Der Leistungsträger - Blog

Viele meiner Klienten, Unternehmenslenker, Geschäftsführer, Vorstand, Führungskraft des C-Level-Managements, bewegen sich oft jahrelang an der Schmerzgrenze oder gehen darüber hinaus. Das kann psychische und physische Konsequenzen haben, vom Burnout bis zum Herzinfarkt. Das Problem: Wenn man erstmal in dem Teufelskreis drin ist, scheint es schwer, ihn zu durchbrechen. Wer sich als Geschäftsführer überlastet fühlt, der gesteht sich oft erst recht keine Pause zum Atemholen und zur Reflexion zu, was eigentlich schief läuft. Schließlich sind da ja so viele Tagesaufgaben und der Berg wird immer größer und größer. Dieser Hochleistungs-Persönlichkeitstyp hat zudem oft nicht gelernt, sich selbst Pausen zuzugestehen und in sich hineinzuhorchen. So wichtig will er sich gar nicht nehmen, zudem interpretiert er seine Überlastung und Unzufriedenheit fälschlicherweise als Schwäche.

Als Geschäftsführer überlastet – ein Praxisbeispiel

Als der 58-jährige Mit-Geschäftsführer eines mittelständischen IT-Unternehmens zu mir ins Coaching kommt, hat er seine persönliche Überlastungsgrenze schon seit mindestens zwei Jahren überschritten. Er reagiert nur noch und agiert nicht mehr. Er hat Angst, einen Herzinfarkt zu bekommen. Nach außen sieht das alles nach einer Bilderbuchkarriere aus, ihm wurde sogar die Position als Vorstand angeboten. Trotzdem ist er total unzufrieden und unglücklich. Eigentlich weiß er gar nicht so recht, was los ist mit ihm. Die langen Tage haben ihm doch früher nichts ausgemacht, klagt er. Ganz typisch ist das Tempo, das er vorlegt: Er will gaanz schnell, möglichst sofort eine Lösung und bucht gleich ganze Coaching-Tage, damit wir ja keine Zeit verlieren. Er überfordert sich nicht nur im Job, sondern auch im Coaching komplett.

Schnell verpufft der Druck

Ich bremse ihn erstmal etwas aus, hole ihn auf den Teppich, wir reduzieren auf halbe Tage. Es ist nun mal so: Wenn man über Jahre Unzufriedenheit und Überlastung ignoriert hat, lässt sich nicht mit einem kurzen Fingerschnippen das ganze Problem lösen. Trotzdem ist schon nach 1 – 2 Coaching-Terminen die Last bei meinem Coaching-Klienten deutlich geringer. Endlich kann er über seine Gefühle reden, endlich hat er ein Gegenüber, das ihn wirklich versteht. Allein dieser Austausch macht unglaublich viel aus. Der ganze selbst aufgebaute Druck verpufft schnell und so kommen wir bald auf die wirklichen Gründe für seine Unzufriedenheit und Überforderung.

Als Geschäftsführer überlastet – viele mögliche Gründe

Wie stets greifen hier verschiedene Aspekte ineinander. Zum einen beschäftigt ihn sein Alter: Was soll eigentlich passieren, wenn er in Rente geht? Er ist auf der Sinnsuche. Dann passt ihm die Kultur in „seinem“ Unternehmen nicht wirklich und er ist darüber im Dauerclinch mit dem Co-Geschäftsführer. Außerdem fühlt er sich aufgefressen vom operativen Tagesgeschäft, Aufgaben, die ihm überhaupt nicht liegen. Dann liegt ihm das Vorstands-Angebot im Magen: Wird dann nicht alles nur noch schlimmer? Wenn er sich schon als Geschäftsführer völlig überlastet fühlt, wie wird es erst dann? Andererseits: Kann er es überhaupt mit sich vereinbaren, so ein Angebot abzulehnen? Ich möchte Ihnen jetzt nicht zu viel verraten. Aber nach und nach – mit den richtigen Fragen, mit Methoden wie dem Chipkarten-Modell und der Traumreise – hat mein Klient zu all diesen Punkten eine innere Klarheit entwickelt. Und diese gab ihm die Gestaltungsfreiheit, die Vorstandsposition abzulehnen, mit seinem Co-Geschäftsführer eine Linie zu finden, die beide zufriedenstellt, sich aus dem Operativen peu a peu zurückzuziehen und den Kulturwandel im Unternehmen voranzutreiben. Heute – 2 Jahre später – ist vom Aufhören keine Rede mehr.

Als Geschäftsführer überlastet – meine Tipps

  • Respektieren Sie Ihren Leistungstyp. Im Rahmen meines bioSystemik®-Managementkonzepts führe ich gerne Vergleiche mit der Natur an. Schauen Sie sich Raubkatzen an. Löwe und Gepard sind auf ihre Art mit völlig unterschiedlichen Leistungssystemen erfolgreich. Viele Geschäftsführer gehören zum Typus: Gepard. Sie können sehr schnell unglaublich viel leisten – dann aber brauchen sie Pausen, um ihre Batterien wieder aufzufüllen. Vernachlässigen Sie das nicht und finden Sie heraus, was Ihre idealen Akku-Ladestationen sind.
  • Wenn Sie als Geschäftsführer zu sehr im Tagesgeschäft eingebunden sind, führt das nicht nur zu persönlicher Überlastung, Sie können auch Ihren eigentlichen Aufgaben nicht nachgehen. Gehen Sie dieses Thema an, delegieren Sie operative Aufgaben an Ihre Führungskräfte und holen Sie sich nötigenfalls Unterstützung
  • Nehmen Sie sich 1-2 mal im Jahr die Zeit herauszufinden, wo Sie stehen, was gut läuft und was nicht und korrigieren Sie wenn nötig Ihren Kurs

Ihre Gudrun Happich

Fotoquelle: iStock

 

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei