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Sie sind auf eine dringende Entscheidung angewiesen, doch Ihr Chef entscheidet nicht? Die Zeit drängt, doch Sie bekommen einfach keine klare Aussage. Was machen Sie nun? Lesen Sie in diesem Artikel, wie Sie Ihren Chef doch noch zu einer Entscheidung bewegen. Egal ob im mittleren Management oder im Top-Management.

  1. Die Vorstellung von einem Chef
  2. Die häufige Realität im Führungsalltag
  3. Der Chef entscheidet nicht. Was können Sie tun?
  4. Vier Tipps, wie Sie mit einer solchen Situation umgehen können
  5. Nutzen Sie den 5-Schritte-Plan, um Entscheidungen zu forcieren

1. Die Vorstellung von einem Chef

Chefs: Die Rede ist viel von den Alpha-Tieren, jene die quasi schon zum Frühstücksei eine millionenschwere Entscheidung gefällt haben müssen, sonst fehlt ihnen dieser kleine Adrenalinkick am Morgen.

Viele haben die Vorstellung, dass ein „richtiger“ Chef sofort Entscheidungen treffen kann und wird. Immerhin ist er der „Boss“. Sein Job ist es Entscheidungen zu treffen, das kann man doch wohl erwarten, oder?

2. Die häufige Realität im Führungsalltag

Manchmal ist es genauso, wie Sie sich das vorgestellt haben.

Aber aus meinen Führungskräftecoachings weiß ich: es gibt auch das Gegenteil. Und der schwächelnde, blasse Vorgesetzte, der es augenscheinlich hasst zu entscheiden, ist gar nicht so selten.

Vielleicht glauben Sie jetzt „das kommt nur beim Teamleiter oder Abteilungsleiter vor.“ Also bei Führungskräften, die zum mittleren Management zählen? Weit gefehlt, bei diesem Chef kann es sich genauso gut um den Geschäftsführer, den Vorstand oder auch den Vorstandsvorsitzenden – also dem Top Management – handeln.

Dieses „Dilemma“ des „Nicht-Entscheidens“ kommt auf allen Führungsebenen vor.

3. Der Chef entscheidet nicht. Was können Sie tun?

Wie gehen Sie damit um, wenn so ein Typus vor Ihrer Nase sitzt? Wenn er mit seiner eigenen Starrheit auch alle um sich herum in Stillstand zu versetzen droht und letztlich Sie und Ihr Team die Leidtragenden sind?

Klar ist: Sie müssen etwas tun!

Stillhalten und aussitzen bringt nichts.

Klar ist aber auch: Es kommt sehr darauf an, auf welcher Ebene Sie selbst bzw. Ihr Chef sitzen.

Ganz oben kann es gefährlich ins Auge gehen, wenn Sie einfach machen und Ihren Vorgesetzten erst anschließend in Kenntnis setzen. Vor dieser Vorgehensweise – auch wenn Sie allzu verständlich ist, möchte ich Sie eingehend warnen.

4. Vier Tipps, wie Sie mit einer solchen Situation umgehen können

Nutzen Sie nachfolgende Impulse und Ideen, wie Sie sich in so einer verzwickten Lage verhalten können:

  1. ER muss entscheiden

    Grundsätzlich gilt: Sie brauchen Ihren Vorgesetzten! Um wichtige Entscheidungen voranzubringen und Abteilungs- oder Geschäftsbereichsziele zu erreichen, um innovative Ideen durchzusetzen, um neue Ziele zu definieren oder auch um Veränderungen anzustoßen.Sie können und sollen Ihrem Chef seine Entscheidungen nicht abnehmen. Es gilt das Gesetz: Treffen Sie nur Entscheidungen, die in Ihrem Verantwortungsbereich liegen.

    Damit das für Sie deutlicher wird nehmen wir uns ein Beispiel aus der Natur: Kennen Sie noch den Ersten Energieerhaltungssatz? In einem abgeschlossenen System (Ihrer Abteilung oder Ihrem Unternehmen) ist die Summe aller Energien konstant.

    Das gilt auch für Verantwortung: Die Summe der Entscheidungs-Verantwortung ist 100 %.
    Wenn Sie jetzt zu viel Verantwortung für die Entscheidung übernehmen, nehmen wir mal an 80 %. wieviel bleibt dann noch für den Chef? Genau „nur“ noch 20 %. Und wenn 20 % Entscheidungsverantwortung beim Chef liegen, glauben Sie, dass er dann aktiv wird? Insbesondere in Situationen wo ER entscheiden mus? Wohl eher nicht.

    Überlegen Sie daher zunächst:
    a) Gehört die Entscheidung in meinen Verantwortungsbereich? Ja? Dann übernehmen Sie selbst die Verantwortung für die Entscheidung. Entscheiden Sie – zu 100 %.
    b) Gehört die Entscheidung allerdings nicht in Ihren Verantwortungsbereich, dann übernehmen Sie dafür genau „0“ Prozent. Jetzt liegt also die Verantwortung für die anstehende Entscheidung bei Ihrem Chef. Und sollte auch genau dableiben.

    In Kurzfassung: „Pack die Verantwortung dahin, wo sie hingehört.“
    Mit diesem „Merksatz“ bzw. diesem physikalischen Grundgesetz lassen sich die nächsten Tipps viel leichter umsetzen. Versprochen!

  2. Beweggründe verstehen, Wut loswerden

    Wer es mit entscheidungsschwachen Vorgesetzten zu tun hat, ist oft sehr wütend und hat das Gefühl „Der WILL ja gar nicht entscheiden“. Tatsächlich stellt sich bei genauerer Sicht oft heraus, er KANN es nicht.Sie schütteln jetzt vielleicht den Kopf und denken: Mein Chef kann nicht? Was für ein Blödsinn. Er kann immer, immerhin ist er der Vorgesetzte.
    „Ich will, dass er eine Entscheidung trifft“ und vielleicht machen Sie sogar Druck. Falls Sie diesen Weg schon einmal ausprobiert haben, werden Sie meistenteils feststellen: Er trifft immer noch keine Entscheidung, und vielleicht genau deshalb.

    Die Beweggründe, warum jemand keine Entscheidungen trifft sind vielfältig. Oft handelt es sich um folgende – meist unbewusste – 4 Gründe:

    Das kann zum einen eine grundsätzliche Konfliktscheue sein. Dies kommt häufiger vor, als Sie glauben, auch auf den Obersten Ebenen.

    Was steckt dahinter? Diesen Führungskräften ist die Harmonie im Team oder in der Beziehung zum Mitarbeiter äußerst wichtig.

    Viele glauben, dass sie diese Harmonie gefährden, wenn Sie eine Entscheidung treffen, die der Meinung oder den Wünschen des Mitarbeiters nicht entspricht. Manche haben auch Angst, dass sie den Mitarbeiter verletzen, wenn sie sich so entscheiden.

    Aus dieser Sorge heraus treffen sie lieber keine Entscheidung oder hüllen sich in Schweigen. Das dies leider – auf lange Sicht gesehen – eher zu Konflikten und Krisen führt, wird in dieser Situation häufig vergessen.

    Genauso gut kann es vorkommen, dass der Vorgesetzte entscheiden soll, obwohl er das Thema nicht versteht, oder zumindest nicht so versteht, um eine konkrete Entscheidung treffen zu können.

    Vielfach erleben Sie auch, das Vorgesetzte – egal auf welchen Ebenen – GUTE Entscheidungen treffen wollen. Meistens finden Sie dies bei sogenannten „Perfektionisten“. Diese Chefs wollen keinen Fehler machen, und aus der Angst vor einem Fehler treffen sie lieber keine Entscheidungen.

    Ein weiterer Grund ist, das der Vorgesetzte selbst in der Klemme ist, er soll Entscheidungen treffen, ohne die genauen Hintergrundinformationen zu haben oder die Auswirkungen kalkulieren zu können. Vielleicht kennt er die Strategie seines eigenen Vorgesetzten nicht. Womöglich gibt es die klare Richtung auch (noch) gar nicht.
    Vielleicht gibt es noch mehr Gründe, doch diese 4 sind mir in meinen Managementcoachings am häufigsten begegnet.

    Nehmen Sie es nicht persönlich
    , wenn Ihr Chef nicht entscheidet. Sie haben jetzt schon 4 mögliche Beweggründe, warum Ihr Vorgesetzter keine Entscheidung trifft, oder treffen kann. Und alle 4 Gründe haben mit Ihnen nichts zu tun.

    Ich hoffe, dass sich die bei Ihnen angestaute Wut nun leichter verrauchen kann. Im nächsten Schritt können Sie nun strategisch klug vorgehen.

  3. Durchschauen Sie das Beziehungsgeflecht

    Unabhängig davon: Sie brauchen allerdings trotzdem eine Entscheidung!Wie jeder von uns, ist Ihr Chef Teil eines Beziehungsgeflechts und es lohnt sich anzuschauen, welche Rahmenbedingungen er in seiner Position hat. Um diese Zusammenhänge klar zu machen, arbeite ich als Führungskräftecoach mit der „bioSystemik®“, die Erfolgsstrategien aus der Natur für die Wirtschaft nutzbar macht.

    Das Beziehungsgeflecht im Top-Management ist zum Beispiel vergleichbar mit einem Ökosystem, das sich selbst regelt und steuert. Um es verstehen und für seine Vorteile nutzen zu können, muss man das komplexe Zusammenspiel der beteiligten Personen verstehen und mit politischem Kalkül agieren.

    Im sachlich- pragmatischen Mittleren Management dagegen punktet die Klarheit der Argumente, es geht um Inhalte und Ergebnisse.

  4. Agieren Sie entsprechend der Führungsebene

    Wer Entscheidungen forcieren muss, sollte also entsprechend der Führungsebene, mit der er es zu tun hat, argumentieren und so den Vorgesetzten in eine Situation bringen, in der er leicht entscheiden kann.Gehört Ihr Chef zum mittleren Management oder zum Top Management?

    Im Gespräch mit dem Top Management ist es ein No-Go, den Ansprechpartner unter Druck zu setzen. Hier kommen Sie mit offenen Fragen weiter als mit Vorschlägen.
    Im Gegensatz dazu können Sie den Chef im mittleren Management unter einen viel stärkeren sachlichen Zugzwang setzen.

5. Nutzen Sie den 5-Schritte-Plan um Entscheidungen zu forcieren

Egal, ob Ihr Vorgesetzter zum Mittleren Management oder zum Top Management gehört. Dieser 5 Schritte-Plan hilft Ihnen Ihren Chef zu einer Entscheidung zu bewegen.

  1. Was ist Ihr Ziel?

    Bevor Sie nun aktiv werden, sollten Sie im Vorfeld klar definieren, was Sie erreichen wollen.

  2. Gute Vorbereitung

    Bereiten Sie dann eine gute Entscheidungsgrundlage vor, einschließlich möglicher Alternativen. Psychologisch ist es klug, dem Chef das Gefühl zu geben, dass er entscheidet – obwohl es eigentlich Ihr Vorschlag ist.

  3. Klar bleiben

    Aber bei allem Verständnis, Respekt und Fingerspitzengefühl: Machen Sie klar, dass Sie die Entscheidung benötigen.

  4. Die Verantwortung für die Entscheidung bleibt beim Vorgesetzten

    Wenn das alles nichts hilft, muss von Ihnen ein klares NEIN kommen.
    Machen Sie deutlich, dass die Verantwortung für die Folgen fortan bei Ihrem Chef liegt.
    Offenheit entwaffnet: „Es tut mir fürchterlich leid. Die Rahmenbedingungen sind jetzt einfach so, dass wir nicht weiterkommen.“

  5. Konsequent bleiben

    Danach müssen sie konsequent bleiben: Die Arbeit an dem betreffenden Projekt darf erst dann weitergeführt werden, wenn die Entscheidung gefallen ist. Das hört sich jetzt vielleicht hart an.
    Bitte bedenken Sie: wenn Sie die Entscheidung für ein Thema übernehmen, was außerhalb Ihres Kompetenzrahmens liegt, dann überschreiten Sie eine Grenze. Und im Zweifelsfall kann man SIE für eine Fehlentscheidung verantwortlich machen.

Die wichtigsten Punkte finden Sie noch einmal in diesem Video zusammengefasst. Hier finden Sie auch ein kleines Beispiel, wie die Natur diese Herausforderung löst.

Denken Sie hierbei immer an den Energieerhaltungssatz: „Pack die Verantwortung dahin, wo Sie hingehört.“

Fazit:

In diesem Artikel haben Sie erfahren wie Sie mit Ihrem Vorgesetzten umgehen, wenn er keine Entscheidung tritt.
Sie wissen jetzt, dass der Chef unterschiedliche Beweggründe hat, die dazu führen, dass er keine Entscheidung treffen kann. Die wenigsten Gründe habe etwas mit Ihnen zu tun. Sie können Ihre Wut und Enttäuschung leichter kanalisieren.

Der Energieerhaltungssatz wird Sie ermutigen sich immer wieder an die 4 hilfreichen Tipps zu erinnern. Diese erlauben Ihnen den Chef leichter zu einer Entscheidung zu bringen.

Der 5-Schritte-Plan hilft Ihnen immer wieder Schritt für Schritt Ihren Chef zu einer Entscheidung zu bewegen. Sie wissen jetzt auch wie Sie das im mittleren Management und im Top Management umsetzen können.

Herzliche Grüße

Gudrun Happich

Gudrun Happich

P.S. Sie beschäftigen sich schon länger mit dem Thema „Entscheidungen“ und wollen das Sie schneller und leichter Entscheidungen treffen können ? dann finden Sie hier meinen Bestseller „Ärmel hoch! Die 20 schwierigsten Führungsthemen und wie Top-Führungskräfte sie anpacken.“ Vielleicht wollen Sie auch konkret umsetzen? Dann schreiben Sie mir eine Mail.

Bildquelle: Depositphotos 17122453 ©photography33

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei

CIO
Harvard Business Manager