Der Leistungsträger - Blog

Dieser Eintrag ist Teil 1 von 3 aus der Blogreihe Wenn der Chef entscheidungsschwach ist

Jeder zweite Mitarbeiter in Deutschland findet, dass sein Chef zu lange zögert, bis eine Entscheidung getroffen wird – das zumindest ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der internationalen Unternehmensberatung Hay Group.

Auch im Executive Coaching klagen mir frustrierte Führungskräfte häufig, dass sie handlungsunfähig seien, weil ihr Vorgesetzter seiner Verantwortung nicht gerecht wird. Keine Frage – ein entscheidungsschwacher Vorgesetzter kann den ganzen Betrieb lahm legen. Sie befinden sich dauernd in der Warteschleife, weil Sie auf Freigaben des Chefs warten und können so Ihre Projekte nicht abschließen und Ziele nicht erreichen. Was also tun?

Da im mittleren Management und im Top-Management andere Gesetze herrschen, empfehle ich als Führungskräfte Coach meinen Klienten je nach Ebene eine etwas andere Strategie. Im heutigen Blog geht es darum, wie Sie mit einem entscheidungsschwachen Vorgesetzten im mittleren Management umgehen können, im nächsten Beitrag der Blog-Reihe gebe ich Ihnen Handlungs-Tipps für das Top-Management.

Konsequenzen aufzeigen

Im sachlich-pragmatisch dominierten Mittelmanagement können und sollten Sie Ihr Anliegen direkt kommunizieren. Meist hilft es schon, wenn Sie Ihrem Vorgesetzten deutlich machen, dass die Entscheidung definitiv nicht in Ihren Kompetenzbereich fällt und welche Konsequenzen ein weiteres Hinausschieben hat – etwa in der Art: «Ich brauche diese Entscheidung, sonst können wir nicht weiterarbeiten.»

Gründliche Vorbereitung

Bereiten Sie die Entscheidung fachlich und inhaltlich gründlich vor und tun Sie damit alles, um Ihrem Vorgesetzten die Entscheidung zu erleichtern. Im Gespräch können Sie sich dann als Experte positionieren: Stellen Sie die Situation dar, zeigen Sie die Alternativen auf und führen Sie aus, welche Argumente für die verschiedenen Alternativen sprechen.

Wenn der Vorgesetzte trotzdem keine Entscheidung trifft, sind weitere Schritte erforderlich. Die Strategie liegt darin, für den Vorgesetzten die Schwelle für die Entscheidung immer niedriger zu setzen.

Verständnis und Konsequenz zeigen

Fragen Sie Ihren Chef, bis wann Sie mit einer Entscheidung rechnen können und ob er noch eine Information benötigt. Signalisieren Sie ihm also, dass Sie Verständnis für sein Zögern haben – aber machen Sie deutlich, dass Sie seine Entscheidung brauchen.

Bleibt die Entscheidung weiterhin aus, sollten Sie Ihrem Vorgesetzten deutlich machen, dass Sie mit Ihrem Team gerne weiter an dem Projekt arbeiten würden, dies aber unter den gegebenen Voraussetzungen nicht möglich ist. Machen Sie deutlich, dass die Verantwortung für die Folgen nun allein bei ihm liegt. Das sollte ganz sachlich, ohne Härte im Ton geschehen, etwa: „Es tut mir leid. Die Rahmenbedingungen sind jetzt einfach so, dass wir nicht weiterkommen…”

Wenn der Vorgesetzte nun immer noch blockt, müssen Sie konsequent sein: Die Arbeit an dem betreffenden Projekt muss jetzt tatsächlich so lange ruhen, bis die Entscheidung da ist.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit entscheidungsschwachen Vorgesetzten?

Ihre Gudrun Happich

 

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