Der Leistungsträger - Blog

Ein Aufstieg in die Geschäftsführung ist ja erst Mal ein Grund zur großen Freude. Sie haben das geschafft, worauf Sie wahrscheinlich schon lange hingearbeitet haben. Super! In das erste Hochgefühl mischen sich aber nicht selten Zweifel und Unsicherheit. Wenn Sie als Führungskraft in die Geschäftsführung oder den Vorstand befördert werden, haben Sie auf einmal nochmal einen ganzen Rucksack mehr an Verantwortung und bekommen es mit einer sehr viel politischeren Art des Umgangs zu tun als auf anderen Führungsebenen.

Aufstieg in die Geschäftsführung – nicht zu unterschätzen

Ich habe vielfach Klienten im Executive Coaching erlebt, welche die Herausforderung, die ein Aufstieg in die Geschäftsführung bedeutet, komplett unterschätzt haben. Monate, manchmal Jahre später, sind sie völlig am Ende. Sie fühlen sich ausgelaugt, einsam und wissen eigentlich gar nicht so recht, was los ist mit ihnen. Sie sind an der Unternehmensspitze gelandet und fühlen sich trotzdem völlig machtlos, ohne jeden Gestaltungsspielraum. Wem können sie noch trauen? Wie sollen sie all den unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden? Wie können sie ihre eigenen Vorstellungen von Führung einbringen? Leider werden Top-Führungskräfte bei ihrem Rollenwechsel an die Spitze von Unternehmensseite oft völlig alleingelassen.

Von Erwartungen und vom Druck zerrieben

Nach dem Motto „Machen Sie mal“ werden richtig gute Spitzenleister so von den unterschiedlichen Erwartungen von allen Seiten und dem Druck zerrieben. Wer völlig unvorbereitet in das Abenteuer Vorstand oder Geschäftsleitung zieht, ist schnell überfordert. Aber das zuzugeben, fällt gerade diesem Persönlichkeitstypus, der sehr leistungsorientiert ist, oft sehr schwer. Und so holen sie sich oft erst Unterstützung, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist und viele eigentlich unnötige Reibungsverluste entstanden sind. Machen Sie es anders!

So gelingt der Aufstieg in die Geschäftsführung – ein Praxisbeispiel

Frau S. ist eine intelligente, hochmotivierte und gleichzeitig sehr empathische Frau. Die Volkswirtin ist in ihrer Karriere Schritt für Schritt die Karriereleiter in einem Energiekonzern höher gestiegen. Sie will etwas bewegen, gestalten, ihre Visionen von moderner Führung umsetzen. Als sie Mitglied der Geschäftsleitung wird, ist das für sie ein Schritt dem noch weitere folgen sollen. Umso überraschter ist sie, dass sie nach der Beförderung große Probleme hat. Ihr fehlen ihre Mitarbeiter, mit denen sie seit langem gearbeitet hat. Der raue Ton macht ihr zu schaffen. Noch bevor die Dinge völlig aus dem Ruder laufen, entschließt sie sich für ein Coaching. Als wir uns kennenlernen, ist sie zwar verzweifelt, aber nach wie vor überzeugt, dass sie ganz nach oben will. Schritt für Schritt arbeiten wir zusammen heraus, wie sie ihre neue Führungsrolle nach ihren Vorstellungen gestalten kann und die Politik im Top-Management für ihre Ziele nutzt. (Hier mehr zum Thema “Die ersten 100 Tage als Führungskraft meistern“)

Tipps für den Aufstieg in die Geschäftsführung

Drei Jahre später kommt sie wieder zu mir ins Executive-Coaching. Sie ist in die Vorstandsebene berufen worden. „Ich will nicht wieder den gleichen Fehler machen und erst Unterstützung suchen, wenn schon fast alles zu spät ist.“ Ihr Ziel ist, das Handwerks- und Rüstzeug für die Vorstandsebene mit mir zu erarbeiten, um sich dort nicht nur behaupten zu können, sondern sich selbst und ihrem Führungsstil treu bleiben zu können. Hier einige der Punkte, die für einen erfolgreichen Aufstieg in die Geschäftsführung wichtig sind:

  • Prüfen Sie, ob Sie von Ihrem Weg wirklich überzeugt sind, oder ob Sie ihn nur gehen, weil es der logische nächste Schritt ist oder andere ihn von Ihnen erwarten
  • Entwickeln Sie eine klare Vorstellung, wie Sie selbst führen wollen und moderne Unternehmensführung für Sie aussieht
  • Machen Sie sich klar, dass an der Unternehmensspitze völlig andere Spielregeln gelten. Statt Leistung und Inhalt zählen Strategie, Taktik, Politik
  • Bereiten Sie sich auf diese neue Welt mit Insidern vor
  • Schaffen oder suchen Sie sich ein vertrauensvolles Netzwerk aus Gleichgesinnten, die Ihre Themen nachvollziehen können

Ach ja, Frau S. hat es übrigens geschafft, auf der Vorstandsebene aktiv das Unternehmen mitzugestalten, ohne ihre eigenen Leistungs- und Wertegrenzen zu überschreiten. Sie hat ein Netzwerk für moderne Führung aufgebaut. Ich bin gespannt, was ich als nächstes von ihr höre!

Mehr Praxisbeispiele zum Thema “Neue Führungsrolle an der Unternehmensspitze” finden Sie hier. 

Ihre Gudrun Happich

Fotoquelle: ©iStock

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei