Der Leistungsträger - Blog

Ich will unbedingt Führungskraft werden“, formuliert Hugo S., ein gestandener Ingenieur, Mitte 40 in unserem ersten Coaching-Termin. Er will jetzt unbedingt das nötige Rüstzeug erhalten, damit er eine gute Führungskraft wird. Die Frage: “Will ich überhaupt Führungskraft werden?” scheint er bereits für sich beantwortet zu haben. Wirklich? Manchmal ist das gar nicht so klar. Lesen Sie weiter, wie Sie für sich selbst genau herausfinden, ob SIE überhaupt Führungskraft werden wollen.

Führungskraft werden – ja oder nein? Dies ist eine richtungsweisende Frage, die gut überlegt sein will. Immerhin kann die Antwort die gesamte Karriere entscheidend beeinflussen. Die gleiche Frage können Sie sich auch stellen, wenn Sie schon Führungskraft sind und noch weiter in der Hierarchie aufsteigen wollen. Sei es das obere Management, das Top Management oder die Unternehmensleitung. Z. B. Will ich Geschäftsführer werden? Der Prozess ist immer der gleiche.

In diesem Artikel lesen Sie:

  1. Warum Führungskraft werden – Argumente
  2. Standortanalyse: Was ist Ihr ideales Umfeld?
  3. Führungskraft werden Motivation
  4. Finale Frage: Will ich überhaupt Führungskraft werden?
  5. Warum wollen Sie Führungskraft werden?
  6. Antwort Nein: Was nun?
  7. Alternativen zur Führungsposition
  8. Antwort Ja: Vorstellungsgespräch warum Führungskraft
  9. Achtung Fehler

Warum Führungskraft werden – Argumente

Um auf unser Beispiel zurückzukommen fragte ich Hugo S. Warum wollen Sie eigentlich Führungskraft werden? Hugo S. war etwas entrüstet über meine „unverschämte“ Frage, als er antwortet:

Also 1. Ich bin jetzt schon mindestens 7 Jahre hier im Unternehmen, 2. Ich finde jetzt bin ich mal dran. 3. Alle meine Bekannten sind bereits Führungskraft. 4. Es sieht einfach besser aus auf der Visitenkarte. 5. Ich bekäme sicherlich eine Gehaltserhöhung und 6. Ich hätte ein besseres Image im Unternehmen. Und daher will ich jetzt lernen, was man so als Führungskraft macht und wie man eine gute Führungskraft wird, das kann ja nicht so schwer sein.“

Ja, das waren wirklich Argumente um Führungskraft zu werden. Liebe Leser überzeugt Sie das? Mich hatte Hugo S. mit seinen Argumenten auf jeden Fall nicht für sich gewonnen.

Standortanalyse: Was ist Ihr ideales Umfeld?

Wer eine Laufbahn mit Führungsverantwortung anstrebt, hat bei Mittelständlern wie Konzernen gute Karten. Als Executive Coach habe ich es sehr oft mit Ingenieuren am oberen Ende der Karriereleiter zu tun. Manche Klienten sind unzufrieden, fühlen sich getrieben, stellen alles in Frage.

Viele haben es versäumt, eine Standortanalyse durchzuführen, mit denen sie ihre Laufbahn von Anfang an selbst gestalten. Ob sie überhaupt Führungskraft werden wollen – diese Frage haben sich viele gar nicht gestellt.

Egal, ob Sie am Anfang Ihrer Karriere stehen oder die Position wechseln wollen – entscheidend ist, dass Sie wissen, was Sie wirklich wollen und welches Umfeld Sie brauchen, um Ihr Potential voll zu entfalten und sich dabei wirklich wohl zu fühlen. Neben einer ehrlichen Standortanalyse ist dabei das Führen einer Unbedingt-notwendig-Liste sehr hilfreich. Auf dieser U-Liste notieren Sie alles, was für Sie zwingend dazu gehört, damit Sie Leistung mit Leidenschaft und Leichtigkeit verbinden können.

Führungskraft werden Motivation

In unserem Beispiel mit Hugo S. begannen wir erst einmal das EinzelCoaching gemäß dem Wunsch des Klienten. Er wollte WISSEN, wie man delegiert, wie man Mitarbeitergespräche führt, was man alles so macht als gute Führungskraft. Nach drei Treffen kam er wutentbrannt zum nächsten Coaching-Termin. „Die Mitarbeiter nerven. Ständig stehen sie bei mir in der Tür und wollen irgendwas von mir. Die sollen einfach nur Ihren Job machen und mich in Ruhe lassen“. Hugo S. hatte sich so richtig in Rage geredet und war von seinen Mitarbeitern enttäuscht.

Ruhig entgegnete ich: Lieber Hugo S., genau das ist Ihr Job als Führungskraft: Mitarbeiter führen! Und das ist in erster Linie reden und Gespräche führen – mit Menschen. Hugo S. schüttelte energisch den Kopf. „Nein, so habe ich mir das nicht vorgestellt. Darauf habe ich ja so gar keine Lust.“

Wenn Sie könnten, wie Sie wollten und Sie wüssten es würde gelingen, was würden Sie dann tun?

Aus Hugo S. sprudelte es hervor: „Wir haben ein Projektthema, das ist hochspannend. Da haben die in der Firma schon lange dran getüftelt und keine Lösung gefunden. Das Thema würde ich am Liebsten mit 3 – 4 anderen Kollegen bearbeiten und zu einem guten Ergebnis führen. Das wäre dann ein marktreifes Produkt. Und es würde für das Unternehmen einen enormen Vorsprung gegenüber den Wettbewerbern bedeuten.“

Sie erkennen wahrscheinlich allein beim Lesen den großen Unterschied: In dieser Antwort erkennen Sie Herzblut und Leidenschaft. Und genau darum geht es bei der Motivation. Ihrer Motivation.

„Wofür brennen Sie, worauf haben Sie so richtig Lust? Was würde Ihnen Spaß machen und Sie möglicherweise sogar erfüllen?“ 

Eine Möglichkeit sich den eigenen Motiven zu nähern ist das REISS Motive Profil. Es gibt allerdings noch eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten den eigenen Motiven auf die Spur zu kommen. Das Entscheidende ist: Was motiviert SIE in Ihrer Arbeit?

Hier finden Sie ein paar Anregungen, was so „typische“ Motivationen für eine Führungskraft sind:

  • Wollen Sie gemeinsam mit Mitarbeitern etwas bewegen?
  • Wollen Sie gemeinsam mit anderen ein Ziel erreichen?
  • Wollen Sie Verantwortung übernehmen?
  • Wollen Sie frei sein und gestalten?
  • Wollen Sie Entscheidungen treffen?
  • Wollen Sie Einfluss nehmen auf die Entwicklung des Unternehmens?
  • Wollen Sie Spuren hinterlassen?
  • Wollen Sie soziale Anerkennung und Wertschätzung erhalten?
  • Haben Sie Freude am Umgang mit Menschen, die Sie fördern, unterstützen und zu Ergebnissen führen?

Finale Frage: Will ich überhaupt Führungskraft werden?

Diese Frage ist die entscheidende Frage überhaupt. Sie haben festgestellt, dass ARGUMENTE, und seien sie noch so plausibel, Sie bei Ihrer Entscheidung keinen Schritt weiterbringen. Bei wichtigen Karriereentscheidungen ist es hilfreich sich weniger am Außen, sondern an Ihren eigenen Werten und Motiven zu orientieren.

Warum? Weil wichtige Entscheidungen immer aus dem INNERN getroffen werden, also aus dem Gefühl. Wie das gehen kann lesen Sie in diesem Artikel. Erst wenn die emotionale Entscheidung getroffen wurde, DANN sammeln Sie Argumente um die innere Entscheidung nach außen zu vertreten.

Es kann durchaus sein, dass der Titel Führungskraft gut für Ihr EGO ist, evtl. auch gut für Ihren Lebenslauf und evtl. springt auch eine ordentliche Gehaltssteigerung dabei heraus. Dennoch sollte die Leitfrage sein:

Warum wollen Sie Führungskraft werden?

 Wenn ich mir mein Leben in 5 Jahren anschaue: Würde es mich erfüllen und zufrieden machen, wenn ich Führungskraft wäre?

Falls nein, überdenken Sie bitte noch einmal Ihre (Vor)Entscheidung. Falls ja, dann geben Sie Gas.

Hier lesen Sie die Geschichte einer Top Führungskraft, die sich fragt, ob Sie Geschäftsführer werden will.

Antwort Nein: Was nun?

Hugo S. beantwortet für sich die Frage nach seinen Erlebnissen mit einem ganz klaren „NEIN“. In seinem Beispiel erfolgten einige Gespräche mit der Personalabteilung. Es stellte sich heraus, dass das Unternehmen schon lange jemanden für das wichtige Projekt gesucht hatten und nun froh war eine engagierte Persönlichkeit gefunden zu haben. Übrigens: eine Gehaltserhöhung bekam er trotzdem und eine wertvolle Position im Organigramm, die ihn als EXPERTEN auswies auch. Beide Seiten waren glücklich und zufrieden.

Alternativen zur Führungsposition

Machen Sie sich bitte bewusst ein nächster Karriereschritt kann eben auch eine Expertenlaufbahn, oder Entwicklung als Projektmanager bedeuten. Die Hierarchien in Unternehmen verändern sich aktuell schneller denn je.

Sie können auch Scrum Master werden, eine Stabsstelle übernehmen, oder als Projectmanager Digitale Transformation die Veränderung im Unternehmen voranbringen und noch vieles andere mehr. Es gibt einflussreiche Positionen im Unternehmen, die auch ohne personelle Führungsverantwortung möglich sind.

Wenn Sie wissen, was SIE wollen gibt es in den meisten Fällen einen Weg in Verhandlung mit dem Unternehmen eine gute Position zu finden, die Ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten entspricht.

Antwort Ja: Vorstellungsgespräch warum Führungskraft

Wenn Sie für sich erkannt haben, dass Sie die größte Erfüllung in der Rolle einer Führungskraft sehen, dann sind Sie einen großen Schritt weiter. Jetzt geht es darum, diesen Wunsch kund zu tun.

Suchen Sie das offene Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten oder auch der Personalabteilung. Eine gute Möglichkeit bietet sich in dem jährlichen Mitarbeitergespräch an. Hier ist ja mindestens ein Punkt eingebaut, der heißt: weitere Entwicklung. Hier können Sie Ihren Wunsch platzieren. Bitten Sie Ihren Vorgesetzen um Unterstützung, wie die nächsten Schritte angegangen werden können.

Achtung Fehler:

Bitte machen Sie nicht den Fehler und hoffen darauf „entdeckt“ zu werden. Das funktioniert in den seltensten Fällen. „Die müssen doch mitbekommen, wie gut ich bin.“ oder „die müssen mich doch endlich ansprechen für eine Beförderung.“
Die Erfahrung zeigt, selbst wenn Sie angesprochen werden, wird Ihnen meistens nicht angeboten, was Ihren Wünschen entspricht. Werden Sie also selbst aktiv. Immerhin geht es um IHRE berufliche Zukunft.

In den VDI-Nachrichten ist der Artikel “Will ich wirklich führen?” von mir erschienen. Darin können Sie nachlesen, was Sie tun sollten, bevor Sie sich für eine Führungskarriere entscheiden und wie Sie sich auf Ihre erste Führungsposition optimal vorbereiten können.

Fazit:

Will ich Führungskraft werden: ja oder nein? Die Frage kommt so harmlos daher, doch sie will gut überlegt sein. Sie haben erfahren, dass Sie im Vorfeld eine gute Standortanalyse durchführen können. Hier finden Sie heraus, welches Umfeld Sie benötigen um zu Höchstleistungen und Zufriedenheit zu gelangen.

Sie wissen jetzt, dass es im nächsten Schritt erst einmal darum geht, herauszufinden was Sie im Innern an einer Führungstätigkeit motiviert. Haben Sie hier einige Punkte gefunden, werden Sie sich entscheiden können. Erst im Anschluss werden Argumente wichtig. Diesen Punkt vergessen leider viele und landen in Positionen, in denen Sie sich anschließend unwohl fühlen. Sie erkennen: in der richtigen Reihenfolge die richtigen Fragen gestellt verhilft zur mehr Klarheit. Und diese Klarheit führt zu einer Guten Entscheidung: Will ich Führungskraft werden: Ja oder nein?

Denken Sie daran: Es geht ja um IHR Leben und Ihre berufliche Entwicklung.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

P.S. Sie stellen sich gerade die Frage, wie Sie die ersten Schritte vom Mitarbeiter zur Führungskraft gehen können? Dann schauen Sie doch hier bei meinem wertgeschätzten Kollegen Dr. Bernd Geropp vorbei. In seinem Karriere Booster zeigt er Ihnen gemeinsam mit seinem Kollegen Olaf Kapinski Schritt für Schritt wie es funktioniert.

P.P.S. Lesen Sie in einem meiner nächsten Artikel, wie Sie eine gute Führungskraft werden. Was sind die entscheidenden Schritte, die den Grundstein für eine gute Führungskraft legen. Sie wollen nicht so lange warten? Dann stöbern Sie in meinem Buch „Ärmel hoch! Die 20 schwierigsten Führungsthemen und wie Top-Führungskräfte sie anpacken“.

Bild: Depositphotos #99334126 @ minervastock

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager