Der Leistungsträger - Blog

Digitalisierung ist in aller Munde und damit verbunden auch immer wieder der Hinweis, dass sich unsere Arbeitswelt und natürlich auch die Führungswelt mit der Digitalisierung sehr verändern werden. Wir müssen uns anpassen heißt es. Wir müssen dies und wir müssen das, ein ständiger Innovationsdruck macht sich in Unternehmen breit. Viel zu schnell beugen wir uns diesem Druck und beginnen schnelle Entscheidungen hinsichtlich zukünftiger Unternehmensausrichtung zu fällen – um dann wenige Wochen später wieder eine andere Richtung einzuschlagen. Agilität scheint die einzige Lösung zu sein – aber ist dem auch wirklich so? Das Problem ist: Die Marktentwicklung, der Wettbewerb und unsere Kunden werden immer weniger planbar. Aus Angst davor in der digitalisierten Welt „unter zu gehen“ werden viele hyperaktiv – während andere vor lauter Resignation und Überforderung zu schlafen scheinen. Was tun?

Digitalisierung ist gut, wenn sie überlegt ist.

Bitte nicht falsch verstehen – ich mag Veränderungen und ich habe auch überhaupt nichts gegen Digitalisierung. Im Gegenteil: Fortschritt, Entwicklung und neue Wege finde ich als Biologin & Business Coach klasse. Jedoch bin ich ein großer Fan von überlegtem Handeln und das eben auch hinsichtlich der stattfindenden Digitalisierung.

Es ist wichtig sich als Unternehmer, Manager oder Geschäftsführer zu fragen wie die Digitalisierung in seinem Unternehmen sinnvoll Einzug halten kann. Welche Prozesse verbessert werden können, wie sich der Markt in seiner Branche verändert und wie er sich dort bestmöglich positionieren kann. Dies sind die ersten und vor allem grundlegende Entscheidungen, die nicht in Eile und unter Druck getroffen werden – aber natürlich auch auf keinen Fall verschlafen werden sollten.

Es ist die Aufgabe eines Unternehmers, Managers oder Geschäftsführers hier überlegt zu agieren und das Unternehmen mit Überzeugung vorneweg zu führen. Dennoch ist es an dieser Stelle absolut sinnvoll hierzu die Anregungen und Meinungen der eigenen Top-Führungskräfte im Unternehmen mit einzubeziehen. Nicht selten sehen Sie den Markt durch eine andere Brille und es entstehen im gemeinsamen Austausch wertvolle, konstruktive Gedanken und Ideen. Es ist wichtig hier gemeinsam eine klare Positionierung und Strategie zu entwickeln, die zum Unternehmen und vor allem zur Branche passt.

Die Trägheit der Umsetzung

Die eigenen Top-Führungskräfte in die zukünftige digitale Ausrichtung mit einzubeziehen ist auch hinsichtlich der Identifizierung des gemeinsamen Vorhabens sinnvoll. Nun muss die veränderte Ausrichtung in den Köpfen reifen und gelebt werden – eben auch von allen anderen Mitarbeitern, die im Unternehmen beschäftigt sind. Hierzu ist es besonders wichtig bei der Umsetzung und Führung in die digitalisierte Richtung die unterschiedlichen Arbeitstypen zu erkennen und richtig für die zukünftigen Schritte zu gewinnen. Natürlich gilt das für jedes Projekt innerhalb eines Unternehmens – aber für grundlegende strategische Neuausrichtungen umso mehr.

Zu den 11 Arbeitstypen aus der Studie „Work:design“ von Harry Gatterer und Thomas Huber vom Zukunftsinstitut in Kelkheim im Taunus habe ich mir bereits 2012 Gedanken gemacht und eine Umfrage erstellt, die ich gezielt an Personen aus diversen Wirtschaftsunternehmen gesendet habe. Mit der Bitte sich selbst einem zukünftigen Arbeitstypen zu zuordnen, Mehrfachnennungen waren dabei möglich. Das Ergebnis von damals

Arbeitstypen der Zukunft

spiegelt sich auch heute mehr und mehr hinsichtlich persönlicher Wünsche & Ziele in meinen Coachings wieder – verbunden mit den Herausforderungen einer jeden Führungskraft.

Worauf muss ich als Top-Führungskraft im digitalen Wandel achten?

Kurz: Sensibel auf sein Team achten und den Holzhammer in der Schublade lassen. Holen Sie jeden Einzelnen im Team genau dort ab, wo er steht. Das ist der beste Tipp, den ich Ihnen geben kann und zugleich er wichtigste, ich spreche da aus Erfahrung. Schauen Sie sich Ihr Team an und fragen sich: Welchen Arbeitstypen habe ich vor mir – was sind dabei seine Stärken und Schwächen? Fördern Sie dabei die Stärken und nehmen ihn mit auf die gemeinsame Reise. Es reicht schon lange nicht mehr aus, Führung allein mit den Adjektiven „operativ“ und „strategisch“ zu beschreiben. Die Top-Führungskräfte von heute brauchen die Fähigkeiten Herausforderungen in ihrem beruflichen Alltag möglichst flexibel und agil mit ihrem Team zu lösen. Hierfür sollten Sie ein gutes Gespür entwickeln und ihr Team spezifisch führen. Hierfür empfehle ich Ihnen, sich aktiv ihrem Team zu widmen und mit Ihnen zu agieren. Kommt ihr individueller Einsatz von Herzen, wird er es Ihnen mit Loyalität und persönlichem Einsatz danken. Orientieren Sie sich an Prinzipien wie: Offenheit, Transparenz und Selbstverantwortung. Führen Sie jeden Einzelnen in Ihrem Team auf seinem Weg dorthin. Im Zeitalter der Digitalisierung müssen wir Teamwork und Kommunikation komplett neu definieren.

Falls Sie jetzt denken „das klingt so einfach – klappt aber in der Realität nicht oder nur begrenzt“, dann verstehe ich Sie nur zu gut. Ich selbst habe jahrelang in der oberen Führungsebene gearbeitet und kenne die Herausforderung. Es ist definitiv kein Kinderspiel und es erfordert eine Menge Selbstdisziplin. Dennoch empfehle ich Ihnen diese Art der modernen Führung zu üben und mindestens zu versuchen, bei Schwierigkeiten nicht gleich aufzugeben. Denn Sie sind eine Führungskraft – also führen Sie! Suchen Sie sich gerne hierfür einen Sparringspartner, der mit Ihnen eben solche Fallbeispiele bespricht und mögliche Wege aufzeigt, Sie in Ihrem Tun unterstützt.

Moderne Führung im digitalen Zeitalter ist definitiv möglich – und zwar ohne, dass Sie sich dabei verbiegen und Ihre Persönlichkeit verlieren. Sofern Sie wollen.

Ich freue mich, mit diesem Beitrag zur Blogparade „How to succeed in permanent beta?“ #permanentbeta, initiiert durch Zukunft Personal, beizutragen.

Fotoquelle: iStock

 

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei