Der Leistungsträger - Blog

Dieser Eintrag ist Teil 2 von 3 aus der Blogreihe Wenn der Chef entscheidungsschwach ist

Wenn der Vorgesetzte langsam oder möglicherweise gar nicht entscheidet, kann das den ganzen Laden zum Erliegen bringen und die eigene Arbeit unmöglich machen. Was tun?

Im ersten Teil dieser Blog-Reihe ging es um Handlungsempfehlungen im mittleren Management. Hier sind klare, direkte Worte angesagt, auf der ersten Führungsebene sollten Sie dagegen behutsamer vorgehen. Im heutigen Blog stelle ich Ihnen, anhand eines typischen Beispiels aus dem Executive Coaching, Strategien für das Top-Management vor.

Außerhalb des Verantwortungsbereichs

Einem Vorstandsmitglied in einem großen Unternehmen unterstanden zwei Forschungsbereiche, die bislang getrennt geführt wurden. Es gab immer wieder Konflikte, die nun durch eine Umstrukturierung beseitigt werden sollten. Anstatt über die neue Struktur eine Entscheidung zu treffen, wies der Vorstand Bereichsleiter A an, er solle sich doch mit seinem Kollegen B über eine Lösung einigen.

Dem Bereichsleiter wurde schnell klar: Diese Angelegenheit lag eindeutig außerhalb seines Verantwortungsbereichs. Folglich konnte die Lösung nur darin liegen, den Vorstand dazu zu bewegen, die neuen Strukturen zumindest grob festzulegen und eine grundsätzliche Entscheidung zu treffen.

Im Führungskräftecoaching entwickelten wir eine Strategie aus folgenden Schritten:

  1. Der Bereichsleiter A hatte ein gutes Verhältnis zu dem Vorstand. Er nutzt dieses für ein sehr wertschätzendes und respektvolles Gespräch. Er beschrieb objektiv die aktuelle Situation und die daraus resultierenden Nachteile für das Unternehmen. Dann beschrieb er, welche Vorteile für den Vorstand entstünden, wenn eine Lösung gefunden würde – dass die Arbeit deutlich effektiver würde, dass damit ein Imagegewinn für den gesamten Unternehmensbereich verbunden wäre, was nicht zuletzt auch der Positionierung des Vorstands selbst zu Gute käme.
  2. Abschließend machte Bereichsleiter A bewusst keinen Vorschlag, sondern stellte die offene Frage, wie man eine Lösung am besten erreichen könnte.

Die Strategie funktionierte: Der Vorstand fing an, seine Sicht der Dinge darzulegen. Er beschrieb, wie er sich die Funktionen der Leiter A und B künftig vorstellte: „Ich denke mal, Ihre Rolle sollte eher diese sein, Ihr Kollege B könnte dann …“ Kurzum: Der Vorstand traf nun tatsächlich die notwendige Entscheidung.

Keinen Druck aufbauen

Der Bereichsleiter hat es durch die sehr behutsame Gesprächsführung geschafft, dass der Vorstand sich jetzt tatsächlich mit der Situation auseinandersetzte, die Vorteile einer Lösung und die Notwendigkeit seiner eigenen Entscheidung erkannte. Gleichzeitig – und das ist für den Umgang mit entscheidungsschwachen Vorgesetzten im Top-Management der zentrale Punkt – fühlte sich der Vorstand durch die objektive Situationsbeschreibung des Bereichsleiters weder unter Druck gesetzt, noch musste er einen Gesichtsverlust befürchten. Im Gegenteil: Ihm wurde eine Lösung offeriert, die seine eigene Position sogar stärken würde, weil sie vorteilhaft für das Gesamtunternehmen war.

Am kommenden Donnerstag werde ich Ihnen im abschließenden Video-Blog zu dieser Reihe nochmal die wichtigsten Punkte zusammenfassen, die es im Umgang mit entscheidungsschwachen Vorgesetzten zu beachten gilt.

Wie immer bin ich gespannt auf Ihre Erfahrungen!

Ihre Gudrun Happich

 

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