Klassikern. In diesem Artikel beleuchten wir die wichtigsten Aspekte dieser Herausforderung, der sich alle Führungskräfte stellen müssen.

Wichtig ist, dass es dabei egal ist, ob Sie Geschäftsführer, Vorstand, C-Level oder Scrum Master sind. Besonders in Krisen – wenn es eigentlich drauf ankommt – scheint das kreative Denken auf der Strecke zu bleiben. Schwierige Entscheidungssituationen erfordern Klarheit über das Ziel und die Situation. Doch wie findet man diese Klarheit? Der Druck, unter dem Führungskräfte häufig stehen, führt schließlich zu großer Unsicherheit und Blockaden.

Ein Fallbeispiel: Soll ich mich von meinem Kooperations-Unternehmen trennen?

Der Geschäftsführer ist seit Wochen, bzw. Monaten unzufrieden mit seinem Kooperations-Unternehmen. Zahllose Diskussionen über die schwierige Zusammenarbeit haben bereits stattgefunden. Zu einem fruchtbaren Ergebnis kam es bislang nicht. Der Geschäftsführer stellt sich die Frage: Soll ich mich von meinem Kooperations-Unternehmen trennen?

Er quält sich, immer wieder kreisen die Gedanken in seinem Kopf. Von dem spontanen Frust-Impuls: „Es reicht!“ – bis zu einem verständnisvollen „er hat es bestimmt nicht so gemeint“. Mitunter wünscht er sich auch, dass das Kooperations-Unternehmen eine Entscheidung trifft. „Dann muss ich das nicht mehr machen.“ Dieser Teufelskreis zieht sich nun schon über lange Zeit hin und irgendwie tut sich nichts.

Was Entscheidungen so schwierig macht

  1. Die Rahmenbedingungen
    Zum einen sind es äußere Ereignisse und Sachzwänge. Nehmen Sie zum Beispiel steigende Rohstoff-Preise oder Umsatzeinbrüche. Die Führungskraft gerät dadurch unter enormen Druck. Weitreichende Entscheidungen stehen an. Unter Umständen müssen Mitarbeiter entlassen, Betriebsteile geschlossen werden, oder, wie im Fallbeispiel einem Kooperations-Unternehmen gekündigt werden. Die Zeit drängt, die Lage ist schwer durchschaubar, die Informationen sind lückenhaft und die Folgen lassen sich nicht überblicken.
  2. Der eigene Anspruch
    Sehr oft steht eine Führungskraft auch unter einem großen inneren Entscheidungsdruck, der nicht unmittelbar etwas mit den äußeren Rahmenbedingungen zu tun hat. Der Druck resultiert vielmehr aus einem hohen eigenen Anspruch, der für Leistungsträger typisch ist: Die Führungskraft glaubt, perfekte Leistung erbringen und die Dinge souverän überblicken zu müssen, obwohl die Situation höchst undurchsichtig ist. Im Fallbeispiel war der Anspruch des Geschäftsführers – ich möchte alles „richtig“ machen – für beide Unternehmen. Bei vielen Führungskräften kommt dann noch ein großes Harmoniebedürfnis, was oftmals mit einer Konfliktscheu gepaart ist, hinzu. Auch die Hoffnung „es muss doch eine gute Lösung geben, wenn man nur will.“ Macht eine schwierige Entscheidung zu treffen noch brisanter.
  3. Unklarheit im Außen wie im Innern
    Beides, Unklarheit außen wie auch im eigenen Innern, führt in der Regel zu einem Druck und einer Unsicherheit, die es schwer machen, die schwierige Entscheidung zu treffen. Fatalerweise bleibt in einer solchen Druck-Situation das kreative Denken schnell auf der Strecke. In unserem Kopf sind die vorderen Gehirnteile dafür zuständig, die jedoch bei Stress blockiert werden. Vernünftige, sprich souverän und gelassen getroffene, Entscheidungen sind dann kaum mehr möglich.
    Umso wichtiger ist es, für schwierige Entscheidungssituationen praktikable Strategien zu entwickeln.

Wie die Natur schwierige Entscheidungen trifft

Manchmal ist es leichter, sich am erfolgreichsten Unternehmen der Welt – der Natur – ein Vorbild zu nehmen. Immerhin muss die Natur permanent Entscheidungen treffen. Häufig schwierige Entscheidungen, bei denen es um die Existenz, also Leben und Tod geht.

Wie fallen in der Natur Entscheidungen? Ein besonders anschauliches Beispiel bietet das Blutgerinnungssystem. Es bietet ein wunderbares Modell, um schwierige Entscheidungen systematisch und nachvollziehbar zu treffen.

  1. Was ist das höchste Ziel?
    Nehmen wir an, Sie zerkleinern einen Salat und schneiden sich in den Finger. Es blutet. Für Ihren Körper heißt das: Es ist etwas passiert, was augenblicklich einer Entscheidung bedarf.
    Wenn jetzt nicht entschieden wird, so bedeutet es für ein Säugetier – wie den Menschen – das sofortige Ende. Sprich, wir würden sterben.
    In einer solchen Überlebenswichtigen Situation bzw. Krise wird jetzt intuitiv die Frage gestellt: Was ist jetzt das höchste Ziel? Ist die Antwort „Überleben!“, wird das Blutgerinnungssystem ausgelöst – ein komplizierter Mechanismus, der in 18 Schritten dafür sorgt, dass Sie nicht verbluten. Dieser Mechanismus beginnt nicht nur sofort, sondern läuft auch absolut präzise und zuverlässig ab, bis das definierte „höchste Ziel“, das Überleben, erreicht ist.
  2. Prioritäten setzen
    Die Natur setzt also eindeutige Prioritäten.
    A) Überleben
    B) Wachstum
    C) Vermehrung
    Das höchste Ziel ist Überleben. An zweiter Stelle folgt das Ziel Wachstum, dann die Vermehrung – immer in dieser Reihenfolge. Wenn es um das „Überleben“ geht, interessieren weder Wachstum noch Vermehrung in diesem Moment – und es wird auch nicht nach Ursachen geforscht.
    Stattdessen läuft das Blutgerinnungssystem an, und alle „Beteiligten“ ordnen sich dem höchsten Ziel „Überleben“ unter. Jeder spielt dann seine Rolle nach eindeutig festgelegten Spielregeln.
  3. Prinzipien regeln Entscheidungen
    Die Natur folgt also einem klaren Prinzip:
    A) Ein Ereignis erfordert eine Reaktion.
    B) Das System fragt sofort: Was ist das jetzt höchste Ziel?
    C) Daran ausgerichtet fällt die Entscheidung (zum Beispiel: Überleben).
    D) Ein festgelegter Mechanismus läuft ab, um das Ziel zu erreichen (klare Spielregeln).
    Analog zu diesem Prinzip der Natur lässt sich nun ein Entscheidungsprozess in 5 Schritten definieren, der eine hervorragende Unterstützung für Führungskräfte in schwierigen Entscheidungssituationen bietet.
    Genauso können Sie bei krisenhaften und schwierigen Situationen schwierige Entscheidungen in kürzester Zeit treffen.

Welche schwierige Entscheidung hat der Klient aus dem Fallbeispiel getroffen?

Als allererstes zog der Geschäftsführer Bilanz: Er resümierte, dass ihn die knirschende Situation mit dem anderen Kooperations-Unternehmen wöchentlich im Minimum 6 h Zeit kostete. Zeit mit einem unguten Gefühl. Einem Gefühl der Handlungsunfähigkeit. Sie glauben, das ist ja nur Zeit? Weit gefehlt.

  1. Schwierige Situationen kosten ein Vielfaches an Zeit, Geld und weiteren Opportunitätskosten
    Bei einem durchschnittlichen Stundensatz von 500 Euro kostete den Geschäftsführer das ca. 3.000 Euro pro Woche, ca. 12. TSD Euro pro Monat oder 144 TSD Euro pro Jahr. Mal ganz abgesehen von den Folgekosten: Er war genervt, raunzte die Mitarbeiter an, wenn er Pech hatte auch mal den Kunden oder andere Dienstleister. Die so Behandelten quittierten dieses Verhalten logischerweise mit geringerem Engagement bzw. Leistungsfähigkeit.
    Sein empfindlicher Rücken schmerzte zusehends. Er mußte immer häufiger zum Arzt um sich eine  Spritze geben zu lassen, damit er die Schmerzen aushalten konnte. Auf seinen geliebten Sport verzichtete er – keine Zeit. Wenn’s mal ganz schlimm wurde, raunzte er seine Frau und die Kinder an (auch, wenn er dies nicht wollte).
    Der Geschäftsführer zog Bilanz und ihm wurde fast schwindelig vor Augen, wieviel Zeit und Geld hier letztlich zustande kam. Es summierte sich locker auf 200 TSD Euro pro Jahr. Für dieses Geld könnte er einen hochprofessionellen Mitarbeiter einstellen.
  2. Die Bilanz führt zu Klarheit und zur Handlung und damit zur Entscheidung
    So klar hatte er sich diese Situation bisher noch nicht vor Augen geführt.
    Auf meine Frage: Was ist JETZT das höchste Ziel? – kam blitzschnell die Antwort: „Ich führe zeitnah ein Gespräch mit dem Kooperations-Unternehmen. Und am Ende des Gespräches steht eine klare Entscheidung mit einem klaren Ergebnis.“
    Übrigens: Es ist Aufgabe der Führungskraft – egal ob Geschäftsführer, Vorstand, C-Level, oder mittlere Führungskraft das höchste Ziel zu definieren und es den Mitarbeitern klar und deutlich zu kommunizieren. Sie werden sich eine Menge Zeit und Ärger sparen.

Schwierige Entscheidung treffen – das wichtigste im Video

In diesem Video habe ich die wichtigsten Aspekte für Sie zum Thema schwierige Entscheidungen nochmals zusammengefasst.

Fazit: Schwierige Entscheidungen leichter/blitzschnell treffen

Entscheidungen zählen ohne Zweifel zu den schwierigsten Situationen einer Führungskraft. Der Druck, unter dem Führungskräfte – egal ob Geschäftsführer, C-Levels, Vorstand, oder eine andere Führungskraft stehen, führt oft zu großer Unsicherheit und Blockaden. Schwierige Entscheidungssituationen erfordern also Klarheit über das Ziel und die Situation. Um diese Klarheit zu finden nehmen wir uns ein Beispiel aus der Natur: das Blutgerinnungssystem

Die Natur geht nach ganz klaren Prinzipien vor, indem sie Prioritäten setzt, um auch in kniffligen Situationen schnellstmöglich schwierige Entscheidungen zu treffen.

Wer sich die 5 Schritte des Entscheidungsprozesses vergegenwärtigt und die 6 Basisstrategien für schwierige Entscheidungen bei der Entscheidungsfindung kennt, findet auch unter Druck zu innerer Klarheit und wird blitzschnell und leicht sogar eine schwierige Entscheidung treffen.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

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P.S. Sie beschäftigen sich schon länger mit dem Thema „Entscheidungen“ und wollen das Sie schneller und leichter zu einer Entscheidung finden können? Dann finden Sie hier meinen Bestseller „Ärmel hoch! Die 20 schwierigsten Führungsthemen und wie Top-Führungskräfte sie anpacken” ein ganzes Kapitel zu diesem Thema.

Foto: Depositphotos 206409678 ©stetsik

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager