Der Leistungsträger - Blog

Qualifizierte Fachkräfte sind spärlich gesät – umso wichtiger, sie nicht nur als Mitarbeiter zu gewinnen, sondern auch zu halten. Doch für eine erfolgreiche Mitarbeiterbindung reicht eine simple Gehaltserhöhung nicht aus.

Ein Unternehmen, das auf seine Mitarbeiter zählen kann, befindet sich auf der Überholspur. Denn wenn die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen motiviert arbeiten und keine hohe Mitarbeiterfluktuation herrscht, dann spart das dem Unternehmen sehr viel Zeit und Geld – die Suche und Einschulung neuer Fachkräfte ist schließlich zeit- und kostenintensiv. Doch wie bindet man die Mitarbeiter erfolgreich an das Unternehmen?
Es gibt einen Schlüssel, den Sie unbedingt beachten sollten!

Was versteht man unter Mitarbeiterbindung?

Bei der Mitarbeiterbindung versucht das Unternehmen, die Mitarbeiter möglichst lange im Betrieb zu halten und Kündigungen zu vermeiden. Dies geschieht durch positive Anreize, die den Mitarbeitern signalisieren, dass sie im Unternehmen wertgeschätzt werden und ihre Leistung entsprechend honoriert wird.

Doch in der Mitarbeiterbindung sollen die Mitarbeiter nicht nur einfach an das Unternehmen gebunden werden, nein, auch die Motivation und die Loyalität der Mitarbeiter dem Unternehmen gegenüber soll gesteigert werden.

Es gibt verschiedene Instrumente der Mitarbeiterbindung: Zum einen gibt es monetäre Anreize, zum anderen ist jedoch auch eine emotionale Bindung entscheidend. Ebenso kann ein Unternehmen mit Weiterbildungs- und Aufstiegschancen die Mitarbeitenden an sich binden. Maßnahmen, die der Mitarbeiterbindung dienen, werden zusammengefasst als „Retention Management“ bezeichnet.

Warum ist Mitarbeiterbindung wichtig?

Eine hohe Fluktuation bringt Unruhe ins Unternehmen. Die Einschulung neuer Mitarbeiter erfordert Ressourcen, dringende Arbeiten müssen schlimmstenfalls zurückgestellt werden. Besonders einschneidend ist ein allzu häufiger Wechsel der Führungskräfte, da bei jedem Wechsel die Gefahr (in manchen Fällen natürlich auch die Chance) besteht, dass gut eingeübte Workflows geändert werden und bei den Mitarbeitern – auf allen Ebenen – Unsicherheiten entstehen. Doch nicht nur die Vermeidung einer hohen Fluktuation ist Anreiz, in eine gute Mitarbeiterbindung zu investieren.

Eine gute Mitarbeiterbindung bringt nämlich weitere Vorteile mit sich:

  • Studien zeigen, dass Mitarbeiter, die sich vom Unternehmen wertgeschätzt fühlen, weniger krankheitsbedingte Fehltage aufweisen.
  • Ebenfalls steigert eine gute Bindung das Produktionsniveau.
  • Eine gute Mitarbeiterbindung ist gut für das Image. Denn Arbeitnehmer tendieren bei einer starken Bindung dazu, das Unternehmen anderen potenziellen Mitarbeitern als Arbeitgeber weiterzuempfehlen – ein Vorteil, der sich auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt bezahlt macht.

Wie entsteht Mitarbeiterbindung?

Der wichtigste Schlüssel, um Arbeitnehmer an das Unternehmen zu binden, lautet Wertschätzung. Nur wenn Sie Ihren Mitarbeitern zeigen, dass sie im Unternehmen gesehen und wertgeschätzt werden, kann Mitarbeiterbindung funktionieren.

Wenn Sie diesen Grundgedanken beherzigen, stehen Ihnen verschiedene Wege offen:

  • Emotionale Dimension
    Hierbei ist es wichtig, die Mitarbeiter emotional zu erreichen. Ziel ist es, eine Verbundenheit mit dem Unternehmen zu generieren. Wichtig ist hierbei, dass Sie als Führungsperson stets zuverlässig und vertrauenswürdig auftreten. Honorieren Sie die Arbeit Ihrer Mitarbeiter – Sie werden es Ihnen mit Loyalität danken. Ein angenehmer Nebeneffekt: Mitarbeiter, die stolz auf Ihre Leistungen und somit auch auf die Leistungen des Unternehmens sind, betreiben eine wertvolle Imagepflege für den Betrieb.
  • Kalkulative Dimension
    Zahlen und Fakten stehen bei dieser Art der Mitarbeiterbindung im Zentrum. Die Frage, die sich Mitarbeiter stellen, ist: „Welche Vorteile habe ich davon, in diesem Unternehmen zu arbeiten?“ Zu solchen Vorteilen, die die Gefahr einer Abwanderung an ein anderes Unternehmen minimieren, gehören unter anderem ein faires Gehalt, aber auch Zusatzleistungen wie ein Firmenauto, die Möglichkeit die Arbeitszeit möglichst frei einzuteilen, Bonuszahlungen, Urlaubszeiten und Weiterbildungsangebote.
  • Normative Dimension
    Es ist auch möglich, die Mitarbeiter durch Regeln oder moralische Verpflichtungen an das Unternehmen zu binden. Ein Beispiel: Ein aufwendiges Projekt steht an – die Mitarbeiter, die sich daran beteiligen, können sich zum einen vertraglich dazu verpflichten, das Unternehmen nicht vor Abschluss des Projekts zu verlassen, zum anderen wäre eine Kündigung mitten im Projekt ein Affront den Arbeitskollegen gegenüber, weswegen sich viele Arbeitnehmer eher gegen eine Kündigung entscheiden.
  • Habituelle Dimension
    Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wenn Sie in Ihr Unternehmen feste Rituale wie beispielsweise eine ausgedehnte Weihnachtsfeier oder ein gemeinsames Mittagessen einbauen, dann erzeugt das bei den Mitarbeitern einen Gewöhnungseffekt, der die Abwanderung zu anderen Unternehmen verhindern kann.

Individuelle Mitarbeiterbindung vs. allgemeine Maßnahmen

Als Führungsperson haben Sie die Möglichkeit, die gesamte Belegschaft durch allgemeine Maßnahmen an das Unternehmen zu binden, Sie können aber auch ganz individuell auf die Mitarbeiter eingehen, um diese so noch effektiver zu binden.

Zu den allgemeinen Maßnahmen gehören neben der allgemeinen Arbeitseinteilung auch Maßnahmen wie die Verpflegung mit Obst und Kaffee in der Büroküche, Ausflüge, Sportevents, Fahrtkostenzuschüsse oder Sonderkondition in Partnerbetrieben. Diese Goodies gelten für alle Mitarbeiter.

Bei der individuellen Mitarbeiterbindung müssen Sie maßgeschneiderter vorgehen. Der Vorteil: Der Bindungseffekt fällt bei weitem stärker aus, als wenn nur allgemeine Maßnahmen angewandt werden.

Doch wie können Sie einen Mitarbeiter individuell an das Unternehmen binden? Ein wichtiger Aspekt ist die Aussicht auf eine Beförderung sowie die Möglichkeit, diese Beförderung durch Weiterbildungsprogramme auch effektiv zu erreichen. Wer im Betrieb aufsteigt und mehr Verantwortung übernimmt, ist mit dem Unternehmen automatisch verbundener. Regelmäßige Besprechungen mit den Führungskräften erhöht die Bindung nochmals. Doch auch ein besonders schön ausgestattetes Büro oder ein gut gelegener Parkplatz kann Teil der individuellen Mitarbeiterbindung sein.

Mein Praxis-Tipp: Nicht die Besten im Unternehmen vergessen

Leistungsträger definieren sich über Arbeit und Leistung, sind unheimlich engagiert und wollen etwas bewegen. Sie leisten etwa 30 Prozent mehr als der Durchschnitt. Es wird heute viel getan, um gute Leute für das Unternehmen zu gewinnen oder um aus Low-Performern High-Performer zu machen. Aber die Besten im Unternehmen werden vergessen. Dabei ist es gefährlich und teuer, wenn die wirklichen Leistungsträger abwandern, denn: Der Wechsel eines Top-Mitarbeiter zu einem anderen Unternehmen kostet etwa das drei- bis vierfache Jahresgehalt.

Arbeitgeber übersehen oft, dass Leistungsträger für ihren Einsatz auch eine emotionale Gegenleistung haben wollen: Sie wollen Anerkennung und Wertschätzung, sie wollen einfach gesehen werden. Wenn Leistungsträger nicht mehr wissen, wofür sie morgens aufstehen, wird es schwierig, sie auf Dauer zu halten. Sind sie dagegen intrinsisch motiviert, überträgt sich ihre Begeisterung und Kreativität auch auf ihr ganzes Team.

Die Lösung muss nicht immer zeit- oder kostenaufwändig sein: Einer meiner Klienten brauchte das Gefühl, etwas Besonderes zu sein und wollte darum unbedingt einen MBA machen. Der Arbeitgeber war davon aber nicht begeistert. Nach drei Gesprächen fanden wir heraus, dass er gern etwas aufbauen will. Und die Lösung fand sich innerhalb des Unternehmens, das gerade einen Manager für den Aufbau des Südamerika-Geschäfts suchte.

Die fünf besten Mitarbeiterbindungsmaßnahmen

Zum Abschluss noch einmal ein kompakter Überblick, welche Maßnahmen Sie in welchen Feldern setzen können, um Ihre Mitarbeiter von Ihrem Unternehmen zu überzeugen:

  1. Arbeitsorganisation und Arbeitsumfeld
    Zu diesem Feld gehören die Arbeitszeiten, die Einteilung der Urlaube aber auch die Möglichkeit, im Home Office arbeiten zu dürfen. Je flexibler die Arbeitsorganisation abläuft, desto stärker fällt die Mitarbeiterbindung aus. Denn wer freut sich nicht, wenn er das kranke Kind auch mal spontan von der Schule abholen darf?
  2. Gesundheit, Sport, Freizeit
    Eine betriebliche Gesundheitsvorsorge ist für viele Mitarbeiter ein starker Anreiz, nicht zu einem anderen Unternehmen abzuwandern. Dies gilt auch für regelmäßig stattfindende Sportwettkämpfe, bei denen sich innerbetriebliche Teams miteinander messen. Neben einem starken Bindungseffekt leisten solche Veranstaltung auch noch einen Beitrag zum Teambuilding. Als Freizeitgestaltung bieten sich gemeinsam Wandertage, der Besuch eines Vergnügungsparks oder eine Städtereise an.
  3. Personalentwicklung
    In diesem Feld dreht sich alles um Weiterbildung und die Erhöhung der Qualifikation. Ob Spezialisierungskurse oder der Erhalt eines Zertifikats – wenn Sie bei Ihren Mitarbeitern in Weiterbildung investieren, profitiert durch diese individuelle Mitarbeiterbindung stets das gesamte Unternehmen.
  4. Arbeitsgebermarketing und Employer Branding
    Beim Employer Branding geht es um die Stärkung der eigenen Marke als Arbeitgeber. Dies macht ein Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt für neue Bewerber besonders attraktiv und führt dazu, dass bereits bestehende Mitarbeiter stolz darauf sind, in einem Unternehmen zu arbeiten, dass Ansehen genießt. Als Instrumente bieten sich beim Employer Branding Schaltungen in Karriereportalen, Newsletter, Social Media, Image-Filme und die Einbeziehung von Mitarbeitern in Blogs und Werbeauftritte an.
  5. Unternehmenskultur und Kommunikation
    Für eine erfolgreiche Mitarbeiterbindung ist es ebenso entscheidend, welche Werte und Normen in einem Unternehmen vorherrschen. Je stärker ein Mitarbeiter hinter den postulierten Werten eines Unternehmens steht, desto größer wird seine Loyalität dem Unternehmen gegenüber ausfallen. Ebenso wichtig ist die Kommunikation: Durch regelmäßige Feedbackrunden erhalten Sie Einblick in die Arbeitsweise und Gefühlslage Ihrer Mitarbeiter und können erste Unzufriedenheiten sofort ansprechen und im besten Fall aus der Welt schaffen, um die Mitarbeiter verlässlich an Ihr Unternehmen zu binden.

Sie hören lieber?

In dieser Folge meines Podcast “Leben an der Spitze” bekommen Sie ungewöhnliche Inspirationen, wie Sie Ihre besten Leute ans Unternehmen binden.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

Bildquelle: Depositphotos #314625350 fizkes

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager