Die Welt wird immer ungerechter – was tun wir dagegen?

Die Welt wird immer ungerechter – was tun wir dagegen?

Haben Sie letzte Woche den TV-Bericht „Geld regiert die Welt“ gesehen? Falls nein: In der ARD-Mediathek können Sie das nachholen. Nehmen Sie sich doch die 40 Minuten Zeit, mich interessiert Ihre Meinung!

In dem Beitrag geht es um die Machenschaften und Schatten-Netzwerke der Finanzinvestoren. Ich finde, dass der Bericht sowohl das Ausmaß der Macht dieser vollkommen skrupellosen Finanzindustrie als auch den Einfluss, den sie auf jeden Einzelnen von uns, auf unsere Städte und Unternehmen hat, sehr gut darstellt.

Der Einfluss der Finanzindustrie auf jeden Einzelnen von uns

Ein Beispiel von vielen: Das schwäbische Unternehmen WMF, das von einem amerikanischen Investor aufgekauft wurde. Seitdem geht es nur noch um Gewinnmaximierung, die Produktion wurde fast vollständig nach Fernost ausgelagert, die Mitarbeiterzahl in Geislingen wurde von 7000 auf 1000 reduziert. Früher, sagt ein langgedienter Mitarbeiter, der dem Unternehmen emotional stark verbunden ist, seien die Chefs durch die Hallen gegangen und hätten gefragt, wie es geht. Heute lebt er jeden Tag mit der Angst vor der Kündigung. „Die Welt wird immer ungerechter“, resümiert Finanzexperte Prof. Dr. Max Otte. Immer weniger Menschen horten immer mehr Geld; 147 Unternehmen kontrollieren fast die Hälfte der globalen Wirtschaft. Die Finanzgeschäfte laufen weitgehend unbeaufsichtigt von der Politik. Soziale Errungenschaften werden mehr und mehr dem Profit  einer neuen Elite geopfert.

Was tun wir dagegen?

Wie geht es Ihnen damit? Mich macht es unsagbar wütend. Und ich möchte diese Wut konstruktiv nutzen und fragen: Was tun wir dagegen?
Als Executive Coach habe ich die letzten Jahre verstärkt mit Führungskräften zu tun, die unter der reinen Gewinnmaximierung – dem angelsächsischen Kapitalismus, wie es im Film heißt – leiden. Weil mir das Thema unter den Nägeln brennt, habe ich immer wieder Artikel dazu veröffentlicht (z.B. auf Karrierebibel Entmenschlichte Unternehmen – die Schizophrenie des modernen Managements). Und auch mein neues Buch Was wirklich zählt beschäftigt sich damit, was jeder Einzelne tun kann, um aus dem System auszusteigen und seinen eigenen Weg zu finden und zu gehen.

Das Limit ist erreicht

Ich denke – das Limit ist erreicht. Ich habe erlebt, dass 2013 bei vielen meiner Klienten ein extremes Jahr mit Anstrengungen, Belastungen, Ungerechtigkeiten war. In der Weihnachts-Auszeit haben die meisten die dringend notwendige Erholung nicht finden können.
Das Neue Jahr fängt nun mit der gleichen Belastung, dem gleichen hohen Tempo an, wie es aufgehört hat.
Ich habe von fast allen meiner Klienten und auch vielen Bekannten in letzter Zeit ähnliches gehört: „Ich komme irgendwie nicht rein, ich fühle mich aus dem Tritt; ich bin immer noch ausgelaugt, ich finde gar keine innere Lust und Ruhe auf die neuen Herausforderungen.“

Den Kopf in den Sand stecken?

Was also tun? Den Kopf in den Sand stecken, weil wir es ohnehin nicht ändern können, weil ohnehin einige wenige die Welt regieren? Nein, mit einer solchen Weltsicht möchte und kann ich nicht leben. Ich bin der Überzeugung, dass wir etwas ändern können. Wenn die gut ausgebildeten, engagierten, motivierten Leute sich nicht zum Spielball des Finanzsystems machen lassen; wenn Unternehmen, deren Kultur auf reine Gewinnmaximierung ausgerichtet, die Leistungsträger nicht mehr halten können; wenn Führungskräfte bei der Auswahl ihres Arbeitgebers nicht nur finanzielle, sondern auch ethische Aspekte berücksichtigen – dann kann sich etwas ändern. Denn ohne engagierte, leistungsfähige Mitarbeiter kann kein Unternehmen dieser Welt bestehen.
Und, ja, es gibt sie: Unternehmen, die Wert legen auf ihre Mitarbeiter, wo gelebt wird, was man sagt.  Wo es Spaß macht,  zusammen zu arbeiten, wo Entwicklungen gefördert und wertgeschätzt  werden. UND: Diese Unternehmen sind erfolgreich, auch wenn sie nicht unbedingt auf der Titelseite von einschlägigen Zeitungen stehen.
Achtet darauf:  Was zählt wirklich für Euch? Es ist  Eure Verantwortung, ob Ihr Leistung, Leidenschaft und Leichtigkeit (er)leben wollt oder von einem System-Fehler verschlissen werden wollt.

Ich freue mich auf Ihre Kontra- und Pro-Argumente und auf eine Diskussion über dieses wichtige Thema, das uns wirklich alle angeht!
Ihre Gudrun Happich

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4 Kommentare

  1. Guten Tag Frau Happich, „Wirtschaftliches Handeln muss dem Gemeinwohl dienen“ – das sieht Artikel 151 der Bayerischen Verfassung vor. Als ich Ihren Blogbeitrag gelesen habe, musste ich sofort an die Bewegung der Gemeinwohl-Ökonomie(GWÖ)denken.Ist Ihnen diese bekannt? Als gebürtige Münchnerin habe ich das erste Mal von der GWÖ-Bewegung interessanter Weise von einer Bank erfahren, und zwar auf einer Veranstaltung in München, auf der der Vorstandsvorsitzende der lokalen Sparda Bank die GWÖ in eindrücklicher Art und Weise vorgestellt hat: https://www.sparda-m.de/gemeinwohl-oekonomie.php
    Die GWÖ beruht auf denselben Grundwerten, die unsere Beziehungen gelingen lassen: Vertrauensbildung, Wertschätzung, Kooperation, Solidarität und Teilen. Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind gelingende Beziehungen das, was Menschen am glücklichsten macht und am stärksten motiviert. In Österreich gewinnt das Projekt „Demokratische Bank“ an Fahrt.

    Der Kopf der GWÖ und der „Demokratischen Bank“ ist Christian Felber, der dazu beitragen möchte, dass Geld zu einem dienenden Werkzeug für ein gutes Leben, für das Gemeinwohl wird. Heisst: Das Geld als Mittel (sowie es eigentlich gedacht ist) und nicht als Zweck anzusehen. http://www.christian-felber.at

    Viele Grüße. Nicola Hengst-Gohlke

    • Gudrun Happich

      Liebe Frau hengst-Gohlke,

      vielen, vielen herzlichen Dank !! Ich bin so froh und dankbar über Ihren Hinweis und den Artikel, denn das zeigt: da tut sich was !! und es gibt deutlich mehr Menschen, die sich für das neue nicht nur interessieren, sondern auch engagieren.
      Herzlichen Gruß
      Gudrun Happich

  2. Hallo Fr. Happich,

    beim Lesen Ihres Artikels spürt man regelrecht Ihre Emotionen, die Sie während des Schreibens begleitet haben. Die Dokumentation habe ich letzte Woche gesehen. Es ist schon erstaunlich, welchen Einfluss eine handvoll Banken auf das Wirtschaftssystem haben können. Sie erwähnen die gelebte Kultur der reinen Gewinnmaximierung, die in bestimmten Unternehmen praktiziert wird. Das wird von den Top-Level-Führungskräften (vor allem in Großunternehmen) vorgelebt. Die Vorbildfunktion und ethische Aspekte gehen dabei unter (ADAC lässt grüßen). Vor einigen Jahren kehrte Nokia Deutschland den Rücken, um in Rumänien staatliche Gelder für das Eröffnen einer neuen Fabrik zu kassieren. Ohne Skrupel ging es zwei Jahre später weiter nach China und in Rumänien wurden ebenfalls die Pforten geschlossen. Leider überwiegen häufig finanzielle Aspekte solche Geschäftsgebaren und selbst bei der Arbeitgeberwahl spielen sie m.E. die ausschlaggebende Rolle. Die Höhe des Gehalts stellt eine Verlockung dar, ob der Arbeitsvertrag vom Unternehmen A oder B angenommen wird, wenn die Wahl besteht. Dabei sollten Unternehmen jedoch auch eines immer bedenken: Wer wegen des Geldes kommt, geht auch wieder wegen des Geldes.

    Peter D.

    • Gudrun Happich

      Guten Tag Herr Peter D.,

      ja, Sie haben mti Ihren Beschreibungen – insbesondere was den letzten Satz angeht vollkommen Recht. Es läuft ja gerade eine Umfrage zum Thema: Vereinbarkeit von Erfolg von Inneren Werten. Die Beteiligung ist sehr sehr hoch und ich habe schon immer mal wieder auf die Zwischenergebnisse geschaut: Ich war fast sprachlos über das, was ich dort sehen durfte. Wenn die Umfrage vorbei ist, wird es hier im Leistungsträger-Blog dazu die Ergebnisse geben. Sie können gespannt sein, denn es passt sehr gut zum dem Film und auch zu dem was Sie beschreiben. Ich würde mir wünschen, wenn wir dann eine rege Diskussion erleben dürfen.

      Herzlichen Gruß
      Gudrun Happich

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