Der Leistungsträger - Blog

In meinen letzten Blog-Beiträgen ging es um verschiedene Aspekte rund um das Thema Urlaub. (Lesetipp: Als Unternehmer Urlaub machen) Dazu ist mir nun noch eine weitere spannende Geschichte eines Klienten eingefallen. Er hat die Haupt-Urlaubszeit in seinem Unternehmen einmal völlig anders genutzt und konnte so eine wichtige Frage für sich beantworten: Will ich Geschäftsführer werden? Vielleicht stehen Sie auch vor dieser Frage oder andere Entscheidungen im Job stehen an. Dann lassen Sie sich doch von dem zufälligen  „Sommerpraktikum“ meines Klienten inspirieren.

Position in der Geschäftsleitung.

Herr M. ist seit vielen Jahren im oberen Management eines mittelständischen Maschinenbauunternehmens erfolgreich. Er ist Anfang 50 und überlegt schon länger, ob er sich beruflich noch weiter entwickeln will. Grundsätzlich ist er sehr zufrieden mit seinem IST-Zustand, weiß aber: Wenn er den nächsten Schritt nach oben gehen will, dann sollte das zeitnah passieren. Während seiner Überlegungen hat man ihm eine Position in der Geschäftsführung angeboten. Zunächst ist er unentschlossen und weiß nicht, wie er vorgehen soll. Da seine Kinder schon erwachsen sind, hat er in diesem Jahr beschlossen seinen Haupturlaub im Herbst zu nehmen und die „Sommerferien“ über zu arbeiten. Diese Entscheidung bietet ihm die unerwartete Chance, sich über seine weitere Karriere klar zu werden.

„Sommerpraktikum“ in der Geschäftsleitung.

In der Firma ist wenig los, viele Mitarbeiter und Kunden sind während der Ferien im Urlaub. So ist in dieser Zeit mehr Gelegenheit für Gespräche mit anderen Kollegen, als es sonst der Fall ist. M. hat zudem deutlich mehr Kontakt zu den drei Herren, die sich derzeit die Geschäftsleitung teilen und ihn mit ins Boot holen wollen. Er nimmt an einigen „internen“ Meetings teil und lernt dadurch die Persönlichkeiten sowie den Umgang untereinander innerhalb der Geschäftsführung kennen. Er macht also eine Art ungeplantes “Sommerpraktikum“ in der Geschäftsleitung. Eine weise Entscheidung.

„In den Kindergarten will ich nicht.“

Während unseres Coaching-Termins formuliert er auf meine Nachfrage ganz klar: „In diesen Kindergarten will ich auf gar keinen Fall. Ich habe immer geglaubt, dass an der Spitze die fähigsten Leute sitzen, die das Gesamtwohl des Unternehmens im Blick haben. Da wurden aber nur Spielchen gespielt.“  Er erzählt mir von einem Meeting, in dem über ein millionenschweres Projekt entschieden werden sollte. Es wurden nur unsachliche Argumente hin- und hergeschoben – dabei standen persönliche Befindlichkeiten jedes Einzelnen im Vordergrund. Am Ende kam – wie so oft – nichts Zielführendes dabei raus. M. ist froh, diesen Einblick in die obere Führungsebene bekommen zu haben. Er kann aus dieser Erfahrung heraus, die Frage „Will ich Geschäftsführer werden?“ für sich mit einem klaren „Nein“ beantworten. Er will auf seiner Ebene bleiben. Dort hat er das Gefühl mehr gestalten und bewegen zu können. Ein Wechsel des Unternehmens kam für ihn nicht in Frage, weil er sich grundsätzlich sehr wohl fühlte. In unseren folgenden Coaching-Terminen ging es dann um die Thematik, wie sage ich ein Angebot, in die nächst höhere Führungsebene aufzusteigen, ab – ohne innerhalb der Firma an Einfluss und Wert zu verlieren. Ebenfalls ein spannendes Thema, dazu jedoch an anderer Stelle mehr.

Will ich Geschäftsführer werden? Meine Tipps!

  • Natürlich ist jedes Unternehmen anders. Nicht überall geht es an der Spitze so zu, wie von meinem Klienten beschrieben. Meist gibt es aber doch eine erstaunliche Kluft zwischen Top-Management und Geschäftsleitung bzw. Vorstand. (Lesetipp: Aufstieg in die Geschäftsführung – was nun?)
  • Um für sich eine kluge Entscheidung treffen zu können, sollten Sie daher alle verfügbaren Quellen nutzen, um zu erfahren, wie die Spielregeln an der Unternehmensspitzes ihres Unternehmens sind.
  • Lassen Sie sich nicht blenden – nicht vom Renommée der Position, dem Gehalt, der Einschätzung anderer. Nur, wenn Sie die Position im Einklang mit Ihrer inneren Überzeugung ausfüllen können, wird sie Ihnen Erfolg und Erfüllung bringen (Buchtipp: Was wirklich zählt! Mit Überzeugung führen)

Ihre Gudrun Happich

Fotoquelle: iStock

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei