Der Leistungsträger - Blog

Erst vor kurzem habe ich dem unabhängigen Finanzforum „hermoney“ ein Interview gegeben zum Thema Frauen im Top-Management. Diese sind, wie wir alle wissen, nach wie vor in der Minderheit. Gleichzeitig konnte man neulich lesen, dass die (wenigen) Frauen, die in DAX-Vorstandsetagen arbeiten, erstmals mehr verdienen als ihre männlichen Kollegen. Glaubt man einer aktuellen psychologischen Studie sind diese Frauen wahrscheinlich narzisstisch, gleichzeitig aber sehr gewissenhaft und wenig neurotisch. In der Studie der Universität Sydney wurde untersucht, wie Persönlichkeit und Einkommen zusammenhängen.

Narzissten sind Großverdiener

Demnach verfügen Frauen und Männer, die über ausgeprägt narzisstische Charakterzüge verfügen, über das höchste Einkommen. Wer die Einstellung „Ich bin der/die Größte“ hat, verhält sich anders, traut sich mehr zu, ist überzeugt davon für Spitzenpositionen geeignet zu sein. So weit, so schlüssig. Interessant dabei: Frauen dürfen zwar narzisstisch sein, müssen aber gleichzeitig gewissenhaft und nicht neurotisch sein, um viel zu verdienen. Bei Männern ist der Narzissmus dagegen alleine Grund genug für ein Spitzeneinkommen.

Stereotypen, die längst widerlegt sind

Die Studie “Persönlichkeit und Einkommen” zeigt: Härte, Durchsetzungskraft, Unbeugsamkeit – all das gilt eben nach wie vor als a) typisch männlich und b) besonders karrieretauglich. Willkommen in der Welt der Stereotypen, die leider auch 2017 noch nicht ausgestorben sind und uns vermutlich noch lange begleiten werden. Obwohl schon zigfach das Gegenteil bewiesen wurde, hält sich nach wie vor hartnäckig die Meinung: Moderne Führungstypen, die über menschliche Qualitäten, Empathie und soziale Kompetenz verfügen, sind zwar sehr nett und bis zur mittleren Führungsebene gut zu gebrauchen. Ganz oben aber braucht es Alpha-Tiere, charismatisch, narzisstisch, ein bisschen psychopathisch, knallhart.

Schnelle Gewinne oder nachhaltiger Erfolg

Ich hatte im Executive Coaching schon Klienten, die in jedem Bereich überdurchschnittlich gut waren – Kompetenz, Engagement, soziale Kompetenz, Führungsqualitäten – und im Rahmen von Assessments für eine Spitzen-Führungsposition wegen mangelnder Härte ausgesiebt wurden. Einer war überaus beliebt in seinem Team – und genau das wurde ihm negativ ausgelegt. Eine sehr merkwürdige Art der Bewertung, oder? Schnelle Gewinne oder nachhaltiger Erfolg – viele Unternehmen entscheiden sich noch immer für ersteres und nehmen dafür einen autoritären, narzisstischen Führungsstil in Kauf.

Meine Empfehlung: Machen Sie es anders! Denn die so erkauften Gewinne, sind die Verluste von morgen.

Ihre Gudrun Happich

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