So bleiben Sie als Führungskraft handlungsfähig I

So bleiben Sie als Führungskraft handlungsfähig I
Dieser Eintrag ist Teil 1 von 4 aus der Blogreihe Wie Sie als Führungskraft handlungsfähig bleiben

Fühlen Sie sich auch manchmal wie fremdgesteuert, obwohl Sie in Ihrem Unternehmen eine leitende Funktion innehaben? Das Thema Handlungsfähigkeit gehört zu den Klassikern im Führungskräfte Coaching. Viele meiner Klienten schildern, dass ihnen „von oben“ ständig dazwischen gefunkt wird.

Gerade wenn Führungskräfte eine neue Position antreten, prasseln ständig neue Anweisungen ihres Vorgesetzten auf sie ein, die ein systematisches Einarbeiten unmöglich machen. Weitere Szenarien, die ich im Executive Coaching häufig zu hören bekomme: Der Chef zieht mitten im Projekt, ohne vorherige Absprache, einen Mitarbeiter ab. Eine ranghöhere Führungskraft wendet sich immer wieder direkt an das eigene Team.

Stopp: Bis hierher und nicht weiter!

Was rate ich als Führungskräfte Coach in solchen Situationen? Natürlich müssen Sie klare Grenzen ziehen und „Stopp“ sagen. Schließlich sind Sie für die Ergebnisse Ihres Teams verantwortlich. Gewinnen Sie Ihre Freiräume zurück! Es gilt, die eigenen Prioritäten deutlich zu machen und auch nach oben zu verteidigen, dabei aber diplomatisch und kooperativ zu bleiben. Wie könnte eine konkrete Strategie aussehen?

Ausnahme oder Regel?

Entscheidend ist zunächst: Ist Einmischung die Regel oder handelt es sich um einen einmaligen Fall, der voraussichtlich nie wieder vorkommt? Trifft letzteres zu, formulieren Sie ruhig Ihren Ärger, Sie können die Sache dann aber auch auf sich beruhen lassen. Oder Sie suchen das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten.

Wichtig: Treffen Sie erst die Entscheidung für oder gegen ein Gespräch und suchen Sie dann nach Argumenten! Falls Sie sich für ein Nein entschieden haben – gehen Sie zum Tagesgeschäft über. Sich weiter aufzuregen, wäre verschwendete Energie.

Das Gespräch gut vorbereiten

Nehmen wir an, in Ihrem Urlaub wurde ein Mitarbeiter abgezogen. Wenn Sie ein Gespräch führen wollen, können Sie ungefähr so vorgehen:

  1. Bitten Sie Ihren Vorgesetzten um ein Gespräch.
  2. Legen Sie in ruhigem Ton dar, dass es nicht fair ist, in Ihrer Abwesenheit eine Entscheidung zu treffen, deren Konsequenzen Sie nun tragen sollen.
  3. Formulieren Sie Ihr Ziel, zum Beispiel den Mitarbeiter wieder zurückzubekommen.
    Um Ihren Wunsch zu unterstützen, können Sie Ihre Argumente anführen. Aber seien Sie sich darüber bewusst, dass Sie zuerst die Entscheidung getroffen und dann die passenden Argumente gefunden haben. Die emotionale Brücke zu Ihrem Gegenüber finden Sie über das Gefühl, das durch Ihre Überzeugung entsteht (und nicht durch die Argumente).
  4. Bieten Sie eine gangbare Lösung an, mit der Ihr Ziel erreicht werden kann. Denken Sie an das Prinzip des Gebens und Nehmens: Was können Sie Ihrem Gegenüber anbieten, damit Sie bekommen, was Sie wollen?
  5. Schlagen Sie eine Regelung vor, wie in Zukunft in einem vergleichbaren Fall vorgegangen werden soll.

Im Executive Coaching erlebe ich aber auch häufig, dass die Einmischung des Vorgesetzten immer wieder vorkommt. Dies deutet auf ein strukturelles Problem innerhalb des Unternehmens hin, auf das Sie reagieren MÜSSEN! Mehr dazu im nächsten Beitrag der Reihe „So bleiben Sie als Führungskraft handlungsfähig“ am 5. März.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Fremdsteuerung im Management? Ich freue mich über Ihre Kommentare!

Ihre Gudrun Happich



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