Der Leistungsträger - Blog

Wer für eine Vorstandsposition vorgeschlagen wird, ist in der Regel schon gut etabliert und vernetzt in einem Unternehmen. Trotzdem sollte man diesen Schritt nicht unvorbereitet angehen. Ganz oben weht die Luft meist noch einmal rauer. Nicht selten gelten auch in modern ausgerichteten Unternehmen im Vorstand dann doch wieder ganz andere, sehr konservative Regeln. Davon mag man persönlich halten, was man will – wer an die Unternehmensspitze will, der muss die Regeln kennen und beherrschen. Die Kunst besteht darin, das Spiel mitzuspielen und sich gleichzeitig innerlich nicht zu verbiegen. Denn ein solcher Erfolg wäre zu teuer erkauft. Also: Wie bereitet man sich auf eine Vorstandsposition vor?

Im Vorstand zählen Strategie, Taktik und Politik

Wie gesagt: Unterschätzen Sie den Sprung an die Unternehmensspitze nicht, auch wenn Sie schon ein “alter Hase” sind und sich auf den unteren Führungsebenen schon bewiesen und dadurch für mehr empfohlen haben. Im Vorstand verschiebt sich  der Schwerpunkt nochmal deutlich hin zu Strategie, Taktik und Politik weg von Leistung und Inhalt. Auch Top-Manager, die von ihrem politischen und strategischen Geschick überzeugt sind, können hier an ihre Grenzen geraten.

Wie bereitet man sich auf eine Vorstandsposition vor? Ein Praxisbeispiel

Einer meiner Klienten im Führungskräfte Coaching hatte eine steile Karriere in einem Pharmakonzern hingelegt, zuletzt als Geschäftsführer eines Tochterunternehmens. Sein Ziel war, in den Vorstand der Konzernzentrale aufzurücken. Der 47-Jährige war sich allerdings bewusst, dass dort mit harten Bandagen gekämpft wird und ihn teilweise Persönlichkeitstypen erwarten, die ihm so gar nicht liegen. Er hatte also ein durchaus realistisches Bild. Grundsätzlich rate ich Ihnen, bei einem solchen Karriereschritt, die eigenen Motive und Werte immer zu hinterfragen. Warum? Nun, es sollte wirklich Ihr Ziel sein, Sie sollten es aus Ihrer inneren Überzeugung heraus wollen. Nur so können Sie den Weg, der manchmal schwer sein wird, trotzdem mit Leichtigkeit gehen und Erfolg und Erfüllung verbinden. Mein Klient war in sich sehr klar und wusste auch, warum er nach ganz oben wollte: Seine Vision war es, den Kulturwandel im Unternehmen mitzugestalten.

Ein strategisches Netzwerk aufbauen

Um dies zu erreichen, baute er sich ein strategisches Netzwerk zu Schlüsselpersonen im Unternehmen auf, profilierte sich inhaltlich auf seinem Arbeitsgebiet und als Kenner in Sachen Kulturwandel. Ein solcher Prozess dauert in der Regel das eine oder andere Jahr. Mein Klient hatte wohl exakt in eine vorhandene Lücke gestoßen, denn er wurde bereits nach einigen Monaten für den Vorstand vorgeschlagen. Die Fragen, die er für die Bewerbung beantworten sollte, waren fast identisch mit jenen, die wir bereits im Executive Coaching durchgespielt hatten. Ich empfehle Sie auch Ihnen zur ersten Orientierung, wenn Sie die Frage umtreibt „Wie bereitet man sich auf eine Vorstandsposition vor?“

„Wie bereite ich mich auf eine Vorstandsposition vor?“ – erste Orientierungsfragen

  • Wie wollen Sie die nächsten 5 Jahre gestalten?
  • In welcher Phase befindet sich das Unternehmen?
  • Welche Rolle wollen Sie in dieser Phase einnehmen?
  • Wofür stehen Sie?

Um es kurz zu machen: Mein Klient hat den Vorstand überzeugt und ist so in die Vorstandsebene aufgerückt. Er hat den Kulturwandel nicht nur in seinem Unternehmen maßgeblich mitgestaltet, sondern gilt mittlerweile auch für die Presse als gefragter Experte auf diesem Gebiet. Nicht nur bei ihm, sondern auch bei anderen Klienten habe ich beobachtet, dass einer der wichtigsten Antworten auf die Frage “Wie bereitet man sich auf eine Vorstandsposition vor?”  der Aufbau eines strategischen Netzwerks war. Ohne Insider-Informationen und Mentoren an der richtigen Stelle ist es kaum möglich, ganz oben zu bestehen. Für meinen Klienten war es gar nicht so leicht, sich mit dieser Art des Networkings zu befreunden, ja, es war ihm sogar regelrecht zuwider. Es half hier, zwei Arten des Netzwerkens zu unterscheiden: Einmal das strategische Netzwerken, also Menschen, die man nun mal überzeugen muss, um seine Ziele zu erreichen. Und eine Community mit Personen, die ähnlich ticken, wie man selbst und denen man sich auch verbunden fühlt.

Ihre Gudrun Happich

Fotoquelle: ©iStock

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei