Der Leistungsträger - Blog

Im ersten Teil dieser Blog-Serie ging es um Strategien, wenn die Überforderung schleichend kommt und sie bei der Formulierung der Aufgaben noch nicht einschätzen konnten, ob sie zu bewältigen sind. Was aber tun, wenn Ihr Vorgesetzter ein Ziel formuliert, bei dem Sie von Anfang an wissen: „Das ist nicht machbar!“?

Angenommen Ihr Chef sagt: „Ich möchte, dass dieser Kugelschreiber von selbst nach oben fliegt.“ Ihre Aufgabe als Experte ist es, ihm zu erklären, dass dieses Ziel aufgrund der Naturgesetze nicht erreichbar ist. Sie könnten aber zum Beispiel anbieten, ein Gerät zu konstruieren, das den Kugelschreiber nach oben schiebt. Beharrt Ihr Vorgesetzter auf seiner Vorgabe, müssen Sie den Auftrag abgeben, denn es handelt sich definitiv um ein nicht erreichbares Ziel, für das Sie keine Verantwortung übernehmen sollten! Denn scheitert das Projekt – und es muss ja scheitern –, wird man niemand anders als Ihnen die Schuld anlasten.

Aus dem Notfall wird ein Dauerzustand

Leider sind in der Realität die Fälle selten so klar gelagert. Einem Klienten im Executive Coaching etwa waren interimsmäßig drei Führungspositionen angetragen worden. Er hatte die Aufgaben übernommen, weil er den Notfall einsah, hatte aber auch hinzugefügt: „Ich mache das nur für ein halbes Jahr!“ Neun Monate später hatte sich an der Situation nichts geändert. Der Manager war völlig überfordert. Vergeblich hoffte und wartete er auf ein Einlenken der Unternehmensleitung.

Dreiklang – klar, konsequent, konstruktiv

Tatsächlich war die Führungsebene selbst überfordert und froh über jede Aufgabe, die sie abgeben konnte. Es war also an meinem Klienten, aktiv zu werden und „Stopp“ zu sagen – klar, konsequent und konstruktiv. Genau in diesem Dreiklang liegt die Lösung:

  • Dem Vorgesetzten muss klar kommuniziert werden, wenn eine Aufgabe oder ein Ziel nicht realisierbar ist.
  • Wenn etwas nicht geht, muss man konsequent „Stopp“ sagen. Wer die Aufgabe im Zweifel dann doch übernimmt, lässt sich auf das Spiel ein – und darf nicht erwarten, dass der Vorgesetzte abbricht.
  • Wer Nein sagt, sollte trotzdem konstruktiv bleiben und einen konkreten Vorschlag machen, wie es weitergehen kann.

Genau nach diesem Schema ging mein Klient im Beispiel vor. Er formulierte einen klaren Zeitplan, innerhalb dessen die Unternehmensspitze einen Ersatz für zwei der vakanten Führungspositionen finden müsse – danach stehe er definitiv nur noch für eine der Stellen zur Verfügung. Und siehe da: die Unternehmensspitze reagierte!

Wenn der Chef stur bleibt

Manchmal beharrt der Chef aber auch trotz klarem, konsequentem und konstruktivem Vorgehen auf dem unrealistischen Ziel – Sie als Experte sollten dann die Verantwortung für das Ergebnis ausdrücklich ablehnen. Zu Ihrem eigenen Schutz kann es sinnvoll sein, die Ablehnung auch schriftlich zu formulieren (offizielles Schreiben oder E-Mail).

Im Blog am Donnerstag werde ich für Sie im Video nochmals die wichtigsten Punkte zusammenfassen, die es im Umgang mit nicht erfüllbaren Vorgaben zu beachten gilt!

Ich freue mich über Ihr Feedback und Ihre Erfahrungen!

Ihre Gudrun Happich

 

Executive-Coach Gudrun Happich schreibt auch bei