Der Leistungsträger - Blog

Dauerstress ist ja fast zur „Modeerscheinung“ geworden. Ständig Meetings – online wie offline, permanent erreichbar sein über zahllose Kanäle und selbst im Urlaub kaum eine Möglichkeit abzuschalten. Wie Sie Stress verhindern, Burnout vermeiden, Stress abbauen und wie Sie wirksam mit Überbelastung umgehen… das lesen Sie in diesem Artikel.

  1. Dauerstress – wie er entsteht: Das schleichende Gift
  2. Wie Sie Stress erkennen! Was sind die Symptome?
  3. Anhaltende Belastung: Dauerstress und seine Folgen
  4. Als Geschäftsführer im Dauerstress – ein Praxisbeispiel
  5. Wie Sie als Geschäftsführer im Dauerstress die Überlastung abbauen – meine Tipps

Dauerstress – wie er entsteht: Das schleichende Gift

Viele meiner Klienten, Unternehmenslenker, Geschäftsführer, Vorstand, Führungskraft des C-Level-Managements, bewegen sich oft jahrelang an der Schmerzgrenze oder gehen darüber hinaus. Das war so nicht geplant, hat sich „ebenso ergeben“.

Die Entwicklung zum Dauerstress beginnt ganz harmlos: Am Anfang ist es noch die Euphorie, etwas bewegen zu wollen. Vielleicht haben Sie Ihre Position neu übernommen. „Da muss man doch Einsatz zeigen und mal auf die Tube drücken, oder?“ Sie wissen, dass dies eine Ausnahmephase ist, „Später wird es ruhiger“. Nach einigen Mühen stellen sich die ersten Erfolge ein, die Motivation in diesem Tempo weiter zu arbeiten ist hoch. „Diese Phase muss ich doch ausnutzen!“

Vielleicht kommt dann eine schwierige Phase, oder sogar eine Krise „jetzt muss ich die Zähne zusammenbeißen und mit gutem Beispiel vorangehen.“

…Soll ich noch weiter fortfahren oder erkennen Sie das typische „Muster“, wie aus Begeisterung Dauerstress wird? Eben schleichend. Und das ist das Fatale daran.
Damit möchte ich Sie nicht kritisieren. Im Gegenteil, denn das Phänomen des Dauerstresses kennen i. d. R. nur die richtig Guten, also die High Performer und Leistungsträger, wie ich sie an verschiedenen Stellen schon beschrieben habe.

Wie Sie Stress erkennen! Was sind die Symptome?

Ehrlich gesagt, häufig erkennen wir selbst die Symptome von Dauerstress nicht wirklich, Nein, das ist nicht wahr. Wir verdrängen sie.

Aber unser Umfeld erkennt sie sehr wohl. Wir hören dann häufiger: „Du bist so griesgrämig!“ – „Du wirkst wie unter Strom“ – „Du hörst ja gar nicht mehr zu!“ – „Mit Dir kann man gar nicht mehr reden!“ – Oftmals fühlen wir uns dann auch noch angegriffen, nicht gesehen und wertgeschätzt. Immerhin verzichten wir doch auf soooo viel und kümmern uns nur um die Belange des Unternehmens, der Mitarbeiter, der Kunden, der Familie…

Werden wir mal konkret: Die Auswirkungen von Stress äußern sich vielfältig. Die meisten davon sind bei langanhaltender Überbelastung äußerst gefährlich. Ich lenke mal Ihren Blick auf die körperliche Ebene. Hier können Sie Stress oder Dauerstress an folgenden „Alarmzeichen“ erkennen:

  • Herz- und Kreislaufbeschwerden wie Bluthochdruck, Schwindelgefühle, Herzrasen und Atembeschwerden
  • Kopf-, Nacken-, Rücken- und Gelenkschmerzen
  • Magen-Darm-Erkrankungen wie Durchfall, Verstopfung, Reizdarm und Sodbrennen
  • unkontrollierbare Symptome wie Zuckungen und Muskelkrämpfe
  • Schlafstörungen, chronische Müdigkeit, Erschöpfung
  • Hautreaktionen

Bei wie vielen Punkten können Sie schon ein (kleines) „Ja“ formulieren?

Anhaltende Belastung: Stress und seine Folgen

Das kann psychische und physische Konsequenzen haben, vom Burnout bis zum Herzinfarkt. Ja, das haben Sie auch schon mal gehört oder gelesen. Aber: das hat ja mit Ihnen nichts zu tun, Sie haben doch Ihr Leben im Griff, gleichen den Stress mit Sport aus. Am besten mit Marathon oder Triathlon, oder?

Das Problem: Wenn man erstmal in dem Teufelskreis drin ist, scheint es schwer, ihn zu durchbrechen. Wer sich als Geschäftsführer im Dauerstress befindet, der gesteht sich oft erst recht keine Pause zum Atemholen und zur Reflexion zu, was denn eigentlich schiefläuft. Schließlich sind da ja so viele Tagesaufgaben und der Berg wird immer größer und größer. Dieser Hochleistungs-Persönlichkeitstyp hat zudem oft nicht gelernt, sich selbst Pausen zuzugestehen und in sich hineinzuhorchen. So wichtig will er sich gar nicht nehmen. Zudem interpretiert er seine Überlastung und Unzufriedenheit fälschlicherweise als Schwäche. Dass das alles „Fehlannahmen“ sind und Sie sich selbst damit ganz schön hinters Licht führen, werde ich nachher noch weiter ausführen.

Dauerstress geht auch SIE was an: Wenn das Maß voll ist.

Ich möchte daher an dieser Stelle die Folgen von Dauerstress noch einmal auf den Punkt bringen. Leider lege ich dabei den Finger in die schmerzhafte Wunde und ich hoffe, Sie als Geschäftsführer und C-Level verzeihen mir die Deutlichkeit.

Die bei Stress ausgeschütteten Hormone sind dann gefährlich für Ihre Gesundheit, wenn Sie – wie bei Dauerstress – zu häufig ausgeschüttet werden und der Körper sich daran gewöhnt. In Folge entwickelt sich ein Stress-Symptom nach dem anderen. Doch irgendwann ist das Maß voll. Stresshormone wie Kortisol schwächen die Immunabwehr und Stress-Symptome wie Erschöpfung, Depression oder Krankheiten treten auf.

Dauerhafter und belastender Stress schaden der körperlichen Gesundheit und der Seele und können Stressfolge-Erkrankungen auslösen. Beispiele hierfür sind:

  • Burnout
  • Depressionen
  • Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS)
  • Angst und Angststörungen
  • Zwangsstörungen
  • Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit
  • Suchterkrankungen
  • Essstörungen

Wollen Sie das? Ich glaube kaum.

Als Geschäftsführer im Dauerstress – ein Praxisbeispiel

Als der 58-jährige Mit-Geschäftsführer eines mittelständischen IT-Unternehmens zu mir ins Coaching kommt, hat er seine persönliche Überlastungsgrenze schon seit mindestens zwei Jahren überschritten. Er reagiert nur noch und agiert nicht mehr. Er hat Angst einen Herzinfarkt zu bekommen.

Nach außen sieht das alles nach einer Bilderbuchkarriere aus. Ihm wurde sogar die Position als Vorstand angeboten. Trotzdem ist er total unzufrieden und unglücklich. Eigentlich weiß er gar nicht so recht, was mit ihm los ist. Die langen Tage haben ihm doch früher nichts ausgemacht, klagt er. Er schiebt es auf sein Alter. Ganz typisch ist das Tempo, das er vorlegt: Er will gaanz schnell, möglichst sofort eine Lösung und bucht gleich ganze Coaching-Tage, damit wir ja keine Zeit verlieren. Er überfordert sich nicht nur im Job, sondern auch im Coaching komplett.
Sein Wunsch: „Geben Sie mir eine Methode für den Dauerstress, dann wird es schon gehen“. Die Fantasie: „Mit gehörigem Tempo, einer oder mehrerer Methoden oder Tools wird dieser Stress schon wieder verschwinden. Dann habe ich alles wieder „im Griff“.“

Schnell verpufft der Druck

Ich bremse ihn erstmal etwas aus, hole ihn auf den Teppich, wir reduzieren auf halbe Tage. Es ist nun mal so: Wenn man über Jahre Unzufriedenheit, Überlastung und Dauerstress ignoriert hat, lässt sich nicht mit einem kurzen Fingerschnippen das ganze Problem lösen. Trotzdem ist schon nach ein bis zwei Coaching-Terminen die Last bei meinem Klienten deutlich geringer. Endlich kann er über seine Gefühle reden, endlich hat er ein Gegenüber, das ihn wirklich versteht. Allein dieser Austausch macht unglaublich viel aus. Der ganze selbst aufgebaute Druck verpufft schnell und so kommen wir bald auf die wirklichen Gründe für seine Unzufriedenheit und seinen Dauerstress.

Als Geschäftsführer im Dauerstress – viele mögliche Gründe

Wie stets greifen hier verschiedene Aspekte ineinander. Zum einen beschäftigt ihn sein Alter: Was soll eigentlich passieren, wenn er in Rente geht? Er ist auf der Sinnsuche. Dann passt ihm die Kultur in „seinem“ Unternehmen nicht wirklich und er ist darüber hinaus im Dauer-Clinch mit dem Co-Geschäftsführer. Außerdem fühlt er sich aufgefressen vom operativen Tagesgeschäft – Aufgaben, die ihm überhaupt nicht liegen. Dann liegt ihm das Vorstands-Angebot im Magen: Wird dann nicht alles nur noch schlimmer? Wenn er sich schon als Geschäftsführer völlig überlastet fühlt, wie wird es erst dann?

Andererseits: Kann er es überhaupt mit sich vereinbaren, so ein Angebot abzulehnen? Ich möchte Ihnen jetzt nicht zu viel verraten. Aber nach und nach – mit den richtigen Fragen, mit Methoden wie dem Chipkarten-Modell und der Traumreise – hat mein Klient zu all diesen Punkten eine innere Klarheit entwickelt. Und diese gab ihm die Gestaltungsfreiheit, die Vorstandsposition abzulehnen, mit seinem Co-Geschäftsführer eine Linie zu finden, die beide zufriedenstellt, sich aus dem Operativen peu à  peu zurückzuziehen und den Kulturwandel im Unternehmen voranzutreiben.

Heute – 2 Jahre später – ist vom Aufhören keine Rede mehr. Im Gegenteil, er gestaltet den Kulturwandel im Unternehmen. Er hat ein Gespür bekommen, wann seine Grenze erreicht ist und weiß Maßnahmen, wie er es erst gar nicht mehr zum Dauerstress kommen lässt. Er hat seinen ganz individuellen „Plan“ entwickelt und setzt ihn um.

Wie Sie als Geschäftsführer im Dauerstress die Überlastung abbauen – meine Tipps

  • Respektieren Sie Ihren Leistungstyp!
    Im Rahmen meines bioSystemik®-Managementkonzepts führe ich gerne Vergleiche mit der Natur an. Schauen Sie sich Raubkatzen an. Löwe und Gepard sind auf ihre Art mit völlig unterschiedlichen Leistungssystemen erfolgreich. Viele Geschäftsführer gehören zum Typus Gepard. Sie können sehr schnell unglaublich viel leisten – dann aber brauchen sie Pausen, um ihre Batterien wieder aufzufüllen. Vernachlässigen Sie das nicht und finden Sie heraus, was Ihre idealen Akku-Ladestationen sind.
    Lesen Sie hier, wie der leitende Oberarzt seinen Dauerstress abbaute.
  • Delegieren Sie!
    Wenn Sie als Geschäftsführer zu sehr im Tagesgeschäft eingebunden sind, führt das nicht nur zu persönlicher Überlastung, Sie können auch Ihren eigentlichen Aufgaben nicht nachgehen. Gehen Sie dieses Thema an, delegieren Sie operative Aufgaben an Ihre Führungskräfte und holen Sie sich nötigenfalls Unterstützung.
  • Was macht Ihnen Stress?
    Machen Sie sich bewusst, was Sie wirklich belastet und zu Dauerstress führt. Sind es wirklich die vielen Aufgaben, oder sind es evtl. auch emotionale Dinge, die nicht viel Zeit, aber sehr viel Energie fressen? Entwickeln Sie Ihr persönliches Stressmanagement.
  • Balance-Management – statt Work-Life-Balance
    Weiter oben habe ich beschrieben, wie viele mit dem Dauerstress umgehen: Nicht nur hohe Anforderungen im Beruf, sondern auch ein volles Privat-Leben.  Gefüllt mit Leistungssport, familiären Verpflichtungen oder anderen „Höchstleistungen“. So übertragen sie den Dauerstress im Beruf nun auch auf das Privatleben und nennen das Work-Life-Balance. Ich selbst nenne es Dauerstress in allen Lebensbereichen. Versuchen Sie es stattdessen mal mit Balance-Management. Lesen Sie, wie ein Geschäftsführer dies für sich umgesetzt hat und wieder richtig Urlaub machte.
  • Die Krux mit Multitasking – Multitasking frisst Zeit!
    Es gibt immer noch den ein oder anderen, der glaubt Multitaskingfähig zu sein. Jetzt ist es endgültig widerlegt. Multitasking ist DER Produktivitätskiller. T3N formuliert: „Schließlich könne sich das Gehirn beim Multitasking nie auf eine Sache einstellen und springe immer nur hin und her. So entstehen Mitarbeiter, die sich nicht 100-prozentig auf eine Sache konzentrieren können, dadurch langsamer arbeiten und weniger aufmerksam sind. Multitasking frisst Zeit. Um wirklich effektiv zu arbeiten, sollten sich Berufstätige immer nur auf eine Sache konzentrieren – das spare bis zu 40 Prozent Arbeitszeit ein.
    https://t3n.de/news/produktivitaetskiller-multitasking-1130147/
  • Professionelles Reflektieren:
    Nehmen Sie sich 1 – 2 mal im Jahr die Zeit herauszufinden, wo Sie stehen, was gut läuft und was nicht und korrigieren Sie wenn nötig Ihren Kurs.

Fazit:

Jetzt wissen Sie, wie es um den Dauerstress steht. Meistens entsteht er schleichend, zunächst aus Lust und Motivation, bevor er zur Belastung führt. Es gibt zahlreiche Symptome, an denen Sie Dauerstress erkennen können. Handeln Sie bitte, bevor Sie die Folgen von Dauerüberlastung zu spüren bekommen. Erkennen Sie sich in dem Beispiel des 58-jährigen Geschäftsführers wieder? Die Ursachen für  Dauerstress liegen nicht nur in der vielen Arbeit, sondern häufig in nagenden Fragen, auch Sinnfragen. Im letzten Abschnitt haben Sie ein paar wertvolle Impulse erhalten, wie Sie den Dauerstress abbauen. Ihren Dauerstress!

Nehmen Sie sich jetzt bitte EINEN Aspekt vor, den Sie ausprobieren und Erfahrungen sammeln, wie Sie damit Ihren Dauerstress abbauen.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Experimentieren.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

P.S. Wollen Sie in einer Gruppe Gleichgesinnter erfahren, wie Sie Ihren Dauerstress wirksam in den „Griff“ bekommen? Wollen Sie die Erfolgsstrategien von anderen erfahrenen Führungskräften erfahren? Dann nutzen Sie das Online-Gruppen-Coaching “Leaders Lap – Ihr Sprung in die nächste Liga”.
Hier finden Sie alle Infos

Bildquelle: Depositphotos #92589706 ©photographee.eu

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager