Der Leistungsträger - Blog

Agilität, agile Führung, VUCA-World und viele andere Buzzwords begegnen uns tagtäglich. Dahinter steckt kein kurzlebiger Hype, sondern Grundwerte, aus denen sich klare Führungsprinzipien ableiten lassen. In diesem Beitrag möchte ich mich ausschließlich diesen Führungsgrundsätzen widmen. Konkret lesen Sie,

Führungsprinzipien: eine Definition

Laut dem Portal „Betriebswirtschaft lernen“ ist das „Führungsprinzip ein Grundsatz für die einheitliche Handhabung der Führungsinstrumente im Unternehmen. Es wird auch als Führungsgrundsatz, Führungsregel, Managementprinzip und Führungsrichtlinie bezeichnet.“

Wirklich schlau wird man aus dieser Führungsprinzip-Definition nicht. Also mal in einfach: Im Kern geht es um Grundwerte des Unternehmens, aus denen dann Führungsprinzipien abgeleitet werden. Diese Führungsprinzipien bilden oftmals die Grundlage für mannigfaltige Führungstechniken, sprich Instrumente und Methoden zur Personalführung.

Werte liegen also den Führungsprinzipien zugrunde und damit bestimmen sie die Art und Weise wie geführt wird. Diese Grundwerte, bzw. das Führungsverständnis hat sich im Laufe der Jahre immer mal wieder geändert. Früher Command & Control-Verständnis. Heute wünscht sich jeder mehr Eigenverantwortung und Gestaltungsfreiheit.

Agile Führungsprinzipien? Was Führungsgrundsätze mit agiler Führung zu tun haben

Um ein wenig aufzuräumen, hier erst einmal eine Definition von agiler Führung: „Agile Führung beinhaltet alle Maßnahmen in einer Vielzahl von Situationen gut zu führen, insbesondere in neuen, sich ändernden und mehrdeutigen Situationen.“ Grundlage dafür ist eine Art zu denken, bzw. auf verschiedene Arten zu denken, die dann in unterschiedlichen Verhaltensweisen mündet.

Bei Agilität geht es also um schnelle Anpassung an sich schnell verändernde Situationen. Im Fokus stehen daher

  • Experimentieren,
  • Förderung von Netzwerken,
  • Zusammenarbeit mit Kunden,
  • Autonomie,
  • Selbstorganisation von Teams und
  • crossfunktionales Arbeiten im Fokus.

Agiles Führen kann mit Scrum, Kanban, Design Thinking oder anderen Ansätzen verbunden sein, muss es aber nicht.

Werte bestimmen die Führungsprinzipien und damit das Denken und Verhalten

Damit wird deutlich: Agile Führung ist weder etwas Neues noch die Allheillösung für alle Herausforderungen. Es handelt sich um eine Mischung bekannter Prinzipien, Methoden und Maßnahmen, die immer dort sinnvoll sind, wo das Umfeld sich schnell und unberechenbar ändert und man flexibel agieren möchte.

Vorbild für nachhaltige Führungsprinzipien gesucht

Alle Grundsätze der Führung, die ich im Folgenden näher vorstellen werde, habe ich in meiner Zeit als Mitglied der Geschäftsleitung entwickelt, als ich für ca. 1.000 Mitarbeiter im Raum DACH verantwortlich war.

Es stellten sich die Fragen: „Wie kann ich meine Mitarbeiter über weite Distanzen führen? Wie kann ich meine Mitarbeiter zum Mitdenken bewegen? Wie überzeuge ich meine Mitgeschäftsführer? Wie führe ich mich und andere – ohne mich zu verbiegen? Wie passe ich mich und das Unternehmen an die sich schnell verändernden Rahmenbedingungen an? Wie …

Ein Vorbild muss glaubwürdig sein

Frustriert von den Führungsvorstellungen unseres Vorstandes suchte ich nach einem glaubwürdigen Vorbild. Dieses Vorbild sollte ähnliche Situationen, wie wir sie im Unternehmen tagtäglich erlebten, erfolgreich gemeistert haben. Zudem sollte dieses Vorbild sich und seine Lösungen permanent weiterentwickeln und auch auf zukünftige Entwicklungen vorbereitet sein. Neuen Management Moden schenkte ich immer weniger Glauben. Die meisten waren in der Theorie brillant, aber für meinen Geschmack weniger praxistauglich.

Das erfolgreichste Unternehmen der Welt als Vorbild

Nach einer langen Recherche fand ich als Vorbild „die Natur“. Sie ist eine natürliche Organisationsform – ein Unternehmen, das aus Menschen besteht, ebenso. Außerdem ist sie das größte und erfolgreichste Unternehmen überhaupt. Gerne nutzte ich diese Parallele für meine Arbeit.

„Die Natur ist ein Erfolgsunternehmen, das in Millionen von Jahren nicht Pleite gemacht hat.“
– Prof. Frederic Vester

In der Natur geht es ganz schnell ums Überleben. Überall lauern Herausforderungen. Die Umfeld- und Umweltbedingungen ändern sich ständig und es müssen immer wieder schnelle Anpassungen durchgeführt werden, sonst …. genau: Exitus.

Daher erschien mir das Unternehmen „Natur“ als geeignetes Vorbild. In der Folge studierte ich die Wirkprinzipien dieser natürlichen Organisationsformen. Als Diplom-Biologin fiel mir der Transfer in den wirtschaftlichen Alltag vergleichsweise leicht. Im Ergebnis entwickelte ich das mehrfach ausgezeichnete Konzept bioSystemik®.

Die Führungsprinzipien der bioSystemik® beruhen auf Naturgesetzen

Als Geschäftsführerin für 1.000 Mitarbeiter entwickelte ich eine Führungskultur, die auf Selbstorganisation, Vernetzung und Anpassung basiert. Das hat den großen Vorteil, dass sie flexibel ist und Unsicherheit aushalten kann. Die Führungsprinzipien der bioSystemik® berücksichtigen also, dass wir

  • schnell wandelnde Rahmenbedingungen haben,
  • schnell handeln und entscheiden,
  • die Beteiligten (im Unternehmen die Mitarbeiter und Chefs) zum Mitdenken bewegen,
  • Selbstorganisation bedingungslos fördern und
  • eine Vertrauenskultur entwickeln müssen, da sonst das Überleben der gesamten Mannschaft in Gefahr ist.

In Wirtschaftssprache: Dass das Unternehmen Verluste einfährt oder sogar Konkurs anmelden muss.

Diese Erfahrungen gebe ich seit ca. 25 Jahren in der Unterstützung von Geschäftsführern und erfahrenen Führungskräften weiter. Gleichzeitig entwickeln sich diese modernen Führungsgrundsätze immer weiter und verfeinern sich.

7 wichtige Führungsprinzipien der bioSystemik®

Die nachfolgenden Prinzipien wurden unabhängig von der agilen Führung entwickelt. Sie beruhen auf Naturgesetzen. Bei genauer Betrachtung erkennen Sie jedoch, dass alle Prinzipien, agile Führung ermöglichen bzw. erleichtern. In erster Linie sind die nachfolgenden Führungsprinzipien eine Frage der Werte und der Haltung. Und natürlich ist für gelebte Führungsgrundsätze das Mindset entscheidend. Erst die richtige Einstellung ermöglicht eine bestimmte Denkweise und schlussendlich ein anderes Handeln.

Mehr als 1.000 Geschäftsführer und Klienten haben dies für ihre Führungsherausforderungen bereits erfolgreich genutzt. Meist mit erstaunlichen Ergebnissen und mit geringem Aufwand. Im Folgenden stelle ich Ihnen die 7 wichtigsten Führungsprinzipien der bioSystemik vor.

1.) Exzellente Chefs führen exzellente Teams

Angenommen, ich wäre ein richtig guter Leistungsträger und führe ein Team, das eher befriedigende Leistungen erbringt. Bin ich dann trotzdem ein exzellenter Chef? Nein. Als Leistungsträger in einer Führungsrolle bin ich erst dann exzellent, wenn ich meinen Job gut mache. Und mein Job als Führungskraft ist es, ein leistungsfähiges Team aufzubauen und meine Leute so zu fördern, dass alle an einem Strang ziehen. Wer es schafft, eine exzellente Mannschaft zu bilden, ist auch eine exzellente Führungskraft! Dabei ist es wichtig, dass Sie ein förderliches Umfeld schaffen und Ihren Mitarbeitern den Raum und passende Rahmenbedingungen geben, Ihre Leistungen zu erbringen.

2.) Die anderen dürfen anders sein

Gerade die Leistungsträger denken und arbeiten in einem hohen Tempo. Und sind irritiert, wenn andere da nicht mitkommen oder ganz anders reagieren als erwartet. Die meisten von uns denken: „Die anderen sind so wie ich, deshalb müssen sie auch so reagieren, wie ich es erwarte.“ Damit fängt der Ärger an… Leistungsträger als Führungskräfte brauchen deshalb eine hohe Sensibilität dafür, dass die anderen Menschen nicht alle so gestrickt sind wie sie selbst. Sie sollten also ein Verständnis dafür entwickeln, dass andere Leute anders sind, aber auch ihre Qualitäten haben – eben andere als man selbst.

3.) Fremde Potenziale machen erfolgreich

Zugegeben, diese Überschrift klingt provokativ… ist sie aber gar nicht. Es gibt Führungskräfte, die defizitorientiert denken – die überall entdecken, was ihre Mitarbeiter alles nicht können oder welche Schwächen sie haben. Was erntet solch ein Chef? Vermutlich eher wenig Positives. Das Gegenteil dazu: Eine Führungskraft, die ihren Leuten eine wertschätzende Haltung, Offenheit und Vertrauen entgegenbringt. Die schaut, wo bei den Mitarbeitern noch versteckte Potenziale sind, die das Team und deren Leistung verbessern können. Die Ernte dieses Chefs wird sicherlich „reich“ ausfallen. Er wird eine Mannschaft haben, die aus eigener Motivation viel leistet und die Ziele mit vorantreibt.

4.) Überzeugt führen: Als Vorbild vorangehen

Wie soll es gelingen, wenn ich von meinem Umfeld etwas erwarte, was ich selbst nicht bereit bin zu tun? Die Glaubwürdigkeit sinkt im Sturzflug. Wer sich selbst kennt, weiß, wie er tickt und seine innere Überzeugung gefunden hat, wird maßgeblichen Einfluss auf sein Umfeld nehmen. Diese Persönlichkeit entwickelt Standing, Rückgrat und wird einen Abstrahleffekt auf andere auslösen. Die Authentizität der Führungskraft spielt hier eine Schlüsselrolle: also überzeugt führen und selbst Vorbild sein und auch selbst leben, was von den Mitarbeitern eingefordert wird.

5.) Vertrauen ersetzt Anwesenheitskultur

Heute geht es nicht mehr anders: Die Mitarbeiter sitzen an unterschiedlichen Orten, manchmal sogar über den Globus verteilt. Doch oftmals ist es immer noch schwierig die Geschäftsleitung davon zu überzeugen, dass heute nicht mehr die Anwesenheit der Mitarbeiter relevant ist, sondern ihr Handeln und die Arbeitsergebnisse. Ein erster Schritt kann hier sein, sich noch klarer auf Ziele und Ergebnisse zu fokussieren. Dann ist es nicht mehr wichtig, wo wer ist. So entwickelt sich Vertrauen und im Laufe der Zeit eine Vertrauenskultur.

6.) Experimentieren und lernen werden normal

Führungskräfte und Mitarbeiter sind im gegenseitigen Lernprozess. Ohne dass auch Mitarbeiter neue Kompetenzen (z.B. Fähigkeit der Selbstdisposition, eigenverantwortliches Handeln) erwerben, wird agile Führung nicht gelingen. Dies ist ein lebenslanger Prozess, der – erst einmal angestoßen – ziemlich Spaß machen kann und dafür sorgt, dass sowohl die Führungskraft als auch die Mitarbeiter zu deutlich besseren Ergebnissen und Zufriedenheit gelangen werden. Dabei erkennen Sie, dass sich die Prioritäten verschieben: Nicht der Arbeitsaufwand entscheidet, sondern das Ergebnis. Dazu gehört auch, dass sich Prozesse bzw. der Weg zum Ergebnis stets verbessert, um das Ergebnis zu optimieren.

7.) Verantwortung übernehmen und abgeben

Wer führen will, muss bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, Verantwortung abzugeben und Konflikte auszuhalten. Er muss Führungswillen haben. Dabei ist es vollkommen egal, ob man eine disziplinarische Führungsrolle übernommen hat oder als Product-Owner, Scrum-Master, Projektmitarbeiter oder Experte seine Aufgaben meistert. Ohne Verantwortung zur Führung ist agile Führung nicht machbar. Denken Sie daran: Wenn Sie Verantwortung an Mitarbeiter abgeben, haben Sie selbst mehr Zeit neue Themen voranzutreiben und sich weiterzuentwickeln.

Fazit:

In diesem Artikel haben Sie Beispiele von Führungsgrundsätzen kennengelernt und erfahren, was Führungsprinzipien und agile Führung eigentlich bedeuten. Werte führen zu Führungsprinzipien und zu einem daraus resultierenden Verhalten. Ein Umfeld, das sich schnell und unberechenbar ändert, wird in Zukunft immer mehr zum Standard.

Diese 7 Führungsgrundsätze, die sich am erfolgreichsten Unternehmen der Welt – der Natur – orientieren, geben Ihnen Klarheit und Orientierung, um sich auf den Weg in eine unberechenbare und dennoch gut händelbare Zukunft zu begeben. Es ist eben eine Frage der Haltung, der unterschiedlichen Denkweisen, die zu einem anderen Verhalten und somit zu anderen Ergebnissen führen.

Diese 7 Führungsprinzipien werden Ihnen die agile Führung leichter machen. Denken Sie daran: In Zukunft liegt die Aufgabe als Führungskraft darin, die Intelligenz der anderen zu moderieren.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

PS: In der Theorie finden Sie moderne Führungsgrundsätze klasse, es hapert aber an der Umsetzung? Kontaktieren Sie mich unter info@galileo-institut.de – und wir erarbeiten gemeinsam eine Strategie, wie auch Sie die 7 Führungsprinzipien der bioSystemik in Ihrer Führungspraxis anwenden können!

Foto von Yan Krukov / Pexels

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei
CIO Magazine
Harvard Business Manager