Der Leistungsträger - Blog

Heute habe ich eine tolle Lese-Empfehlung für Sie: „Wie man sechs Jahre lang bezahlten Urlaub machen kann“. Der Artikel ist zugegebenermaßen ziemlich lange, aber es lohnt sich. Die beiden Unternehmer Andreas Krebs und Paul Williams erzählen darin von Alphatieren und übergroßen Egos. Warum dieser Typus an der Unternehmensspitze besonders häufig anzutreffen ist und was er dort so alles anrichten kann, um eine erfolgreiche Unternehmensführung unmöglich zu machen.

Das Prinzip von Ursache und Wirkung

Das Ganze garniert mit vielen pointierten Beispielen und Zitaten. Ich habe den Artikel mit viel Vergnügen gelesen. Irgendwie ist es ja schon auch lustig, wie wenig der Mensch im Lauf der Geschichte gelernt hat in Bezug auf Werte, Ethik und das Prinzip von Ursache und Wirkung. Und nicht nur einmal musste ich heftig mit dem Kopf nicken: (zwischen-) menschliche Konflikte an der Unternehmensspitze, Ungelöstes, Unklarheit, Unsicherheit, Arroganz, all dies wirkt sich auf jeden Winkel des Unternehmens aus und kann eine erfolgreiche Unternehmensführung torpedieren.

Die Ampel auf tiefrot

Ich habe in meinen Executive Coachings dazu zahlreiche Beispiele erlebt. Ein 40-jähriger Klient etwa hatte vor 3 Jahren die Nachfolge seine Vaters an der Spitze eines mittelständischen IT-Unternehmens angetreten. Von außen sah erstmal alles recht gut aus: der Vater hatte gesagt, er hält sich aus allem raus. Der Firma ging es recht gut, der Klient war fachlich und menschlich für die Führungsrolle absolut geeignet. Als er zu mir ins Coaching kam, stand die Ampel trotzdem auf tiefrot: einige hochverdiente Mitarbeiter hatten gekündigt, die Zahlen sahen nicht besonders gut aus und der Klient wollte die Brocken am liebsten hinschmeißen.

Glaubenssätze auflösen

Im Verlauf des Coachings kamen mehrere ungeklärte Konflikte zu Tage:

  1. Der Vater hatte sich trotz seiner Ankündigung eingemischt und dem Sohn das Gefühl gegeben, nicht zu genügen. Hier galt es einige Glaubenssätze aufzulösen, die noch aus der Kindheit kamen.
  2. Der Sohn führte das Unternehmen so wie sein Vater weiter, wollte aber eigentlich einen modernen Führungsstil etablieren und dem Unternehmen seinen Stempel aufdrücken.
  3. Er hatte sich nie gefragt, ob er das Unternehmen eigentlich weiterführen will.

Als all diese unterschwelligen Konflikte angesprochen und geklärt waren, war von „aufgeben“ keine Rede mehr. Der Sohn hat seine Firma in eine erfolgreiche Zukunft geführt.

Konzentration auf das Wesentliche

Erfolgreiche Unternehmensführung und ungeklärte Konflikte an der Unternehmensspitze – das geht nicht zusammen. Das heißt andersherum, wie es in dem Artikel heißt:

„Je stärker sich ein Unternehmen auf seine eigentlichen Aufgaben konzentriert und je weniger es durch interne Auseinandersetzungen und wuchernde Bürokratie davon abgelenkt wird, desto sicherer wird es auf Erfolgskurs bleiben und externe Bedrohungen rechtzeitig adressieren.“

Ihr selbst seid der Minimumfaktor

Deshalb, liebe Unternehmenslenker: Denkt daran, dass Ihr selbst der Minimumfaktor, die wichtigste Säule für eine erfolgreiche Unternehmensführung seid. Bevor Ihr viel Geld für operativ-methodische Maßnahmen und Beratungsprozesse verbratet, löst eigene innere Konflikte und Unsicherheiten auf und schaut in die Tiefe: Es lohnt sich!

Ihre Gudrun Happich

Fotoquelle: ©iStock

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei