7 Führungsprinzipien, die agile Führung leichter machen

Der Leistungsträger - Blog

Agilität, agile Führung, VUCA-World und viele andere BUZZ-Words begegnen uns tagtäglich. Dahinter stecken Grundwerte, aus denen sich klare Führungsprinzipien ableiten lassen. Lesen Sie die 7 Führungsprinzipien, die Ihnen agile Führung leichter machen.

In diesem Artikel lesen Sie

  • Führungsprinzipien – was bedeutet das eigentlich?
  • Was haben Führungsprinzipien mit agiler Führung zu tun?
  • Vorbild für nachhaltige Führungsprinzipien gesucht
  • „Die Natur ist ein Erfolgsunternehmen, das in Millionen von Jahren nicht Pleite gemacht hat.“ – Prof. Frederic Vester
  • Die Führungsprinzipien der bioSystemik® beruhen auf Naturgesetzen
  • 7 wichtige Führungsprinzipien der bioSystemik®, die Ihnen agile Führung leichter machen

Führungsprinzipien – was bedeutet das eigentlich?

Laut „Betriebswirtschaft lernen“ ist das „Führungsprinzip ein Grundsatz für die einheitliche Handhabung der Führungsinstrumente im Unternehmen. Es wird auch als Führungsgrundsatz, Führungsregel, Managementprinzip und Führungsrichtlinie bezeichnet.“

So recht schlau wird man daraus nicht. Also mal in einfach: Im Grunde geht es um Grundwerte des Unternehmens, aus denen dann Führungsprinzipien abgeleitet werden. Diese Führungsprinzipien bilden dann oftmals die Grundlage für mannigfaltige Führungstechniken, sprich Instrumente und Methoden zur Personalführung.

Werte als Grundlage für Führungsprinzipien: die Art und Weise der Führung

Werte liegen also den Führungsprinzipien zugrunde und damit bestimmen sie die Art und Weise wie geführt wird. Diese Grundwerte, bzw. das Führungsverständnis hat sich im Laufe der Jahre immer mal wieder geändert. Früher Command & Control-Verständnis. Heute wünscht sich jeder mehr Eigenverantwortung und Gestaltungsfreiheit.

Was haben Führungsprinzipien mit agiler Führung zu tun?

Um ein wenig aufzuräumen finden Sie erst einmal eine Definition von agiler Führung: „Agile Führung beinhaltet alle Maßnahmen in einer Vielzahl von Situationen gut zu führen, insbesondere in neuen, sich ändernden und mehrdeutigen Situationen.“ Grundlage dafür ist eine Art zu denken, bzw. auf verschiedene Arten zu denken, die dann in unterschiedlichen Verhaltensweisen mündet.

Anders denken führt zu anderem Verhalten

In der Agilität geht es um schnelle Anpassung an sich schnell verändernde Situationen, daher stehen Experimentieren, Förderung von Netzwerken, Zusammenarbeit mit Kunden, Autonomie, Selbstorganisation von Teams und crossfunktionales Arbeiten im Fokus. Agiles Führen kann mit Scrum, Kanben, Design Thinking oder anderen Ansätzen verbunden sein, muss es aber nicht.

Werte bestimmen die Führungsprinzipien und damit das Denken und Verhalten

Damit wird deutlich: Agile Führung ist weder etwas Neues, noch die Allheillösung für alle Herausforderungen.  Es handelt sich um eine Mischung bekannter Prinzipien, Methoden und Maßnahmen, die immer dort sinnvoll sind, wo das Umfeld sich schnell und unberechenbar ändert und man flexibel agieren möchte.

Vorbild für nachhaltige Führungsprinzipien gesucht

Alle Prinzipien, die ich im Folgenden näher vorstellen werde, habe ich in meiner Zeit als Mitglied der Geschäftsleitung entwickelt, als ich für ca. 1.000 Mitarbeiter im Raum DACH verantwortlich war.

Es stellten sich die Fragen: „wie kann ich meine Mitarbeiter über weite Distanzen führen? Wie kann ich meine Mitarbeiter zum Mitdenken bewegen? Wie überzeuge ich meine Mitgeschäftsführer? Wie führe ich mich und andere – ohne mich zu verbiegen? Wie passe ich mich und das Unternehmen an die sich schnell verändernden Rahmenbedingungen an? Wie …

Ein Vorbild muss glaubwürdig sein

Frustriert von den Führungsvorstellungen unseres Vorstandes suchte ich nach einem glaubwürdigen Vorbild. Dieses Vorbild sollte ähnliche Situationen, wie wir sie im Unternehmen tagtäglich erlebten, erfolgreich gemeistert haben. Dieses Vorbild sollte sich und seine Lösungen permanent weiterentwickeln und auch für zukünftige Entwicklungen vorbereitet sein. Neuen Management Moden schenkte ich immer weniger Glauben. Die meisten waren in der Theorie brilliant, aber für meinen Geschmack weniger praxistauglich.

Das erfolgreichste Unternehmen der Welt als Vorbild gefunden.

Nach einer langen Recherche fand ich als Vorbild „die Natur“. Sie ist eine natürliche Organisationsform – ein Unternehmen, das aus Menschen besteht ebenso. Außerdem ist es das größte und erfolgreichste Unternehmen überhaupt. Gerne nutzte ich diese Parallele für meine Arbeit.

„Die Natur ist ein Erfolgsunternehmen, das in Millionen von Jahren nicht Pleite gemacht hat.“
– Prof. Frederic Vester

In der Natur geht es ganz schnell ums Überleben. Überall lauern Herausforderungen. Die Umfeld- und Umweltbedingungen ändern sich ständig und es müssen immer wieder schnelle Anpassungen durchgeführt werden, sonst …. genau: Exitus.

Daher erschien mir das Unternehmen „Natur“ als geeignetes Vorbild. In der Folge studierte ich die Wirkprinzipien dieser natürlichen Organisationsformen. Als Diplom-Biologin fiel mir der Transfer in den wirtschaftlichen Alltag vergleichsweise leicht. Im Ergebnis entwickelte ich das mehrfach ausgezeichnete Konzept bioSystemik®.

Die Führungsprinzipien der bioSystemik® berücksichtigen also, dass wir schnell wandelnde Rahmenbedingungen haben, dass wir schnell handeln und entscheiden müssen, dass wir die Beteiligten (im Unternehmen die Mitarbeiter und Chefs) zum Mitdenken bewegen müssen, dass wir Selbstorganisation bedingungslos fördern müssen und dass wir eine Vertrauenskultur entwickeln müssen, da sonst das Überleben der gesamten Mannschaft in Gefahr ist. In Wirtschaftssprache: Dass das Unternehmen Verluste einfährt oder sogar Konkurs anmelden muss.

Die Führungsprinzipien der bioSystemik® beruhen auf Naturgesetzen

Als Geschäftsführerin für 1.000 Mitarbeiter entwickelte ich im Ergebnis eine Führungskultur, die auf Selbstorganisation, Vernetzung und Anpassung basiert. Das hat den großen Vorteil, dass sie flexibel ist und Unsicherheit aushalten kann.

Diese Erfahrungen gebe ich seit ca. 20 Jahren in der Unterstützung von Geschäftsführern und erfahrenen Führungskräften weiter. Gleichzeitig entwickeln sich diese Prinzipien immer weiter und verfeinern sich.

7 wichtige Führungsprinzipien der bioSystemik®, die Ihnen agile Führung leichter machen

Die nachfolgenden Prinzipien wurden unabhängig der agilen Führung entwickelt. Sie beruhen auf Naturgesetzen. Bei genauer Betrachtung erkennen Sie jedoch, dass alle Prinzipien, die agile Führung ermöglichen bzw. erleichtern. In erster Linie sind die nachfolgenden Prinzipien eine Frage der Werte und der Haltung. Diese Einstellung ermöglicht eine bestimmte Denkweise und schlussendlich ein anderes Handeln.

Mehr als 1.000 Geschäftsführer und Klienten haben dies für ihre Führungsherausforderungen bereits erfolgreich genutzt. Meist mit erstaunlichen Ergebnissen und mit geringem Aufwand.

  1. Exzellente Chefs führen exzellente Teams
    Angenommen, ich wäre ein richtig guter Leistungsträger und führe ein Team, das eher befriedigende Leistungen erbringt. Bin ich dann trotzdem ein exzellenter Chef? Nein. Als Leistungsträger in einer Führungsrolle bin ich erst dann exzellent, wenn ich meinen Job gut mache. Und mein Job als Führungskraft ist es, meine Leute so zu fördern, dass aus ihnen ein echtes Team wird, das an einem Strang zieht. Wer es schafft, eine exzellente Mannschaft zu bilden, ist auch eine exzellente Führungskraft!
    Dabei ist es wichtig, dass Sie ein förderliches Umfeld schaffen und Ihren Mitarbeitern den Raum und passende Rahmenbedingungen geben, Ihre Leistungen zu erbringen.
  2. Die anderen dürfen anders sein
    Gerade die Leistungsträger denken und arbeiten in einem hohen Tempo. Und sind irritiert, wenn andere da nicht mitkommen oder ganz anders reagieren als erwartet. Die meisten von uns denken, „die anderen sind so wie ich, deshalb müssen sie auch so reagieren, wie ich es erwarte.“ Damit fängt der Ärger an… Leistungsträger als Führungskräfte brauchen deshalb eine hohe Sensibilität dafür, dass die anderen Menschen nicht alle so gestrickt sind wie sie selbst. Sie sollten also ein Verständnis dafür entwickeln, dass andere Leute anders sind, aber auch ihre Qualitäten haben – eben andere als man selbst.
  3. Fremde Potenziale machen erfolgreich
    Zugegeben, diese Überschrift klingt provokativ… ist sie aber gar nicht. Es gibt Führungskräfte, die defizitorientiert denken – die überall entdecken, was ihre Mitarbeiter alles nicht können oder welche Schwächen sie haben. Was erntet solch ein Chef? Vermutlich eher wenig Positives. Das Gegenteil dazu: Eine Führungskraft, die ihren Leuten eine wertschätzende Haltung, Offenheit und Vertrauen entgegenbringt. Die schaut, wo bei den Mitarbeitern noch versteckte Potenziale sind, die das Team und deren Leistung verbessern können. Die Ernte dieses Chefs wird sicherlich „reich“ ausfallen. Er wird eine Mannschaft haben, die aus eigener Motivation viel leistet und die Ziele mit vorantreibt.
  4. Überzeugt führen: Als Vorbild vorangehen
    Wie soll es gelingen, wenn ich von meinem Umfeld etwas erwarte, was ich selbst nicht bereit bin zu tun? Die Glaubwürdigkeit sinkt im Sturzflug. Wer sich selbst kennt, weiß, wie er tickt und seine innere Überzeugung gefunden hat, wird maßgeblichen Einfluss auf sein Umfeld nehmen. Diese Persönlichkeit entwickelt Standing, Rückgrat und wird einen Abstrahleffekt auf andere auslösen. Die Authentizität der Führungskraft spielt hier eine Schlüsselrolle: also überzeugt führen und selbst Vorbild sein und das auch selbst leben, was von den Mitarbeitern eingefordert wird.
  5. Vertrauen ersetzt Anwesenheitskultur
    Heute geht es nicht mehr anders: Die Mitarbeiter sitzen an unterschiedlichen Orten, manchmal sogar über den Globus verteilt. Doch oftmals ist es immer noch schwierig die Geschäftsleitung davon zu überzeugen, dass heute nicht mehr die Anwesenheit der Mitarbeiter relevant ist, sondern ihr Handeln und die Arbeitsergebnisse.
    Ein erster Schritt kann hier sein, sich noch klarer auf Ziele und Ergebnisse zu fokussieren. Dann ist es nicht mehr wichtig wo wer ist. So entwickelt sich Vertrauen und im Laufe der Zeit eine Vertrauenskultur.
  6. Experimentieren und lernen werden normal
    Führungskräfte und Mitarbeiter sind im gegenseitigen Lernprozess. Ohne dass auch Mitarbeiter neue Kompetenzen (z.B. Fähigkeit der Selbstdisposition, eigenverantwortliches Handeln) erwerben, wird agile Führung nicht gelingen. Dies ist ein lebenslanger Prozess, der – erst einmal angestoßen – ziemlich Spaß machen kann und dafür sorgt, dass sowohl die Führungskraft, als auch die Mitarbeiter zu deutlich besseren Ergebnissen und Zufriedenheit gelangen werden.
    Dabei erkennen Sie, dass sich die Prioritäten verschieben: Nicht der Arbeitsaufwand entscheidet, sondern das Ergebnis. Dazu gehört auch, dass sich Prozesse bzw. der Weg zum Ergebnis stets verbessert um das Ergebnis zu optimieren.
  7. Verantwortung übernehmen und abgeben
    Wer führen will, muss bereit seine Verantwortung zu übernehmen, Verantwortung abzugeben und Konflikte auszuhalten. Er muss Führungswille haben. Dabei ist es vollkommen egal, ob man eine disziplinarische Führungsrolle übernommen hat oder als Product-Owner, Scrum-Master, Projektmitarbeiter oder Experte seine Aufgaben meistert. Ohne Verantwortung zur Führung ist agile Führung nicht machbar. Denken Sie daran, wenn Sie Verantwortung an Mitarbeiter abgeben, haben Sie selbst mehr Zeit neue Themen voranzutreiben und sich selbst weiterzuentwickeln.

Fazit:

In diesem Artikel haben Sie erfahren, was Führungsprinzipien und agile Führung eigentlich bedeuten. Werte führen zu Führungsprinzipien und zu einem daraus resultierenden Verhalten. Ein Umfeld, das sich schnell und unberechenbar ändert, wird in Zukunft immer mehr zum Standard.

Diese 7 Führungsprinzipien, die sich am erfolgreichsten Unternehmen der Welt – der Natur – orientieren geben Ihnen Klarheit und Orientierung sich auf den Weg in eine unberechenbare und dennoch gut händelbare Zukunft zu begeben. Es ist eben eine Frage der Haltung, der unterschiedlichen Denkweisen, die zu einem anderen Verhalten und somit zu anderen Ergebnissen führen.

Diese 7 Führungsprinzipien werden Ihnen die agile Führung leichter machen. Denken Sie daran: In Zukunft liegt die Aufgabe als Führungskraft darin, die Intelligenz der anderen zu moderieren.

Was denken Sie über diese Führungsprinzipien? Ich freue mich über Ihren Kommentar!

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

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Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager