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Wie Sie Konkurrenz geschickt zum Wohle aller einsetzen

Eine Frage an Sie: Kann man sagen, dass konkurrieren besser ist als Kooperation? Die meisten formulieren jetzt bestimmt: NEIN! Wirklich? Ich frage noch einmal: Ist eine dieser Strategien wirkungsvoller ist als die andere? Müssen wir uns für eine davon entscheiden?

Vor dieser Frage stehen schließlich nicht nur Unternehmen, sondern auch C-Levels, Geschäftsführer, aber auch Führungskräfte und Mitarbeiter immer wieder.

Egoistisches Konkurrenzverhalten treibt den Umsatz nach oben!

Früher galt der Wettbewerb als das Herzstück der Marktwirtschaft. Und auch heute ist immer wieder von den Super-Egoisten in den Chefetagen die Rede, den eitlen, egomanischen Machtmenschen, denen es nur um den eigenen Profit, den eigenen Ruhm geht.

Viele glauben, dass diese Spezies angezählt ist und in den nächsten Jahrzehnten nach und nach aussterben wird. Aktuell sorgen sie noch für viel Ärger  –  bei ihren Mitarbeitern, Kollegen oder Kooperationspartnern, letztendlich auch bei den Unternehmen, für die sie im Einsatz sind. Doch häufig werden Sie „gelassen“, solange die Ergebnisse stimmen.

Der Feind in meinem Büro.

Ärgerlich nur für die anderen, die mit diesen „Spezies“ im Alltag zu tun haben. So wurde ich in einem Interview mit der FAZ auch befragt, was es denn für „Gegenstrategien“ gäbe, wie man mit solchen konkurrierenden Artgenossen umgehen könne.

Die meisten meiner Klienten, die ins Führungskräfte Coaching kommen sind ganz anders gestrickt und so entwickeln wir Strategien, wie sie einem „Konkurrenz-Kollegen“ begegnen. Es wird deutlich, dass Wettstreiten bei denen, die es nicht betreiben, ein schlechtes Image hat.

Chemische Prozesse im Hirn sorgen für Wohlgefühle

Da dürfte es doch den einen oder anderen freuen zu hören: Das konkurrierende Verhalten, das die Egomanen unter den Managern an den Tag legen, macht unglücklich. Das zumindest sind die neuesten Erkenntnisse der Neurobiologie.

Demnach sorgen chemische Prozesse im Hirn dafür, dass Kooperation mit Wohlgefühlen belohnt wird.  Experten wie der Medizinprofessor Joachim Bauer schließen daraus, dass durch egoistisches Konkurrenzverhalten in Unternehmen Kreativität, Gesundheit und letztlich auch der wirtschaftliche Erfolg torpediert werden.

„Wer sich als Chef über seine Mitarbeiter stellt, löst eine gefährliche Kettenreaktion aus: „…Die Haltung ‘ich bin größer, besser, wertvoller als Du’ heißt doch umgekehrt: ‘Du bist kleiner, schlechter, weniger wertvoll als ich…“

Konkurrenz und ihre Nebenwirkungen.

Durch das konkurrierende Verhalten mache sich eine allgemeine Bedrücktheit im Unternehmen breit, so die Schlussfolgerung in dem Artikel.

Konkurrenz ist also schlecht?

Aktuell sollte man meinen, dass Konkurrenz also ein Auslaufmodell ist. Auch ich denke, dass dem kooperativen Führungsstil die Zukunft gehört – wobei ich glaube, dass auch die Konkurrenz ihre Berechtigung hat.

Warum? Konkurrieren kann Entwicklungen und neue Ideen vorantreiben. Und das kann der Wettbewerb am besten, wenn er nicht zum Leitprinzip erhoben, wie das in den letzten Jahrzehnten der Fall war, sondern als situative Strategie eingesetzt wird.

Konkurrieren geschickt zum Wohle aller

Das hört sich jetzt erst einmal wie ein Widerspruch an sich an. Doch gesundes Konkurrieren eine wesentliche Führungskompetenz. Ein Kollege von mir formulierte sogar neulich: „Erst wenn ich konkurrieren kann, kann ich mich auf eine Kooperation mit meinem Gegenüber einlassen.“
Um dem nachzugehen schaue ich wie immer gerne in der Natur nach Beispielen für das ein oder andere Führungsmodell.

Konkurrenz und Kooperation kombinieren – wie der Kolkrabe

Die Natur bietet übrigens tolle Modelle, wie sich Konkurrenz und Kooperation kombinieren lassen. Hier führt Konkurrenz oft zum Erfolg, aber eben nicht immer. Schauen wir uns einen „Experten“ an, den Kolkraben.

  1. Konkurrenz als Kernkompetenz.
    Der Kolkrabe ist ein recht misstrauischer Zeitgenosse, kann aber ausgesprochen klug und strategisch vorgehen. Normalerweise kämpft er mit seinen „Kollegen“ um das vorhandene Fressen –jeder möchte seinen Nachwuchs möglichst gut ernähren – ein ganz logisches Verhalten.
  2. Kooperation, wenn es notwendig wird.
    Kommen jedoch Wildschweine oder Wölfe hinzu, mit denen um eine Futterquelle konkurriert werden muss, hätte ein einzelner Rabe keine Chance. Daher schließen sich die Vögel in dieser Situation zusammen: Die einen lenken die großen Tiere ab, die anderen klauen ihnen das Futter, die Beute wird danach geteilt – das ist echte Kooperation!
  3. Kooperation im Vorfeld testen.
    Bei einer Kooperation ist es wichtig, dass sie jeder Partner auf den anderen verlassen kann. Voraussetzung für jede Art von Kooperation ist gegenseitiges Vertrauen.Auch da kann man sich was vom klugen Kolkraben abschauen: Der prüft nämlich erst einmal die Verlässlichkeit seiner „Kooperationspartner“, indem er Futterstücke verbuddelt und sich dabei vom anderen beobachten lässt. Dann versteckt er sich und wartet ab, wie der andere reagiert: Stiehlt er nun das Futter – oder eben nicht? Im letzteren Fall können weitere Vertrauen bildende Maßnahmen folgen. Durch Geben und Nehmen, durch ein ständiges Hin und Her, bauen die beiden Vögel ein stabiles Vertrauensverhältnis auf.
    Dieser Vertrauens-Check ist notwendig, bevor es zu dieser Kooperation kommt.
    Daraus können übrigens stabile Beziehungen entstehen, die über Jahre hinweg halten.

Lesen Sie mehr in meinem Artikel Erfolgsstrategie Kooperation: Auf die richtige Dosierung kommt es an.

Wann lohnt sich Konkurrenz? Wann lohnt sich Kooperation?

Früher galt der Wettbewerb als das Herzstück der Marktwirtschaft. Aber die Vorzeichen haben sich geändert: Heute ist Networking in aller Munde, Joint Ventures und strategische Allianzen, wohin man schaut. Und in den letzten Wochen hören wir immer wieder: wie sehr die Gesellschaft zusammenwächst.

Bei einer Kooperation muss es darum gehen, dass alle Beteiligten etwas von ihrem Einsatz haben.

Auch im Management geht es darum, eine Situation realistisch einzuschätzen, um dann eine erfolgversprechende Strategie zu entwickeln.

Fazit:

Ob wir kooperieren oder rivalisieren, sollte keine Frage des Typs oder der persönlichen Vorliebe, sondern der Notwendigkeit sein. Man muss immer kontextabhängig entscheiden, welche Strategie gerade sinnvoller ist. Konkurrieren zu können ist eine wesentliche Fähigkeit. Zeugt es doch von Durchsetzungsfähigkeit, Entscheidungsfreude oder auch der Möglichkeit Entwicklungen und Ideen voranzutreiben. Und dann gibt es die Kooperationsfähigkeit, wenn es die Situation erfordert.  Je härter der Wettbewerb wird, umso flexibler muss die Führungskraft ihre Optionen handhaben.

So können Sie Konkurrenz sehr wohl zum Wohle aller einsetzen. Das gesunde Maß ist auch hier wieder entscheidend.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

P.S. Sie möchten für sich herausfinden, wo Sie in Ihrem Führungsalltag besser konkurrieren oder in welcher Situation Sie eher kooperieren sollten? Dann nutzen Sie doch die 1:1 Begleitung und schreiben mir eine Mail. Ich freue mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit mir teilen.

Foto: Depositphotos 143909629 ©alphaspirit

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager