Der Leistungsträger - Blog

Ich bin ja immer fasziniert davon, dass Unternehmen meist bereit sind, sehr viel Geld in die Entwicklung innovativer Produkte zu stecken. Das ist unter dem heutigen Wettbewerbsdruck sicher auch wichtig. Mir scheint aber, dass die bereits vorhandenen Potenziale im Unternehmen bei dieser Suche noch zu wenig genutzt werden.

Im heutigen Artikel finden Sie 3 Beispiele, wie Sie bedeutsamen Innovationen auf die Spur kommen. Darüber hinaus erfahren Sie auch, wie Sie als Führungskraft Innovationen noch mehr fördern können und was Sie besser bleiben lassen.

Vorbild Natur, wenn es um Innovationen geht

Die Natur bietet interessante Ansatzpunkte, wenn Sie erfolgreiche Beispiele für Innovationen finden wollen. Sie wissen ja, dass ich als Biologin in meinen Coachings gerne Analogien aus dem „erfolgreichsten Unternehmen der Welt“ nutze, und beim Thema Innovation bietet sich das wirklich an.

Beispiel 1: Präadaptation – Zufällig entstandene Vorteile nutzen

Denn die allerwenigsten Erfindungen sind ja wirklich ganz neu. Viele sind einfach Weiterentwicklungen bisheriger Produkte. Wenn man sich das vor Augen hält, kann man seine bisherigen Produkte einmal aus einer ganz anderen Perspektive betrachten und sich fragen, welches bisher noch unentdeckte Potenzial vielleicht in ihnen schlummert.

In der Biologie nennen wir das Präadaptation. Dieses Prinzip besagt, dass zufällig entstandene Merkmale sich bei einer Veränderung der Umweltbedingungen als Selektionsvorteil erweisen können.

Der Schlammspringer beispielsweise lebt wie eine Amphibie, ist aber ein Fisch. Durch seine verdickten Brustflossen, die zunächst keinen Vorteil darstellten, konnte er sich nach einer Umfeldveränderung auch an Land fortbewegen. Damit hatte er dann einen Vorteil gegenüber den anderen Fischen, die nicht fliehen konnten, wenn der bisherige Tümpel austrocknete.

Beispiel 2: Wenn weiß „out“ wird und schwarz plötzlich „in“

Oder nehmen Sie den Birkenspanner, einen Schmetterling, der von Natur aus weiße, schwarz gesprenkelte Flügel besitzt. Sein Lebensraum war der Stamm der Birke. Die weiß-schwarze Rinde war eine hervorragende Tarnung gegen seine Fressfeinde, denn darauf war er fast unsichtbar.

Doch in industrialisierten Regionen hatten Industrieabgase und Emissionen die weiß leuchtende Baumrinde zerstört, die schlanken Stämme wurden dadurch aschgrau bis schwarz gefärbt. Hier wurde der Birkenspanner nun zu einer leichten Beute für seine Feinde, weil er vor dem dunklen Hintergrund gut sichtbar war.

Die Wettbewerbsvorteile lagen nun auf Seiten der bis dahin eher seltenen fast schwarzen Exemplare, die in der Vergangenheit meist eliminiert wurden, weil Vögel und andere Feinde die dunkle Variante auf den Baumstämmen stets zuerst entdeckten.

Doch nun waren die mutierten Birkenspanner optimal an die Umgebung angepasst, die schwarze Farbe verhalf ihnen sogar zu einem Entwicklungsboom. Die weißen Schmetterlinge waren nach kurzer Zeit nahezu vollständig aus der Umgebung verschwunden.

Beispiel 3: Verborgene Innovationen

Übertragen auf die Wirtschaft bedeutet das: Überprüfen Sie, was in Ihrem Unternehmen an Potenzialen vorhanden ist. Vielleicht stellen Sie wie der Hersteller 3M fest, dass der ursprüngliche Superkleber, an dem die Forschungsabteilung arbeitete, zwar nicht funktionierte, aber gerade die Tatsache, dass er sich leicht wieder von allen Oberflächen lösen ließ, machte letztlich den entscheidenden Wettbewerbsvorteil aus: die PostIts® waren geboren und schrieben Geschichte.

Solche versteckten Innovationen liegen in fast jedem Unternehmen verborgen.

Auch die SMS zum Beispiel war anfangs nur eine technische Fingerübung einzelner Programmierer. Erst allmählich entfaltete sie ihr Potenzial – und generiert inzwischen weit höhere Umsätze als die Telefonie.

Kennen Sie noch weitere Beispiele dafür, wie veränderte Marktbedingungen genutzt wurden, um bisherige Produkte zu modifizieren und so einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen? Schreiben Sie mir gerne Ihre Erfahrungen dazu.

3 Tipps, wie Sie als Führungskraft Innovationen fördern.

Tipp 1: Fehler einplanen – statt Fehler vermeiden

Manchmal wenn du Innovationen schaffst, machst du Fehler. Es ist das beste, sie schnell zuzugeben und weiter an der Verbesserung deiner anderen Innovationen zu arbeiten.“

Dieses Zitat stammt von dem genialen Apple-Gründer Steve Jobs.

Tipp 2: Den Rücken stärken

Wenn man den Gedanken zu Ende denkt, dann liegt auf der Hand, dass besonders innovative Mitarbeiter mit Gestaltungswillen auch besonders viele Fehler machen. Wer sich auf neues, unbekanntes Terrain begibt, wird niemals von Anfang an alles richtigmachen.

Und er braucht Menschen, die erkennen, dass zwar ein Fehler passiert ist, aber die Richtung stimmt. Führungskräfte, die ihm den Rücken stärken, ihn motivieren, an ihn glauben.

Tipp 3: Fehler gehören dazu

Laurence Johnston Peter, ein amerikanischer Managementberater, hat es einmal treffend formuliert:

„Fehler vermeidet man, indem man Erfahrung sammelt. Erfahrung sammelt man, indem man Fehler macht.“

Fehler gehören also einfach zum Tun dazu. Und wie mit ihnen umgegangen wird – die Fehlerkultur – sagt viel darüber aus, wie ein Unternehmen tickt und wie hoch die Wertschätzung ist, die den Mitarbeitern entgegengebracht wird.

Von unserem Blutgerinnungssystem lernen

Fehler sollten also nicht auf Teufel komm raus vermieden werden – dann passieren sie ohnehin sogar noch öfter –, sondern stattdessen erwartet. Um das zu verdeutlichen, verweise ich im Executive Coaching im Rahmen der bioSystemik oft auf unser Blutgerinnungssystem.

Wenn wir uns in den Finger schneiden, treten sofort komplexe Vorgänge in Kraft, die dafür sorgen, dass die Blutung gestoppt wird. Unser Körper weiß, dass so etwas – also Fehler –  passieren und hat ein geniales Notfallsystem entwickelt, das automatisch angekurbelt wird. Alles wird dem einen Ziel untergeordnet, nämlich die Blutung zu stoppen.

Innovations-Killer:  So werden Ideen ausgebremst

Innovations-Ideen sind unerwünscht

Gemäß einer aktuellen Kienbaum/Stepstone-Studie etwa, haben nur 18 Prozent der Fachkräfte das Gefühl, dass das Einbringen von Ideen und Verbesserungsvorschlägen erwünscht ist. Ein Fünftel ist sogar der Meinung, dass Ideen gezielt ausgebremst werden.

Auch die anderen Ergebnisse geben zu denken: 55 Prozent der befragten Mitarbeiter sind der Meinung, dass ihr Arbeitgeber für die Zukunft schlecht aufgestellt ist. Sechs von zehn Fachkräften glauben, dass aktuelle Führungsmuster und -stile den Herausforderungen der Zukunft nicht gerecht werden.

Lange Entscheidungswege

Zwei Drittel der befragten Fachkräfte arbeiten in Unternehmen, die hierarchisch oder stark hierarchisch organisiert sind. Bei der Mehrheit der Studienteilnehmer ist dies ein Unternehmen mit einem Einlinien-Führungssystem.

Das bedeutet, dass Berichtsketten im Unternehmen vertikal zu direkten Vorgesetzten verlaufen – Entscheidungen werden eher auf den oberen Führungsebenen getroffen. Oft sind aber genau diese Systeme durch lange Entscheidungswege geprägt.

Gerade große Unternehmen benötigen zwar Strukturen, um Arbeit und Kommunikation zu ordnen, Hierarchien sollten aber nicht lähmend wirken. Der pyramidenförmige Aufbau von Unternehmen ist für schnelle Reaktionen ungeeignet. (Kienbaum-Geschäftsführer Walter Jochmann)

Das meinen übrigens auch die befragten Fachkräfte: Knapp 60 Prozent sind der Ansicht, dass veränderte Unternehmensstrukturen auch mehr Innovationen ermöglichen würden.

Fazit:

Wenn Sie auf die Suche nach guten Beispielen für Innovationen gehen wollen, dann schauen Sie sich bereits Bestehendes an. Haben sich die Umfeldbedingungen geändert und ein ursprünglicher „Nachteil“ erweist sich jetzt als Vorteil?

Nutzen Sie verborgene Potenziale. Etablieren Sie in diesem Sinne eine Fehlerkultur, die Fehler einplant und erlaubt, aber auch Prozeduren entwickelt, um einen Schaden gegebenenfalls zu beheben oder aus dem Fehler sinnvoll zu lernen. Auf diese Weise werden Sie bedeutend mehr Beispiele für gelungene Innovationen ermöglichen. Und bitte vermeiden Sie Innovationskiller.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

P.S. Lesen Sie hier, wie Sie durch Innovation Leadership Raum für Innovationen schaffen.

Bild: Depositphotos #57914359 ©BrianAJackson

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager