Der Leistungsträger - Blog

In der letzten Zeit häufen sich in den Medien Berichte über Vorstände und Top-Manager, die das Handtuch werfen und ihren hochdotierten Job hinschmeißen. Klar, über die wirtschaftlichen Konsequenzen müssen sich die Unternehmenslenker in der Regel keine Gedanken machen. Trotzdem sind diese Aussteiger an der Spitze ein relativ neues Phänomen. Viel zu hoch wäre der Prestigeverlust noch vor sagen wir zehn Jahren für die meisten gewesen. Aufgeben? Niemals! Ich doch nicht!

Angst vor neuen Wegen

Und heute? Aus der Erfahrung mit meinen Klienten im Executive Coaching heraus, stelle ich klar fest: Der Veränderungsdruck hat sich in den vergangenen Jahren noch mal deutlich erhöht. Im Zuge der Digitalisierung müssen im Bereich Führung neue Wege gefunden werden. Gerade für die heutigen Top-Manager, die in der Regel zwischen 48 und 57 Jahre alt sind, ist vieles, was nun diskutiert und zum Teil auch unter dem Schlagwort moderne Führung ausprobiert wird, gar nicht so leicht zu akzeptieren. Wer in seinem Führungsverständnis sehr konservativ sozialisiert wurde, hat schlicht oft zu wenig Vertrauen, um Verantwortung abzugeben.

„Ich will nicht mehr“

Natürlich wird das Gefühl „Es ist genug. Ich will nicht mehr funktionieren!“ aber auch noch von vielen anderen Aspekten gespeist. Neben dem privaten Umfeld (mehr Zeit für die Familie, Gesundheit…), spielen das konkrete Unternehmen („Ich werde nicht wertgeschätzt!“) und die konkrete Aufgabe („Ist es wirklich das, was ich bis zur Rente machen will. Kommt da noch was?“) eine große Rolle. Weitere Faktoren nennt der Artikel „Wenn Manager hinschmeißen“.

Vom Funktionierer zum Gestalter

Blinder Aktionismus (schneller Unternehmenswechsel, komplettes Aussteigen) bringt langfristig meist nichts und führt in eine Sackgasse. Meine Empfehlung: Wer als Unternehmenslenker in eine solche Krise gerät, hat die Chance mit Hilfe eines Sparrings-Partners genau hinzuschauen: Was will ich wirklich? Was ist meine tiefste innere Überzeugung? Was sind meine wirklichen Werte? Nur so kann man wieder vom Funktionierer zum Gestalter werden.

Ihre Gudrun Happich

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei