Der Leistungsträger - Blog

Stellen Sie sich vor, Sie kommen als Führungskraft aus Ihrem Urlaub zurück und finden Veränderungen in Ihrem Verantwortungsbereich vor, die Ihren Planungen nicht entsprechen. Wenn Sie bei Entscheidungen übergangen werden, fühlen Sie sich vermutlich hintergangen und verraten. Sie sind wütend und enttäuscht. Was tun Sie? Wie reagieren Sie angemessen? Müssen Sie das hinnehmen? Genau diesen Fragen musste sich einer meiner Klienten im Executive Coaching stellen.

„Ich fahre nie wieder in Urlaub.“

Der Verantwortungsbereich meines Klienten in einem IT-Unternehmen ist mächtig im Umbruch. Vor seinem Urlaub versuchte mein Klient in seiner Rolle als IT-Leiter deshalb das Wichtigste zu organisieren: Er traf Entscheidungen (Lesetipp: 6 Strategien für erfolgreiche Entscheidungen) und hat sich mit Verantwortlichen anderer Abteilungen abgesprochen. Seine Kollegen sahen zwar manches anders, aber mein Klient blieb bei seinen Vorstellungen – immerhin ist es SEIN Bereich und SEINE Verantwortung, alles so zu strukturieren, wie er es für sinnvoll hält. Als er in den Urlaub fährt, glaubt er, alles in die richtigen Bahnen gelenkt zu haben. Bei seiner Rückkehr zwei Wochen später ist er daher völlig perplex: Entscheidungen für seinen Bereich, die ER getroffen hatte, wurden hinter seinem Rücken rückgängig gemacht. Stattdessen wurden andere Veränderungen durchgedrückt – für seinen Bereich, seine Mitarbeiter. Er ist zu Recht sauer – seine Wut und Enttäuschung bekommen in meinem Coaching einen Raum. Fast trotzig sagt er mir: „Ich fahre nie wieder in den Urlaub!“

Die Situation genau analysieren

Dann fragt er mich: Muss ich das jetzt so hinnehmen? Wir beleuchten die Situation aus allen möglichen Perspektiven: Was stört ihn wirklich? Das Ergebnis der Entscheidungen? Dass über seinen Kopf entschieden wurde? Dass er vor vollendete Tatsachen gestellt wurde? Wir hinterfragen die Motivation und möglichen Beweggründe für die Handlung der anderen Verantwortlichen. Dann skizzieren wir seine Handlungsmöglichkeiten:

A) Alles so lassen wie es ist und sich den neuen Gegebenheiten fügen
B) Das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen, seine Perspektive und auch seinen Standpunkt glasklar formulieren und vertreten
C) Einfach die getroffenen Entscheidungen ignorieren und SEIN Ding durchziehen.

Meine Tipps, wenn Sie bei Entscheidungen übergangen werden:

  • Mein Klient entscheidet sich für B, also ein klares Gespräch mit den Verantwortlichen. Diese Vorgehensweise empfehle ich auch Ihnen, wenn auch Sie bei Entscheidungen übergangen werden.
  • Formulieren Sie in dem Gespräch genau das, WAS Sie stört – klar, strukturiert, ohne große Emotionen. Im Vorfeld ist es deshalb sehr wichtig, erstmal Dampf abzulassen und Gefühlen Raum zu geben. Im nächsten Schritt sollten Sie die Situation genau analysieren und dabei auch mögliche eigene Fehler dabei nicht aussparen. Möglicherweise waren Sie im Vorfeld bei der Formulierung Ihrer eigenen Vorstellungen nicht klar genug und haben nicht deutlich Grenzen aufgezeigt?
  • Gehen Sie dann in einen konstruktiven Dialog mit den jeweiligen Ansprechpartnern. Bestehen Sie darauf, dass es hinter Ihrem Rücken keine Entscheidungen für Ihren Verantwortungsbereich geben darf. Wenn Sie bei Entscheidungen übergangen werden, untergräbt das Ihre Glaubwürdigkeit als Führungskraft massiv. Machen Sie den Verantwortlichen klar: Natürlich kann über anstehende Maßnahmen oder Veränderungen offen verhandelt und diskutiert werden, aber IMMER im DIALOG und niemals im Alleingang.

Wenn Sie mit dem nötigen Rückgrat und persönlicher Stärke auftreten, wird es wie bei meinem Klienten klappen. Die Entscheidungen, die während des Urlaubs meines Klienten gefällt wurden, wurden zurückgenommen. Eine ähnliche Situation ist ihm seitdem nie wieder passiert, weil er nun gelernt hat verstärkt mit der nötigen Klarheit aufzutreten. Und: Er fährt jetzt mit einem deutlich beruhigteren Gefühl in den Urlaub!

Ihre Gudrun Happich

Fotoquelle: iStock

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei